Montag, 22. Juni 2020

Wandertag im Saharastaub

Seit zwei Tagen regnet es nicht nur Wasser, sondern auch gelben Sand. Es ist nicht ganz so schlimm wie auf den Kap Verden, aber unser Boot ist mal wieder richtig dreckig. Eine Staubwolke so groß wie Europa, trug der Wind in der letzten Woche über den gesamten Atlantik. Auf Barbados und Puerto Rico soll es besonders schlimm sein. Dort kann man wohl am Tag nicht einmal mehr die Sonne sehen. Unsere Sonne vor Grenada geht zur Zeit nicht mehr mit diesem spektakulären Inferno aus unterschiedlichen Rottönen unter, sondern als weißer, blasser Mond.
Kaum sitze ich heute am Computer, kommt ein Lotsenboot vorbei und fordert uns auf, den Ankerplatz zu wechseln. Ich muss aus Kambodscha und Angkor Wat zurückkehren und Stefan helfen. Im zweiten Versuch hält der Anker dann auch und ich kann in die alte Tempelstadt Angkor Thom zurückkehren. Jedoch nicht für lange. Nun ist es die Küstenwache, die uns weiter schickt. Also verziehen wir uns etwas grollend in die Mitte des Q-Areals zurück. Auch hier brauchen wir zwei Versuche, denn der Ankergrund ist nicht optimal. Jetzt werden wir hoffentlich in Ruhe gelassen.

Ich schaffe dann doch noch meine 2000 Wörter und den Bayon, diesen berühmten Tempel mit seinen so markanten Gesichtertürmen. Der sundowner wird eher ein moondowner. Aber ich weiß nun, dass es diese Sandwolken jedes Jahr gibt und nicht nur den weiten Weg über den Atlantik nehmen, sondern auch über das Mittelmeer bis nach Asien reisen. Da die Sahara ein sehr fruchtbares Land ist, der nur das Wasser fehlt, ist der Staub für den Regenwald am Amazonas sehr wichtig. 40 Millionen Tonnen werden dort jährlich abgeladen, mit all den wertvollen Mineralien. In diesem Jahr soll die Wolke jedoch besonders stark sein, so dass man sie sogar mit den Satelliten sieht. Also nehme ich den scheinbaren Dreck, der in Wirklichkeit so wertvoll ist, buddhistisch milde lächelnd hin und freue mich auf den nächsten sauberen Regen.

Die Saharasandwolke sieht hier aus wie Goldstaub.

Auch sehr eindruckvoll, oder?!

Goldstaub auf unserem Cockpitdach ...

und überall sonst.

So milde lächelt der Buddha in Angkor Thom.

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