Sonntag, 27. Dezember 2020

Weihnachten in der Karibik

Das Fest der Familie in der Ferne zu feiern, ist für uns nicht neu. Es gab Jahre, in denen waren die beiden Wochen über den Jahreswechsel die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen. Nun sind wir jedoch bereits so lange unterwegs. Die meisten unserer Lieben haben wir vor 18 Monaten das letzte Mal gesehen. Sie fehlen und die Weihnachtstage verdeutlichen es um so mehr. Insbesondere in diesem Jahr mit dem Wissen, dass die Beschränkungen, aufgrund des immer noch allgegenwärtigen Virus, meiner Mutti die erste einsame Weihnacht ihres Leben verursachen. Sie schlägt sich tapfer, aber schön ist das nicht. Immerhin ermöglichen das Internet und gut funktionierende Programme meistens eine unkomplizierte Kommunikation. Diese Anrufe sind jedoch nur ein unzureichender Ersatz. Wir sind unterwegs, dürfen die Welt sehen und auch Covid-19 konnte uns noch nicht wirklich aufhalten. Diese Reise ist ein großes Glück und man kann eben nicht alles haben. So müssen wir auf unsere Familie und Freunde vorerst verzichten.

Auch wenn derzeit nur wenige Segler unterwegs sind, so sind wir nicht allein. Unsere Tandemfahrt mit der Tomskii beschert uns ein Weihnachtsfest mit neu gewonnenen Freunden. Es gibt zwar keinen grünen Tannenbaum, aber karibische Weihnachtsdeko, Plätzchen, gemeinsame Essen, Weihnachtsmusik, kleine Geschenke und ein Spieleabend lassen die Tage besonders werden. Selbst Santa Claus kam auf einem Elektrofoilboard vorbei. Statt mit dem Snowboard durch den Pulverschnee zu surfen, genießen wir die Inselwelt der Bahamas mit Strandspaziergängen, Schwimmen und Kiten. In der Lagune wohnen Delfine. Sie kommen uns auf ihrer täglichen Runde regelmäßig besuchen und kreisen lange um die Boote während ihrer geruhsamen Futtersuche. So steige ich mit ins Wasser, treibe mit Schnorchel und Taucherbrille an der Wasseroberfläche und kann diese friedlichen Tiere unter mir beobachten.

Weihnachtsessen mit Yelena und Marcel auf der Tomskii Kastan

Charly mit Geschenken, Plätzchen und Weihnachtsbäumen aus Schneckenhäusern

Romantik zu zweit kommt nicht zu kurz.

Obwohl Weihnachten ein paar Touristen angekommen sind, sind wir fast allein am Strand.

Auch in der Karibik ist Santa Claus warm angezogen.

Direkt vor der Haustür eine wundervolle Bucht zum Kiten

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Willkommen auf den Bahamas

25 Stunden benötigen wir für die 169 Seemeilen von Luperón in der Dominikanischen Republik bis zur südlichsten Insel „Great Inagua“. Gemeinsam mit dem Postboot erreichen wir „Matthew Town“ am Nachmittag des 11. Dezember´s, was sich als etwas ungünstig herausstellt. Die Ankunft der Lieferungen, wahrscheinlich sind all die Weihnachtsgeschenke dabei, verursacht im Hafen große freudige Aufregung. Dementsprechend voll und laut ist es dann auch. Stefan benötigt vier Stunden, um uns in diesem Trubel einzuklarieren: alle Zettel auszufüllen, die bereits online im Voraus abgeschickt wurden, Pässe und Einklarierungspapiere wieder zu bekommen, eine Telefonkarte zu besorgen. Die Anzahl der auszufüllenden Formulare hat sich aufgrund der Gesundheitsüberprüfungen verdoppelt. Aber die Beamten sind freundlich, freuen sich über unser Ankunft und heißen uns warmherzig willkommen. Keine Anzeichen von Korruption oder anderweitigen Machtmissbrauch! Eher erkundigt man sich bei uns mehrfach, ob alles in Ordnung ist, wir noch etwas bräuchten und wünscht uns eine wunderbare Zeit in diesem Inselparadies. Drei Monate dürfen wir ohne weiteres Visum bleiben. Das sollte wohl reichen!

Wir entdecken den Ort, der an ein verstreutes Dorf erinnert und ein wenig Westernidylle versprüht. Die mit dem Giebel zur Straße ausgerichteten Häuser haben hölzerne Terrassen und Balkone, die beiden größeren sind der Supermarkt und das Rathaus. Eine Tankstelle mit einer überdachten Säule finden wir auch. Sie steht inmitten von brachliegendem Land. Das alte Fort aus Piratenzeiten wird als Betriebsgelände genutzt. Es bietet eine Menge Lagerkapazitäten. Zu jedem Grundstück gehört auch ein separates Haus, dass scheinbar zu zwei Dritteln in der Erde steckt. Das wird wohl so eine Art Schutzkeller sein, der im Falle eines heranziehenden Hurrikans aufgesucht werden kann. Warum dieses Dach nun aber besser halten soll, als das des eigentlichen Wohnhauses ist mir schleierhaft. 

Während wir auf der Hauptstraße entlang schlendern, werden wir von den Einheimischen außerordentlich freundlich begrüßt. Der Weg zum Leuchtturm ist lang und mehrfach fragt man uns, ob wir nicht im Auto mitkommen wollen. Das Allerbeste ist jedoch nach neun Corona-Monaten: der Leuchtturm ist geöffnet. Vorsichtig schauen wir in den staubigen und spinnenverwebten Hohlraum mit der typischen Wendeltreppe. Ein Gästebuch liegt auch dort, sieht jedoch eher wie ein mysteriöses, antikes Rezeptbuch eines längst verstorbenen Zauberers aus, so verstaubt und mürbe ist es bereits. Wir klettern hinauf, genießen auf der Galerie den atemberaubenden Blick auf die Insel, die riesige Lagune und hohe Salzberge am Horizont. Dann stehen wir sogar in der gläsernen Kabine ganz oben. Der Rundblick aus diesem runden Wintergarten ist fantastisch. Auf den Bahamas ist Landwirtschaft fast unmöglich. Es reicht wohl nicht einmal für den Eigenbedarf. Dafür freuen sich die Tiere über ausgedehnte naturbelassene Areale. Ein Paradies für Vögel, Schmetterlinge, Leguane und Reisende wie uns.

Nach einer schaukeligen Nacht wechseln wir die Bucht und später die Insel. Auf den Acklins bietet sich eine Strandwanderung an und nebenbei kann man Schnecken für die nächste Mahlzeit sammeln. Über Long Cay wechseln wir dann nach Long Island und tasten uns vorsichtig in die geschützte Buch von Little Harbor. Man hat fast das Gefühl allein zu sein. Erst auf dem Land entdecken wir, dass hier, inmitten all der Palmen und Mangroven, auch einige Menschen leben. Allein sind wir jedoch nicht. Seit Luprón segeln wir gemeinsam mit der Tomskii Kastan und deren Crew Marcel und Yelena. Das erste Mal haben wir uns auf so eine Tandemreise eingelassen. Das fröhliche, begeisterungsfähige und positive Pärchen in unserem Alter passt zu uns. Nur wenige Segelboote sind unterwegs und so genießen wir dieses selten gewordene Glück. Wir besprechen die Routen, checken die Ankerplätze und tauschen uns aus. Das fühlt sich insgesamt sicherer an. Abwechslungs- und ereignisreich ist es so auch. Gemeinsame Ausflüge, Lagerfeuer am Strand, leckere Mahlzeiten an Bord… Langeweile kommt nicht auf, wir lachen viel, hören und erzählen Geschichten.

Long Island ist wirklich lang. Trotz guter Winde benötigen wir zwei Tage um die Nordküste zu umrunden. Dann gehts am 23. Dezember Richtung Georg Town. Dort müssen wir unseren zweiten Coronatest machen. In der vorgelagerten Lagune wollen wir Weihnachten verbringen. Sie zieht sich zwischen Great Exuma und Stocking Island entlang, welche wie eine natürliche Mohle vor der langen Dünungswelle schützt. Die Eingangspassage ist schmal und das schäumende Weißwasser lässt unsere Lady erneut in einem Wellenrodeo springen. Der Capitano nutzt neben den üblichen Karten die Luftbilder von Google und das ist auch ganz gut so. Wir kommen heil in die ruhigeren Gewässer vor Georg Town.

Great Inagua, Leuchtturm: warmherziger Empfang und offene Türen

Acklins, China Hill: Den Wettlauf mit der Zeit verlieren wir zum ersten Mal und müssen im Dunkeln ankern.

Acklins, China Hill: Strandwanderung

Unterwasserwelt Bahamas: ein prächtiger Feuerfisch

Gemeinsames Baracudaessen, natürlich ist der Fisch frisch.

Long Island, Little Harbor: Beachparty zu viert und dann gesellen sich zwei Einwohner dazu, schenken uns Keilerzähne und probieren Yelenas Wein.

Wir feiern den frisch gefangenen Tuna mit einem Sushi-Abend

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Komplizierter Landeswechsel

Weihnachten wollen wir in den Bahamas sein. Die vielen Inseln, einsame Buchten, Möglichkeiten zum Schnorcheln und Kiten locken uns. Die Dominikanische Republik auf der großen und bergigen Insel Hispaniola ist schön. Die Leute begegnen uns freundlich und aufgeschlossen, die Avocados sind mal wieder die besten der Welt. Wir sind von Seglern umgeben, mit denen wir gern mehr Zeit verbringen würden, aber die Moskitos stechen, ein Ölfilm bedeckt die braune Mangrovenbrühe unserer geschützten Bucht. Das nächste Wetterfenster für eine angenehme Überfahrt ohne Motorunterstützung zeigt sich. Damit ist es jedoch nicht getan.


Die Ausklarierung gestaltet ist umständlich. „Was, Sie wollen schon wieder los?“, werden wir gefragt. Man hat sich offensichtlich an die coronabedingten Langzeitaufenthalte der Segler gewöhnt und freut sich über die zusätzlichen Einnahmen. Nicht wenige liegen mit ihren Booten bereits mehr als ein Jahr zwischen den Mangroven von Luperon. Neben den vielen Zetteln und Stempeln, die wir in den unterschiedlichen Containern bekommen, müssen wir zum Hafenhäuptling. Er heißt Richard und kommt von Kopf bis Fuß in strahlendem Weiß daher. Seine Residenz steht auf einem kleinen Hügel und sie ist nur durch den Magrovenmatsch zu erreichen. Natürlich müssen wir auf eine Audienz warten, um dann zu erfahren, dass uns die selbsternannte Eminenz am Tag vor unserer Abreise auf dem Boot besuchen wird. Dort werden dann wieder Fotos gemacht und wir bekommen den so wichtigen Ausreisezettel.


Soweit so gut, all das kann man noch als normales Prozedere einordnen. Insbesondere, da der Häuptling keine zusätzlichen Spenden fordert. Man munkelt, er wurde aufgrund seines ausverschämten Verhaltens an Bord einiger Segelschiffe aus der Hauptstadt gerügt und ist deshalb nun etwas vorsichtiger mit seinen Forderungen. Aber da ist außerdem noch unser inzwischen guter alter Freud Covid. Die Bahamas legen keinen Wert auf ihn und machen die Einreise schwer. Nur mit einem negativen PCR-Test und einem Online-Antrag ist sie möglich. Den geforderten Gesundheitsnachweis bekommt man hier in Luperón nicht. Marcel und Yelena von der Tomskii Kastan wollen ebenfalls in die Bahamas und so recherchieren wir gemeinsam. Marcel spricht und versteht gut Spanisch, was zusätzliche Telefonate ermöglicht. Er findet ein Labor auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, welches wohl von den Nachbarinseln akzeptiert wird. Mit vorheriger Absprache mit den Behörden wird ein Termin vereinbart und das Taxi organisiert. Da der Test bei Einklarierung nicht älter als fünf Tage alt sein darf, muss er möglichst spät gemacht werden. Die Ergebnisse benötigen wir jedoch vor Abreise, weil mit diesen nach einer Online-Antragstellung die Einreise im Vorfeld genehmigt oder abgelehnt wird.  Vorher darf man nicht los. Also holt uns das Taxi morgens um vier ab, damit wir nach einer vierstündigen Fahrt über die Insel spätestens 8:30 Uhr den Test machen können und abends die Ergebnisse haben, den Antrag stellen können und tags drauf hoffentlich die Einreisegenehmigung haben. 


Wer sich das alles ausdenkt, kennt den Alltag der Segler nicht. Auf dem Boot sind wir vor Ansteckung ziemlich sicher. Die Gefahren, welche durch so eine zusätzlich Überlandreise hinzukommen, wurden wohl nicht bedacht, von den Kosten mal ganz abgesehen. Nicht nur der rasante dominikanische Verkehr, sondern auch unzählige zusätzliche Ansteckungsmöglichkeiten bringen den Segler zusätzlich in Gefahr. 


Die Tests werden nicht mehr im Labor gemacht, sondern vor der Tür im eigenen Auto. Wir haben ein Taxi als Untersuchungsraum anzubieten. Das wird akzeptiert. Eigentlich waren wir in Boca Chica verabredet. Kurz nachdem wir in Santo Domingo abgebogen sind, bekommen wir die Nachricht, dass der Test in der Hauptstadt statt finden muss. Sandy, unser Fahrer, wendet sofort sein Auto und wir quälen uns durch den Stau. Auch die Laborantin Mariella muss dort durch und lässt uns am vereinbarten Treffpunkt, auf dem Parkplatz einer Klinik, zwei Stunden warten. Dann geht alles ganz schnell. Die Nasenschleimhäute brennen zwar noch eine Weile, aber wir sind bald auf dem Rückweg. Mittagessen und Großeinkauf werden gleich mit erledigt. Abends kommen die Testergebnisse und Marcel macht sofort den Online-Antrag fertig. Die deprimierende Antwort kommt bereits zehn Minuten später: „Abgelehnt!“ Nun telefoniert er wieder mit den Behörden der Bahamas. „Dann ist es wohl nicht das richtige Labor.“, bekommt er zu hören. Uns frustriert das so sehr, dass wir die vielen Inseln im Norden schon abschreiben.


Stefan stellt die online-Anträge nun auch für uns. Egal, was die Tante am Telefon erzählt. Dabei stellt er fest, dass die Telefonnummern des Labors nicht übereinstimmen und die Postleitzahl nicht heraus zu bekommen ist. Eine Anfrage bei Mariella bringt keine Antwort. Also probiert mein lieber Mann die Möglichkeiten durch. Auch er fängt Absagen ein und versucht es dann mit anderen Daten erneut, weil er auf der "anderen Seite" einen Computer als Entscheider vermutet. Irgendwann haben wir den Test mit den richtigen Nummern und Angaben tatsächlich bestanden und dürfen einreisen. Was für ein Stress! Was für eine Aufregung! Was für eine Freude am Ende! 

Reisen ist nicht mehr selbstverständlich und für Segler muss nicht mehr nur das Wetter stimmen. 



Meeting auf der "Tomskii Kastan" mit Morgenkaffee

Marcels D-Day-Planung


Mit all meinen Namen kommen viele nicht klar. 


Gesundheitsvisum mit Einreisebestätigung



Mittwoch, 2. Dezember 2020

Kolumbus auf Hispaniola

Ob es auf dieser Insel eine indigene Bevölkerung gibt, kann ich nicht sagen. Auf uns wirkt Luperón wie Kleinafrika in der Karibik. In den Hauptstraßen finden wir zwar Steinhäuser, aber am Rande stehen ärmliche Holzhütten im Matsch, die schon lange keinen neuen Farbanstrich bekommen haben. Wenn man hier durch den Ort geht, fällt man auf, nicht nur wegen der hellen Haut. Die Einwohner grüßen uns freundlich und freuen sich offenbar über die neuen Gesichter. Der Ort ist jedoch so klein, dass man uns schnell kennt. Frisches Gemüse und Milch bekommen wir hier. Für einen größeren Einkauf müsste man ein Taxi nehmen oder ein Auto mieten und nach Puerto Plata fahren. 

In der ersten Woche beende ich mit Stefans Hilfe das Mexikobuch. Seit dem 23.11.2020 ist es öffentlich. Dann feiern wir meinen 51. Geburtstag mit unseren Nachbarn. Die Seglergemeinschaft nimmt uns warmherzig und selbstverständlich auf. Schnell werden wir heimisch. Die Frauen treffen sich drei Mal in der Woche zum Yoga in einer alten Ruine. Sie liegt auf dem Berg oberhalb der Marina und bietet eine grandiose Aussicht auf das Ankerfeld. Ich genieße das gemeinsame Stretching und muss mir eingestehen, dass ich die schwierigeren Übungen allein gern weglasse oder abkürze. 


Dann packen wir unsere Rucksäcke und nehmen den Bus ins Landesinnere. Grüne Berge am Horizont, einfache Hütten am Straßenrand und dazwischen Felder und Weiden. Hier hält man sich Kühe, Schafe, Pferde und Ziegen. Fruchtbarer Boden und viel Wasser ermöglichen ertragreiche Landwirtschaft. Eine schöne Insel! In den Bergen ist es zwar kälter, auch in der Karibik beginnt nun der Winter, aber den Leuten geht es besser. Sie sind weniger vom Tourismus abhängig, denn auch die Einheimischen müssen essen. In den Hotels sind wir fast die einzigen. Die Museen sind geschlossen. So genießen wir die Natur und den wohl höchsten Wasserfall der Karibik, während uns beispielsweise in Santo Domingo die Türen des „Faró a Colon“ und das Bernsteinmuseum verschlossen bleiben. Immerhin öffnen ein paar Restaurants und die Stadtparks. In der Hauptstadt bezahlen wir für ein Abendessen so viel wie in Deutschland. In der Dominikanischen Republik herrscht ab 21 Uhr Ausgangssperre. Nach fünf Tagen sind wir bereits zurück. Entgegen aller Warnungen im Internet zur Sicherheit auf der Insel, geht es unserer Lady gut. Unsere Nachbarn haben offenbar gut auf sie aufgepasst. Ganz lieben Dank!


Bastelstunde

Frauen unter sich

Ruhiger Ankerplatz mit Ausflugsmöglichkeiten

Luzifer zu Besuch auf der Lady



Santiago

Bushaltestelle in Jarabacoa

Unser Bus nach Constanza

Salto de Aguas Blancas

Santo Domingo


Mittwoch, 18. November 2020

Hinter Hurrikan „Iota“ entlang

Nun ist es wieder so weit. Die Hurrikansaison endet am 15. November, zumindest für unsere Versicherung. Wir wollen natürlich auch keine direkte Bekanntschaft mit so einem wütendem Wirbelsturm schließen. Gerade ziehen die Vorläufer eines dieser gefürchteten Winde nördlich von Aruba entlang. Hinter ihm soll für ein paar Tage kaum Welle und Ostwind folgen. Eine günstige Gelegenheit, um den Ritt von Aruba in die Dominikanische Republik zu wagen. Dort kommen wir im Moment ohne PCR-Test und Quarantäne rein. Das überzeugt uns. Stefan beobachtet die Wettervorhersagen bereits seit einer Weile und ist sich immer sicherer. Am Freitag, den 13. November starten wir. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und die Kühlschränke voll. Am Donnerstag verlassen wir die Marina, segeln nach Süd, um auszuklarieren und wieder nach Norden an die Boca Catalina, dem letzten Ankerplatz vor dem Karibischen Meer.


Freitag starten wir um acht Uhr mit der Morgensonne nach Norden und nehmen beschwingt mit nur zwei Segeln Fahrt auf. Bald kommt die Sturmfock noch dazu und schon saust die Lady mit neun Knoten durch die Wellen. Der Wind kommt noch zu weit von vorn und und der Himmel ist bewölkt, aber das wird schon noch. Denken wir! 


Tatsächlich haben wir Wind und Wellen während der gesamten Überfahrt von vorn. Das Wetter hält sich nicht an die Vorhersage, macht was es will und auch die Wellen werden immer größer. Zwischen 20 und 30 Knoten kommt der Wettergott mächtig zu Sache und türmt die Wassermassen immer weiter auf. Höhe halten ist schwer, aber wir dürfen nicht abfallen, um ohne Kreuzschlag um Hispaniola herumzukommen. Einklarieren ist coronabedingt nur in Luperón an der Nordküste möglich. Die Lady stampft sich durch die Wellen. Oft kracht es im Gebälk, als würde sie zerbersten. Danach verschlingt eine Wasserflut Verdeck und Cockpit. Wir hatten noch nie so viel Meersalz in unserem offenem Wohnzimmer. Eine dicke Regenwolke folgt der nächsten und die bringen nicht nur Süßwasser zum Nachspülen, sondern auch ordentliche Böen mit sich. 


In der ersten Nacht steigt der neue Furler unserer Genua aus. Wir haben extra in das teure Teil investiert, damit das nicht mehr passiert. Um vor den nächsten Böen unser wichtigstes Segel zu retten, muss Stefan nach vorn, wo der Bug wie ein unschlüssiger Fahrstuhl auf und ab saust, jeweils mit einer ruckartigen Bremsung die Richtung wechselnd. Zum Glück hat er sich, aufgrund ähnlicher schlechter Erfahrungen mit dem alten Furler, bereits eine sündhaft teure Elektrowinschkurbel zugelegt. Die funktioniert gut, braucht aber auch unendlich viele Umdrehungen bis der große Lappen eingerollt ist. Das Ende vom Lied ist eine gesicherte Genua, aber nun bleibt uns nur noch die Sturmfock, denn bei dieser Berg- und Talfahrt ist an eine Reparatur im Vorschiff nicht zu denken. 


So kämpfen wir uns voran, einen zweiten Tag und eine zweite Nacht. Am dritten Vormittag kommt die Sonne durch und mittags dreht sich der Furler wieder. Die See wird ruhiger und auch die Genua steht wieder. Stefan reizt aus was geht und spielt den Trimm-Tim. Die Lady kann Höhe halten, auch wenn es knapp bleibt. Zeitweise muss der Motor mit ran. Kurz vor der großen Karibikinsel genießen wir tatsächlich die Segelfahrt für etwa drei Stunden. 14 Uhr ist Land in Sicht. 17 Uhr tauchen wir in einen Hexenkessel von See zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik ein. Wenn wir dachten, die ersten beiden Tagen waren schlimm und mehr können unser Schiff samt Besatzung nicht aushalten, dann war das eine Täuschung. Steile, drei bis vier Meter hohe Wellen bauen sich auf. Aber die Lady schafft auch das, bricht nicht entzwei, kommt mit Motorunterstützung und ohne Kreuzschlag gerade so an den Untiefen vorbei. Dann wird es Dunkel. Wir biegen Richtung West ab, um an der Nordküste entlang zu segeln, haben den Wind nun von schräg hinten und auch die See beruhigt sich deutlich. 


Ein paar Stunden später schläft der Wind ein. Erst segeln wir noch mit Motorunterstützung, dann müssen die Tücher aufgerollt werden. Den gesamten vierten Tag brummt es im Cockpit. Immerhin kann man sich wieder an Bord bewegten, ohne sich wie ein Klammeraffe von Griff zu Griff zu hangeln, sich besonders an den Hüften, Oberschenkeln und Armen blaue Flecken zu holen. Ich muss keine Stugeron mehr einwerfen und kann wenigsten zeitweise an der Korrektur des Mexikobuches arbeiten. Kochen und mit Genuss essen ist wieder möglich. Eine abwechselnd grüne und felsige Küste mit kleinen Stränden zieht an uns vorbei. Am vierten Tag fällt um 17 Uhr  der Anker in der Bucht von Sosua. Von hier aus ist es nur noch eine halbe Tagesreise bis Luperón. Neben den Furler, muss sich Stefan um die Lichtmaschine und eine Analoganzeige im Cockpit kümmern. Für eine viertägige Überfahrt ziemlich viel. Ich muss das ganze Salz aus Handtüchern, Kleidung und Kissen waschen. Außerdem ruhen wir uns aus, schicken euch diesen Post und korrigieren weiter das Mexikobuch. Nun wird es Zeit es fertig zu stellen. Wir genießen die Bucht, die Sonne, gehen baden und schnorcheln. Das Einklarieren kann warten.


Hurrikan „Iota“ wurde inzwischen benannt. Er treibt gerade in Mittelamerika sein Unwesen und verliert hoffentlich bald an Kraft. In diesem Jahr gab es außergewöhnlich viele klassifizierte Wirbelstürme. Die Namen nach dem lateinischen Alphabet reichen nicht mehr aus. Nun nutzt man bereits das neunte! Mal das griechische. Eine deutliche Folge des Klimawandels. Auch wenn unser Ritt über das Karibische Meer nichts mit Iota zu tun hat, Gegenwind und steile Wellen wählen wir ab. Das macht keinen Spaß!


534 sm, in 80 h, Nordostwind
34 h gesegelt 
36 h mit Motorunterstützung gesegelt 
10 h nur Motor (Nordküste DR)

Ankerbucht auf Aruba vor dem Start

Sosúa, Ankunft in der Dominikanischen Republik

Salz aus Tüchern und Kissen waschen

Furler-Reparatur im Vorschiff (hier, zur Abwechslung, jedoch Prüfung des Bowthrusters)

Reparatur Lichtmaschine, alle Schäden stammen von der extremen Bewegung an Bord: abgerissene Kabel, zerschlagene Stecker...


Freitag, 30. Oktober 2020

Aruba, Klappe die Zweite

Nun leben wir wieder auf dem Boot, in der Marina, am Steg. Es ist heiß auf der Insel. Die Regenschauer bringen erst etwas Erleichterung. Sobald die Sonne sich wieder zeigt, dampft es wie in einer Sauna. Aber es geht uns gut. Wir sind wieder zu Hause und gewöhnen uns schnell an den Rhythmus auf dem Boot.


Um auf Aruba eingelassen zu werden, mussten wir einen PCR-Test über uns ergehen lassen. Naiv, wie wir waren, lassen wir uns ohne Vorurteile darauf ein. Was dann jedoch auf uns zukam, überraschte uns außerordentlich. Wir waren nicht nur verwirrt und entsetzt, sondern auch ärgerlich und die Schmerzen hielten 24 Stunden an. Das kann doch nicht normal sein, oder?! So eine Tortour kann man doch nicht zur Routine machen. Da gibt es doch bestimmt auch einige Kollateralschäden. Egal, genaueres erfahrt ihr im Mexikobuch.


Obwohl wir keinen Job haben, gibt es keine Langeweile an Bord. Stefan repariert am Boot herum und kümmert sich um alles Administrative. Ich koche wieder, schreibe am Buch und bin nun immerhin schon in der Korrekturphase. Da muss Stefan dann auch ran. Dieses Mal malt er Bilder. Ihr könnt also schon gespannt sein. In der ersten Novemberhälfte soll es dann nach Norden gehen. Im Moment scheint die Dominikanische Republik unser Ziel. Das hat gleich drei Gründe. Erstens wir können die üblichen Winde gut nutzen, zweitens, die Einreisebedingungen sind relativ unkompliziert und drittens sind die Bahamas nicht weit. Nur ist dann leider ein erneuter PCR-Test notwendig. Ich habe jetzt schon Angst.


Ansonsten lassen wir es uns gut gehen. Kleine Wanderungen, eine größere Radtour zum Norden der Insel, Poolbesuche und gemeinsame Essen mit Segelfreunden verkürzen die Freizeit. Stefan wartet noch auf einen Brief. Der wurde vor vier Wochen in Rostock abgeschickt. Irgendwie habe ich gerade ein Déjà-vu. Das kennen wir doch schon von Porto Santo. Mal sehen wie lange die Post dieses Mal braucht.


Am Eagle Beach bricht die Dünung durch die Korallenlöcher.

Nordspitze von Aruba,
hier liegen so einige Schiffswracks auf Grund.

Kakteen, Leguane, Gestein = Aruba

So ein Pelikan ist auch nur ´n Mensch.
Man muss sich auch mal strecken dürfen.



Mittwoch, 14. Oktober 2020

Geschafft! 11 Wochen USA & Mexiko - Roadtrips trotz Covid-19

Es hat sich gelohnt!

Zunächst waren wir mit Julian unterwegs. Eine Woche im Norden der USA. 
Das waren 2015 Meilen/ 3300 km im BMW.
Danach ging es zunächst per Flug von New Jersey nach Denver, dann 4 Wochen 3093 Meilen/ 4978 km im Mietwagen in den Südwesten und viele Naturparks. 
Auf diese dürfen die USA mal stolz sein. Das Essen war allerdings nur ganz vereinzelt bewundernswert.
Und es war insgesamt grenzwertig teuer.

Am dem Tag, als die Sonne in San Francisco das erste Mal seit Einwohnergedenken nicht aufging, haben wir (unwissend vorsorglich) das Land Richtung Mexico verlassen.

Von Cancun aus ging es im Bus nach Playa del Carmen und von dort 4 Wochen im Mietwagen und Rundkurs gegen den Uhrzeigersinn auf 2532 Kilometern zu allen erreichbaren und wiedereröffneten Maya-Stätten samt zahlreichen Dörfern und Städten auf dem Weg. Dabei mussten wir nach den ersten 982 km das Fahrzeug wechseln, weil die Klimaanlage und das Kühlwasser uns ständig verließen.
Die Pyramiden, Ballspielplätze, Tempel, Akropolen usw. waren stets anders geformt, angeordnet und erhalten, so dass es, trotz der hohen Anzahl (17) der von uns besichtigten Ausgrabungsstätten, abwechslungsreiche, sehr interessante und überaus beeindruckende Besuche waren. 
Versorgt wurden wir in Mexiko deutlich besser und dazu noch viel preisgünstiger. Insbesondere das Frühstück war durchweg beispielhaft, wenn auch wenig abwechslungsreich. Die kleinen Hotels hatten wir - zumindest anfangs - oft für uns allein.
In Mexiko sind wir mit deutlich weniger als der Hälfte der USA-Kosten ausgekommen.

In beiden Ländern waren wir seit ca. 6 Monaten meistens die ersten europäischen „Aliens“ (erkennbar am Akzent:-) und die einzigen Deutschen ohnehin.

Nach den 10.800 Kilometern (+ Busfahrten und Flüge) wollen wir jetzt erstmal keine anderen Fortbewegungsmittel mehr sehen außer unserer Lady.

Aber Ricarda war so beeindruckt, dass schon wieder 2 Bücher in Arbeit sind.
Es gibt also Grund zur Vorfreude und dafür, hier nicht weiter auszuholen ;-).

Eine dynamische und sehr schöne Woche mit Julian

4 Wochen Naturparks und 1 Woche in Los Angeles sowie San Francisco

5 Wochen Maya-Stätten und Städte sowie Dörfer in Mexiko

Die Pyramide von Mayapan

Mittwoch, 9. September 2020

Kalifornien

Eigentlich gehört der Big Bear Lake ja schon zu Kalifornien, aber so richtig geht es für uns mit Los Angeles los. Diese Stadt wird uns als die der Obdachlosen in Erinnerung bleiben, trotz der langen, breiten Sandstrände, der Downtown und Hollywood.

Donnerstag, 27. August 2020

Naturwunder Rocky Mountains

Zwei Wochen touren wir von Nord nach Süd, dem Colorado und den Nationalparks im Zickzack folgend, durch diese sagenhafte Landschaft. In Denver mieten wir uns das Auto dazu, denn hier bist du mit Bus und Bahn nicht flexibel genug.

Montag, 10. August 2020

Roadtrip mit Julian

Unser großer Sohn hatte das große „Glück“ Anfang März mit einem Praktikum in den USA zu beginnen. Wer konnte denn ahnen, dass er vom ersten Tag an im Homeoffice arbeiten muss und aus Europa kein Besuch einreisen darf.

Montag, 3. August 2020

Weiß zwischen Wolkenkratzern

Grün kann man hier nicht sagen und der bekannte Spruch „Grüner wird’s nicht“ passt auch nicht. Die Ampelmännchen sind hier weiß und kommen ein wenig schlacksig, mit hängenden Schultern daher.

Mittwoch, 29. Juli 2020

Spaß mit Flaggen

Europa löst sich auf. Deutschland schrumpft. Alles verblasst.

Freitag, 24. Juli 2020

Steine, Kakteen und Salsa

Neben den Arbeiten an Bord und meiner Schreiberei am Kambodschabuch finden wir auch ein wenig Zeit, um erste Erkundungen auf der Insel zu unternehmen. Wir begleiten Jutta und Charly von der Chapo zur Alto Vista Chapel und Casibari Rock Formation.

Samstag, 18. Juli 2020

Streetart - Straßenkunst in San Nicolas

Auf Aruba besuchen wir die kleine Stadt im Süden, San Nicolas. Sie nennt sich die Streetart-Stadt der Karibik. Wir finden außergewöhnliche, farbenfrohe und wundervolle Bilder an den Wänden. Es sind so viele Bilder auf kleinstem Raum,

Mittwoch, 15. Juli 2020

6000 Seemeilen

Im August 2019 starteten wir in La Rochelle mit unserer Lady Charlyette. Seit dem ist die sie unser zu Hause und hat mit uns nun 6000 Seemeilen zurückgelegt.

Samstag, 11. Juli 2020

12 - Meilen - Grenze

Der letzte Außenposten Venezuelas ist Sotavento und gehört ebenso, wie die Vogelinsel Borlavento, zu den Islas Las Aves. Hier ist die Küstenwache zu Hause

Freitag, 10. Juli 2020

Seevogelbrutgebiet - Borlavento

Die Islas Las Aves bilden das nächste Inselparadies mit vielen Inseln und Riffen. Wir haben das Archipel noch gar nicht ganz erreicht, da umkreisen uns bereits die unterschiedlichsten Seevögel.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Inselparadies Los Roques

Das Archipel der Los Roques besteht aus 67 in der Karibischen See verstreuten Inseln und 200 Sandbänken mit den dazugehörigen Riffen. Das größte Eiland ragt mit drei großen Felsen weithin sichtbar aus dem Wasser und beherbergt in einer Bucht auf der Leeseite eine kleine Stadt.

Dienstag, 7. Juli 2020

Venezuela - Piraten der Karibik

Wenn man von Grenada nach Aruba segelt muss man durch Venezuelas Gewässer reisen. Dieses kommunistische Land hat eine lange, lange Küste in der Karibischen See und viele, viele Inseln. Wenn Venezuela nicht für seine korrupten Beamten und Piraten bekannt wäre,

Freitag, 3. Juli 2020

Check out!

In welchem Verhältnis stehen 2 Wochen Quarantäne zu fünf Tagen auf der Insel? Da mag sich manch einer an den Kopf fassen. Aber das Leben spielt, wie es spielt.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Unterwasserpark

Heute brauchen wir keinen Bus, wir nehmen unser Boot und wechseln einfach mal schnell in die Moilinere Bay. Dort hat der Künstler Jason de Caires Taylor einen Unterwasser-Skulpturenpark angelegt

Mittwoch, 1. Juli 2020

Einmal rund rum mit den Local-Bussen

Auch wenn es nicht ganz so bequem wie im Taxi ist, jede Fahrt mit den ansässigen Linienbussen wird interessant. Auf Grenada ist das außerdem sehr einfach. Wenn man weiß, an welcher Straße man stehen muss. Dazu gibt es eine Buslinienkarte. Wir wollen die Insel einmal umrunden

Dienstag, 30. Juni 2020

Wir sind wieder frei!

Am 12. März haben wir mit Belinda auf Guadeloupe unseren letzten richtigen Tagesausflug gemacht. Am 16. März wollten wir dann, nachdem wir bis an den Nordzipfel der Schmetterlingsinsel gesegelt sind, in Deshaies ausklarieren, um weiter nach Antigua zu reisen. Das war nicht mehr möglich.

Montag, 29. Juni 2020

Covid-19 Schnelltest

Es ist ein bisschen wie eine Schuluntersuchung. Wir sind gespannt, ein klein wenig aufgeregt. Der Schnelltest weist Antikörper im Blut nach. Obwohl wir seit anderthalb Jahren nicht mehr krank sind,

Sonntag, 28. Juni 2020

Morgen sind wir dran!

Die E-Mail von der Mayag freut uns außerordentlich. Wir müssen nicht bis Mittwoch warten. Morgen, pünktlich am 14. Tag unserer Quarantäne, dürfen wir unseren Bluttest machen. Welche Freude!

Samstag, 27. Juni 2020

Fünfzig Knoten

Nun wissen wir was 50 Knoten sind. Die dunklen Wolken, welche sich mehrmals täglich über die Insel über unseren Ankerplatz wälzen, kennen wir schon. Auch die Böen, die ihnen voraus gehen. Deshalb passt dieser Ankergrund auch so schlecht zum Wetter. Immer wieder rutschen wir. Den meisten anderen um uns herum geht das auch so. 

Heute jedoch bläst es so kräftig, dass die Wellen nicht nur schäumen und brechen. Die Gischt treibt in ein bis zwei Meter Schwaden über ihnen. Unsere Nachbarn können wir kaum noch erkennen. Ein bisschen erinnert die schlechte Sicht an einen Schneesturm im Winterurlaub. Natürlich hält unser Anker nicht. Auch unsere Nachbarn, holen ihren gerade hoch, um ihn an anderer Stelle neu zu versetzen. Alle kriechen trotz Starkregen aus den Salons und gehen auf Ankerwache. Ein Bündel orangefarbener Schwimmwesten treibt an uns vorbei. Stefan sichert sie mit einem Kopfsprung über die Reling. Ein kleines Boot treibt auf uns zu. Die junge Frau am Burg hält die Ankerleine mit beiden Händen fest. Sie treiben trotz dessen immer wieder ab. Erst als die Böen schwächer werden, finden sie weit hinten im Ankerfeld wieder Halt. 

Am Ende liegt ein Kalmar mit ausgelaufener Tinte an Deck. Ich weiß zwar nicht wie das gehen soll, aber er muss vom Wind aus dem Wasser hinaus und hier rauf geschleudert worden sein, denn diese Tiere springen nicht.

50 Knoten sind 10 Beaufort, die als starker Sturm bezeichnet werden. Das sind knapp 100 km/h. Wir haben es gut überstanden. Ich will jedoch nicht wissen, wie es mit gesetzten Segeln gewesen wäre. Schaut euch das Video an!



Armer, kleiner Kerl!

Freitag, 26. Juni 2020

Auf Messers Schneide

Die Wartung der 240-Volt-Pumpe steht schon auf dem Zettel, seit wir die Lady bezogen haben. Eigens dafür kauft Stefan in Le Marin ein kostenintensives Wartungsset. Heute nun rafft er sich auf und nimmt sich das altersschwache Teil vor. Ich weiß nicht genau, wie oft ich während meines Abtauchens ins alte Khmerreich hören musste: „So ein Mist, hätte ich mal eine neue gekauft.“ Während ich in den Restaurationsarbeiten von Angkor schwelge, restauriert er unsere Klimapumpe. Wir haben sie bisher zwar noch nicht gebraucht, aber hoffentlich ist das Gerät danach noch heil. 

Stunden und 3000 eingetippte Wörter später rattert der Generator und die Pumpe läuft. Was für ein Glück, der Abend ist gerettet. 

Das besonders rostige Innenleben konnte ich leider nicht fotografieren. 
Ich war gerade in Kambodscha.
Aber das rottige Bild spricht ja auch schon Bände.

Donnerstag, 25. Juni 2020

Wechsel im Ankerfeld

Nachdem gestern nun der gesammelte Gesundheitstest der Woche stattfand, verlassen uns nach und nach mindestens 20 Boote. Die meisten sind froh, endlich hier wegzukommen. Vielleicht dürfen sie auch nicht bleiben, da es den Quarantäneliegern vorbehalten bleiben soll. 

So wie es aussieht, werden die abschließenden Blutuntersuchungen nicht täglich angeboten, was uns befürchten lässt, dass unser freiwillige Haft auf dem Boot, nicht wie geplant am Montag endet. Wenn wir Pech haben werden es wohl 16 statt 14 Tage werden. Das hört sich gar nicht gut an und ist schwer zu akzeptieren. Konzentriere ich mich also auf mein Buch und rede mir ein, dass mir die zwei zusätzlichen Tag sicher sehr gelegen kommen. Grrmb! 

Da Platz frei wird, können wir uns besseren Ankergrund suchen und werden fündig. Nun driftet unser schweres Eisen nicht mehr auf einer abgestorbenen Korallenbank entlang, sondern steckt zumindest zur Hälfte im harten Sand. Vielleicht gräbt er sich ja noch ein wenig ein.

Unser vorderes Decksfenster
mit Saharasand und Gefängnisgraffiti

Mittwoch, 24. Juni 2020

St. Vincent/Grenadinen wacht auf

Nachdem wir nun fast drei Wochen illegal in den Gewässern von Saint Vincent und den Grenadinen kreuzten und ankerten, tut sich was. Nun muss man sich natürlich weiterhin offiziell an den drei ausgewiesenen Einkarierungsorten auf St. Vincent melden, sobald man die Gewässer befährt, aber man kann sich innerhalb der ersten vier Tage einem kostenpflichtigen Gesundheitstest unterziehen. Ist er negativ, wird keine Quarantäne mehr notwendig. Fällt er bezüglich des COVID-19 positiv aus, muss man sich ins Krankenhaus begeben und sich der dortigen Behandlung unterziehen. 

Was für ein Quantensprung! Die ganze Zeit ärgert uns bereits der Unsinn des Gesundheitstests nach der Quarantäne. Nun scheint es endlich mal jemand begriffen zu haben. Na gut, ich komme wieder runter von meinem Ross. Wir wissen nicht, was zu diesen harten, oft nicht nachvollziehbaren Grenzschließungen in der Karibik wirklich führte, können diesbezüglich tatsächlich nur spekulieren. Aber ehrlich, warum verzichten all die Inselvölker, die so wenig Infizierte zu verzeichnen haben, so lange auf ihre Einnahmen, wenn man doch alle Einreisenden gleich am Anfang testen könnte und nur diejenigen mit positiven Tests in die Quarantäne steckt?

Heute hat das Gesundheitsamt in Grenada wohl 85 Segler getestet, die alle 14 Tage auf ihren Booten in Quarantäne saßen. Ich könnte wetten, nicht einer war positiv. Wie denn auch? Sie brauchen ja alle mindestens einige Tage um die Insel zu erreichen und dann kommen die zwei Wochen noch oben drauf. Eigentlich schade um die Tests.

Staatsflagge Saint Vincent und Grenadinen