Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Dieser Zeitpunkt ist hier, in Französisch Polynesien definitiv erreicht. Wir schwelgen länger als ein Jahr in der Schönheit der Landschaft, der Polynesier, Ihrer Freundlichkeit, der lokalen Sprache, Tänze, Kultur und können gar nicht genug bekommen. Wir werden zu Bounty-Meuterei-Verstehern. Natürlich wollten die hier nicht mehr weg!
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Großeltern werden wächst rapide, unsere Eltern werden nun doch nicht mehr jünger. Wir sind einfach zu weit weg, als dass uns mal jemand besuchen kommt. Besonders Ricarda fehlt der persönliche Kontakt zur Familie.
Also beschließen wir schon Mitte 2023, die Lady zu verkaufen. Jedoch nicht um und für jeden Preis. So bestimmt auch die Nachfrage auf dem Gebrauchtbootmarkt über unsere Zukunft. Alles können wir eben nicht beeinflussen. Wenn also niemand die Qualitäten der Lady schätzen möchte, werden wir Sie behalten und bis nach Europa oder in die Karibik weitersegeln, sie und uns auf diesem Weg nach Hause bringen.
Aber schon der dritte Kaufinteressent passt perfekt und akzeptiert zudem noch meinen - außergewöhnlich hohen, dem Zustand der Lady angemessenen - Wunschpreis.
Dann lösen wir das Problem, unseren gesamten Haushalt - etwa 20 Reisetaschen und Koffer sowie Kisten incl. Sportgepäck und Fahrrädern von Tahiti nach Frankreich, Montpellier zu befördern, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, die Transportkosten würden wohl den Wert der betroffenen Gegenstände überschreiten. Aber auch das klappt - dank Air France - letztlich reibungslos.
Wir sind also zurück in Europa.
Einen ganzjährigen festen Wohnsitz oder zum (deutlicheren) Übergang ein quasi ortsgebundenes Hausboot können wir uns noch nicht vorstellen.
Also, was wollen wir hier?
Die Binnengewässer und Kanäle befahren, es wohnlicher haben, keine Wellen, der Familie näher sein, immer Land in Sicht, nicht mehr so viele Vorräte kaufen, weniger Boot, mehr Zeit für andere Dinge (einfachere Bootsbedienung, weniger Wartung, weniger Komplexität, weniger Verschleiß, weniger Kosten), weniger Lärm beim Motoren, möglichst kleiner ökologischer Fußabdruck.
Aber wie soll das gehen?
Will man „durch“ Europa fahren, sind die Schleusen oft nur ca. 5m breit, die Brücken t.w. nur 3m hoch (im lichten). Beides ist gut, denn dieser nicht veränderbare geometrische Rahmen verkleinert die zur Wahl stehenden geeigneten Boote automatisch und drastisch.
Elektrisch fahren wollen wir soweit (wie) möglich, die Sonne als Stromlieferant nutzen. Es gibt noch nicht viele Gebrauchtboote, die das können. Anfänglich schaue ich daher nach Alternativen, welche man selbst aufrüsten könnte, denke aber auch an den damit notwendigen Aufwand, die Kosten sowie fragliche Installationssicherheit und verwerfe diese Möglichkeit bald.
Letztlich bleibt nur ein einziges ! Modell, welche alle Ansprüche weitestgehend abdeckt. Die Greenline 40 hybrid.
Nicht zu groß, gerade so nicht zu klein, modern eingerichtet, wohnlich, genug Diesel-Pferdestärken wenn es mal drauf ankommt, 2 kräftige Elektromotoren für den normalen (langsamen) Antrieb, es sind schon ein paar Solarpaneele auf den Dach und große LiFePo-Batterien an Bord.
Bei den Preisen für diese Boote kann es einem allerdings die Kinnlade bis zum unteren Anschlag öffnen.
Also warten, den Gebrauchtmarkt beobachten. Das Saisonende bringt vielleicht Kauf-Gelegenheiten. So ist der Stand zum Ende 2023, dem Zeitpunkt an dem die Absicht, nach Europa zurückzukehren, feststeht.
Lediglich ein Hybrid-Modell kommt in den Wintermonaten 2023/24 als Inserat in Italien auf den Markt. Dabei bleibt es bis September 2024, als wir Tahiti verlassen. Auch im Oktober tut sich nichts. Offenbar will sich niemand von seiner Greenline 40 hybrid trennen. Ein gutes Zeichen. Wir machen eine Probefahrt auf der neuesten Greenline 40 hybrid und vergleichen diese auch mit dem etwas kleineren 39-fuß-Modell.
Das bestätigt uns. Wir lagen mit der Vorauswahl richtig.
Also vereinbaren wir einen Besichtigungstermin für das gebrauchte Modell in Italien. Es ist quasi ein „Jahres(Wagen)Boot“, gebaut 2022 und nur 1 Jahr genutzt. Und so wirkt es auf uns auch wie neu, jedoch ungepflegt. Selbst der Schmutz (Spänne etc.) von der Herstellung ist teilweise noch nicht aus dem Rumpf beseitigt. Es gibt ein paar Mängel, welche jedoch behebbar sind. Die bisherigen Eigentümer scheinen wohl etwas überfordert gewesen zu sein oder nehmen es eben nicht so wichtig (wie ich).
Das könnte also das nächste Boot für uns werden.
Nach etwas zähen Verhandlungen und mit einigen rechtlich-organisatorischen Schwierigkeiten, erfolgt der Kauf zügig und direkt (ohne Makler) von dem dänischen Verkäuferpaar. Das Procedere zum Eigentumsübergang geht unerwartet sehr schnell und wir ziehen schon genau Mitte Oktober auf unser „neues“ Boot in Italien.
Dann soll es zeitnah nach Montpellier gefahren werden, damit wir dort unsere Lagerbox auflösen und ganz aufs Boot ziehen können. Das klappt - nach einigen kleinen Eingewöhnungsschwierigkeiten mit dem ungewohnten Antrieb und unerwartet vielen Absagen von Marinas in der Region - insgesamt ganz gut und wir 3 kommen gesund und munter in Port de Carnon an.
Auf dem Weg machen wir schon mal einen ersten Abstecher in die Natur auf der Petite Rhône.
Der Transport unseres Hausrats zum Boot klappt dann wieder reibungslos und - dank Ricardas Verstaukünsten und der Stichsäge - können wir tatsächlich alles unterkriegen, wenn auch knapp.
Nun sind wir bereit für das nächste „Boots - Leben & Reisen“.
Dieses Mal auf und mit „MY Villa“.













































