Mittwoch, 20. Januar 2021

Inselparadies Exumas

Sie werden unter den Seglern hoch gelobt und diese Korallenplatten unter dem Meeresspiegel, von der so viele Spitzen durch die Wasseroberfläche ragen, haben es verdient. Nach Venezuela befinden wir uns gerade im schönsten Inselparadies unserer Reise. Wie viele Inseln es sind, weiß keiner so genau. Manche tauchen nur bei Ebbe auf. Nur wenige sind bewohnt. Unsere Segelstrecken sind kurz, um so viel wie möglich zu sehen. 

In Lee Stocking Island sehen wir beim Schnorcheln sechs Stachelrochen, jeder mit einem Durchmesser von mindestens drei Metern. Die Strömungen sind auf unserem Ankerplatz so stark, dass man sich auf einem Wildwasserfluss wähnt. 

Am Rudder Cay liegen wir direkt vor einer Höhle im ausgefransten Korallenskelett, welches die Insel bildet. Hier braucht man nicht nass und salzig werden. Wenn die Wasseroberfläche spiegelglatt ist, kann man alles vom Boot aus perfekt erkennen. Wir schnorcheln trotz dessen in diesem türkisfarbenen, glasklaren Wasser und sehen Schildkröten sowie viele bunte Fische um einzelne Korallenköpfe schwimmen. Bei Ebbe erscheinen die Inseln wie die schwebenden Felsen in Avatar, weil die Wellen mit der Zeit den Sockel dünn spülen. Auf dem Meeresgrund liegt eine Nixe an einem Flügel. Nur etwa drei Meter unter der Wasseroberfläche können wir uns mit Gewichten am Gürtel kurz dazu setzen.

Auf Little Farmers Cay finden wir ein belebtes Dorf, essen Conches (Fechterschnecken), treffen einen Holzschnitzer und laufen während unserer Wanderung um die Insel auf dem Rollfeld des Airports entlang. Der Oven Rock, auf dem ein Seeadlerpärchen brütet, liegt gleich gegenüber. Sie meckern mächtig rum, als wir ihnen näher kommen und die Ankerkette rasselt. Hier finden wir eine Höhle mit Stalaktiten und Stalakmiten. Mit den Cenotes in Mexiko kann sie nicht mithalten, zu zerstört sind die Tropfsteine aufgrund der unbeaufsichtigten Besuche. Sie ist es trotz dessen wert, ebenso wie das rostige Wrack auf dem Strand.


Mal wieder frischer Barrakuda 

Guten Morgen, ein traumhafter Sonnenaufgang speziell für euch in Pixel gebannt.

Die schwierige Sache mit der Tide, verlässliche Voraussagen gibt es wohl in den Bahamas nicht. Sie sind eben flach.

Ein riesiger Hühnergott aus altem Korallenskelett, und wir mittendrin.

Sie soll im Auftrag von David Copperfield angefertigt und platziert worden sein und wartet auf Besucher.

Die Seeadlermutter, findet es nicht lustig, dass wir ihr so auf den Pelz rücken. Ich will nichts von ihren Kleinen und traue mich aufgrund ihres aufmerksamen Blicks auch nicht zum Horst. Aber ich kann auch nicht aus meiner Haut und muss ein paar Fotos machen. 
Mutter Natur kreiert so wunderschöne Geschöpfe.

Im Moment eines meiner Lieblingsbilder von meinem Capitano.


Sonntag, 10. Januar 2021

Malaria vs Covid

Nachdenklich!

Ich schreibe gerade an meinem Kambodschabuch. In Südostasien ist Malaria ein Problem. Auf unserer Reise mussten wir uns für oder gegen die Präparate zur Vorbeugung entscheiden. Diese versprechen jedoch keinen kompletten Schutz, mildern eventuell die Symptome und müssen durchgängig eingenommen werden. 2004 sollen weltweit 1,8 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben sein. 2017 erkrankten 218 Millionen Menschen, 435 000 starben. Die Fallzahlen steigen im Moment wieder an. Eine Impfung gab es gegen das Sumpffieber nicht. Seit Jahren forscht man nach wirksamen Mitteln. Heute verspricht das beste Präparat eine Wirksamkeit von mindestens 75 Prozent. Als Reiseimpfstoff eignet er sich jedoch nicht. 

Covid-19 hat seit Ausbruch vor einem Jahr 88 Millionen Erkrankte und 1,9 Millionen Tote auf dem Gewissen. Für diesen Virus gibt es 2020 ebenso keinen Impfstoff. Im Unterschied zu Malaria trifft es nicht nur die armen Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart. Dieses Mal sind alle betroffen. Die Regierungen der Länder reagieren unterschiedlich und auch die Fallzahlen sind sehr unterschiedlich. Ähnlich wie bei Malaria Moskitonetze und Mückenspray vorbeugend helfen können, versucht man sich mit Masken und Desinfektionsmitteln vor Covid schützen. Das ergibt Sinn.

Aber was ist mit all den anderen Einschränkungen? Die Verbote Läden, Restaurants und Hotels zu öffnen töten nicht nur Unternehmen und Existenzen, sie verändern unser soziales Leben. Gebote, sich nicht mehr treffen und gegenseitig besuchen zu dürfen, machen einsam. Schlimmer noch, gegenseitige Denunziationen erinnern mich an dunkle Nazi- oder DDR-Zeiten. Viele sind verunsichert und warten ab, was die Regierung als nächstes vorgibt. Das eigene Denken wird nicht unterstützt. 

Auch wenn ich Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit richtig und wichtig finde, muss man sich fragen, ob sie wirklich alle gerechtfertigt sind. Kann man die Folgen dieser Restriktionen überhaupt messen? Ich denke nicht nur an den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch an die psychologischen, emotionalen und damit auch physiologischen. Sollten die Regierungen nicht eher aufklären und informieren, Forschung unterstützen und die Verantwortung für den präventiven Schutz beim Einzelnen lassen. Wir sind doch selbständig denkende Menschen und vor den Mücken schützen wir uns doch auch entsprechend. Sollten die finanziellen Mittel nicht eher für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden, statt Ausgangssperren zu verhängen? Seit März ist doch nun genug Zeit gewesen die Krankenhäuser entsprechend auszurüsten und auch neue zu bauen, um alle Erkrankte entsprechend versorgen zu können. Was macht Covid-19 eigentlich so besonders, das unser gesellschaftliches und soziales Leben nicht nur in Frage gestellt, sondern abgeschafft wird?

Ich habe es gut, bin auf Reisen und muss im Moment kein Geschäft am Laufen halten. Ich muss keine Mitarbeiter und deren Sozialabgaben mehr bezahlen, keine Miete und all die anderen Rechnungen. Aber was ist mit dem Mittelstand, der bisher Deutschland finanzierte? Was ist mit all den Künstlern, die unser Leben bereichern? Was ist mit all den Selbständigen, welche mit Kraft und Mut ihr Einkommen sichern und nicht Vater Staat auf der Tasche liegen? Was ist mit all den Unternehmen, die keinen Speckgürtel auf dem Konto haben? Was passiert eigentlich, wenn all die Steuereinnahmen fehlen und dem Staat das Geld für notwendige Verbesserungen schlichtweg fehlt? Was passiert mit uns? Werden wir offen und herzlich bleiben oder uns verbittert einigeln? Werden wir uns lenken und die Verantwortung über uns anderen lassen oder selbständig denken und handeln? Werden wir friedlich, tolerant und demokratisch bleiben oder trägt man die Meinungsverschiedenheiten wieder mit Gewalt aus?

Ich glaube, die Einschränkungen müssen ein Ende finden. Die vorhandenen Kapazitäten sollten für Forschung, Infrastruktur und Bildung verwendet werden. Die Regierungen sollten den Menschen zutrauen, die Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können. Wir sind kreativ, mutig, anstrengungsbereit, ausdauernd und können unsere Geschicke lenken. Und steckt man sich trotz aller Vorsicht trotz dessen an, ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass im Krankenhaus ein Arzt für mich Zeit hat.



Freitag, 8. Januar 2021

Inselparadies Bahamas

Über 2000 Inseln, Cays und Atolle bilden die Bahamas und nur 30 Inseln sind bewohnt. Inzwischen haben wir schon so einige Inseln gesehen und sie sind nur ein Bruchteil davon. Von Georg Town Richtung Norden liegen die felsigen oder sandigen Landfetzen der Exumas wie eine dicke Spur Brotkrumen im Meer. Wir wollen so viele sehen wie nur möglich und doch grenzen die Ankerplätze die Zahl aufgrund unseres Tiefgangs ein. Hier wäre der leichte und flache Katamaran mir seinen Steckschwertern genau das Richtige (gewesen). Wir sind trotz dessen froh über unsere Lady, auch wenn sie immer etwas mehr als 2,20 Meter Wassertiefe benötigt, auch bei Ebbe. Sie hat uns auch durch schwere See sicher her gebracht.

Aufgrund Corona, haben wir die Ankerplätze meist für uns allein. Nicht ganz, denn wir reisen immer noch im Tandem mit der Tomskii und finden es gut. Außerdem sind dann doch noch einige andere Segler unterwegs. Meistens kommen sie aus den USA oder Kanada. Das ist ja auch nicht so weit. Wenn wir dann mal auf Europäer treffen oder gar eine deutsche Flagge sehen, lohnt der Gang zum Funkgerät, obwohl wir diesen Kommunikationskanal eher sparsam nutzen. So treffen wir auf die Munot mit Annette und Theo, die vor ihrer Weiterfahrt, extra noch einen Abstecher zu unserem Ankerplatz machen und sich Zeit für einen Kaffee nehmen. Sie kreuzen seit 6 Jahren durch dieses Inselparadies. Während der Hurrikansaison wird das Boot sicher geparkt und nach Hause geflogen. In Europa ist ja Sommer. 

Gestern haben wir die ersten berühmten Bahamasschweine besucht. Eine Familie mit zwei gescheckten Ferkeln rennt zum Strand weil der Motor heran knattert. Sie sehen mit ihren langen Beinen wie sehr sportliche, bepelzte Hausschweine aus und schauen neugierig zu unserem Dingi hinüber. „Ob wir etwas Futter mitgebracht haben?“ So ein Schwein ist jedoch nicht dumm und das Wasser ist kalt. Also checkt man erst einmal die Lage. Ohne Futter lohnt sich das Schwimmen nicht so sehr. Wir bleiben lieber im Bötchen. Vielleicht haben sie Hunger oder nicht genügend Respekt vor dem Menschen. Außerdem würden wir in ihr Revier eindringen. Vorsicht ist die Mutter der Pozellankiste, besonders auf Reisen.

Die Bahamas im Winter sind nichts für ungeübte Segler. Die Winde ändern sich täglich und drehen sich im Kreis. Von Norden weht er ganz plötzlich auch mal kräftiger und kalt ist er sowieso. Das tägliche Studium der Vorhersagen ist deshalb im Moment sehr wichtig, auch wenn man einen ruhigen Ankerplatz gefunden hat. Aber es ist wundervoll hier. Dieses Inselparadies kann sich durchaus mit den Malediven messen. Wir haben jetzt noch zwei Monate um unsere Runde nach Norden und zurück zu drehen. Anfang Mai wollen wir spätestens in Panama sein.


Yelena zeigt mir, wie man richtige Paella kocht

gemeinsames Essen am Strand bei Sonnenuntergang

Ankerbucht vor Black Island

zwei Hühner am Strand mit einem Kunstwerk von Mutter Natur

erst einmal die Lage sondieren

ein Ferkeljunge ist besonders neugierig