Wenn man von Grenada nach Aruba segelt muss man durch Venezuelas Gewässer reisen. Dieses kommunistische Land hat eine lange, lange Küste in der Karibischen See und viele, viele Inseln. Wenn Venezuela nicht für seine korrupten Beamten und Piraten bekannt wäre,
würde es ein traumhaftes Urlaubsland abgeben. Insbesondere die Küste und die direkt davor gelegenen Inseln, wie zum Beispiel die Isla de Margarita und Tortuga sollte man unbedingt meiden. Also halten wir uns an den nördlichen Inseln und laufen nach 24 Stunden morgens La Blanquilla an. Eine zehn Kilometer lange, neun Kilometer breite alte Korallenbank, die sich wie ein flacher Teller ein bis acht Meter über dem Wasserspiegel erhebt und über die vielen Jahre bereits eine Menge Saharasand eingesammelte. Wir sehen also mal keine Vulkaninsel, sondern das Ergebnis der Absenkung des Wasserspiegels vor, ich weiß nicht wie vielen Jahrtausenden. Grün ist sie trotz dessen. Mangroven, Kakteen, Büsche und auch einige Bäume haben irgendwie ihren Weg mitten aufs Meer gefunden. Immerhin sind wir 130 km vom Festland entfernt.
Stefan findet für uns eine Traumbucht, die gerade so Platz für ein Boot, einen Sandstrand und Felsen drum herum bietet. Pelikane und Sturmvögel stürzen pausenlos kopfüber ins Wasser und schlagen sich die Bäuche voll. Auf der „Restos Antigua Casa“ sitzt ein Seeadlerpärchen und schaut sich stumm sowie regungslos das Spektakel der Seevögel an. Wir sind allein und doch auf Habachtstellung. Wird die Küstenwache vorbeikommen? Falls ja, was werden sie verlangen? Sind vier Dosen Bier eine ausreichende Bestechungsgabe oder müssen wir was drauf legen? Werden die Piraten von der Isla Margarita herüber kommen und alles, was irgendwie zu gebrauchen ist, mitnehmen? Stefan legt sich erst einmal schlafen und ich fange an aufzuräumen, komme aber nicht weit.
Da nähert sich uns ein kleines Holzbötchen ohne Motor und schon ziemlich kaputt. Zwei Männer paddeln emsig auf uns zu. Die sehen nicht wie Piraten aus und die Küstenwache ist sicher auch in Venezuela besser ausgestattet. Ich werde spanisch angesprochen und mein Hirn benötigt eine Weile, um sich zu erinnern. Die Kanarischen Inseln sind lange her. Dann verstehe ich, dass sie eine entladene Batterie dabei haben und fragen, ob wir sie aufladen können. Dazu reichen sie mir gleich einen Eimer voller handgroßer roter Barsche rüber. Dann nehme ich die Batterie in Empfang und verspreche den Käptn zu fragen, sobald er wach ist. Sie paddeln an den Strand, spazieren ein wenig herum und sind eine Stunde später wieder da.
Stefan kann die Batterie laden, aber da sie sehr alt ist, wird sie bei weitem nicht voll. Die Fischer gehen derweil ihrem Handwerk nach und kommen mit ihrem größeren Boot und fünf weiteren Männern direkt in unsere Bucht. So brauchen sie nicht so weit paddeln. Glücklich über die Starthilfe, erzählen sie noch, dass sie von der Isla de Margarita kommen. Nach vielem Winken fahren sie dann wieder am Horizont ihre Kreise. Es sind keine Piraten, nur arme Fischer, die tagelang hier draußen möglichst viel Fisch fangen wollen, um damit ihre Familien zu ernähren. Wir genießen einen weiteren Tag in dieser wundervollen Bucht und starten abends vor Sonnenuntergang zu unserem nächsten Ziel, das wir hoffentlich in spätestens 24 Stunden erreichen. Zwischendurch hat sich leider keine Insel zum Anhalten platziert.
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| arme, freundliche Fischer und keine skrupellosen Piraten |
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| unsere Bucht "Restos Antigua Casa" |
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| galanter Segler und geschickter Fischer |
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| Ist das ein Seeadler? |
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| Weißbauchtölpel genießen den Ausblick und die Sonne. |
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