Posts mit dem Label Kanaren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kanaren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. Januar 2023

Ach wie schön ist Panama

Wir sind wirklich überrascht. Janosch war wohl schon einmal hier. Bisher verband ich das Land nur als Tor zum Pazifik. Der Panamakanal ist berühmt und für jeden Reisenden auf dem Wasser ein Meilenstein. Aber Panama ist mehr. Panama sind auch Guna Yala, Regenwald mitsamt seiner fantastischen Tierwelt, Panama Citys bleistiftdünne Hochhäuser und idyllische Altstadt und die Perleninseln, ein Paradies im Pazifik mit glasklarem Wasser, Walen, Delfinen, Mantas und Walhaien. 

Die Tierwelt des Regenwaldes haben wir in der Shelter Bay Marina direkt vor der Haustür. Von den autonomen Gunas haben wir schon erzählt. Dann geht’s durch den Panamakanal. Seine Schleusen sind die größten der Welt. Im Inselparadies der Guna lernten wir Flurina und Ramon von der Pachific kennen. Sie bleiben mit ihrem Boot im Atlantik. Wir sind ihre Gelegenheit, eine Fahrt durch das Tor in den Pazifik selbst mitzuerleben. Mit den beiden haben wir nicht nur zwei äußerst hilfsbereite, fleißige Segler als Linehandler an Bord, sondern neue Freunde fürs Leben gefunden. Es war schon lange nicht mehr so fröhlich auf der Lady und ich genoss das in vollen Zügen. Jacqueline begleitet uns ebenso. Sie will mit ihrem Mann auf ihrer Avanti durch den Kanal, sieht so schon einmal wie es geht und trägt ebenfalls zur guten Stimmung an Bord bei. Vom Atlantik in den Pazifik benötigen wir mit Übernachtung ziemlich genau 24 h. Die Fahrtzeit beträgt etwa 12 h. Sechs Schleusenkammern durchqueren wir. Erst drei nach oben in den 26 m höher gelegenen Gatúnsee und den Kanal. So musste man nicht so tief graben. Am zweiten Tag geht’s wieder runter in den Pazifik. Die Skyline von Panama City und unzählige Containerschiffe begrüßen uns. Schaut euch unbedingt den Film dazu an.

Ein Besuch der Altstadt lohnt sich. Obwohl es bereits eine landseitige Umgehungsstraße gab, hat man noch eine im großen Bogen übers Meer geführt. So etwas sehen wir zum ersten Mal. Casco Viejo gefällt uns. Das Kanalmuseum ist leider geschlossen, weil eine neue Klimaanlage eingebaut wird. Es gibt ein Mola Museum. Dies wird eine echte Entdeckung und erzählt nicht nur vom Textilkunsthandwerk, sondern auch von der Kultur der Guna. Die Altstadt ist jedoch so überschaubar, dass ein Tag reicht. 


Die Las Perlas sind ein weiteres Paradies auf dieser Erde. Von den 183 Inseln sind 39 bewohnt. Zum Frühstück besuchen uns Wale und Delfine. Unter unserem Boot schwimmt ein Walhai entlang und eine Menge Rochen, darunter sogar Mantas und gefleckte Adlerrochen. So viele goldgelbe Strände gibt es hier, dass wir gar nicht alle besuchen können. Die Ankerplätze sind fast leer. Wo sind all die Segler hin? Wir holen die SUPs heraus und paddeln zwischen den Inseln wie in einer Binnenseelandschaft, üben den Drohnenflug und machen erste Aufnahmen. Die vielen Vogelschwärme versetzen mich in einen Avatarfilm, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Unglaublich!


Ein letztes Paket liegt seit zwei Wochen beim Zoll. Diese Schattenseite des Seglerlebens kennt ihr ja bereits. Bis zum Schluss hoffen wir, dass uns ein anderes Boot aus der Shelter Bay Marina, das unsere Richtung nimmt, mitbringt. Nach zehn Tagen engagiert Stefan einen Zoll-Agenten. So etwas gibt es also auch. Er muss suchen und wir sind gespannt, ob er das Paket für uns aufspüren kann. Das Wetterfenster für das Crossing rückt näher und wir werden es nicht verstreichen lassen. Die Fahrt wird auch mit dem richtigen Wind schon lang genug. Mindestens drei Wochen werden wir für die ca. 3.800 sm benötigen. Das wird unser bisher längstes Crossing.


Panama Kanal Crew: Ramon, Flurina,
Stefan, Ricarda, Jaqueline


Rufous Motmot, eine echte Entdeckung

Nasenbären schnüffeln überall im Wald herum.
(White nosed coati)


Besondere Freundschaften gibt es auch unter Tieren.

Eindrucksvolle Raubvögel…

…schauen gern von oben auf uns herab. (Black Hawk)

Loris sind nach den Brüllaffen die zweitbesten Krachmacher.

Porto Bello ist einen Besuch wert.

Die Lady wird vermessen: das sind also 54 Fuß 🤪

dicke Fender, lange Leinen, Agent Stanley und Freund Ramon

Panamakanal @wiki 


Panamakanal: Schau das Video
https://youtu.be/bAzpfCaxlzg

die drei Damen von der Lady Charlyette:
Jaqueline, Ricarda und Flurina

Panama City ist schöner als erwartet.

Erst Drohnenflugversuche in Las Perlas Archipel

Strandidyll in den Las Perlas

Inseldorfkirche im Aufbau

Liebe Grüße aus dem Pazifik (Golf von Panama)



Sonntag, 28. November 2021

Der Winter kommt - El Hierro

Ja, darüber könnt ihr nur lachen, denn in Deutschland herrscht echtes Novemberwetter und die ersten Schneestürme sind angesagt. Aber wir frieren. Es wird Zeit, mit den Zugvögeln zu reisen. Sie sind uns wahrscheinlich weit voraus. Wir tragen wieder lange Hosen, Kaschmirpullover und Weste. Ich nähe Stefan einen kuschelwarmen Bademantel. Abends läuft die Heizung an Bord. Jeder Sonnenstrahl wird eingefangen und nach langer Zeit gab es mal wieder heiße Linsensuppe.

El Hierro lohnt sich. Da die Insel so abgeschlagen liegt und außerdem so klein ist, verirren sich nur wenige hier hin. Als La Gomera schon lange fertig war, reißt die Erdkruste tief im Atlantik. Die austretende Lava türmt sich steil auf, bis der neue Gebirgsrücken aus der Wasseroberfläche ragt. 2000 Meter sollen es gewesen sein und dann stürzt ein Teil der Insel in Meer, verursacht einen riesigen Tsunami, der wohl sogar bis Amerika reicht und hinterlässt eine wundervolle langgezogene Bucht - El Golfo genannt. Dort quartieren wir uns in das kleinste Hotel der Welt ein, dort tosen die Wellen fortwährend an den schwarzen Basalt, von dort aus erkunden wir mit einem Mietwagen die Insel und dort fliege ich das erste Mal mit einem Paragleitschirm von über 1000 Metern Höhe hinunter ins Tal. Wie ein Adler kreise ich während des Sonnenuntergangs in der Thermik, ziehe einen großen Bogen über weiß schäumenden Wellen und türkisblauen Wasser an der rauhen tiefschwarzen Küste. 


Hier kann man wandern, César Manrique besuchen und bei ihm mit bester Aussicht über die El Golfo-Bucht zu Abend essen. Viele Aussichtspunkte bieten eine spektakuläre Sicht, da es überall sehr steil hinab geht. Von 1500 Metern sehen wir Teneriffa, La Gomera und La Palma. Hier wachsen die windflüchtenden Wacholder, jeder ein eigenes Kunstwerk. Hier war lange Zeit das Ende der Welt. Auf den westlichsten Zipfel der südwestlichsten kanarischen Insel legte man im Mittelalter den Nullmeridian. Erst 1884 wird er nach Greenwich verlegt. Damals hat man die Karten noch von links nach rechts beschriftet. Was für eine Verwirrung muss das gegeben haben. Musste man doch immer fragen, von welchem Jahr die Koordinaten stammen, um nicht plötzlich am völlig falschen Ort zu landen. Natürlich gucken wir uns den westlichsten Zipfel der alten Welt genau so wie auch den südlichsten an. Wieder einmal stehen wir am Ende der Welt und erinnern uns ans Kap Finisterre in Portugal.


Hier kann man sich in einem Freiluftmuseum die Häuser aus den letzten Jahrhunderten ansehen. Diese kamen erst mit den Spaniern. Davor lebten die Bimbaches in Lavahöhlen. Als man die Häuser obendrauf baut, werden sie als Keller oder Ställe weiter genutzt und so können wir auch diese heute noch besichtigen. Das ist wirklich spannend und einzigartig. El Hierro ist für viele Menschen zu trocken. Die Ureinwohner haben das Wasser von den Bäumen geholt. Von denen tropft es nämlich, wenn die Wolken in den blattreichen Kronen hängen. Diese heiligen Bäume können wir uns auch ansehen. Heute sind sie einbetoniert. Das Wasser fließt am tiefsten Punkt ab und kann so ohne Verluste eingesammelt werden. Durch den Nebel müsse wir auch immer wieder. Von einem Moment auf den anderen steckt man in der grauen undurchsichtigen Wolke und im nächsten Moment scheint die Sonne am hellblauen Himmel.


Nun bereiten wir uns auf die Atlantiküberquerung vor. Über Kap Verden geht es nach Martinique. In Mindelo wird das Wetter entscheiden, ob wir die Inseln noch ein wenig näher kennen lernen oder gleich weiter segeln. Die Reise bleibt spannend, kein Plan ist gewiss, Flexibilität gefragt. Wir haben alle Zeit der Welt. Nicht ganz, Anne und Daniel wollen uns Ende Januar in der Karibik besuchen. Darauf freuen wir uns so, dass wir natürlich rechtzeitig da sein werden. Ich werde mich nun doch noch einmal mit Französisch versuchen und habe für die Überfahrt einen Lehrgang gekauft. Mal sehen, ob man meine ersten Versuche dann wohlwollender entgegen nimmt.



Vogelperspektive auf unser Zuhause: Puerto de Estaca

Dinner bei César Manrique

Lavawohnhöle zur Bodega umfunktioniert

Das kleinste Hotel der Welt wird ständig
von schäumenden Wellen umspült

Wir finden fünf natürliche Basaltbrücken.
Wie lange die wohl halten. Ich traue mich nicht rauf.

Jeder dieser windflüchtenden Wacholder stellt ein Kunstwerk dar.

Wie ein Adler über den Wolken in der Thermik,
ich bin fasziniert und wahrscheinlich infiziert.


Montag, 15. November 2021

La Gomera - Auf Schusters Rappen

Auf der Karte sieht die Insel wie ein Weihnachtsplätzchen aus. Schaut man sie sich genauer an, handelt es sich eher um eines aus längst vergangener Zeit. 

Das 11 Millionen Jahre alte Eiland hat inzwischen schon so viel Regen, Wind und Wellen erlebt, so dass sich seine Bergrücken und Vulkanschlote nackt präsentieren. Wie uralte Wächter ragen die riesigen Felsen in der Mitte der Insel heraus. Von hier ziehen sich tiefe schmale Täler in alle Himmelsrichtungen zum Meer. Dort fließt das Regenwasser hindurch und der Mensch sorgt für viel Grün. Urzeitliche Laurazeenwälder bedecken die Füße der erkalteten Vulkane wie eine flauschig grüne Decke. Darunter wird es jedoch nicht warm. Die bemoosten Bäumchen fangen die Feuchtigkeit der Wolken ein und halten ihre eisigen Temperaturen fest. Der Wanderer muss entweder unempfindlich sein oder etwas Warmes zum Überziehen dabei haben. Auf den sonnenbeschienenen Felsen und unter dem schattigen Blätterdach herrscht ein Unterschied von 20 bis 30 Grad Celsius. Der letzte Vulkan war vor zwei Millionen Jahren aktiv und damit kann La Gomera wohl als Ururgroßmutter von La Palma gelten. Das junge Kücken wächst ja immer noch.


Wir erkunden die Insel wandernd. Mit dem Bus lassen wir uns von Ost nach West und von Süd nach Nord fahren und nutzen die alten Wege der Ureinwohner. Hier geht es so steil hinunter, dass sie wohl den längsten Wanderstab der Menschheit erfunden haben. So kann man besser die steilen Klippen von Absatz zu Absatz hinunter springen. Meine Stickis sind zwar nur etwa halb so lang, aber dafür habe ich zwei und sie sind eine gute Hilfe. Außerdem gibt es hier eine Pfeifsprache. So spart man sich den mühseligen Weg hinunter ins Tal und wieder hinauf. Man kann sich von der Terrasse über den Abgrund hinweg zum gegenüberliegenden Anwesen unterhalten. Heute steht diese Art der Kommunikation in allen Schulen der Insel auf dem Lehrplan. Wir entdecken wunderschöne kleine alte Orte, klettern scheinbar senkrechte Felswände hinauf und hinunter, wandern auf kargen Bergrücken entlang und schauen den Falken auf den Rücken, balancieren durch einen Flusslauf bis zu einem erfrischendem Wasserfall, im vergeblichen Bestreben, keine nassen Füße zu bekommen. Im Valle Grand Rey treffen wir fast nur Deutsche, während ich in San Sebastián mein Spanisch weiter trainieren kann. 


Dann werden wir quasi weggeschickt. Die Marina ist so überfüllt, das sogar Stefan an der Herrentoilette anstehen muss. Es gibt wohl eine ellenlange Reservationsliste und zwei Verlängerungen wären genug. Nun soll die Lady Platz für andere Boote machen. Da kein Wind ist, müssen wir erneut motoren, die gesamte Strecke bis El Hierro, neun lange Stunden. So darf das aber nicht weiter gehen! Immerhin haben uns die Delfine nicht vergessen. Sie besuchen uns, um eine Weile abwechselnd in unserer Bugwelle zu surfen.


Reparaturarbeiten: Unser Schiff soll dichter werden!

Nackte Bergrücken und im Hintergrund
die Wächter mit der grünen Fußdecke

Pause mit Vogelperspektive

La Gomera mit Teijde (Teneriffa) im Hintergrund

erodierte Vulkanschlote in der Inselmitte

der Zahn der Zeit

Na, hat er schon nasse Füße?


Liebe Grüße von La Gomera (Kanaren)

El Guru im Valle Grand Rey

So kommt man auch senkrechte Felswände hinauf.

...wie ein Adler von oben schauen...

Vallehermoso: Da gehts lang!




Sonntag, 31. Oktober 2021

Feurige Insel im Atlantik - La Palma

La Palma zeigt sich widerspenstig. Wir benötigen mehrere Anläufe, um diese nordwestlichste Insel der Kanaren zu erkunden. Deshalb gibt es heute eine kurze Zeitleiste zur besseren Orientierung:


15.09. 

Start von Santa Maria Azoren, die Marina Tazacorte konnte uns keinen Liegeplatz anbieten und so weichen wir in die deutlich unbeliebtere in Santa Cruz aus.


19.09.

Wir erreichen nachts um ein Uhr die Marina in Santa Cruz. Nur wenige Stunden später bricht der Vulkan in der Cumbre Vieja aus. Santa Cruz stellt sich nun als die bessere Wahl heraus, weil die Lava und die Aschewolken Richtung Tazacorte ziehen. Die schöne alte Stadt begeistert uns. Die Inselentdeckung muss warten, weil im Moment die Evakuierungen laufen. Da will und darf man nicht stören.


24.09.- 11.10. 

Afrikaurlaub mit der Mutti


12.10. - 16.10. 

Wir leben uns wieder ein und freuen uns auf unseren ersten Besuch seit dem Lockdown in der Karibik. Ich informiere mich über die Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten auf der Insel, Stefan mietet ein Auto.


15.10. + 16.10. 

Der Wind lässt nach. Erst fällt grober Sand vom Himmel, dann wird er feiner bis es nur noch Asche ist. Dieser Vulkanniederschlag hört nicht auf. Wir schlafen mit Maske und bekommen trotzdem Halsschmerzen und den Rotz. Die Kopfhaut juckt.


16.10. 

Ich sitze schon im Bus, um Kathleen und Marco vom Flughafen abzuholen. Ein Anruf von Stefan lässt mich umkehren: „Das Flugzeug landet auf Teneriffa.“ Es folgt eine Krisensitzung, dann laden wir die beiden aus. La Palma ist im Moment kein Urlaubsort. Kathleen und Marco stehen gerade am Kofferband, reagieren unkompliziert und sehr schnell, nehmen ein Taxi und die nächste Fähre nach La Gomera. Unterwegs buchen sie ein Hotel in San Sebastián. Wir fragen nach einem Liegeplatz, aber die Marina kann uns keinen anbieten.


17.10. 

Wir spülen den gesamten Tag das Boot. Vorher muss die zentimeterdicke Ascheschicht mit der Schaufel geschippt werden. Inzwischen lässt sie sich nämlich nicht mehr fegen. Mich erinnert das ans Schneeschippen. Nur ist dieser Matsch tiefschwarz. Wir freuen uns über die sauberen Flächen, aber hinter uns ist wieder alles grau. Ich bekomme Angst vor der nächsten Nacht und einer weiteren dicken Ascheschicht. Auch meine Halsschmerzen werden schlimmer. Inzwischen fühle ich mich krank und glaube an eine echte Erkältung. Stefan macht das Boot klar und wir starten ohne Wind um 16 Uhr Richtung La Gomera. Etwa eine halbe Meile vor der Küste hört der Ascheregen auf. Die Insel hinter uns ist von tiefliegenden Wolken umringt und sieht aus, als läge sie im Morgennebel. Wir spülen das Boot notdürftig mit Bordwasser aus dem Tank weiter.


18.10. 

Gegen Mitternacht passieren wir die Lichter von San Sebastián de La Gomera und ankern in der nächsten Bucht. Die restliche Nacht wird unruhig. Unsere Lady schaukelt in den Dünungswellen. Morgens spüle das Boot weiter mit Seewasser, das ich mir mühsam mit der Pütz über die Reling ziehe. Danach müssen wir erst aus der Bucht raus, bevor wir die Marina erreichen. Wider Erwarten haben sie tatsächlich einen Liegeplatz für uns. Nach dem Anlegen spüle ich das Boot erneut, während Stefan einklariert. Kathleen und Marco können an Bord.


18.10. - 22.10. 

Wir haben eine schöne gemeinsame Zeit mit unseren Freunden, entspannen, erzählen, gehen schön essen, sehen Wale und schnorcheln in einer Bucht. Die gesamte Zeit schwebt die Frage im Hintergrund: „Von wo startet am Samstag der Flieger nach Deutschland? Wird es La Palma sein oder wieder Teneriffa.“ Da La Gomera mittendrin liegt, ist das schon wichtig. Eindeutige Informationen fehlen. So nehmen Kathleen und Marco am Freitag die Fähre nach La Palma und buchen auf der Insel eine Nacht im Hotel. Die fährt über Teneriffa, was erst unnötig umständlich erscheint und sich dann als Glücksfall heraus stellt. Auf der Fähre trudelt die Mail ein, dass der Flieger morgen von Teneriffa startet. Die beiden steigen spontan dort aus, buchen nun dort in ein weiteres Hotel ein und kommen letztendlich gut wieder zu Hause an. Gut, wenn man lösungsorientiert sowie schnell denken und handeln kann. „Schön dass ihr da wart und die ganzen Probleme so gelassen bewältigt habt.“


23.10. 

Für vier Tage ist auf La Palma Wind angesagt. Stefan bucht Fähre, Hotel, Mietwagen und Rückflug. Die Verlängerung des Liegeplatzes auf La Gomera muss er sich danach überraschender Weise erst erkämpfen.


24.10- 28.10. 

Nun entdecken wir endlich La Palma.


Die Insel ist wirklich schön und ich kann sie jeden ans Herz legen. Sehr grün, viele Wanderwege, grandiose Aussichten, nette Menschen, gute Restaurants…

Für den zweiten Abend reservieren wir einen Tisch südlich von El Paso, quasi am Fuß des feuerspeienden Ascheberges. Dieser bietet uns ein spektakuläres Feuerwerk mit glühenden Lavaströmen, lässt aber auch die Angst in den Brustkorb kriechen. Niemals hätte ich gedacht, einem solchen Naturschaupiel so nahe zu sein. Tazacorte bekommen wir wieder nicht zu Gesicht. Am Aussichtspunkt El Time drehen wir um, weil wir von hier oben die Asche förmlich regnen sehen und der Hals trotz Maske erneut kratzt. Auf dem Caldeirarand über 2000 Meter ist die Luft außergewöhnlich klar. Wir schauen von oben auf ein Wolkenmeer, dass in dem ersten großen Vulkankessel der Insel festhängt. Wie ein Atompilz ragt die dunkle Vulkanwolke heraus. Auch der Teijde auf der Nachbarinsel ist so klar zu sehen, als wäre er nur einen Steinwurf entfernt. Und dann sind da noch die urzeitlichen Lorbeerwälder in den tiefen schmalen Tälern im Norden von La Palma. An den knorrigen Ästen wachsen grüne Mooshaare, was sie zusätzlich alt erscheinen lässt. Ich habe eine Kurzgeschichte dazu geschrieben, die ich digital veröffentlichen werde. Als Taschenbuch lohnt es sich wohl nicht. Vielleicht druckt die Yacht einen Teil davon. Das wird sich wahrscheinlich nächste Woche entscheiden. 


Verkehrte Welt: Schwarzer Schnee auf weißem Grund


Endlich mal wieder Besuch! Wer kommt als nächstes?

Grindwale, auch Pilotwale genannt

Der noch namenlose Vulkan in der Cumbre Vieja:
19.09.2021 - ???

mehrere Hundert Meter hohe Feuerfontänen

2351 m hoch auf dem Monte Santa Cruz
Die Aschewolke hebt sich deutlich heraus.




Montag, 20. September 2021

Wilde Überfahrt und explosive Begrüßung

Adeus Santa Maria und Hola La Palma


Mittwoch früh halb acht lösen wir die Leinen. Nach etwa vier Monaten, abzüglich der fünf Wochen Deutschland, verlassen Stefan und ich auf unserer Lady Charlyette das Azoren-Archipel. Drei Tage und Nächte sind für die Überfahrt nach La Palma im südlicheren Kanaren-Archipel geplant. Es werden schließlich fast vier, obwohl wir die meiste Zeit ziemlich schnell unterwegs sind.


Anfangs können wir uns ein wenig auf den offenen Atlantik einstimmen. Der Wind weht mäßig und die See hält sich einigermaßen im Zaum. In der ersten Nacht frischt es bereits auf und morgens sind die Wellen so wild, dass man sich nur noch von seinem sicheren Sitzplatz erhebt, wenn es unbedingt sein muss. Trotzdem koche ich noch. Mit der entsprechenden Organisation, denn auch ich habe nur zwei Hände, fliegt auch nichts im Boot herum. Nun kann ich meine Töpfe und Pfannen wieder ordentlich anschnallen, was eine deutliche Arbeitserleichterung darstellt. Ab und zu flüchte ich schnell ins Cockpit, um den Übelkeitsanfall an frischer Luft zu überwinden, bevor er erst wird. Auch dass will in der Kochlogistik eingeplant sein.


Aber wir müssen zusätzlich tätig werden. Der Gennaker, das große Leichtwindsegel, wird gesetzt, da der Wind im Gegensatz zu den Wellen immer wieder schwächelt. Wir haben ja jetzt einen nigelnagelneuen und sind schon gespannt. Kaum ausgerollt, muss er sofort wieder runter. Am Top, also ganz oben, klafft ein etwa zehn Zentimeter langer Riss. Das Segel wurde an dieser Stelle einfach schlecht verarbeitet. Wie ärgerlich! Also alles wieder wie vorher einrichten, Gennaker einrollen, herunter nehmen, einpacken und die zwei Vorsegel wieder raus. Eine Stunde Arbeit an Deck, angeleint, um nicht von der Lady zu fallen, und alles umsonst. Die nächste Aktion ist dann das Setzen des Ballooners, unseres zweiten Leichtwindsegels, das am hinteren Mast angeschlagen wird. Das steht dann immerhin ein paar Stunden, bevor es wieder eingepackt werden muss. 


Nachts schlafe ich im Seebett und Stefan macht sich im Cockpit lang. Ihr wisst immer noch nicht was ein Seebett ist? Es ist weder nass, noch ist die Matratze mit Wasser gefüllt. Das Seebett ist eine schmale Koje unter dem Cockpit in der Mitte des Schiffes, weil dort am wenigsten Bewegung im Boot ist. Auf der einen Seite habe ich die Wand, direkt über mir Schränke und auf der anderen Seite eine Segeltuchabspannung, damit man bei Schräglage nicht herausfällt. Jede Bewegung muss also mit Bedacht und im halbwachen Zustand ausgeführt werden. Trotzdem stoße ich mir wieder den Kopf an einer Schrankecke. 


Am dritten Tag ist die See dann so wild, dass ich nicht einmal mehr die Angel auswerfe. Das Cockpit verlassen wir nur im Notfall. Kochen muss nun Stefan, damit ich danach wenigstens etwas esse. Positiv ist, dass sich meine Taillie langsam wieder heraus bildet. Ich kenne das inzwischen, weiß aber auch, dass dies kein Grund zu übermäßiger Freude ist. Schließlich verschwindet sie nach der Überfahrt schnell wieder. Die Fahrt bleibt so wild. Mit durchschnittlichen sieben Knoten Fahrt, sind wir letztendlich gut 90 Stunden unterwegs und haben 631 Seemeilen hinter uns gebracht. Das letzte Stück habe ich im Video „Land in Sicht“ visuell festgehalten. (youtube: https://youtu.be/UeRB2_HmrK4)

Schaut mal rein.


Das erste Mal entern wir nachts eine Marina. Natürlich ist es dunkel und dies erschwert das Manövrieren. Entfernungen lassen sich viel schlechter einschätzen. Für unsere Einfahrt wird extra ein Brandungstor geöffnet. Um zwei Uhr sind wir dann endlich im Bett, dieses Mal wieder zu zweit in unserem Schlafzimmer. Gefühlt haben wir alle in der Marina geweckt. Tatsächlich beschwert sich niemand. Etwa zwei Stunden später bricht der Cumbre Vieja auf La Palma aus. Wir bekommen das erst am nächsten Tag mit.


Wie alle anderen in Deutschland erfahren wir Neuigkeiten auch nur im Internet. In Santa Cruz ist es ruhig und von hier sind nur ab und zu rot schimmernde Aschewolken zu sehen. Das kennen wir aus San Franscico, nur dort war es viel schlimmer. So nahe waren wir jedoch noch nie an einem wirklich aktiven Vulkan. Aus Tazacorte kommt ein deutscher Segler. Sie wechseln die Marina und überlegen, ganz von der Insel zu flüchten. Ein Ascheregen aus daumennagelgroßen Flocken ging auf ihr Boot nieder. Glücklicherweise landete nichts Heißes an Deck, aber die beiden wollen es nicht drauf an kommen lassen. Wir wären auch dort gelandet. Alle Welt empfiehlt Tazacorte und rät von Santa Cruz ab. Nur gab es dort keinen Platz für uns. Jetzt stellt sich heraus, dass es genau richtig so ist. In fünf Tagen wollen wir mit dem Flieger nach Deutschland, um mit der Mutti einen Abstecher nach Südafrika zu unternehmen. Seit zwei Tagen spuckt der Vulkan aus sieben Löchern feurige Fontänen. Bisher läuft der Flugverkehr normal. 

Hoffentlich bleibt das so.


Unser neues sonnenbetriebenes Herz der Küche.

La Palma voraus (siehe Video)

Marina Santa Cruz mit Caldeira im Hintergrund


La Palma, Tazacorte und Santa Cruz
inklusive der aufgezeichneten Vulkane.
Ihr seht, wir liegen sehr geschützt.

Das Land um den Cumbre Vieja brennt. 
Aktuell wurden 6000 Menschen evakuiert,
150 Häuser, Straßen und viel Wald sind bereits verbrannt.

Schönes Santa Cruz: Wieder einmal begeistern uns die Plätze und
das architektonische Durcheinander der letzten Jahrhunderte.


Die Stadt mit der Caldeira im Hintergrund. 
Jene schwefelfarbenen Wolken sind vom Cumbre Vieja.