Nach einem entspannten Vormittag, einer ausgedehnten Schnorcheltour und dem Mittagessen starten wir, um die nächste bewohnte Insel der Grenadinen auf unserer Nord-Süd-Route zu erreichen. Canouan liegt nur etwa 16 sm von Bequia entfernt und so reicht ein entspannter Segelnachmittag, um die Charlestown Bay zu erreichen. Anfangs müssen wir jedoch erst einmal die lange, schmale Landzunge umrunden. Die vielen Ruinen auf den Felsen und sogar in den größeren Höhlen nennt man Moonhole(Mondloch)-Häuser. Zusammen mit dem gestrandeten Schiff an der vorletzten Klippe, fühlt sich das erste Stück wie eine Sightseeingtour in einem Ausflugsschiff an.
Dann geht es hart am Wind über das offene Meer. Die Lady macht wieder ihre 7 - 8 Knoten und wir entspannen uns im Cockpit. Wie auch auf unseren letzten Überfahrten sehen wir noch zwei andere Segler durch die Wellen kreuzen. Der eine fährt weit vor uns ebenso nach Süden, der andere kommt uns entgegen und will offensichtlich nach Bequia. Das ist für die Karibik sehr sehr wenig. Ungewöhnlich ist auch, dass nicht einer mit AIS unterwegs ist. Sind sie vielleicht auch ohne Genehmigung in diesen Gewässern unterwegs? Jedenfalls wissen wir deshalb auch nicht, welcher Nationalität sie zugehören, ob wir sie vielleicht kennen oder zumindest irgendwo schon einmal gesehen haben.
Wie hingestreut, liegen größere und kleinere Inseln links von unserer Route. Da ist Port Nevis, Isla de Quader, Pigeon Iland, Mustique, Petit Mustique, Savan Iland, die Savan Rocks und Petit Canouan. Von einzelnen Felsen bis zu größeren, grünen Eilanden ist alles dabei. Der lange Streit von Engländer und Franzosen um die Besitzansprüche sowie der damit verbundene ständige Wechsel der Herrschaften bleibt mit den Namen unvergessen. Gut, dass wir es im Moment nicht mit solchen Problemen zu tun haben. Da ist Corona das wohl geringere Übel.
Kurz vor Canouan beißt ein Barrakuda an meinen Goldmakrelenhaken. So war das eigentlich nicht gedacht. Auch wenn sein sportliches Fleisch sehr gut schmeckt, sind diese rifffischfressenden Räuber dafür bekannt, die Krankheit Ciguatera in sich zu tragen, welche Lähmungserscheinungen bis zu einem möglichen Tod hervorrufen kann. Der verhältnismäßig große Mensch stirbt davon selten, die deutlich kleineren Hunde und Katzen häufiger. Nun wissen wir jedoch, dass diese Krankheit in den Grenadinen eher seltener auftritt. Trotz dessen nutzen wir die Tipps zum Prüfen, denn auf das leckere Raubfischfilett, wollen wir nur im Ernstfall verzichten.
- Filettiere den Fisch, ohne die Eingeweide zu verletzen. Dort befinden sich die meisten Bakterien. (Das kann ich inzwischen ganz gut.)
- Ein Fisch mit mehr als 2,5 Kilo ist eher krank, als ein kleinerer. (Unser prächtiges Exemplar hat wohl mehr als drei. Wiegen ist unnötig.)
- Gib das Fleisch einer Katze zum Fressen. Wenn sie es nicht anrührt, solltest du den Fisch auch nicht essen. (Wir haben keine Katze an Bord und selbst wenn, wäre mir das Risiko zu groß. Sie soll nicht aus Unerfahrenheit oder Gefräßigkeit ein qualvolles Ende finden.)
- Leg etwas vom Fisch auf den Boden. Wenn die Ameisen drüber laufen und keinen Bogen drum herum machen, ist der Fisch gesund. (Auch Ameisen haben wir nicht an Bord. Zum Glück!)
- Wenn dir beim Filettieren die Hände kribbeln oder taub werden, wirf den ganzen Fisch sofort ins Wasser zurück. (Ich hatte schnittfeste Handschuhe an, um mich nicht zu verletzen. Stefan fühlte beim Waschen der Filets nichts.)
- Iss nur ein ganz kleines Stück und warte dann ein paar Stunden.
- Nimm ein kleines Stückchen und leg es unter die Zunge. Wenn deine Zunge nicht anfängt zu kribbeln oder taub wird, brauchst du die Krankheit nicht zu fürchten.
Wir entscheiden uns für die letztere Variante. Das ist am einfachsten. Mutig stecken wir uns jeder ein kleines Stück unter die Zunge. Das Fleisch ist so gut, dass wir es auch roh essen können. Kein Kribbeln, kein Taubheitsgefühl, kein Unwohlsein. Morgen gibt es Fisch!
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| Die südwestliche Landzunge von Bequia |
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| Moonholehouses |
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| auch im Berg |
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| traurige Überreste und doch so schön |
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Wenn Vati das sehen könnte. Er war ein begeisteter Angler und Fischesser. |
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| gefährliches Raubtiergebiss |
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| Das ist nix für Weicheier. |
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