Mittwoch, 14. Dezember 2022

Crossing Aruba - Panama

Die wievielte Überfahrt ist das nun? Ich müsste nachzählen. Inzwischen sind es etliche und jedes Mal rede ich mir ein: „Nun wird es besser. Dieses Mal werde ich sie genießen.“ Und wirklich es geht gut los. Der Wind schiebt von schräg hinten. Die Strömung hilft nicht unwesentlich. Die Lady schiebt uns stabil mit 9 Knoten durchs Wasser. Die Welle ist kaum zu merken. Wir können uns normal auf unserem Boot bewegen und genießen die rauschende Fahrt. Gleich in den ersten zwei Stunden ziehe ich drei Fische ans Deck, sodass die Angel nun erst einmal Pause macht. Die Thunfisch- und Barakudafilets finden im Kühlschrank und im Gefrierfach ihren neuen Platz. Den Sonnenuntergang genießen wir an Deck. Nachts geht es nicht mehr ganz so zügig voran, da das Leichtwindsegel sicherheitshalber eingeholt wird. Die kurzen starken Böen einer nächtlichen Regenwolke, unter Seglern Squall genannt, könnten es zerreißen. So schläft es sich ruhiger.

Am zweiten Tag wachsen die Wellen an. Die Segel beginnen zu schlagen. Jeder Wellenberg bremst die Fahrt. Nun bleibe ich lieber sitzen und schaue aufs Meer. Lesen ist nicht mehr möglich, sobald ich die Brille aufsetze, wird mir mulmig. Die Spanischlektionen vertreiben ein wenig die Langeweile. Delfine oder Wale wären schön, aber der ein oder andere Seevogel und die fliegenden Fische müssen fürs erste genügen. Immerhin kann ich mich um die Mahlzeiten kümmern und die notwendigsten Handlungen durchführen. Natürlich mit Festhalten. Die gegenseitigen ausgiebigen Kopfmassagen sind inzwischen festes Ritual auf diesen langweiligen Überfahrten.


Der dritte Sonnenaufgang begrüßt uns mit Kreuzwelle. Ein junger Maskentölpel hat die Nacht auf unseren Solarflächen verbracht, seine Umgebung ausgiebig vollgesch… und putzt sich nun ausgiebig. Immerhin etwas Abwechslung. Die Lady hüpft jedenfalls fröhlich hin und her, was selbst das Sitzen zur sportlichen Übung macht. Wenn ich mich dabei nicht so verkrampfen würde, könnte man es sogar als gesunde Bewegung verbuchen, die ein paar Speckschichten abbaut. In der Nacht wird es so schlimm, dass wir gar nicht schlafen. Selbst wenn ich meinen Körper so verkeile, das er nicht hin und her rutscht, Schwabern zumindest die Organe herum und das tut nach einigen Stunden auch weh. So etwas ist für die Bänder, an denen sie aufgehängt sind, zu ungewohnt.


Irgendwie überstehen wir die Nacht und den Vormittag des vierten Tages, dann kommt die Welle wieder nur aus einer Richtung und es wird ruhiger. Ich schaue auf die Wüste der Meeresoberfläche. Sie bewegt sich immer während und einschläfernd. Nebenbei ein paar Spanischlektionen, die aber nur an mir vorbei rauschen. Meine Gedanken drehen sich im Kreis vom Ärger über die Wellen, ihre Erfindung ist völlig unnötig und einen Nutzen kann ich auch nicht entdecken, bis zum Pazifik der ja auch irgendwann ansteht und noch etliche längere Überfahrten bereit hält. Warum fliege ich nicht einfach und erspare mir diese ganze Quälerei? Weil ich Stefan damit nicht allein lassen möchten. Manchmal ist es ganz gut zwei weitere Hände an Bord zu haben.


Nach der vierten Nacht erlebe ich den Sonnenaufgang hinter dichten Wolken. Es ist eher ein blasses Licht, das den Tag ankündigt. Dann tauchen Panamas Berge neben uns auf, ganz matt und weit weg. Egal, wir haben Land in Sicht. Mittags erreichen wir den Kanaleingang. Er ist umgeben von etlichen Containerschiffen, die wie die Enten nach und nach die Einfahrt nehmen. Wir müssen zwischen zwei hindurchflutschen. Starke Regenschauer mit den einhergehenden Böen erschweren das Manöver. Hinter der Mole ist mit einem Schlag alles ruhig. Nicht nur die Wellen sind ausgesperrt. Die grauen Wolken sind bereits weitergezogen, die Sonne lässt das klitschnasse Deck glitzern. Während wir Richtung Marina Motoren werden der Spinnakerbaum, alle Tampen und Schoten weggeräumt, die Fender und Festmacherleinen angebracht. Bei herrlichstem Sommerwetter und lautem Vogelkonzert fahren wir zwischen Mangroven in die Shelter Bay Marina ein. Die letzten 97 Stunden sind sofort vergessen und auch lang nicht mehr so schlimm. Nun sind wir da, an einem neuen, interessanten Ort, der uns freundlich empfängt.


Und ich genieße die wenigen Tage hier sehr. Ein Schwimmingpool lädt mich zwei Mal am Tag ein. Zwei Mal täglich begebe ich mich auf Safari in den angrenzenden Wald, sehe Brüllaffen und die kleineren Kapuzineräffchen, Tukane, Sittiche und viele bunte Singvögel, beobachte die Brillenbären und freue mich über die langen Schwänze, die sie wie Katzen steil in die Höhe strecken. Nebenbei bringen wir natürlich das Boot in Ordnung, erledigen die organisatorischen Dinge für Einreise und Panamakanal, kaufen ordentlich ein, planen die Fahrt ins San Blas Archipel und treffen bekannte und unbekannte Segler, tauschen Informationen und Pläne aus. Nach drei Tagen bin ich völlig erschöpft und doch wollen wir los, endlich die San Blas kennen lernen. 


Das Tankmanöver wird schwierig und schmutzig und danach gehts wieder hart gegen die Welle und den Wind. Die Lady stampft sich durch die Wellen und produziert hohe Regenbogenfontänen. Wir müssen kreuzen, um von Colón zur Linton Bay zu kommen. Ein langer Schlag führt uns so weit aufs Meer hinaus, dass selbst die vielen Containerschiffe vor dem Kanaleingang hinterm Horizont verschwinden. Zurück zeigt sich die See dann etwas weicher, da die Dünung von der Seite unter dem Rumpf hindurch rollt. Weiter gehts hart am Wind, nun von links. Für beide Schläge benötigen wir sieben Stunden. Der zweite Tag wird angenehmer, ebenso hart am Wind aber mit weniger Welle. Eine Swisscat 48  fordert uns zum Rennen heraus und so wird es weniger langweilig. Was meint ihr, welches Boot war wohl letztendlich schneller?



Schau das Video: https://youtu.be/C1RUEdx8p8g














Samstag, 3. Dezember 2022

Einmal spontan nach Aruba, bitte - Gastbeitrag von Belinda

Eine Sprachnachricht Anfang Oktober, ein paar Gespräche, zwei Urlaubsanträge und eine Flugbuchung – viel mehr brauchte es letztendlich nicht um für zwei Wochen nach Aruba zu reisen. Zwei Wochen Karibik. Zwei Wochen Zeit mit Mama und Stefan. Nachdem wir uns über ein Jahr nicht mehr gesehen hatten sollte es mich und Alex auf die karibische Insel vor der venezuelischen Küste verschlagen. Zwei Wochen Paradies im Winter.



Einreise nach Aruba

Das schöne ist, dass man Aruba von Europa aus sehr leicht erreichen kann. Es gibt jeden Tag einen Direktflug von KLM von Amsterdam nach Oranjestad, Aruba. Ein richtiges Visum gibt es auch nicht. Man muss lediglich ein paar Tage vor der Einreise ein Online-Formular ausfüllen. Ein paar Impfungen wurden noch aufgefrischt und schon waren wir bereit für die Reise. Alles in Allem vergingen zwischen Mamas erster Sprachnachricht und unserem Hinflug gerade einmal gute sechs Wochen.

Willkommen im Paradies

Nach zehn Stunden im Flugzeug schwört man sich eigentlich, so etwas nie wieder zu machen. Aber es lohnt sich schließlich doch. 30 Grad jeden Tag, den ganzen Tag, Palmen und Sandstrände holen einen ende November wirklich aus dem Alltag raus und lassen einen abschalten. Für uns ging es aber dann doch erstmal an Bord der Lady. Ankommen. Einen Aperol trinken und schließlich, nach fast 24 Stunden Reise erstmal schlafen.


One (little) happy Island

Aruba ist eine kleine Insel. Die knapp 180 km2 Fläche sind theoretisch schnell erkundet. Doch die Insel lädt dadurch auch zu einem langsamen Urlaub ein. In zwei Wochen kann man leicht alles erkunden. Selbst wenn wir mal einen Tag nur an Bord verbracht haben, konnte man noch in Ruhe alles erkunden. Mit dem Auto braucht man etwa eine Stunde um vom Norden der Insel in den Süden zu gelangen. Die Strecken sind also kurz und man fährt von Sehenswürdigkeit zur nächsten meist nur zehn bis fünfzehn Minuten.


Oranjestad

Oranjestad ist die Hauptstadt Arubas. Hier landen nicht nur alle Flugzeuge, auch zwei bis drei Kruezfahrtschiffe legen hier täglich an und entlassen Massen an Touristen. Die meisten sind US-Amerikaner aber auch die AIDA kam mal vorbei. Die Haupstadt ist daher sehr „schick gemacht“. Hübsche kleine Hauptstraßen, viele Shopping-Möglichkeiten, Restaurants und Bars.

Künstlerstadt San Nicolas

Die zweite größere Stadt ist San Nicolas. Sie liegt ganz im Süden und ist für mich definitiv die schönere Stadt. Klar, sie profitiert vom fehlenden Flughafen. Doch vor allem punktet San Nicolas mit den bunten Häuserbemalungen, den Mosaik-Bänken und den fehlenden Massen an Touristen. Nicht desto trotz sind gerade Hotspots wie der Baby Beach natürlich auch hier sehr voll und beliebt.


Arikok Nationalpark

Der Arikok Nationalpark hat mir auch sehr gefallen. Für 11 US-Dollar bekommt man als Erwachsener einen Tages-Pass und kann dann mit dem Auto durch den Park. Die Straßen sind ok, doch es bietet sich an, die tiefer gelegte Karre an dem Tag in der Garage zu lassen. 


Die Landschaft im Land ist vor allem durch riesige Kakteen-Wälder geprägt. Einen tropischen Dschungel, wie z.B. auf Dominica, gibt es hier nicht. Dafür sehr viele Eidechsen und viele Wanderwege. Die haben wir aber nicht erkundet – zu heiß. Stattdessen haben wir uns zwei Höhlen angesehen. Die Fontain Cave ist eher klein gewesen, hatte aber (angebliche) alte Bemalungen an den Wänden. Die Quadirikiri Cave war da schon sehr viel beeindruckender. Sehr tief und immer mal wieder kam die Sonne durch Löcher in der Decke, wodurch die ganze Höhle eine sehr schöne Atmosphäre hatte und einfach sehr schön war. Außerdem interessant war, dass das Gestein in der Höhle Korallengestein war, sich also der ganze Bereich früher einmal unter Wasser befunden haben muss. Inzwischen braucht man da aber keine Bedenken mehr haben. Beide Höhlen sind recht weit von der Küste entfernt.


Arubas Küste

Aruba wirbt mit romantischen Sandstränden, Palmen und Pina Coladas und sie hält ihr Versprechen. Die gesamte Westküste hat immer wieder kleinere und größere Sandstrände. Mal mit Bars und Liegen, mal zum Spazieren, mal mit Mangroven für Einheimische oder Touristen mit kleinerem Geldbeutel. Auf jeden Fall bekommt man das Karibik Feeling.

Sie Ostküste ist da eher rauer. Viel Steilküste und starke Brandung zeigen hier, wie kraftvoll Wasser sein kann. Baden ist hier meistens nicht möglich oder auch verboten. Dafür hat man eindrucksvolle Natur, ab und zu eine vom Wasser geformte Steinbrücke oder auch die ein oder andere Ziege, die einem über den Weg läuft.


Schnorcheln – die Unterwasserwelt von Aruba

Doch wer Aruba nur an Land erkundet, der verpasst einiges. Die Unterwasserwelt ist definitiv mehr als nur einen Abstecher wert. Ob einfach vor den Stränden aus oder direkt an einem der vielen Wracks vor der Küste. Es gibt einiges zu sehen. Dass wir auf einem Boot gelebt haben war hier definitiv von Vorteil! Wir hatten das Glück neben vielen kleinen, bunten Fischen zahllose Papageienfische, mehrere Kofferfische, Doktorfische, aber auch Schildkröten einen Oktopus und eine Muräne haben wir gesichtet. Ziemlich viele besondere Erfahrungen, welche die Insel für mich auf jeden Fall zu einem besonderen Ort macht. Vor allem ist es in meinen Augen nahezu ein Wunder, dass wir diese ganzen Tiere so unkompliziert sichten konnten, wo doch viele Korallen auch schon tot sind, täglich mehrere Kreuzfahrtschiffe, Touristenschiffe und Boote das Wasser zu einem unruhigen Ort machen.

One Happy Urlaub

Der Slogan „One happy Island“ trifft auf jeden Fall auf Aruba zu. Die Menschen sind freundlich und die Natur ist schön. Trotz sehr viel Regen, haben wir nicht das Gefühl gehabt das „schlechtes Wetter“ war. Wir haben sehr gut gegessen und getrunken und vor allem viel Zeit mit unseren beiden Gastgebern gehabt – one (very) happy Urlaub also für uns! 

Danke für die schöne Zeit und wir freuen uns schon, euch schon im nächsten Jahr wieder zu sehen.