Freitag, 26. August 2022

Kolumbien - sonnig, lebendig, freundlich

Wir lernen dazu. An Reisetagen tragen wir lange Hosen, festes Schuhwerk und warme Pullover. Auch die Jacke kommt noch drüber, trotz tropischer 30 Grad im Schatten. Das hat nicht nur den Vorteil, dass uns die arktischen Temperaturen in den klimatisierten Fahrzeugen und Räumen weniger ausmachen. Der Rucksack ist zudem viel leichter.

Kolumbien haben wir bereits in Brasilien geplant. Schließlich buchen sich Flüge und Hotelzimmer ein paarTage im Voraus besser, als von einem auf den anderen. Das nimmt uns zwar die Flexibilität, gibt jedoch Sicherheit. Der Mietwagen wurde aufgrund der langen Strecken und schlechten Straßen abgewählt. Wir fliegen von Ort zu Ort und immer ûber Bogotá. Zwei Wochen sind für die Tatacoa Wüste, Medellín, den Caño Cristales und Bogotá eingeplant. Dann wollen wir weiter sehen. Diese Vorausschau erweist sich schnell als weise. Die Inlandflüge sind rar, vollständig oder fast ausgebucht. In Neiva und La Magdalena sind sogar Unterkünfte knapp.


Kolumbien erleben wir laut, fröhlich, lebendig und freundlich. Meist fühlen wir uns sicher. Die Natur im Andengürtel ist spektakulär und der Regenbogenfluss sogar einzigartig. Bogotá gefällt uns besser als Medellín. Candelaria, das touristische Stadtzentrum der Hauptstadt, präsentiert sich verkehrsberuhigt mit breiten Fußgängerstraßen. Auch das trägt zum Sicherheitsgefühl wesentlich bei. Mein absoluter Lieblingsort in diesem Land wird jedoch La Macarena mit dem Caño Cristales. Diesen Fluss der vier Farben muss man gesehen haben. Endemische Pflanzen machen ihn so bunt und es gibt sie tatsächlich nur hier auf der ganzen weiten Welt. 


Unterdessen entscheiden wir uns für ein Last-Minutes-Angebot auf einem Schiff im Galapagosarchipel. Deshalb wird der Norden Kolumbiens warten müssen. Die zwei Wochen jedoch, waren wundervoll. Kolumbien ist wirklich ein lohnendes Reiseziel. Hoffen wir, dass es weiterhin friedlich bleibt, die politische Führung sich stabilisiert und das sichere Reisen möglich bleibt.


Erosionsgebiet wird zum Touristenmagneten

wunderschön und traurig zugleich

Kontraste in Medellín
Video Medellin: https://youtu.be/CFtpFb0enOQ

Hangbebauung in der Andenmetropole


Oase inmitten der Stadt
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https://youtu.be/CFtpFb0enOQ

Caño Cristales, der Regenbogenfluss
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https://youtu.be/bFhlMnUI7CY

Bogotá, Hauptstadt in den Anden
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https://youtu.be/7l1oQf87rJI

Kolumbianisches Goldhandwerk (präkolonial)

Fiesta 🎥 https://youtu.be/7l1oQf87rJI


Mittwoch, 10. August 2022

Rio de Janeiro - Brasiliens einstige Hauptstadt

Diese durch den Karneval und die übergroße Christusstatue so berühmte Metropole empfängt uns mit Lärm und Chaos. Obwohl der Busbahnhof weit weniger Weltstadtniveau hat, als jener in São Paulo, brummt hier der Verkehr. Rund herum ziehen sich die Straßen gleich in zwei Etagen, bilden etliche unübersichtliche Kreuzungen und werden zusätzlich kreuz und quer von Brücken überspannt. Die Straßenbahn rast einmal quer durch. An allen Ecken gibt es Bushaltestellen. Google verrät, wo unsere zu finden ist. Wir stellen uns der Herausforderung. Das Taxi zu nehmen, würde im Moment direkt unsportlich wirken. Immerhin gibt es Fußgängerampeln und die Fahrzeuge halten. Ich behalte die Maske auf, nicht, um mich vor dem Virus zu schützen. Es sind die Abgase, die meine Schleimhäute reizen. Wir finden die Haltestelle und der Kopf brummt bereits vom ohrenbetäubenden Krach, der uns wie eine Nebelwolke umgibt. Die Busse fahren im Sekundentakt an uns vorbei. Sie halten nur, wenn jemand winkt. Man muss höllisch aufpassen, besonders weil nachfolgende die haltenden überholen. Unsere Nummer ist nicht dabei. Nach zwanzig Minuten sticht der Lärm im Hirn. Stefan ruft einen Uberfahrer. Das klappt in einer Großstadt immer. Fünf Minuten später sitzen wir in einem klapprigen Kleinwagen und atmen auf. Unser Chauffeur erweist sich nebenbei als Guide. Mit Händen und portugiesisch erzählt er im Stakkato das Wichtigste. Ich nicke und verstehe ihn sogar meistens. Das Fahrzeug lenkt sich meist allein durch das Verkehrschaos. So lernen wir Rio bereits ein wenig kennen, bevor wir im Hotel landen. 

Wir wohnen in der Villa Rica umgeben von Obdachlosen und direkt im angesagten Viertel Lapa. Gleich der erste Abend überrascht uns mit einer komplett gefließten Treppe mit 250 Stufen, Tourismustrubel und exzellenter peruanischer Küche. Das Willkommenstheater ist schnell vergessen. Wir genießen die Stadt, lassen uns treiben, entdecken viele schöne Plätze und Gebäude. Uberfahrer bringen uns an die beiden berühmten Aussichtspunkte. Wieder stecken wir im Touristentumult. Von oben kann man jedoch die einzigartige Lage, der in Hügeln eingebetteten Stadt, an einer großen Bucht mit Inseln, umrahmt von markanten Felsen bestaunen. Beim Abstieg entdecken wir, trotz der lärmenden Familien, scharlachrote Singvögel und Äffchen, die sich mit einer überreifen Jackfrucht vergnügen. 


Im Stadtteil Santa Teresa sind gerade die Türen für Kunstliebhaber offen. Auch das sorgt für Gedrängel, bringt jedoch eine einzigartige fröhliche Stimmung mit sich. Straßenmusik, viele Verkaufsstände und kleine Konzerte umrahmen das Fest. Mit der einzigartigen Straßenbahn fahren wir natürlich auch. Die wild und eng bebauten Hügel prägen hier das Stadtbild. Rio ist wirklich eine echte lebendige Hauptstadt, mit allem was dazugehört.


Portugiesische Treppe mit 250 Stufen in Lapa

Steiler schmaler Aufstieg, da hab sogar ich Höhenangst.

Lapa mit Aquädukt, auf dem heute die alte Straßenbahn fährt.
Video: https://youtu.be/2JXmjKrSmy0


Santa Teresa, da entspannt sich sogar Stefan.

Offene Türen der Kunst in den „Las Ruinas“

bebaute Hügellandschaft: favelas (slums), schicke Viertel und Hochhäuser, im Hintergrund die große Bucht

Calatrava, seine Bauwerke in Valencia gefallen uns besser.

Der königliche Lesesaal, der schönste der Welt,
wenn man dem Times Magazin glaubt.

Pause mitten in der Stadt

Warum heißt der eigentlich Cristo de Redentor?

Zuckerbrot, Zuckertor oder Zuckerhut je nach Sprache

Bondinho de Santa Teresa von 1877

Freitag, 5. August 2022

São Paulo - größte Metropole Lateinamerikas

Wir befinden uns am südlichen Wendekreis (23 Grad Süd) und merken es auch. Obwohl die Antarktis noch weit weg ist, so dicht waren wir ihr nur in Südafrika. Im August ist hier Winter. An guten Tagen zeigt das Thermometer zwar bis zu 29 Grad Celsius an, abends und nachts wird es jedoch empfindlich kühl. Die Sonne baucht am Vormittag ein Weilchen, damit ich in meinen Sommersachen und im Schatten nicht frösteln muss. 


Die Stadt gefällt mir. Im Zentrum ist es relativ sauber, die Leute begegnen uns freundlich und fröhlich. An die vielen Obdachlosen müssen wir uns erst gewöhnen, obwohl ich es in Los Angeles / USA schlimmer fand. In São Paulo wohnen 12,4 Millionen Menschen. Die Zahl kann ich kaum fassen. Sie leben in extrem unterschiedlichen Situationen. Von unglaublich reich bis bettelarm ist alles dabei und es gibt sehr viele Favelas (Slams). Die drei Bürgermeister, welche von 1986 bis 2000 im Amt waren, stehen alle vor Gericht. Einer hat 344 Millionen US-Dollar ins Ausland und für sich in Sicherheit gebracht. Was will er mit so viel Geld? Das kann man doch gar nicht ausgeben. Alle besseren Wohnhäuser sind mit dicken Mauern, Stacheldraht und doppelten Toren geschützt. Wir sehen sogar burgartige Türme mit Schießscharten in den Mauern. Vor zehn Jahren artete der Kampf gegen die Mafia in eine Art Bürgerkrieg aus.


Wir haben zwei Tage und bleiben auf touristischen Pfaden. Die sind für uns Kulturschock genug. Immerhin zeigen sich die Obdachlosen sehr zurückhaltend und so schwindet bald die Angst vor ihnen. Mein Rucksack ist zwar doppelt angeschnallt, die Wertsachen tief unten vergraben, ein altes leergeräumtes Handy und mein Portemonnaie mit 20 Dollar liegen oben drauf, aber wir erleben keine Unannehmlichkeiten. So genießen wir das Zentrum aus einem Mix von klein und hoch, alt und neu, verfallen und nagelneu. Wir sehen wunderschöne Kirchen, genießen den belebten, grünen Park und gehen mal wieder ins Museum. Ich fotografiere nicht nur Architektur, sondern auch wieder Vögel. Insgesamt stecken uns dann gute 30 Kilometer in den Beinen. Zum Glück gibt es Uber und so kommen wir nach Sonnenuntergang immer gut ins Hostel zurück.


Nach Rio de Janeiro geht es mit dem Flixbus. Wir wollen etwas vom Land sehen und fliegen ist immer ein bisschen wie beamen. Sechs Stunden sind ok, unsere Muskeln können sich erholen und die Fahrt ist außerordentlich preiswert. 


Die neugotische Kathedrale gilt als die viertgrößte der Welt.


passende Fußgängerampel am Platz

Hausstand eines Obdachlosen

Das ist mal eine Tür.
Hier in der Nähe gab es das Gold, mit dem Portugal
für eine Weile das reichste Land der Welt wurde.

Straßenszene, arme Menschen sorgen für eine saubere Stadt.

Kunst aus Urwaldbäumen

Batman Alley ist Stadtviertel und Sehenswürdigkeit

Das Abendmahl an einer Fassade

eindrucksvolles Mauergemälde eines Kirchgeländes

Ihr seht, uns geht es gut.

im Park


gestaltete Laternenpfähle






Mittwoch, 3. August 2022

Brasília - sechzigjährige Architektur und immer noch modern

Brasilien ist nicht nur der Amazonas. Vor über 100 Jahren hat man in diesem Land die Verfassung geändert und hineingeschrieben, dass es eine neue Hauptstadt geben soll. Im Zentrum des Landes entsteht sie ein halbes Jahrhundert später in nur wenigen Jahren, eine Retortenstadt, Brasília. Der Stadtplaner Lúcio Costa macht ein Kreuz und Architekt Oscar Niemeyer plant die öffentlichen Gebäude. 


Alles wurde großzügig geplant, was entsprechend weite Wege verursacht. Wandern in der Stadt! Das ist neu.  Die Citybikes sind nur mit lateinamerikanischer Steuernummer auszuleihen. Zum Glück funktioniert hier der Uber-Dienst ganz gut und Busfahren können wir auch. Fußgänger wurden nicht eingeplant, das passt nach der Charta von Athen nicht zu einer modernen Stadt. Wir überqueren die zum Teil sechsspurigen Straßen unter Einsatz unseres Lebens. 


Das müssen wir sehen, Stefan natürlich besonders. Kurz nach der Wende, während seines Architekturstudiums waren in Weimar nur schwarzweiße Dias vorhanden, um dies einzigartige Projekt den Studenten vorzustellen. Jetzt sehen wir es live, in Farbe und sechzigjährig. Trotz des Alters wird es ein Erlebnis. Auch die Vogelliebhaberin kommt auf ihre Kosten und vor der JK- Brücke tummelt sich eine Herde Capybaras, das sind die größten Meerschweinchen der Welt. Schaut selbst! Die Bilder sprechen für sich.


Überraschung an der JK-Brücke

Capybara, das größte Meerschwein der Welt (70-90 kg)

Lúcio Costa und mein Lieblingsarchitekt

Lúcio machte ein Kreuz. Ich finde, das muss er noch üben.

Die Mittelachse von Brasilia

Kirche von Oscar mit Ricarda

Genial, oder?

Don Bosco Kirche

Ein Tempel des Lichts

Diese Kirche überrascht im Keller.

Das ist mal ein Briefkasten nach meinem Geschmack.

Im Anschluss noch ein paar freiwillige Bewohner.