Nachdenklich!
Ich schreibe gerade an meinem Kambodschabuch. In Südostasien ist Malaria ein Problem. Auf unserer Reise mussten wir uns für oder gegen die Präparate zur Vorbeugung entscheiden. Diese versprechen jedoch keinen kompletten Schutz, mildern eventuell die Symptome und müssen durchgängig eingenommen werden. 2004 sollen weltweit 1,8 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben sein. 2017 erkrankten 218 Millionen Menschen, 435 000 starben. Die Fallzahlen steigen im Moment wieder an. Eine Impfung gab es gegen das Sumpffieber nicht. Seit Jahren forscht man nach wirksamen Mitteln. Heute verspricht das beste Präparat eine Wirksamkeit von mindestens 75 Prozent. Als Reiseimpfstoff eignet er sich jedoch nicht.
Covid-19 hat seit Ausbruch vor einem Jahr 88 Millionen Erkrankte und 1,9 Millionen Tote auf dem Gewissen. Für diesen Virus gibt es 2020 ebenso keinen Impfstoff. Im Unterschied zu Malaria trifft es nicht nur die armen Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart. Dieses Mal sind alle betroffen. Die Regierungen der Länder reagieren unterschiedlich und auch die Fallzahlen sind sehr unterschiedlich. Ähnlich wie bei Malaria Moskitonetze und Mückenspray vorbeugend helfen können, versucht man sich mit Masken und Desinfektionsmitteln vor Covid schützen. Das ergibt Sinn.
Aber was ist mit all den anderen Einschränkungen? Die Verbote Läden, Restaurants und Hotels zu öffnen töten nicht nur Unternehmen und Existenzen, sie verändern unser soziales Leben. Gebote, sich nicht mehr treffen und gegenseitig besuchen zu dürfen, machen einsam. Schlimmer noch, gegenseitige Denunziationen erinnern mich an dunkle Nazi- oder DDR-Zeiten. Viele sind verunsichert und warten ab, was die Regierung als nächstes vorgibt. Das eigene Denken wird nicht unterstützt.
Auch wenn ich Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit richtig und wichtig finde, muss man sich fragen, ob sie wirklich alle gerechtfertigt sind. Kann man die Folgen dieser Restriktionen überhaupt messen? Ich denke nicht nur an den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch an die psychologischen, emotionalen und damit auch physiologischen. Sollten die Regierungen nicht eher aufklären und informieren, Forschung unterstützen und die Verantwortung für den präventiven Schutz beim Einzelnen lassen. Wir sind doch selbständig denkende Menschen und vor den Mücken schützen wir uns doch auch entsprechend. Sollten die finanziellen Mittel nicht eher für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden, statt Ausgangssperren zu verhängen? Seit März ist doch nun genug Zeit gewesen die Krankenhäuser entsprechend auszurüsten und auch neue zu bauen, um alle Erkrankte entsprechend versorgen zu können. Was macht Covid-19 eigentlich so besonders, das unser gesellschaftliches und soziales Leben nicht nur in Frage gestellt, sondern abgeschafft wird?
Ich habe es gut, bin auf Reisen und muss im Moment kein Geschäft am Laufen halten. Ich muss keine Mitarbeiter und deren Sozialabgaben mehr bezahlen, keine Miete und all die anderen Rechnungen. Aber was ist mit dem Mittelstand, der bisher Deutschland finanzierte? Was ist mit all den Künstlern, die unser Leben bereichern? Was ist mit all den Selbständigen, welche mit Kraft und Mut ihr Einkommen sichern und nicht Vater Staat auf der Tasche liegen? Was ist mit all den Unternehmen, die keinen Speckgürtel auf dem Konto haben? Was passiert eigentlich, wenn all die Steuereinnahmen fehlen und dem Staat das Geld für notwendige Verbesserungen schlichtweg fehlt? Was passiert mit uns? Werden wir offen und herzlich bleiben oder uns verbittert einigeln? Werden wir uns lenken und die Verantwortung über uns anderen lassen oder selbständig denken und handeln? Werden wir friedlich, tolerant und demokratisch bleiben oder trägt man die Meinungsverschiedenheiten wieder mit Gewalt aus?
Ich glaube, die Einschränkungen müssen ein Ende finden. Die vorhandenen Kapazitäten sollten für Forschung, Infrastruktur und Bildung verwendet werden. Die Regierungen sollten den Menschen zutrauen, die Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können. Wir sind kreativ, mutig, anstrengungsbereit, ausdauernd und können unsere Geschicke lenken. Und steckt man sich trotz aller Vorsicht trotz dessen an, ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass im Krankenhaus ein Arzt für mich Zeit hat.