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Sonntag, 22. Januar 2023

Ach wie schön ist Panama

Wir sind wirklich überrascht. Janosch war wohl schon einmal hier. Bisher verband ich das Land nur als Tor zum Pazifik. Der Panamakanal ist berühmt und für jeden Reisenden auf dem Wasser ein Meilenstein. Aber Panama ist mehr. Panama sind auch Guna Yala, Regenwald mitsamt seiner fantastischen Tierwelt, Panama Citys bleistiftdünne Hochhäuser und idyllische Altstadt und die Perleninseln, ein Paradies im Pazifik mit glasklarem Wasser, Walen, Delfinen, Mantas und Walhaien. 

Die Tierwelt des Regenwaldes haben wir in der Shelter Bay Marina direkt vor der Haustür. Von den autonomen Gunas haben wir schon erzählt. Dann geht’s durch den Panamakanal. Seine Schleusen sind die größten der Welt. Im Inselparadies der Guna lernten wir Flurina und Ramon von der Pachific kennen. Sie bleiben mit ihrem Boot im Atlantik. Wir sind ihre Gelegenheit, eine Fahrt durch das Tor in den Pazifik selbst mitzuerleben. Mit den beiden haben wir nicht nur zwei äußerst hilfsbereite, fleißige Segler als Linehandler an Bord, sondern neue Freunde fürs Leben gefunden. Es war schon lange nicht mehr so fröhlich auf der Lady und ich genoss das in vollen Zügen. Jacqueline begleitet uns ebenso. Sie will mit ihrem Mann auf ihrer Avanti durch den Kanal, sieht so schon einmal wie es geht und trägt ebenfalls zur guten Stimmung an Bord bei. Vom Atlantik in den Pazifik benötigen wir mit Übernachtung ziemlich genau 24 h. Die Fahrtzeit beträgt etwa 12 h. Sechs Schleusenkammern durchqueren wir. Erst drei nach oben in den 26 m höher gelegenen Gatúnsee und den Kanal. So musste man nicht so tief graben. Am zweiten Tag geht’s wieder runter in den Pazifik. Die Skyline von Panama City und unzählige Containerschiffe begrüßen uns. Schaut euch unbedingt den Film dazu an.

Ein Besuch der Altstadt lohnt sich. Obwohl es bereits eine landseitige Umgehungsstraße gab, hat man noch eine im großen Bogen übers Meer geführt. So etwas sehen wir zum ersten Mal. Casco Viejo gefällt uns. Das Kanalmuseum ist leider geschlossen, weil eine neue Klimaanlage eingebaut wird. Es gibt ein Mola Museum. Dies wird eine echte Entdeckung und erzählt nicht nur vom Textilkunsthandwerk, sondern auch von der Kultur der Guna. Die Altstadt ist jedoch so überschaubar, dass ein Tag reicht. 


Die Las Perlas sind ein weiteres Paradies auf dieser Erde. Von den 183 Inseln sind 39 bewohnt. Zum Frühstück besuchen uns Wale und Delfine. Unter unserem Boot schwimmt ein Walhai entlang und eine Menge Rochen, darunter sogar Mantas und gefleckte Adlerrochen. So viele goldgelbe Strände gibt es hier, dass wir gar nicht alle besuchen können. Die Ankerplätze sind fast leer. Wo sind all die Segler hin? Wir holen die SUPs heraus und paddeln zwischen den Inseln wie in einer Binnenseelandschaft, üben den Drohnenflug und machen erste Aufnahmen. Die vielen Vogelschwärme versetzen mich in einen Avatarfilm, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Unglaublich!


Ein letztes Paket liegt seit zwei Wochen beim Zoll. Diese Schattenseite des Seglerlebens kennt ihr ja bereits. Bis zum Schluss hoffen wir, dass uns ein anderes Boot aus der Shelter Bay Marina, das unsere Richtung nimmt, mitbringt. Nach zehn Tagen engagiert Stefan einen Zoll-Agenten. So etwas gibt es also auch. Er muss suchen und wir sind gespannt, ob er das Paket für uns aufspüren kann. Das Wetterfenster für das Crossing rückt näher und wir werden es nicht verstreichen lassen. Die Fahrt wird auch mit dem richtigen Wind schon lang genug. Mindestens drei Wochen werden wir für die ca. 3.800 sm benötigen. Das wird unser bisher längstes Crossing.


Panama Kanal Crew: Ramon, Flurina,
Stefan, Ricarda, Jaqueline


Rufous Motmot, eine echte Entdeckung

Nasenbären schnüffeln überall im Wald herum.
(White nosed coati)


Besondere Freundschaften gibt es auch unter Tieren.

Eindrucksvolle Raubvögel…

…schauen gern von oben auf uns herab. (Black Hawk)

Loris sind nach den Brüllaffen die zweitbesten Krachmacher.

Porto Bello ist einen Besuch wert.

Die Lady wird vermessen: das sind also 54 Fuß 🤪

dicke Fender, lange Leinen, Agent Stanley und Freund Ramon

Panamakanal @wiki 


Panamakanal: Schau das Video
https://youtu.be/bAzpfCaxlzg

die drei Damen von der Lady Charlyette:
Jaqueline, Ricarda und Flurina

Panama City ist schöner als erwartet.

Erst Drohnenflugversuche in Las Perlas Archipel

Strandidyll in den Las Perlas

Inseldorfkirche im Aufbau

Liebe Grüße aus dem Pazifik (Golf von Panama)



Mittwoch, 4. Januar 2023

San Blas Inseln - Atolle in der Karibik

Die San Blas Inseln gehören zwar zu Panama werden jedoch autonom regiert. Vor ca. 100 Jahren erkämpfen sich die Kuna ihre Freiheit und so entsteht das Territorium der Kuna. Seither heißen die San Blas Inseln Kuna Yala oder besser Guna Yala, da in der Sprache der Kuna kein K existiert. Diese indigene Bevölkerung soll von den Kariben, welche eins sämtliche karibische Inseln bevölkerten, abstammen. Sie sind offenbar die einzigen Überlebenden des Genozids, den die europäischen Seefahrer hier veranstalteten. Nun verwalten sich die Kuna selbst und das macht ihr Gebiet für uns zum begehrten Reiseziel. Ein Segler erzählt sogar begeistert: „Bei den Kuna regieren die Frauen und insbesondere sie haben ihr Volk befreit, die letzten Amazonen quasi.“ Ich weiß nicht, wo er das her hat und ob die Geschichte stimmt, aber interessant hört sie sich auf jeden Fall an.

Wir wollen die letzten Indigenen der Karibik kennen lernen und kreuzen von Colón zwei Tagestouren hart gegen Wind und Welle zurück nach Osten zum Punta San Blas. In Porvenir melden wir uns ordnungsgemäß an und bezahlen die geforderte Besuchersteuer von 60 $. Diese gilt für 4 Wochen. Wer länger bleiben will, zahlt erneut. Ich kann mich nicht erinnern, ein so gelassenes, freundliches Einklarierungsprozedere je erlebt zu haben. Migda begrüßt uns warmherzig, schnell sind wir im Gespräch und fühlen uns fast wie zu Hause. Zwischen den Inseln gleiten schlanke dunkelbraune Einbäume mit Segeln auf dem nur leicht gekräuselten Wasser. Ein Eiland ist komplett mit kleinen Hütten bebaut. Die Kinder am Steg winken fröhlich zu uns hinüber. 


Kaum hält der Anker, legt das erste Einboot bei uns an. Frauen bieten ihre Handarbeiten an. Berühmt ist die „Mola“, quadratische Stoffe auf denen Muster und Bilder genäht sind. Ich schaue genau hin. Drei unterschiedlich gefärbte Schichten liegen übereinander. Die Muster und Bilder werden aus den oberen beiden geschnitten und alle Kanten dann komplett umstickt. Das Tragen die Frauen dann auf Brust und Rücken indem sie es auf ihre Blusen nähen. Diese Tradition entsteht, nachdem die Missionare die Kuna überzeugten, Kleidung zu tragen. Nun waren jedoch ihre Tatoos nicht mehr zu sehen. Die Muster auf den Körper waren wie ein Name und gehören zur Identität. Also behilft man sich so. Auch die Beine und Arme sind mit außergewöhnlich breiten Perlenbänder bedeckt. Tätowierungen kann ich nicht entdecken. Die Kuna kommen uns täglich mehrfach besuchen. Sie bieten nicht nur ihre Handarbeiten an, sondern auch Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Eier, die sie vom Festland herbeischaffen. Auf den Inseln wachsen nur Kokosnüsse, Bananen und ein paar Papayas. So kommt erstmalig der Supermarkt zu uns und das genießen wir sehr. Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass es teurer ist. Die Kommunikation klappt meist ganz gut in Spanisch. Für die Kuna ist es ebenso eine Fremdsprache wie für mich. Nun zahlen sich meine vielen Lernstunden aus.


Wir entdecken im Kuna Yala ein Paradies aus Atollen. Nur wenig guckt aus der Wasseroberfläche heraus, das meiste liegt darunter. Auf den kleinen Sandhügel wachsen Palmen, deren Wurzelgeflecht die Insel zusammen hält. Viele sind unbewohnt. Auf etwas größeren leben ein oder zwei Familien in traditionellen Hütten. Auf einigen stehen sogar frisch bemalte Ferienhäuser. Man erkennt sie von weitem, das die naturbelassenen Kunahäuser zwischen den braunen Palmstämmen optisch fast verschwinden. Mit einer Familie kann ich eine Fahrt in einem Einbaum vereinbaren. Sie liegen viel stabiler im Wasser als gedacht und das einfache Segel bringt diese schlanken Boote schnell in Fahrt. Gesteuert wird mit dem Körpergewicht und dem Paddel. 


Weihnachten feiern wir erst auf dem Wingfoilbrett. Wir haben ein ganzes Artoll für uns allein. Dann koche ich groß. Mit Nelly und Allan von der Meerla verbringen wir einen Abend mit einem 4-Gänge-Menu und den zweiten am Lagerfeuer auf einer einsamen Insel. Silvester haben wir dann eine noch kleinere Insel ganz für uns allein. Auf das alte und neue Jahr stoßen wir nach deutscher Zeit an, zeitgleich zum Sonnenuntergang. Am flachen weißen Strand tanzen wir nach ABBA-Musik und kommen pünktlich ins Bett. 


Kuna Yala ist eine echte Entdeckung. Die Einwohner sind zurückhaltend freundlich und sehr hilfsbereit. Sie scheinen zufrieden, auch wenn das Internet fast gar nicht läuft und die Lebensverhältnisse sehr einfach sind. Anders als in Asien sehen wir in den Holzhütten keine Flachbildschirme. Die Kinder spielen nackt im Sand und im Wasser, statt am Handy. In den Hütten stehen keine Möbel, allenfalls ein paar Kisten am Rand. Genug Platz für Hängematten, die nachts dicht an dicht alle Familienmitglieder aufnehmen. Oft leben drei Generationen in einem Haus, das nur aus Außenwänden und einem Dach besteht. Kinder toben zahlreich und in jeder Größe herum, nur die Allerkleinsten werden getragen.

























2022 war toll, auf ein weiteres erlebnisreiches Jahr

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Crossing Aruba - Panama

Die wievielte Überfahrt ist das nun? Ich müsste nachzählen. Inzwischen sind es etliche und jedes Mal rede ich mir ein: „Nun wird es besser. Dieses Mal werde ich sie genießen.“ Und wirklich es geht gut los. Der Wind schiebt von schräg hinten. Die Strömung hilft nicht unwesentlich. Die Lady schiebt uns stabil mit 9 Knoten durchs Wasser. Die Welle ist kaum zu merken. Wir können uns normal auf unserem Boot bewegen und genießen die rauschende Fahrt. Gleich in den ersten zwei Stunden ziehe ich drei Fische ans Deck, sodass die Angel nun erst einmal Pause macht. Die Thunfisch- und Barakudafilets finden im Kühlschrank und im Gefrierfach ihren neuen Platz. Den Sonnenuntergang genießen wir an Deck. Nachts geht es nicht mehr ganz so zügig voran, da das Leichtwindsegel sicherheitshalber eingeholt wird. Die kurzen starken Böen einer nächtlichen Regenwolke, unter Seglern Squall genannt, könnten es zerreißen. So schläft es sich ruhiger.

Am zweiten Tag wachsen die Wellen an. Die Segel beginnen zu schlagen. Jeder Wellenberg bremst die Fahrt. Nun bleibe ich lieber sitzen und schaue aufs Meer. Lesen ist nicht mehr möglich, sobald ich die Brille aufsetze, wird mir mulmig. Die Spanischlektionen vertreiben ein wenig die Langeweile. Delfine oder Wale wären schön, aber der ein oder andere Seevogel und die fliegenden Fische müssen fürs erste genügen. Immerhin kann ich mich um die Mahlzeiten kümmern und die notwendigsten Handlungen durchführen. Natürlich mit Festhalten. Die gegenseitigen ausgiebigen Kopfmassagen sind inzwischen festes Ritual auf diesen langweiligen Überfahrten.


Der dritte Sonnenaufgang begrüßt uns mit Kreuzwelle. Ein junger Maskentölpel hat die Nacht auf unseren Solarflächen verbracht, seine Umgebung ausgiebig vollgesch… und putzt sich nun ausgiebig. Immerhin etwas Abwechslung. Die Lady hüpft jedenfalls fröhlich hin und her, was selbst das Sitzen zur sportlichen Übung macht. Wenn ich mich dabei nicht so verkrampfen würde, könnte man es sogar als gesunde Bewegung verbuchen, die ein paar Speckschichten abbaut. In der Nacht wird es so schlimm, dass wir gar nicht schlafen. Selbst wenn ich meinen Körper so verkeile, das er nicht hin und her rutscht, Schwabern zumindest die Organe herum und das tut nach einigen Stunden auch weh. So etwas ist für die Bänder, an denen sie aufgehängt sind, zu ungewohnt.


Irgendwie überstehen wir die Nacht und den Vormittag des vierten Tages, dann kommt die Welle wieder nur aus einer Richtung und es wird ruhiger. Ich schaue auf die Wüste der Meeresoberfläche. Sie bewegt sich immer während und einschläfernd. Nebenbei ein paar Spanischlektionen, die aber nur an mir vorbei rauschen. Meine Gedanken drehen sich im Kreis vom Ärger über die Wellen, ihre Erfindung ist völlig unnötig und einen Nutzen kann ich auch nicht entdecken, bis zum Pazifik der ja auch irgendwann ansteht und noch etliche längere Überfahrten bereit hält. Warum fliege ich nicht einfach und erspare mir diese ganze Quälerei? Weil ich Stefan damit nicht allein lassen möchten. Manchmal ist es ganz gut zwei weitere Hände an Bord zu haben.


Nach der vierten Nacht erlebe ich den Sonnenaufgang hinter dichten Wolken. Es ist eher ein blasses Licht, das den Tag ankündigt. Dann tauchen Panamas Berge neben uns auf, ganz matt und weit weg. Egal, wir haben Land in Sicht. Mittags erreichen wir den Kanaleingang. Er ist umgeben von etlichen Containerschiffen, die wie die Enten nach und nach die Einfahrt nehmen. Wir müssen zwischen zwei hindurchflutschen. Starke Regenschauer mit den einhergehenden Böen erschweren das Manöver. Hinter der Mole ist mit einem Schlag alles ruhig. Nicht nur die Wellen sind ausgesperrt. Die grauen Wolken sind bereits weitergezogen, die Sonne lässt das klitschnasse Deck glitzern. Während wir Richtung Marina Motoren werden der Spinnakerbaum, alle Tampen und Schoten weggeräumt, die Fender und Festmacherleinen angebracht. Bei herrlichstem Sommerwetter und lautem Vogelkonzert fahren wir zwischen Mangroven in die Shelter Bay Marina ein. Die letzten 97 Stunden sind sofort vergessen und auch lang nicht mehr so schlimm. Nun sind wir da, an einem neuen, interessanten Ort, der uns freundlich empfängt.


Und ich genieße die wenigen Tage hier sehr. Ein Schwimmingpool lädt mich zwei Mal am Tag ein. Zwei Mal täglich begebe ich mich auf Safari in den angrenzenden Wald, sehe Brüllaffen und die kleineren Kapuzineräffchen, Tukane, Sittiche und viele bunte Singvögel, beobachte die Brillenbären und freue mich über die langen Schwänze, die sie wie Katzen steil in die Höhe strecken. Nebenbei bringen wir natürlich das Boot in Ordnung, erledigen die organisatorischen Dinge für Einreise und Panamakanal, kaufen ordentlich ein, planen die Fahrt ins San Blas Archipel und treffen bekannte und unbekannte Segler, tauschen Informationen und Pläne aus. Nach drei Tagen bin ich völlig erschöpft und doch wollen wir los, endlich die San Blas kennen lernen. 


Das Tankmanöver wird schwierig und schmutzig und danach gehts wieder hart gegen die Welle und den Wind. Die Lady stampft sich durch die Wellen und produziert hohe Regenbogenfontänen. Wir müssen kreuzen, um von Colón zur Linton Bay zu kommen. Ein langer Schlag führt uns so weit aufs Meer hinaus, dass selbst die vielen Containerschiffe vor dem Kanaleingang hinterm Horizont verschwinden. Zurück zeigt sich die See dann etwas weicher, da die Dünung von der Seite unter dem Rumpf hindurch rollt. Weiter gehts hart am Wind, nun von links. Für beide Schläge benötigen wir sieben Stunden. Der zweite Tag wird angenehmer, ebenso hart am Wind aber mit weniger Welle. Eine Swisscat 48  fordert uns zum Rennen heraus und so wird es weniger langweilig. Was meint ihr, welches Boot war wohl letztendlich schneller?



Schau das Video: https://youtu.be/C1RUEdx8p8g