Dienstag, 25. Oktober 2022

Peru - Auf den Spuren der Inka Teil 3

Nun rücken wir aber den Inka auf den Pelz. Von Puno gehts nach Norden in die Inkahauptstadt Cusco. Auf dem Weg liegen die Regenbogenberge (Las Montañas Colores), mehr bekannt als Rainbow Mountains. Aus den Wasserratten werden nun endgültig Bergziegen, denn wir wandern auf einem Bergrücken fast 5000 m über Null und steigen dazu über 300 Höhenmeter, ohne Sauerstoffmaske. Ich habe keine Probleme. Stefan muss bewusst und gleichmäßig einatmen, dann geht es auch ihm gut. Nie hätten wir gedacht, dass wir diese Höhe ohne Einschränkungen so gut aushalten. Wir sind stolz auf uns und genießen die einzigartigen Farben dieser Berge. Die Straßen dorthin ist wieder einmal eine Zumutung, aber was Kleinbusse schaffen, schafft auch unser alter Toyota. Bei Gegenverkehr wird es sehr eng, aber unterwegs schauen uns die Alpakas und Lamas ins Fenster und ich kann jeder Zeit anhalten um ihnen beim Kauen der Grashalme zuzuschauen und zum tausendsten Mal: „Ach wie süß!“ zu rufen. Stefan hat sich schon lange anstecken lassen und so schwelgen wir beide im Alpakahimmel, wortwörtlich in Wolken aus Wolle.

Cusco ist noch einmal ein Level touristischer als Arequipa. Die Straßen der alten Stadt sind so eng, dass oft nur ein Auto hindurch passt. Überall hupt es, Fußgänger quetschen sich durch die Blechlawinen. Straßenverkäufer nutzen jeden freien Platz. Es ist der städtische Wahnsinn einer historischen Stadt in der Gegenwart. In einer der Gassen laufen uns die Segler Annette und Michel über den Weg, einfach so, ganz unerwartet. Auf dem Berg neben dem Hauptplatz, oberhalb der spanischen Kathedralen finden wir dann eine echte Inkafestung und bewundern die schweren hohen, fast nahtlos zusammengesetzten Mauern. Die inzwischen gut trainieren Bergziegen schaffen den Berg zu Fuß.


Peruanische Frauen in traditioneller Kleidung mit Alpakajungen und Lämmern lassen sich für ein Trinkgeld fotografieren. Ich halte die lebendigen Wollknäule mit ihren zarten Nasen in meinen Armen und würde sie am liebsten mitnehmen. „50 Dollar und im Flugzeug so unter die Jacke stecken.“, zeigt mit die humorvolle Indigene. Einen Tag taumeln wir im Touristentrubel, dann gehts ins Heilige Tal. Dort finden sich weitere Zeugnisse der Inka. Pisaq, Ollantaytambo und Machu Picchu sind die Highlights. Aber auch die Salzterrassen und das Agrarforschungslabor Moray sind sehr sehenswert. Pisaq beeindruckt uns besonders. In Ollantaytambo finden wir eine fast ursprüngliche Inkastadt. Der Ort ist sehr interessant, erstickt jedoch im täglichen Touristenchaos der Kleinbusse und Souvenirverkäufer. Die Abgase verpesten die Luft dermaßen, dass ich freiwillig meine Maske trage und der Lärm erstickt jedes Wort. Machu Picchu klemmt nicht nur zwischen Bergen wie Eckzähne. Der Ort wird von Touristen und Regularien gleichermaßen erdrückt. Die schlappen 2400 m über Null machen uns keine Probleme mehr. Die insgesamt 600 Höhenmeter von Agua Caliente im Tal zur Inkastadt auf dem Berg nehmen wir in 70 Minuten. Der Ausgangspunkt aller Machu Picchu Besucher am Urubamba ist nur mit dem Zug zu erreichen. Autos gibt es hier nicht. Der gesamte Ort ist ein einziger Markt aus Souvenirständen, Läden, Hotels, Restaurants und Cafés.


Die Rückfahrt über die Anden nach Lima wird noch einmal eine Zusammenfassung unserer gesamten Reise: Berge, Gletschergipfel, Vicuñas, Lamas und riesige Alpakaherden, stille Seen auf der Hochebene, einsame Orte und brodelnde Städte im lärmenden Verkehrschaos, unzählige Laster auf Serpentinenstraßen, die sich steile Hänge hinauf und hinunter schlängeln, Baustellen, an denen wir stundenlang warten, Erdrutsche, die Straßen unter sich begraben, Felsbrocken, die wie Styropor durch die Luft fliegen… 

Es ist zu viel für unseren Block. Ich werde mich wieder hinsetzen und ein Buch schreiben müssen. Vorerst müssen der Post, unsere Bilder und die Filme reichen.


Video: https://youtu.be/u9VU_2jjJK8


Abseits von Touristenpfaden…


…eine vom Steinschlag zerstörte Nekropole

für bezahlte Fotos herausgeputzt

Bosque de Piedras, Wald der Steine auf 5000 m

Montañas Colores, Rainbow Mountains, Regenbogenberge

viele Schichten unterschiedlicher Mineralien

Mutter Natur schwang den Pinsel

Gletscherkamm mit Gipfel Auzangate 6384 m am Horizont

Cusco Hauptstadt der Inka

wenige Eingangstore …

…in beeindruckenden Mauern…

…aus riesigen Felsquadern

Fotos für Bezahlung

Blick auf die Terrassen von Pisaq im Heiligen Tal der Inka

Tempelquartier Pisaq auf einem Bergrücken 

Salinen von Maras im Heiligen Tal der Inka

Ollantaytambo, besterhaltene Inkastadt

Festung von Ollantaytambo

Straßenszene in Ollantaytambo

während des Webens noch den Korb auf dem Kopf

Moray: Agrarforschungsstation der Inka

Lamas mit Besitzerin

Ich kann nicht widerstehen.

Lämmerliebe, guckt euch die Ohrringe aus Wolle an.

600 hm in 70 Minuten, die Berziegen grüßen 

Machu Picchu: ein Zufluchtsort der Inka zwischen spitzen Bergen





Donnerstag, 13. Oktober 2022

Peru - Auf den Spuren der Inka Teil 2

Wir wenden uns nach Norden Richtung Anden und folgen der Google-Route ins Colca-Tal. Die App verrät uns allerdings nicht, dass sich der Asphalt bald auflöst und die Straße zur Sandpiste wird. Mit 30 - 40 km/h gehts es über vier Bergrücken ins Gebirge. Es holpert dermaßen, dass wir nur stotternd sprechen können. Aus den geplanten vier Stunden werden sechs. Diese Fahrt ist unglaublich anstrengend, aber sie wird auch zu einer der schönsten. Jeder Bergrücken, führt uns 4000 m hoch und offenbart beeindruckende Aussichten über die Andengipfel. Jedes Tal wird ein bisschen grüner. So viele verlassene Anwesen an den Hängen, von langen Felssteinmauern umringt. In einer Ecke steckt ein kleines Hüttchen. Das Grasdach fehlt. Überall verwilderte Terrassenanlagen. Und dann entdecke ich die schlanken Vicuñas, wilde braune Lamas. Wir sehen sie immer wieder und immer größere Gruppen. Unsere Puckelpistenfahrt artet zur Safari aus. Mein Herz schlägt wilder und ich friere mir beim Fotografieren fast die Finger ab. Stefan kennt das inzwischen und wartet geduldig, hält jedes Mal an und erschreckt sich nur noch selten, wenn mein Aufschrei weitere Tiere ankündigt. 

Im Colca-Tal, schlafen wir direkt an der Klippe. Die Kondore gleiten morgens durch die Schlucht unter wolkenlosem hellblauen Himmel. Die Sonne scheint und auf der Fahrt nach Arequipa wechseln sich Vicuñas, Lamas und Alpakas regelmäßig ab. Wir erreichen das erste Mal 5000 m über den Meeresspiegel und haben keine Kopfschmerzen.


Arequipa ist das Kontrastprogramm zur Küste. Die herausgeputzte Stadt wimmelt von Touristen und natürlich werden die hier wieder bestens versorgt. Das Kloster Santa Catalina ist eine Entdeckung, eine Stadt in der Stadt, eine große Kommune von Frauen unter christlichem Reglement, die hunderte Jahre überdauert und immer noch lebt. Gibt es noch so eine alte Gemeinschaft auf der Erde? 


In Puno am Titicacasee schlafen wir vier Tage auf 3800 m und haben nur selten Kopfschmerzen. Das Zahnfleisch und die Schleimhäute bluten, dafür gibt es Paste und Creme. Meine Augen tränen seit Tagen. Der Staub der Wüste hat ihnen zugesetzt. Die Abgase in Arequipa gaben ihnen den Rest. Für den Rest der Reise nehme ich Tropfen und es wird langsam besser. Zu Fuß geht es etwas langsamer voran, damit genügend Sauerstoff in die Adern kommt. Aber ansonsten geht es uns gut. Wir können die wundervolle ländliche Landschaft um den Titicacasee genießen, besuchen die schwimmenden Inseln und besteigen Hügel mit Grabtürmen. Hier stoßen wir das erste Mal auf echte Inkaspuren, obwohl die Idee der Bestattung von den Völkern vor ihrer Zeit stammt. Die Inka bauen sie nur schöner und stabiler mit zugeschnittenen Feldquadern, die lückenlos aneinander gesetzt werden.


Video: https://youtu.be/HVVr4vJ63KM


Vicuña, unter 4000 m sind unter ihrer Würde


zart, scheu und schön

neugierig, gucken aus sicherer Distanz

Lamas, Ohrringe aus bunter Wolle markieren den Besitz

Alpakalämmer

inmitten der peruanischen Anden

unser eiskaltes Zimmer an der Felskante

Condor, der größte Geier und König in den Lüften der Anden

Eis auf 5000 m über dem Meeresspiegel

prunkvolle koloniale Stadt Arequipa

Waschküche im Kloster Santa Catalina

Steinbruch bei Arequipa

Rundwanderweg durch den Steinbruch offenbart Steinmetzkunst.

Liebespaar, küsst euch mal …

Stadt am Titicacasee, jwde (janz weit draußen)

Leben auf den schwimmenden Inseln auf dem See

Rici mit Opa und Kätzchen

starke Peruanerinnen, sie schleppen und wandern

Fiestas, eine spanisch-indigene Mischung

typischer Haarschmuck

Alpacita mit Alpacito-Bommeln

Inkagrabtürme im Hintergrund



Montag, 3. Oktober 2022

Peru - Auf den Spuren der Inka Teil 1

Ecuador und Peru teilen sich eine lange Geschichte und doch sind die beiden Nachbarländer viel unterschiedlicher als gedacht. Bevor die Spanier der Andenregion zwischen Quito und dem Titicacasee ihren Stempel aufdrücken, schaffen die Inka hier ihr großes Reich. Machu Picchu kennt man inzwischen überall auf der Welt. Dieser Ort wurde zum leuchtenden Stern am Reisehimmel. Für nicht wenige Weltenbummler ist er der größte, wichtigste und beeindruckendste.

Wir beginnen unser Reise in Lima, der Hauptstadt Perus. Der gesamte Norden fällt aus, denn das Land ist mehr als doppelt so groß wie Ecuador. Die wichtigsten Ziele liegen im Süden und unsere vier Wochen sollten für einen Rundkurs reichen. Unsere Reisefreiheit erkaufen wir mit einem teuren Mietwagen. Unabhängig von Reiseveranstaltern, Gruppentouren und Touristenbussen können wir den Inka, Konquistadoren und ihren Nachfahren auf den Pelz rücken.


Lima empfängt uns feucht und kalt. Die Sonne kommt selten durch den Wolkenschleier, den der Humboldtstrom an Perus gesamter Küste bildet. Wir frieren. Ich habe immerhin meine Alpakajacke. Nachts ist es besonders schlimm. Hier kennt man keine Heizungen und warmes Duschwasser ist selten. Die Fenster sind nicht nur einfach verglast, sondern zudem undicht konzipiert. Viereckige Glasscheiben stecken in schmalen Metallrahmen und werden hin und hergeschoben. Der Wind vom Pazifik pfeift überall hindurch. Die Fußböden sind gefliest und wir lernen den Teppich dort schätzen, wo es keinen gibt. Auch Federbetten scheinen hier unbekannt. Dünne Laken dienen zum Zudecken, eine Tagesdecke kommt obendrauf. Mit etwas Glück ist sie dick und schwer. Man kann sich dann im Bett zwar nicht mehr bewegen, aber immerhin entweicht die selbst erzeugte Wärme nicht so schnell. Skiunterwäsche und die Alpakasocken retten unser Leben.


Südlich von Lima beginnt die Wüste, die sich weiter durch Chile zieht und als Atacamawüste bekannt ist. Wir tauen wieder auf. Nazca ist unser erstes großes Ziel. Wer hat noch nicht von den geheimnisvollen Linien in der Landschaft gehört? Manche vermuten gar Außerirdische als Urheber. Wir steigen in eine kleine Chesna und schauen uns das Ganze von oben an. Nicht nur die kilometerlangen, wie mit dem Lineal gezeichneten Striche beeindrucken, da sind Dreiecke, Trapeze, Spiralen, Kreise und Bilder. Es sieht aus wie auf dem Zeichenbrett eines verwirrten Astronomen, der versucht, die Sterne auf der Erde zu verbinden und sich zwischendurch mit lustigen Kritzeleien ablenkt. Ungeachtet von Hügeln und Bergen, ziehen sich die Linien durch die staubig graubraune Landschaft. Hinzu kommen all die natürlichen Linien der einstigen Wasserläufe, verschlungen wie lange Haare, mäandern sie durch die Landschaft. Das blaue Lebenselixier ist nirgends zu entdecken. Im breiten trockenen Flussbett verrät es sich durch grüne Felder, Büsche und wenige hohe Bäume. Inzwischen gibt es nicht nur die Geoglyphen von Nazca. Weitere werden in Palpa entdeckt. Unser kleines Flugzeug kreist über beide Gebiete. Viele Bilder bestehen aus einem einzigen Weg, der dort endet, wo er beginnt. Man vermutet darin Zeremonienpfade. Viel weiß man jedoch nicht. Sicher ist man sich jedoch, dass die Inka diese Landschaftsgestaltung nicht zu verantworten haben. Lange vor ihrer Zeit stammen die Linien von den hier lebenden Völkern, die wohl aufgrund der fortschreitenden  Wüstenbildung, ihre Götter um Wasser anflehen. Auch die Ziegelsteintempel in der Umgebung stammen aus der Vorinkazeit.

In dieser Wüste gibt es sogar Zeugnisse aus der Dinosaurierzeit. Eine einstige Meeresbucht, versandet. Inseln werden zu Hügeln in einer ebenen staubigen Wüste und im Sand finden sich all die Knochen einstiger Meeresbewohner. Wir folgen der Küste. Hier ist es nachts wieder sehr kalt. Am Tag sitzen wir im warmen Auto.  Im weiten Sand zwischen Panamerikana und Pazifik entstehen neue Städte. Kleine Hütten aus Schilf auf riesigen Grundstücken verteilen sich um einen Kirchenrohbau. Straßen und Plätze kommen wohl später. Ich muss unweigerlich an die Geschichte von den drei kleinen Schweinchen denken. Das Leben ist hier einsam, staubig und ärmlich. Touristen müssen sich hier mit einfachstem Standard begnügen und sich an Hühnersuppe wärmen.


Video: https://youtu.be/N3LYLTpyIbw


Wir starten in der Hauptstadt.


Gefährlicher Topf aus der Vorinkazeit

Millionen Schlammziegel ergeben einen Tempel (Vorinkazeit)

500 Jahre alte Olivenbäume, Mitbringsel der Konquistadoren

Lamas können echt cool gucken.

Tempel der Nazca, lange vor den Inka

Geoglyph, mehr davon im Film Peru 1

Gefledderte Gräber

Brunnen aus der Vorinkazeit

versteinerte Knochen eines Meeressauriers
von der Wüste konserviert

Tempel, auch vor der Inkaepoche entstanden