Mittwoch, 4. Januar 2023

San Blas Inseln - Atolle in der Karibik

Die San Blas Inseln gehören zwar zu Panama werden jedoch autonom regiert. Vor ca. 100 Jahren erkämpfen sich die Kuna ihre Freiheit und so entsteht das Territorium der Kuna. Seither heißen die San Blas Inseln Kuna Yala oder besser Guna Yala, da in der Sprache der Kuna kein K existiert. Diese indigene Bevölkerung soll von den Kariben, welche eins sämtliche karibische Inseln bevölkerten, abstammen. Sie sind offenbar die einzigen Überlebenden des Genozids, den die europäischen Seefahrer hier veranstalteten. Nun verwalten sich die Kuna selbst und das macht ihr Gebiet für uns zum begehrten Reiseziel. Ein Segler erzählt sogar begeistert: „Bei den Kuna regieren die Frauen und insbesondere sie haben ihr Volk befreit, die letzten Amazonen quasi.“ Ich weiß nicht, wo er das her hat und ob die Geschichte stimmt, aber interessant hört sie sich auf jeden Fall an.

Wir wollen die letzten Indigenen der Karibik kennen lernen und kreuzen von Colón zwei Tagestouren hart gegen Wind und Welle zurück nach Osten zum Punta San Blas. In Porvenir melden wir uns ordnungsgemäß an und bezahlen die geforderte Besuchersteuer von 60 $. Diese gilt für 4 Wochen. Wer länger bleiben will, zahlt erneut. Ich kann mich nicht erinnern, ein so gelassenes, freundliches Einklarierungsprozedere je erlebt zu haben. Migda begrüßt uns warmherzig, schnell sind wir im Gespräch und fühlen uns fast wie zu Hause. Zwischen den Inseln gleiten schlanke dunkelbraune Einbäume mit Segeln auf dem nur leicht gekräuselten Wasser. Ein Eiland ist komplett mit kleinen Hütten bebaut. Die Kinder am Steg winken fröhlich zu uns hinüber. 


Kaum hält der Anker, legt das erste Einboot bei uns an. Frauen bieten ihre Handarbeiten an. Berühmt ist die „Mola“, quadratische Stoffe auf denen Muster und Bilder genäht sind. Ich schaue genau hin. Drei unterschiedlich gefärbte Schichten liegen übereinander. Die Muster und Bilder werden aus den oberen beiden geschnitten und alle Kanten dann komplett umstickt. Das Tragen die Frauen dann auf Brust und Rücken indem sie es auf ihre Blusen nähen. Diese Tradition entsteht, nachdem die Missionare die Kuna überzeugten, Kleidung zu tragen. Nun waren jedoch ihre Tatoos nicht mehr zu sehen. Die Muster auf den Körper waren wie ein Name und gehören zur Identität. Also behilft man sich so. Auch die Beine und Arme sind mit außergewöhnlich breiten Perlenbänder bedeckt. Tätowierungen kann ich nicht entdecken. Die Kuna kommen uns täglich mehrfach besuchen. Sie bieten nicht nur ihre Handarbeiten an, sondern auch Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Eier, die sie vom Festland herbeischaffen. Auf den Inseln wachsen nur Kokosnüsse, Bananen und ein paar Papayas. So kommt erstmalig der Supermarkt zu uns und das genießen wir sehr. Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass es teurer ist. Die Kommunikation klappt meist ganz gut in Spanisch. Für die Kuna ist es ebenso eine Fremdsprache wie für mich. Nun zahlen sich meine vielen Lernstunden aus.


Wir entdecken im Kuna Yala ein Paradies aus Atollen. Nur wenig guckt aus der Wasseroberfläche heraus, das meiste liegt darunter. Auf den kleinen Sandhügel wachsen Palmen, deren Wurzelgeflecht die Insel zusammen hält. Viele sind unbewohnt. Auf etwas größeren leben ein oder zwei Familien in traditionellen Hütten. Auf einigen stehen sogar frisch bemalte Ferienhäuser. Man erkennt sie von weitem, das die naturbelassenen Kunahäuser zwischen den braunen Palmstämmen optisch fast verschwinden. Mit einer Familie kann ich eine Fahrt in einem Einbaum vereinbaren. Sie liegen viel stabiler im Wasser als gedacht und das einfache Segel bringt diese schlanken Boote schnell in Fahrt. Gesteuert wird mit dem Körpergewicht und dem Paddel. 


Weihnachten feiern wir erst auf dem Wingfoilbrett. Wir haben ein ganzes Artoll für uns allein. Dann koche ich groß. Mit Nelly und Allan von der Meerla verbringen wir einen Abend mit einem 4-Gänge-Menu und den zweiten am Lagerfeuer auf einer einsamen Insel. Silvester haben wir dann eine noch kleinere Insel ganz für uns allein. Auf das alte und neue Jahr stoßen wir nach deutscher Zeit an, zeitgleich zum Sonnenuntergang. Am flachen weißen Strand tanzen wir nach ABBA-Musik und kommen pünktlich ins Bett. 


Kuna Yala ist eine echte Entdeckung. Die Einwohner sind zurückhaltend freundlich und sehr hilfsbereit. Sie scheinen zufrieden, auch wenn das Internet fast gar nicht läuft und die Lebensverhältnisse sehr einfach sind. Anders als in Asien sehen wir in den Holzhütten keine Flachbildschirme. Die Kinder spielen nackt im Sand und im Wasser, statt am Handy. In den Hütten stehen keine Möbel, allenfalls ein paar Kisten am Rand. Genug Platz für Hängematten, die nachts dicht an dicht alle Familienmitglieder aufnehmen. Oft leben drei Generationen in einem Haus, das nur aus Außenwänden und einem Dach besteht. Kinder toben zahlreich und in jeder Größe herum, nur die Allerkleinsten werden getragen.

























2022 war toll, auf ein weiteres erlebnisreiches Jahr

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