Nun sind wir im Pazifik. Nach den Las Perlas im Golf von Panama geht es weiter nach Westen, genauer gesagt nach Südwesten. In 1000 Seemeilen würden wir die Galapagos-Inseln erreichen. Diese haben sich jedoch ein so aufwendiges und kostspieliges Prozedere für Einreise und Aufenthalt überlegt, dass die meisten Segler daran vorbei fahren. Wir haben uns die spektakuläre Tierwelt dieses Archipels bereits vorher angeschaut, ein Flugzeug von Ecuador genommen und uns auf einem lokalen Schiff herumfahren lassen. Deshalb liegen nun knapp 4000 Seemeilen zwischen Start und Ziel, die Marquesas. Es ist das wahrscheinlich längste Crossing, das uns auf dieser Weltumsegelung erwartet. Stefan will es in drei Wochen schaffen und hat sogar ein gutes Windfenster für das erste Stück gefunden. 4 bis 5 Tage Wind für schnelles Vorankommen, dann Flaute nahe Galapagos. Danach soll der Passat zuverlässig und kräftig genug wehen.
Film: https://youtu.be/6h4vaeBqM2s
Im Golf von Panama kommen wir noch gut voran, aber bereits am zweiten Tag stimmt die Vorhersage nicht mehr. Normalerweise sollte sie für bis zu 5 Tage richtige Angaben prophezeien. Nun gut. Der Motor muss ran. Der Wind wird schon bald wieder einsetzen, hoffen wir. Aber er wird schwächer und schwächer. Kann man zwei Knoten eigentlich noch als Wind bezeichnen? Ich glaube nicht. Dafür erleben wir den Pazifik ohne Welle. Das erste Mal sehen wir einen nur ganz leicht wabernden Ozean mit glatter Wasseroberfläche. Der Motor brummt und das Leben an Bord geht ganz normal weiter, fast wie im Ankerfeld. Ich kann lesen, schreiben, kochen… und jederzeit auf die Toilette gehen. Ist das schön! Für das Vorankommen hilft es jedoch nicht. Wann immer möglich kommen die Segel zum Einsatz. Bei 3,5 Knoten Wind sind wir ohne Motor fast genauso so schnell oder besser langsam unterwegs. Die Strecke ist einfach zu weit, um ihn die ganze Zeit laufen zu lassen. Bis zu den Galapagos geht es so, wir brauchen eine Woche, statt 4-5 Tage und danach wird es nicht besser. Die Calmzone am Äquator wird ihrem Namen gerecht. Flaute! Am Abend des 9. Tages taufen wir unsere Lady zur „Flotten Makrele“, die sie ja normalerweise auch ist. Neptun bekommt auch einen Kurzen. Vielleicht stimmt ihn das gnädig und er schickt uns etwas Wind, gern ohne Welle. Der kommt jedoch erst am Tag 12. Nun geht es bewegt und zügig weiter. Endlich machen wir Strecke. Am Tag 14 feiern wir Bergfest. Das geht so bis zum 17. Tag. Dann werden wir ordentlich durchgeschaukelt, weil der Winddruck in den Segeln fehlt, die Welle jedoch noch eine ganze Weile nachläuft. An Schlaf ist nicht zu denken. 4 Tage und Nächte folgen mit wenig Wind und viel Welle. Dann wird es ruhiger und der Ochse darf zum Einsatz kommen. 7 Tage und Nächste zieht er uns verlässlich Richtung Ziel. In der vorletzten Nacht erwischen uns jedoch so kräftige Böen, dass wir uns um den leichten Schirm sorgen. Vor der letzten Nacht wird er ausgetauscht. Er hat gute Arbeit geleistet, ist heil geblieben und darf nun zurück in sein Bett. Am Morgen des 26. Tages sehen wir mit dem ersten Morgenlicht die Silhouette von Hiva Oa vor uns aufragen. Wir sind da. Es war wirklich lange, aber mit der Bucht vor der Nase, lösen sich sofort all die vielen Stunden, Tage und Wochen im Kielwasser auf.
26 Tage und 4 Stunden benötigten wir letztendlich für 3895 Seemeilen, vom Südzipfel der Las Perlas bis nach Hiva Oa in den Marquesas, der östlichsten Inselgruppe Französisch Polynesiens. Das sind immerhin 7 213, 54 km! Die Fahrt war gar nicht so schlimm, es war nur eben nur so schrecklich lange. Dieser Post muss mit der Stenovariante auskommen. Ausführlicher könnt ihr das Crossing in meiner nächsten Reisegeschichte nachlesen. Was machen wir so auf dem Boot, wenn man nicht vor die Tür gehen kann? Wie überstehen wir die langweiligen Stunden auf See? Kann man überhaupt etwas erleben? Wer besucht uns und was ist mit den unerwarteten Gästen verbunden? All das dann im nächsten Buch. Einen Film wird es natürlich auch geben.
In Hiva Oa angekommen, müssen wir erst einmal einklarieren, Internet besorgen und einkaufen. Die Kühlschränke sind schon seit einiger Zeit leer und müssen dringend aufgefüllt werden. Dann, wenn die Lady wieder sauber ist, legen wir die Füße hoch. Denn obwohl man an Bord während einer Überfahrt nicht wirklich viel zu tun hat, steckt die Zeit doch in unseren Knochen.
![]() |
| Immer der untergehenden Sonne hinterher. |
![]() |
| Der Ochse zieht bei Rückenwind. Er mag die Wellen genauso wenig wie ich. |
![]() |
| Besuch! |
![]() |
| Noch mehr Besuch! |
![]() |
| Diese armen Tintenfische werden mit der Welle an Deck gespült. |
![]() |
| Festessen zum Bergfest: Curryhuhn mit frischem Gemüse und Maracujacreme |
![]() |
| Der Balloner muss ran! Unser kleines Leichtwindsegel am Besanmast. |
![]() |
| Die Kühlschränke sind fast leer. Nun ist Dosenkost angesagt. Sie wird natürlich mit Sahne und Gewürzen verfeinert. |
![]() |
| Wenig Mond bedeutet viele Sterne. |
![]() |
| Land in Sicht! Hiva Oa, Marquesas, Französisch Polynesien Wir sind in der sogenannten Südsee angekommen. |









