Die Buchten von Sainte-Anne und Le Marin werden sichtbar von einer Landzunge getrennt. Sie bildet eine Meerenge und war ein idealer Platz für ein Fort. Heute befindet sich auf der mit Sandstränden umrahmten Halbinsel ein Ferienressort. Der Club Med hat wohl an die 1000 Zimmer und Apartments in den unterschiedlichsten Preislagen. Direkt vor dem Meer wurde ein Infinity-Pool installiert. So können die Urlauber im gereinigten, leblosen Wasser Schwimmen und sich im Meer fühlen.
Seit zwei Monaten ist es hier nun still. Ein riesiges, gepflegtes Areal auf dem sich trockene Blätter, Palmwedel und Kokosnüsse sammeln. Wo sich sonst die Urlauber tummeln, scheint nun gähnende Leere zu dominieren. Aber am Strand sehe ich etliche wunderschön gemusterte Krabben. In den Bäumen singen die Vögel und Kolibris umschwirren die Blütenkelche. Sie sind zu schnell für meine Fotografenkünste. Aber in meinem Gedächtnis bleiben die Bilder dieser schwarzen, gefiederten Zwerge mit dem langen, gebogenen Schnabel und wahlweise zitronengelben, glitzergrünen oder purpurroten Lätzchen. Auf einer Wiese tummelt sich ein ganzer Schwarm spatzengroßer Vögel, die ich erfolglos Versuche mit meiner Kamera zu digitalisieren. Unter einem langen Steg verstecken sich tausende Jungfische in Schwärmen. Würde man sie in einem Aquarium sehen, wünschte man sich ein zweites Becken, so dicht bewegt sich die Wolke durch das Wasser. Da hier niemand mehr herum planscht, fühlen sie sich hier sehr sicher.
Vor den Eingängen der bunten, meist zweistöckigen Ferienhäuser drehen sich die trockenen Blätter spiralförmig im Wind. An den sonnenwarmen Fassaden sitzen Eidechsen in den unterschiedlichsten Farben und Größen. Ich wusste bisher nicht, dass sie auch tätowiert sind. Aber auf den grünen, gelben oder hellgrauen, schlanken Körpern finden sich geometrische oder bizarre schwarze Muster. Auf einem Kopf entdecke ich ein gleichschenkliges Dreieck auf einem Rücken grazile Schnörkelschrift. Auch sie huschen hinweg bevor ich den Auslöser drücken kann. Die leere Bühne, verlassenen Restaurantterrassen, gestapelten Sonnenliegen zeigen eine Welt im Dornröschenschlaf. Nur die Tiere und Pflanzen widerstehen dem bösen Zauber der Hexe. Oder ist es die Magie einer guten, scharfsinnigen Fee?
Dieser Bilderbuchort des Pauschaltourismus strahlt, so still, eine ganz eigene Atmosphäre aus, die mich emotional einfängt. Einerseits denke ich an die Betreiber, die nun so lange auf Einnahmen verzichten mussten. Ob sie es ohne Insolvenz überstehen? Was wird aus all den Angestellten? Werden sich hier je wieder Urlauber tummeln? Oder wird dieses so liebevoll gepflegte Ressort bald zur Ruine und mit jedem Jahr mehr verfallen? Andererseits gefällt es mir so, mit all den Tieren und trockenen Blättern inmitten dieser von Bäumen und Palmen beschatteten Stille.
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Ohne Menschen nimmt man die Schönheit der Natur viel intensiver wahr. |
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| Alte Dame im Abendlicht |
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| leere Strände und kunstvolle Sitzmöglichkeiten |
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| Da habe ich zumindest einen scharf erwischt. |
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| alles verwaist |
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| Ich finde es wunderschön. |