Freitag, 19. Februar 2021

Sprünge zwischen den Jahreszeiten, vom Sommer in den Winter und zurück

Nach Staniel Cay benötigen wir eine Bucht, die uns vor einem 40 Knoten-Westwind schützt. Zumindest warnt die Wettervorhersage vor diesem Tiefdruckgebiet. Das ist in den Exumas nicht so einfach, besonders, wenn man mit einem Tiefgang von 2,10 Meter herum fährt. Zwischen den Inseln auf der Korallenbank der Exumas ist es meist flacher. Da wir immer noch auf dem Weg nach Norden sind, sucht Stefan uns eine Bucht an der Belle Island aus. Die befindet sich zwar bereits im Naturschutzgebiet und jede Nacht muss bezahlt werden, aber eine wirkliche Alternative gibt es nicht. Um dort hin zu kommen, können wir einen großen Umweg fahren oder zwei Sandbänke überwinden, was laut Karten während des Hochwassers möglich erscheint. Es klappt. Mit einigen anderen Booten liegt unsere Lady nun geschützt vor Anker. Noch weht es auflandig, so dass wir noch einmal kiten können. Danach dreht der Wind und nimmt beständig zu. 40 Knoten werden es nicht, aber Böen mit 35 Knoten sind auch ordentlich laut. Besonders unangenehm ist, dass sich die Luft auf 18 Grad abkühlt. Mit Wollsocken, Kaschmirpullover und warmen Haushosen halten wir die heiße Teetasse in den Händen oder verkriechen uns ins warme Boot. Die Heizung hilft abends und morgens. Plötzlich stecken wir mitten im Bahamaswinter.

Danach tasten wir uns kurz vor dem Ende der Flut über die Sandbänke und durch schmale Rinnen. Das Tiefensonar wird ununterbrochen kontrolliert und dann steht dort die 0,0! Ein leichter Ruck geht durch das Schiff und die dicke Köchin wird in den Bug geschickt. Was das bei 23 Tonnen Schiffsgewicht ausmachen soll, sei dahingestellt, denn der Capitano hat das Sagen. Mit den Luftbildern von Google geht es dann besser. Unsere Karten waren nicht ganz korrekt. Die von den Strömungen geschaffene, schmale Rinne, liegt einen Meter neben uns. Dort tasten wir uns weiter und erreichen ohne weitere Grundberührung unseren Ankerplatz. Der Einsatz hat sich gelohnt. Wir sind im Paradies angekommen und mal wieder komplett allein. Die Sonne brutzelt, der Sommer kehrt zurück und im Windschatten kann ich wieder alle Kleider von mir werfen. Den Nachmittag nutzen wir zum Schnorcheln. Ein paar Tage später können wir sogar kiten.

Weiter geht es nach Norden über den Schnorchelspot Rocky Dundas. Bunte Fische und eine Höhle sind die Highlights. Wie so oft in den Exumas, präsentieren sich die Korallen grau veralgt und zerbrochen. Nur kleine farbige Landschaften zeugen partiell vom Neuanfang. Die Insel Shroud Cay ist für ihre Mangrovewflüsse bekannt. Auf einer mehrstündigen Dingitour sehen wir in glasklarem Wasser Rochen, Haie und Schildkröte neben Schwärmen kleiner Fische schwimmen. Besonders beeindruckt mich jedoch die Landschaft aus türkisfarbenem Wasser, kantigem Korallengestein, Luftwurzeln und grünen Blättern.

Am Normans Cay besuchen wir das Flugzeug vom Drogenbaron Pablo Escobar. Es liegt bereits seit einiger Zeit im seichten Wasser zwischen den Inseln. Man munkelt, dass die C-46 schlichtweg überladen war und deshalb ins Meer stürzte. Bis 1982 wird die Insel als Hauptquartier für den Drogenschmuggel genutzt. Heute ist es hier ruhig. Eine neue Marina ist noch im Bau. Der Naturpark liegt nun hinter uns und im Norden lockt ein Funkmast, der Internet verspricht. Also segeln wir weiter bis Highborne Cay. Nach drei Tagen Funkstille läuft das Internet wieder. Hier können wir bleiben.

Yelena und Marcel sind mit ihrer Tomskii bereits auf dem Weg nach Florida. In Highborne Cay lernen wir Andrea und Marco kennen. Sie liegen mit ihrer Gonzo in der selben Bucht. Nach den ersten englischen Sätzen wird schnell klar, dass wir deutsch weiter reden können. Wieder lernen wir ein interessantes, sympathisches Seglerpaar kennen, treffen uns abends zum Wein und tauschen Geschichten aus. Während die Lady einen Abstecher zu nächsten Inselgruppe macht, filmt uns Marco mit seiner Drohne. Andrea ist Fotografin und plant ein Fotoshooting mit mir. Sie hat ihre große Kamera in ein wasserdichtes Gehäuse gepackt und will das Meer in ihre Kunst einbeziehen. Ich spiele das erste Mal in meinem Leben das Model und werde mit einem fröhlichen Nachmittag sowie tollen Bildern belohnt. 

Nun genießen wir bereits zwei Monate die Bahamas. Mit dem nächsten Nordwind müssen wir den Rückweg antreten.

Kitevergnügen vor dem Sturm, Belle Island

Liegeplatz mit gefiederten Nachbarn am Pipe Cay

paradiesischer Kitespot zwischen Compass Cay und Pipe Cay

erstaunlich großer Kaiserfisch zwischen bunten Korallen

Unsere Lady im Abendlicht

kunstvolle Landschaft in den Durchflüssen am Shrout Cay





Ist das Spiegelung oder eher Durchsicht?

Sonnenschutz für die Cockpitfenster

Pause muss sein: Dingitour mit Spaziergang

Korrekturarbeiten für das neue Buch "Covid 2020 - Lockdown unter Segeln"

Der Kapitän ist auch Lektor. Und streng!

Der Sekundenklebermann ist mal wieder am Werk

Nördlichster Ankerplatz zwischen Leaf Cay und Allan´s Cay

Eines meiner Lieblingsbilder von Andrea Di Prima 
https://www.diprimaportraits.com/about


Dienstag, 2. Februar 2021

Zum Thema Videos

Da ich meine Videos nicht immer zweimal hochladen möchte (Internet ist knapp und teuer), werden sie nun nur noch auf YouTube erscheinen. Unter dem Videoreiter findet ihr einen Link, der euch direkt zu meinem Kanal führt. Diesen könnt ihr abonnieren und werdet ab sofort zuverlässig informiert, wenn ein neuer Film erscheint. Das ist praktisch, klappt aber bei diesem Googleblog bekanntlich nicht bei allen so gut. 
Viel Spaß beim Gucken! Das Beste kommt bei mir immer zum Schluss!

I love Staniel Cay

Deshalb bekommt dieser Ort in den Exumas einen eigenen Post. Die ersten Tage ankern wir an einer tieferen Stelle direkt vor dem Ort. Um dort hinzugelangen, muss man zur Flut ankommen und sehr vorsichtig fahren, denn rundherum ist es flach, sehr flach. Dafür liegen wir dann sehr geschützt zwischen Sandbänken und Koralleninseln. Es sind so viele, dass ich sie nicht gezählt habe. Was für eine Kulisse, erst recht, wenn die auf- oder untergehende Sonne unsere Umgebung in romantisches Orangerot färbt. Zu den Supermärkten im Ort und den Sehenswürdigkeiten im Wasser ist es auch nicht weit. 

Auch wenn es auf den Bahamas sehr teuer ist, wird jeder Einkauf zu einem Erlebnis. Der Preis hat nicht mehr die Priorität. Die alles entscheiden Frage ist, ob du überhaupt etwas bekommst. Ich brauche auch keinen Einkaufszettel, denn wir nehmen - von dem sehr begrenzten Angebot - alles, was uns zusagt. Unser Ankerplatz liegt strategisch so gut, dass wir die Postboote ein- und auslaufen sehen. Am Sonntag kamen gleich drei und deshalb wird am Montag eingekauft. 150 Dollar bezahlen wir. Dafür wandern Tomaten, Gurken, Brokkoli, Möhren, ein paar Kartoffeln und sogar sechs kleine Avocados in unseren Beutel. Außerdem nehmen wir die letzten zwei Becher Joghurt und Sourcreme, für je acht Dollar, mit. Erst haben wir noch ein schlechtes Gewissen, aber dann wird uns bewusst, dass wir für das Einkaufsmanagement der Supermärkte nicht verantwortlich sind. Diese müssen sich wohl erst wieder an die Yachtis gewöhnen, die gern an Bord kochen.

Ein Höhepunkt ist zweifelsohne die Thunderballgrotte aus dem gleichnamigen James Bond Film. So viele Fische tummeln sich in diesem geschützten Hohlraum einer Koralleninsel. Der Lichteinfall durch die großen, höhlenartigen Öffnungen unter Wasser ist einmalig. Klar werden die Fische hier gefüttert, aber wir sind zwei Mal dort und immer allein, dank Corona und ein wenig Glück. Wir schnorcheln um ein gesunkenes Flugzeug und Auto herum, sehen Feuerfische und bunte Kaiserfische, Schildkröten, Rochen und bis zu 2,50 Meter lange Haie, Ammenhaie. Die sind auch gefährlich, aber in der Regel friedlich. Das Beste daran ist, dass ich meine unerklärliche Haiphobie, die mich seit meiner Kindheit gepackt hat, verliere. Ein tolles Gefühl, nicht mehr, nur bei dem Gedanken an einen Hai, im Wasser gleich panisch zu werden. 

Dann ankern wir um und legen uns, geschützt vor dem aufkommenden Wind, in das Ankerfeld vor dem legendären „Pig Beach“. Hier leben die berühmten Bahamasschweine. Diese schwimmenden Vierbeiner will ich schon lange mal persönlich begegnen. Tage vorher sammle ich bereits Gemüseabfälle und horte sie gut verpackt im kalten Kühlschrank. Unser Besuch wird zum Erlebnis, aber wie bei Haien, die Blut schnuppern, sind diese Schweine unberechenbar, wenn sie Futter sehen. Vorsichtig tasten wir uns ran und mehrmals suche ich schützende Deckung hinter dem Dingi. An Land traue ich mich nur ohne Futter. Diese Viecher haben Zähne und benutzen sie auch! Dann will ein kleiner Keiler sogar in unser Schlauchboot, vielleicht gibt es ja noch etwas unterm Ladentisch. Was für ein Schreck! Schnell suchen wir im tieferen Wasser Schutz. Wenn sie schwimmen, können die hungrigen Kerle nicht springen.

Nach einer Woche erst geht es weiter nach Norden. Eine Entscheidung ist gefallen. Den Rückweg nehmen wir nicht über die weiter östlich gelegene Inselkette sondern auf gleichem Weg durch die Exumas. Einige Plätze wollen wir einfach noch einmal sehen.

Licht und Schatten


Nixe spielt mit Sergeanten

Wracks ohne auslaufendes Öl sind Fisch- und Korallenparadiese


Schattenspiele


Stachelrochen auf Futtersuche



Huch ... !


Romantischer geht es kaum - Der Dank für das Bild geht an Ute!


Künstlicher Sternenhimmel