Sonntag, 25. Mai 2025

Es wird plötzlich eng - Canal du Midi im April und Mai

Zurück in Leucate atmen wir erst einmal durch. Zwei Tage nähen wir noch an unserer Cockpitbude. Dann ist sie fertig und allem in allem sind wir zufrieden. Die größten Herausforderungen sind die vielen Ecken und Wölbungen, die Logistik: wann, was, wie schneiden und nähen und die großen Plastikfensterteile. Die passen kaum in unseren Salon und sind deutlich länger als der Tisch. Was denkt ihr, wie viele Stunden wir insgesamt daran geplant und genäht haben? Tatsächlich waren es 174 Stunden. Nun wissen wir, warum die Angebote ab 10 T€ aufwärts lagen. Das ist absolut gerechtfertigt. Dabei sind da noch nicht einmal die vielen Feinheiten berücksichtigt, die wir natürlich aufgrund der vielen Zeit umsetzen konnten.


Es ist immer noch kalt in Leucate. Auf den Pyrenäen liegt Ende März / Anfang April natürlich noch Schnee und diese Kühlschranktemperaturen bringt der Wind mit an die Küste. Drei Tage haben wir sogar Sturm, der mit 60 Knoten so Einiges in der Marina zerstört. Segel flattern zerfetzt im Wind, Bootsrümpfe schlagen an die Stege und Kaimauern, einige reißen sich los und sinken. Ein trauriger Anblick. Die meisten Boote liegen hier im Winter verlassen, da die Besitzer nur im Sommer kommen. Immerhin konnten wir das Segel und die Lazybag unseres Nachbarn ordentlich befestigen und so zumindest ihm die Reparaturen ersparen. Wir wollen morgens endlich nicht mehr heizen und in wärmere Gefilde. Außerdem zahlen wir im April/Mai 942 Euro pro Monat für den Liegeplatz, statt nur 523 Euro in den Wintermonaten. Also geht es Anfang April los. Wir sind bereit, haben Lust, die Welle auf dem Mittelmeer ist im Moment etwas kleiner und soll von schräg hinten kommen. Das sollte passen. Immerhin sind es nur 12 Seemeilen an der Küste entlang. Ein Kinderspiel!


Dachten wir! Die Welle kommt von schräg vorn und liegt bei etwa 1 bis 1,5 Meter. Wir schaukeln dermaßen, dass nicht nur alles aus den Regalen fällt, sondern sich sogar die Kühlschranktüren öffnen und unsere Lebensmittel auf dem Boden verteilen. Das kann ich nicht bis zur Ankunft so lassen. Also sitze ich auf dem Boden uns sammle gefrorene Blaubeeren ein, die überall herum kullern und natürlich wird mir dabei wieder schlecht.

Stefan dreht den Motor hoch. Er fährt nun mit Diesel und hat  damit genug Power, um mit 12 Knoten das Elend abzukürzen. Für Vollspeed kann sich Stefan nicht durchringen, denn dabei werden die Motoren natürlich besonders durstig. 


In Port-La Nouvelle verlassen wir das wilder Meer für diese Saison und tauchen in die Kanäle Südfrankreichs ein. Am Anfang ist es noch eine normale Hafeneinfahrt, aber danach wird es eng und flach. Der Canal de la Robine empfängt uns mit 70 cm ! Wassertiefe. Das rechte und linke Ufer können wir gefühlt berühren. Die Finnen schleifen im Schlamm, und die Propeller wirbeln ihn mächtig auf. Langsam tasten wir uns vorwärts und wissen noch nicht wie weit wir kommen. Die Angaben über Wassertiefe, Kanalbreite und Brückenhöhen in den Charts, Kartenbüchern und Blogeinträgen sind unterschiedlich. Sie reichen von zu flach, zu niedrig, zu eng bis genügend Platz rundherum. Wir müssen es einfach ausprobieren. Stück für Stück gewöhnen wir uns an die Enge und die vielen Schleusen. Mit unseren 4,25 m Breite (ohne Fender), 2,85 m Höhe und einem Tiefgang von 85 cm kommen wir überall durch, wenn auch oft ziemlich knapp. Beim Anlegen haben wir häufiger Grundberührung und auch manchmal mitten im Kanal. Ab und zu klöttert es unter uns gefährlich laut. Das sind wohl größere Äste oder Baumstämme, die auf dem Grund liegen. Aufgrund des braunen Wassers ist das nicht zu erkennen. Es bleibt frisch. Die Heizung muss morgens weiterhin ran. Erst nach Ostern gibt es Tage, an denen es sonniger und wärmer wird. Im Mai meldet sich dann immer mal wieder der Sommer an. Auch vom Canal du Midi sehen wir hin und wieder die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen am Horizont. Wir fahren durch Narbonne und bis Béziers. Dort treffen wir uns mit unsere Freundin Martine, die wir auf Tahiti kennen lernten. Sie ist ebenso zurück und zeigt uns ihren historischen Wohnort St. Guilherme-le-Desert. Den können wir euch wärmstens empfehlen. Er rangiert bei uns noch vor Minerve auf Platz 1 der Dörfer Südfrankreichs. Dann gehts Richtung Westen über Carcassonne nach Toulouse. Zwischendurch erkunden wir zu Fuß oder mit dem Rad die nähere Umgebung. Wir genießen das ruhige Reisen mit durchschnittlich 2,5 km/h. Die Fußgänger laufen nebenher. Radfahrer sind schnell vorbei. Wir fahren 100 Prozent elektrisch, trotz Wolken und Regen dank einiger Landstrom-Angebote. Wenn keine anderen Boote, Radfahrer oder Autos in der Nähe sind, hören wir nur noch den Gesang der Vögel. Es ist, als gleiten wir schwebend über das Wasser. Was für ein Kontrast zum Segeln: statt unendlicher Weiten ohne Land, streifen uns die Büsche und herabhängenden Äste der Akazien. Statt Stille zwitschern die Vögel fast ununterbrochen. Statt Tagen und Wochen ohne andere Kontakte, steigen wir jeden Tag aus, gehen spazieren, wandern oder fahren mit dem Rad. Die Natur und Kultur sind so nahe, jederzeit präsent. Schwimmen geht jedoch nicht. Zum einen ist es nicht erlaubt, zum anderen will man nicht mal einen Zeh in diese Brühe halten. Noch ist es auch zu frisch zum Baden. Es fehlt uns nicht. Mal schauen, wie es im Sommer wird. 


Schaut euch unsere Filme bei YouTube @Reise mit Ricarda dazu an. 


MY Villa #07 Argens-Trebes 2  https://youtu.be/8IKAgf33MDk


MY Villa #06 Argens-Trebes 1  https://youtu.be/4_Q2vpt2hN0


MY Villa #05 LeSomail - Argens https://youtu.be/X0HLc5jPmoA


MY Villa #04 Béziers-LeSomail https://youtu.be/NOq4tJc6u7A


MY Villa #03 Port la Robine - Béziers  https://youtu.be/iiQ4le3mJjE


MY Villa #02 Narbonne-CanalduMidi https://youtu.be/CiYe6cQwrwA


MY Villa #01 Leucate-Narbonne https://youtu.be/05ZxrGU-twY



Natur und Kultur sind so nahe und immer präsent.

Wiedersehen mit Martine in St. Guilheme-le-Desert


Da geht's lang, im Film seht ihr die Vogelperspektive.

Na, ist die Schleuse auch breit genug?

MY Villa passt bisher überall durch, wenn auch knapp 😅.