Weihnachten wollen wir in den Bahamas sein. Die vielen Inseln, einsame Buchten, Möglichkeiten zum Schnorcheln und Kiten locken uns. Die Dominikanische Republik auf der großen und bergigen Insel Hispaniola ist schön. Die Leute begegnen uns freundlich und aufgeschlossen, die Avocados sind mal wieder die besten der Welt. Wir sind von Seglern umgeben, mit denen wir gern mehr Zeit verbringen würden, aber die Moskitos stechen, ein Ölfilm bedeckt die braune Mangrovenbrühe unserer geschützten Bucht. Das nächste Wetterfenster für eine angenehme Überfahrt ohne Motorunterstützung zeigt sich. Damit ist es jedoch nicht getan.
Die Ausklarierung gestaltet ist umständlich. „Was, Sie wollen schon wieder los?“, werden wir gefragt. Man hat sich offensichtlich an die coronabedingten Langzeitaufenthalte der Segler gewöhnt und freut sich über die zusätzlichen Einnahmen. Nicht wenige liegen mit ihren Booten bereits mehr als ein Jahr zwischen den Mangroven von Luperon. Neben den vielen Zetteln und Stempeln, die wir in den unterschiedlichen Containern bekommen, müssen wir zum Hafenhäuptling. Er heißt Richard und kommt von Kopf bis Fuß in strahlendem Weiß daher. Seine Residenz steht auf einem kleinen Hügel und sie ist nur durch den Magrovenmatsch zu erreichen. Natürlich müssen wir auf eine Audienz warten, um dann zu erfahren, dass uns die selbsternannte Eminenz am Tag vor unserer Abreise auf dem Boot besuchen wird. Dort werden dann wieder Fotos gemacht und wir bekommen den so wichtigen Ausreisezettel.
Soweit so gut, all das kann man noch als normales Prozedere einordnen. Insbesondere, da der Häuptling keine zusätzlichen Spenden fordert. Man munkelt, er wurde aufgrund seines ausverschämten Verhaltens an Bord einiger Segelschiffe aus der Hauptstadt gerügt und ist deshalb nun etwas vorsichtiger mit seinen Forderungen. Aber da ist außerdem noch unser inzwischen guter alter Freud Covid. Die Bahamas legen keinen Wert auf ihn und machen die Einreise schwer. Nur mit einem negativen PCR-Test und einem Online-Antrag ist sie möglich. Den geforderten Gesundheitsnachweis bekommt man hier in Luperón nicht. Marcel und Yelena von der Tomskii Kastan wollen ebenfalls in die Bahamas und so recherchieren wir gemeinsam. Marcel spricht und versteht gut Spanisch, was zusätzliche Telefonate ermöglicht. Er findet ein Labor auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, welches wohl von den Nachbarinseln akzeptiert wird. Mit vorheriger Absprache mit den Behörden wird ein Termin vereinbart und das Taxi organisiert. Da der Test bei Einklarierung nicht älter als fünf Tage alt sein darf, muss er möglichst spät gemacht werden. Die Ergebnisse benötigen wir jedoch vor Abreise, weil mit diesen nach einer Online-Antragstellung die Einreise im Vorfeld genehmigt oder abgelehnt wird. Vorher darf man nicht los. Also holt uns das Taxi morgens um vier ab, damit wir nach einer vierstündigen Fahrt über die Insel spätestens 8:30 Uhr den Test machen können und abends die Ergebnisse haben, den Antrag stellen können und tags drauf hoffentlich die Einreisegenehmigung haben.
Wer sich das alles ausdenkt, kennt den Alltag der Segler nicht. Auf dem Boot sind wir vor Ansteckung ziemlich sicher. Die Gefahren, welche durch so eine zusätzlich Überlandreise hinzukommen, wurden wohl nicht bedacht, von den Kosten mal ganz abgesehen. Nicht nur der rasante dominikanische Verkehr, sondern auch unzählige zusätzliche Ansteckungsmöglichkeiten bringen den Segler zusätzlich in Gefahr.
Die Tests werden nicht mehr im Labor gemacht, sondern vor der Tür im eigenen Auto. Wir haben ein Taxi als Untersuchungsraum anzubieten. Das wird akzeptiert. Eigentlich waren wir in Boca Chica verabredet. Kurz nachdem wir in Santo Domingo abgebogen sind, bekommen wir die Nachricht, dass der Test in der Hauptstadt statt finden muss. Sandy, unser Fahrer, wendet sofort sein Auto und wir quälen uns durch den Stau. Auch die Laborantin Mariella muss dort durch und lässt uns am vereinbarten Treffpunkt, auf dem Parkplatz einer Klinik, zwei Stunden warten. Dann geht alles ganz schnell. Die Nasenschleimhäute brennen zwar noch eine Weile, aber wir sind bald auf dem Rückweg. Mittagessen und Großeinkauf werden gleich mit erledigt. Abends kommen die Testergebnisse und Marcel macht sofort den Online-Antrag fertig. Die deprimierende Antwort kommt bereits zehn Minuten später: „Abgelehnt!“ Nun telefoniert er wieder mit den Behörden der Bahamas. „Dann ist es wohl nicht das richtige Labor.“, bekommt er zu hören. Uns frustriert das so sehr, dass wir die vielen Inseln im Norden schon abschreiben.
Stefan stellt die online-Anträge nun auch für uns. Egal, was die Tante am Telefon erzählt. Dabei stellt er fest, dass die Telefonnummern des Labors nicht übereinstimmen und die Postleitzahl nicht heraus zu bekommen ist. Eine Anfrage bei Mariella bringt keine Antwort. Also probiert mein lieber Mann die Möglichkeiten durch. Auch er fängt Absagen ein und versucht es dann mit anderen Daten erneut, weil er auf der "anderen Seite" einen Computer als Entscheider vermutet. Irgendwann haben wir den Test mit den richtigen Nummern und Angaben tatsächlich bestanden und dürfen einreisen. Was für ein Stress! Was für eine Aufregung! Was für eine Freude am Ende!
Reisen ist nicht mehr selbstverständlich und für Segler muss nicht mehr nur das Wetter stimmen.
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| Meeting auf der "Tomskii Kastan" mit Morgenkaffee |
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Marcels D-Day-Planung
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Mit all meinen Namen kommen viele nicht klar.
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| Gesundheitsvisum mit Einreisebestätigung |