Die Luftbilder von Bora Bora sind grandios und locken nicht nur Segler an. Um die imposante zerklüftete Vulkaninsel legt sich ein geschlossenes Riff mit seinen typischen Farben. Dicht um die Hauptinsel herum das tiefe Dunkelblau, drumherum die türkisfarbnen Flachwasser, gespickt mit dunklen Korallenköpfen oder ganzen Landschaften. Der nächste Ring ist grau vom Riff und grün von den bewachsenen Motus, kleinen Eilanden welche sich auf dem Saumriff bilden. Den schneeweißen Ring ganz außen bilden die am Riff brechenden Wellen. Danach kommt das weite Meer, in dem jenes gesamte Atoll wie eine geöffnete Flügelmuschel schimmert. Bora Bora ist inzwischen dermaßen erodiert, dass in der Mitte nur noch die steilen Kraterwände aus dem Wasser gucken und genau deshalb sieht es aus der Luft so wunderschön aus. Ein einziger schmaler schiffbarer Pass ermöglicht den Zugang in die geschützte Lagune und damit überhaupt das Anlaufen vom Wasser aus.
Vielleicht ist es das Luftbild, dass so viele Touristen anlockt. Oder weil die Insel im zweiten Weltkrieg von den Amerikanern als Stützpunkt aufgebaut wurde, nachdem Pearl Harbour fiel. Jedenfalls ist sie schon lange ein sehr populäres Reiseziel und zählt heute zu den teuersten der Welt. Wir kommen mit dem Boot und brauchen die hohen dreistelligen Dollarbeträge pro Nacht nicht zahlen. Vierzig Euro für eine Nacht an der Moorig sind für unsere Verhältnisse jedoch auch happig. Aber wir finden freie Plätze und brauchen den Anker nicht auf 20 Metern fallen lassen, ohne zu wissen, was dort unten durch den eisernen Haken alles kaputt geht. Deshalb sind wir unbedingte Befürworter dieser permanenten Festmacherleinen, wenn sie gepflegt und annehmbare Preise haben. Es sollte sie überall in ausreichender Anzahl geben.
Für den Landausflug nehmen wir die Fahrräder mit. Eine Ringstraße ermöglich die Inselumrundung ohne steile Berge. Zum Ende wollen wir einkehren und einkaufen. Frisches Obst und besonders Gemüse werden mal wieder knapp. An der Nordspitze treiben uns jedoch dicke graue Wolken zurück. Wir werden ordentlich nass. Der besterhaltene vorkolumbianische Kultplatz besteht aus ein paar beschmierten Steinen direkt am Straßenrand. Sie sind von etlichen ausrangierten Autoreifen und anderem Müll umgeben. Der Hauptort wird ordentlich von motorisierten Fahrzeugen frequentiert. An den Supermärkten steppt der Bär, während es im Zentrum kaum etwas zu sehen ist. Vaitape macht eher den Eindruck, als gehöre es einem Entwicklungsland an. Immerhin finden wir eine französische Patisserie und schwelgen mal wieder in Sahnecreme. Ein seltenes Vergnügen.
Also versuchen wir die Vorzüge der Insel in der Lagune zu entdecken. Mit unserem Tiefgang können wir nicht überall hin. Moorig- und Ankerplätze sind rar gesät. An dem einen kämpfen wir mit starken Fallböen mit bis zu 50 Knoten. Sie pfeifen und rauschen dermaßen um die Lady herum, dass wir kaum schlafen können. Die vielen Shuttleboote sorgen für Welle unterm Heck und bringen die Lady immer wieder aus dem Gleichgewicht. Die versprochenen Mantas sind im Moment nicht zu Hause. Am nächsten Platz liegen wir ruhiger und können wieder schlafen. Ein langer Dingiausflug zu den Motus am Außenriff ist leider umsonst, da man uns sofort wieder wegschickt. „Hier ist alles privat, schnorcheln und betreten der Strände nicht erlaubt.“ Also fahren wir zum nächsten Korallenfeld innerhalb der Lagune und schnorcheln dort. Die Korallen sind grau und extrem mit Pflanzen bewachsen. Ein paar bunte Fische wohnen dort und ein zwei Meter langer Riffhai lässt sich kurz blicken. Die Sicht ist jedoch erstaunlich schlecht. Ihr merkt es schon. Bora Bora haut uns nicht vom Hocker. Sicher ist es für Landratten ein schönes Urlaubsziel, wenn sie es mögen die Insel mit Hilfe von Touranbietern zu erkunden.
Ein Wetterfenster nach Maupiti zeigt sich leider nicht. Die Welle darf weder von Süden kommen, noch höher als 1,50 Meter sein. Außerdem brauchen wir einen Winddreher, um zurück zu kommen. Der zeigt sich zwar, aber den schmalen Pass können wir bei diesen Bedingungen leider nicht passieren. Maupiti müssen wir leider streichen.
Also nutzen wir den kurzzeitigen Südost, um nach Ra’iātea und Taha’a zurück zu segeln. Wir kreuzen mit sechs Schlägen gegen Wind und Welle. Anfangs ist der Wind viel stärker als angesagt. Wenn ich aus dem Cockpit schaue, sieht es aus, als trieben wir rückwärts auf Maupiti zu, unserem geplantem Wendepunkt zu. Bora Bora entfernt sich immer mehr, aber wir lassen die Insel nicht hinter uns. Nach dem ersten Kreuzschlag scheint sie links vor dem Bug zu liegen. Wir kämpfen uns jedoch voran. Hinter uns stampft ein Katamaran mit Motorkraft gegen Welle und Wind. Der Mast wird immer kleiner und irgendwann dreht der Skipper um. Gut, dass unsere Lady so hart am Wind segeln kann. Ihr scheint das Wetter auch nichts auszumachen. Wir halten standhaft mit. Sechs Stunden später erreichen wir den den Motu von Taha’a, den wir bereits zu Fuß kennen gelernt haben. Dort befindet sich jedoch kein Pass. Vor dem Kreuzschlag kann ich das Riff direkt neben dem Rumpf sehen. Man muss nur noch abspringen und wäre da. Jedes Blatt der sich im Wind wiegenden Palmen kann ich erkennen. Alles klar zur Wende, Ree! Die kleine Koralleninsel wird immer kleiner, alle Details verschwinden, Taha’a wird wieder zu einer grün gefärbten Silhouette und zum zweiten Mal steuern wir eher auf Maupiti zu. Das ist das Los eines Seglers, wenn er gegen den Wind fahren muss. Kreuzen ist unerlässlich und manchmal fühlt es sich so an, dass man nie ankommt. Aber die Karte zeigt es anders. Wir nähern uns zwar in langen Zickzacklinien unserem Ziel und die Strecke wird doppelt so lang wie die Luftlinie, aber wir segeln. Nicht nur der Motor schneidet sich nicht in unsere Ganglien, das Boot liegt trotz Stampfens auch deutlich stabiler in der aufgewühlten See.
Nach dem nächsten Kreuzschlag legen wir genau auf den Pass an. Der Wind zeigt sich gnädig und lässt uns nach einem weiteren Haken durch den Pass segeln. In der Lagune kreuzen wir dann nur mit Groß und Motorunterstützung in sehr kleinen Schlägen. Acht Stunden und 15 Minuten nach dem Start auf Bora Bora liegen wir in der Ostlagune zwischen Raiatea und Taha’a an der Mooring. Dieser Platz ist nicht nur ruhig und von allen vier Inseln umrahmt. Von hier aus sehen wir den Sonnenauf- und -untergang. Ohne Windabdeckung kann man direkt vom Boot kiten oder wingfoilen, mit dem Dingi den Hauptort von Ra'iatea Uturoa besuchen und im nahegelegenem Riff schnorcheln. Hier machen wir nun erst einmal Pause, bevor es mit dem nächsten Windreher zurück nach Mo'orea geht.
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| Start mit Taha'a auf Steuerbord und Bora Bora vor dem Bug. |
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| Atoll Bora Bora mit erodierter Vulkaninsel und Saumriff |
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| in der Lagune vor der erodierten Kraterwand |
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| So sieht es von der Nordseite aus. |

































