Mittwoch, 3. Juni 2020

Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Wir liegen in der geschützten Admirality Bay von Bequia. Um uns herum hängen etwa 40 andere Segler an ihrem Anker. Während unseres Morgentees schaue ich noch vorsichtig aus dem Cockpit, wenn sich ein Außenbordergeräusch nähert. Es sind nur Dingis und ein richtig schickes Serviceboot, das Wasser, Eis und Diesel anbietet. Auch die Wäsche nehmen sie zum Waschen mit. Das muss ich erst einmal fotografieren, denn davon habe ich häufiger gehört, es jedoch nie mit eigenen Augen gesehen. 

Um nicht vor Aufregung ganz nervös zu werden, gehe ich unter Deck und beende endlich einmal meine Buchhaltung. Da ich nun doch einige Bücher verkaufe, muss ich sie unerwartet und rückwirkend ab 2018 machen. Der größte Aufwand war das Zusammensuchen all der Belege. Nun habe ich die gefundenen Belege sortiert, nummeriert, die ganzen Kontoauszüge herausgesucht, alles in eine Datei sowie die Zahlen in eine Tabelle gepresst und hoffe, dass sie vom Finanzamt anerkannt wird. Das nächste ist dann die Steuererklärung für 2019. Wenn man auf einem Boot lebt, ist es nicht nur spaßig. Solche bürokratischen Spitzfindigkeiten verfolgen auch den Weltenbummler bis ans Ende der Welt.

Als ich meinen Rücken strecke und Stefan schon nach dem Mittagessen fragt, ist immer noch keine Küstenwache bei uns gewesen. Er schmiert uns ein paar Stullen. Wir entspannen uns immer mehr. Meine ausgedehnte Schnorcheltour verschafft mir wieder einen freien Kopf, einen lockeren Körper und aufgeweichte Finger. Heute habe ich zum ersten Mal zwei Langusten und einen ganzen Schwarm Kalmare entdeckt. Die kolbenartigen Tiere, mit den verschränkten Armen ganz vorn und den winzigen, zarten, vibrierenden Flossen rechts und links, finde ich so witzig. Direkt vor unserem Bug wohnt eine ausgewachsene Muräne unter zwei Steinen auf dem Meeresgrund. Anfangs habe ich mich noch gefürchtet. Nun sind die Powerdingis der Behörden das größere Problem.

Zum zweiten Mal gibt es Goldmakrelenfilet vom gestrigen Fang zum Abendessen. Wir sind wieder unterwegs, lassen uns den Wind um die Nase wehen, gleiten an Inseln vorbei, Ankern in uns unbekannten Buchten, genießen den Tag vor Anker und fangen sowie schmausen leckeren Fisch. Was will man mehr?

Ab heute ist dies mein Lieblingstrimaran.

Hier wird an alles gedacht.

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