Montag, 1. Juni 2020

Wir segeln in den 4. Coronamonat

März, April, Mai, Juni und immer noch sind viele Inseln geschlossen. Vor einem Vierteljahr hätten wir gar nicht geglaubt, dass man Inseln schließen kann und nun ist es zum Alltag geworden. Jeder hat sich mehr oder weniger daran gewöhnt und akzeptiert. Was soll man auch machen. Die Regierungen versuchen das Richtige zu tun. Was das ist, weiß keiner wirklich. Wissenschaftler widersprechen sich ebenso wie Politiker und jeder Mensch bildet sich seine Meinung oder quatscht eine andere nach. Letztlich versucht jedoch jeder seine Haut zu retten, den wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern oder einfach nur seinen Gewohnheiten und Zielen nachzugehen. 

Unseren Morgentee trinken wir heute bei absoluter Flaute. Bereits um kurz vor sieben ist es brütend heiß. Den Wind braucht man in der Karibik, um nicht zu schmelzen. Um acht frischt es ein wenig auf. Es reicht um loszulegen, aber nicht für 60 Seemeilen bis zum Dunkelwerden und auf den Motor haben wir keine Lust. Unsere Lady soll wieder wie gestern durchs Meer rauschen. Deshalb genügt uns die übernächste Bucht Canaries, an der ein weiteres stilles Fischerörtchen liegt. Wie in der letzten ankern wir auch hier allein. Das Wasser ist glasklar, so dass man den Grund in 10 Metern Tiefe erkennt und den Fischen auf den Rücken gucken kann. 

Gern würden wir an Land gehen und die nähere Umgebung erkunden. Das dürfen wir nicht. Seit Mitte März darf niemand mehr in St. Lucia einreisen. Über Nacht auf dem Wasser, im eigenen Boot werden wir offensichtlich geduldet, denn niemand kommt und beschwert sich. So dürfen wir einen ruhigen Tag genießen. Wie verhält es sich jedoch mit dem Wasser? Wenn ich baden oder schnorcheln gehe, verlassen wir formal Deutschland. Reisen wir bereits in St. Lucia ein, wenn wir in dessen Hoheitsgewässern schwimmen? Der Ausflug in die Unterwasserwelt lohnt sich. Bizarre Korallen, viele große Fischschwärme und sogar zwei Kalmare darf ich beobachten. Auch wenn sich diese Ausflüge ähneln, ich kann nicht genug bekommen. Wie ein Wald, eine Wiese oder ein Berg sind sie doch immer wieder einzigartig.

Für uns ein ganz neues Naturschauspiel präsentiert uns das Meer zum Sonnenuntergang. Während der feurige Ball am Horizont verschwindet, springen immer wieder riesige Fischschwärme  aus dem Wasser und bewegen sich wie dunkle Wellen über die glatte Oberfläche. Möwen kreisen über ihnen hinweg, tauchen in diese schwarzen Wolken ein und fischen sich ihr Abendessen aus der Luft. Leider kann ich das nicht fotografieren, denn das Licht verschwindet langsam und das Boot bewegt sich zu sehr. Aber diese Schwärme aus tausenden Tieren, die gemeinsam wie eines wirken, werde ich nicht vergessen.

Blick auf Canaries vom Ankerplatz

Blick vom Boot ins Wasser


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