25 Stunden benötigen wir für die 169 Seemeilen von Luperón in der Dominikanischen Republik bis zur südlichsten Insel „Great Inagua“. Gemeinsam mit dem Postboot erreichen wir „Matthew Town“ am Nachmittag des 11. Dezember´s, was sich als etwas ungünstig herausstellt. Die Ankunft der Lieferungen, wahrscheinlich sind all die Weihnachtsgeschenke dabei, verursacht im Hafen große freudige Aufregung. Dementsprechend voll und laut ist es dann auch. Stefan benötigt vier Stunden, um uns in diesem Trubel einzuklarieren: alle Zettel auszufüllen, die bereits online im Voraus abgeschickt wurden, Pässe und Einklarierungspapiere wieder zu bekommen, eine Telefonkarte zu besorgen. Die Anzahl der auszufüllenden Formulare hat sich aufgrund der Gesundheitsüberprüfungen verdoppelt. Aber die Beamten sind freundlich, freuen sich über unser Ankunft und heißen uns warmherzig willkommen. Keine Anzeichen von Korruption oder anderweitigen Machtmissbrauch! Eher erkundigt man sich bei uns mehrfach, ob alles in Ordnung ist, wir noch etwas bräuchten und wünscht uns eine wunderbare Zeit in diesem Inselparadies. Drei Monate dürfen wir ohne weiteres Visum bleiben. Das sollte wohl reichen!
Wir entdecken den Ort, der an ein verstreutes Dorf erinnert und ein wenig Westernidylle versprüht. Die mit dem Giebel zur Straße ausgerichteten Häuser haben hölzerne Terrassen und Balkone, die beiden größeren sind der Supermarkt und das Rathaus. Eine Tankstelle mit einer überdachten Säule finden wir auch. Sie steht inmitten von brachliegendem Land. Das alte Fort aus Piratenzeiten wird als Betriebsgelände genutzt. Es bietet eine Menge Lagerkapazitäten. Zu jedem Grundstück gehört auch ein separates Haus, dass scheinbar zu zwei Dritteln in der Erde steckt. Das wird wohl so eine Art Schutzkeller sein, der im Falle eines heranziehenden Hurrikans aufgesucht werden kann. Warum dieses Dach nun aber besser halten soll, als das des eigentlichen Wohnhauses ist mir schleierhaft.
Während wir auf der Hauptstraße entlang schlendern, werden wir von den Einheimischen außerordentlich freundlich begrüßt. Der Weg zum Leuchtturm ist lang und mehrfach fragt man uns, ob wir nicht im Auto mitkommen wollen. Das Allerbeste ist jedoch nach neun Corona-Monaten: der Leuchtturm ist geöffnet. Vorsichtig schauen wir in den staubigen und spinnenverwebten Hohlraum mit der typischen Wendeltreppe. Ein Gästebuch liegt auch dort, sieht jedoch eher wie ein mysteriöses, antikes Rezeptbuch eines längst verstorbenen Zauberers aus, so verstaubt und mürbe ist es bereits. Wir klettern hinauf, genießen auf der Galerie den atemberaubenden Blick auf die Insel, die riesige Lagune und hohe Salzberge am Horizont. Dann stehen wir sogar in der gläsernen Kabine ganz oben. Der Rundblick aus diesem runden Wintergarten ist fantastisch. Auf den Bahamas ist Landwirtschaft fast unmöglich. Es reicht wohl nicht einmal für den Eigenbedarf. Dafür freuen sich die Tiere über ausgedehnte naturbelassene Areale. Ein Paradies für Vögel, Schmetterlinge, Leguane und Reisende wie uns.
Nach einer schaukeligen Nacht wechseln wir die Bucht und später die Insel. Auf den Acklins bietet sich eine Strandwanderung an und nebenbei kann man Schnecken für die nächste Mahlzeit sammeln. Über Long Cay wechseln wir dann nach Long Island und tasten uns vorsichtig in die geschützte Buch von Little Harbor. Man hat fast das Gefühl allein zu sein. Erst auf dem Land entdecken wir, dass hier, inmitten all der Palmen und Mangroven, auch einige Menschen leben. Allein sind wir jedoch nicht. Seit Luprón segeln wir gemeinsam mit der Tomskii Kastan und deren Crew Marcel und Yelena. Das erste Mal haben wir uns auf so eine Tandemreise eingelassen. Das fröhliche, begeisterungsfähige und positive Pärchen in unserem Alter passt zu uns. Nur wenige Segelboote sind unterwegs und so genießen wir dieses selten gewordene Glück. Wir besprechen die Routen, checken die Ankerplätze und tauschen uns aus. Das fühlt sich insgesamt sicherer an. Abwechslungs- und ereignisreich ist es so auch. Gemeinsame Ausflüge, Lagerfeuer am Strand, leckere Mahlzeiten an Bord… Langeweile kommt nicht auf, wir lachen viel, hören und erzählen Geschichten.
Long Island ist wirklich lang. Trotz guter Winde benötigen wir zwei Tage um die Nordküste zu umrunden. Dann gehts am 23. Dezember Richtung Georg Town. Dort müssen wir unseren zweiten Coronatest machen. In der vorgelagerten Lagune wollen wir Weihnachten verbringen. Sie zieht sich zwischen Great Exuma und Stocking Island entlang, welche wie eine natürliche Mohle vor der langen Dünungswelle schützt. Die Eingangspassage ist schmal und das schäumende Weißwasser lässt unsere Lady erneut in einem Wellenrodeo springen. Der Capitano nutzt neben den üblichen Karten die Luftbilder von Google und das ist auch ganz gut so. Wir kommen heil in die ruhigeren Gewässer vor Georg Town.
![]() | ||
Great Inagua, Leuchtturm: warmherziger Empfang und offene Türen
|
![]() |
| Acklins, China Hill: Strandwanderung |
![]() |
| Unterwasserwelt Bahamas: ein prächtiger Feuerfisch |
| Gemeinsames Baracudaessen, natürlich ist der Fisch frisch. |







Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen