Seit 28 Tagen liegen wir in Guadeloupe in Quarantäne. Segler gelten ja im Allgemeinen als tiefenentspannt. Also vertrauen wir der französischen Regierung, lehnen uns zurück und warten ab. Nun wurde die Quarantäne mit all ihren Beschränkungen bis zum 11. Mai verlängert.
- Das Segelboot darf nicht bewegt werden. Wassersport ist in jeglicher Hinsicht untersagt. Man will damit die Rettungskräfte schonen, die für die Versorgung der Coronainfizierten gebraucht werden. (Das finde ich sinnvoll. Aber in Martinique sind es bisher insgesamt 157 und in Guadeloupe 145 registrierte Erkrankte. Auch mit wenigen Krankenhäusern sollte man das wuppen können.)
- Landgänge sind nur für bestimmte Zwecke erlaubt: Einkaufen, Arztbesuch, 1 h/Tag körperliche Bewegung oder mit dem Hund gehen im Umkreis von 1 km vom Wohnort. Dazu muss man ein A4-Formular ausfüllen. Dieses und die Pässe müssen mitgeführt werden. Gendarmen in Vollmontur fahren durch die Straßen und kontrollieren das. (So weit so gut, aber wozu benötigen sie schusssichere Westen?)
- Fischen und Schwimmen sind ebenso verboten wie Wanderungen. (Auf St. Martin, auch eine französische Insel etwas nördlicher, musste jemand 135 Euro Strafe zahlen, weil er um sein Boot herum geschwommen ist. Wir hingegen durften kiten, oder wurden wir einfach nur nicht erwischt?)
- Busse und Taxis verkehren nicht mehr und die Firmen mussten schließen.
Im Gegensatz dazu stehen:
- Als EU-beflaggtes Boot darf man in Martinique einreisen und sich einer 14tägigen Quarantäne unterziehen, während der man aber einkaufen, zum Arzt gehen und 1 h spazieren gehen darf. (Das hört sich doch bekannt an. Die meisten Segler können wie wir bereits 4 Wochen vorweisen.)
- Die Gendarmen schütteln jedes Mal ernst den Kopf, wenn wir sie auf Punkt 1 ansprechen. Die Bewegung des Bootes ist nicht erlaubt. Innerhalb der Lagune drückt man sozusagen ein Auge zu.
- Man benötigt eine Genehmigung, um die Inseln zu wechseln. (Wer stellt diese aus und welche Gründe sollte man angeben? Letzte Woche erhielten wir dann von einem Polizisten die Mail-Adresse der Direction.)
- Um die Verwirrung noch zu vergrößern, scheinen die Restriktionen auf allen französischen Inseln unterschiedlich zu sein. (Inzwischen wissen wir schon gar nicht mehr, ohne genau nachzuschauen, welche Informationen zu welcher Insel gehören.)
Trotz Macrons Rede und der Verlängerung dieser Ausgangssperre lebt der Ort Baie-Mahault wieder auf. Wir sehen viel mehr Menschen auf den Straßen, als bei unserem letzten Einkauf. Firmen in Le Marin reagieren wieder auf Mails und so werden wir auch aktiv.
Eigentlich darf ein Segler nicht so tiefenentspannt sein, wie er allgemein eingestuft wird. Er kann nicht von heute auf morgen planen, sondern muss langfristig auf Seemeilen, Windrichtungen, Strömungen und Wetter achten. Er achtet sehr genau auf sein Boot und darauf, dass dort alles funktioniert. Möglichst repariert der Segler, bevor etwas kaputt geht, denn das kann auf See gefährlich werden. Er hat unzählige Sicherheitsregeln an Bord, die unbedingt eingehalten werden müssen. Also hören wir nun auch auf, entspannt zu sein. Den 11. Mai können wir nicht abwarten und müssen uns deshalb kümmern. Schließlich bringt der Sommer zerstörerische Stürme mit Mädchennamen und von der Gattung der Hurrikane in die Karibik.
Dank der Schwarmintelligenz der Seglergruppen bei Facebook checken wir heute deutlich forscher die Lage. Andere Informationsseiten im Internet werden nochmals geprüft. Stefan schreibt etliche Mails an Firmen, Marina und Verbände auf Martinique. Und dann kommt, nach erneuter Erinnerung, die Antwort von der Direction de la Mer de la Martinique. Wir dürfen als Boot mit EU-Flagge einreisen und müssten uns dann tatsächlich einer 14tägigen Quarantäne unterziehen. Die Tage auf See werden angerechnet. (Ob auch die bisherigen 4 Wochen angerechnet werden, bleibt abzuwarten.) Auch die CROSS AG, das französische Pendant zur deutschen Seenotrettung, antwortet und schickt uns Einreisepapiere die wir ausfüllen sollen. Plötzlich erwartet man uns auf Martinique. Was für eine Wendung! Stefan schreibt wieder etliche Mails, darunter eine Information an die Direction de la Mer de la Guadeloupe, dass wir in Martinique erwartet und deshalb morgen loslegen werden.
Der Krimi beginnt! Morgen geht es los! Wir sind auf unsere Begegnungen mit den Gesetzeshütern gespannt und ob man uns aufhält.
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| Der Rest vom Schützenfest, wir müssen einkaufen. |
| Mein Ausgangsformular, jeder braucht ein eigenes. |
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| Bauern pflücken Kokosnüsse und wir kaufen gleich sechs. |
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| Supermarktbesuch während der Corona-Pandemie. |



Dann hoffe ich mal, dass ihr gut rüberkommt. Könnte mir aber gut vorstellen, dass euch die Tage vor der Überfahrt nicht angerechnet werden ... viel erfolg!
AntwortenLöschenDas befürchten wir auch, aber man darf ja noch hoffen.
LöschenHallo Naturfreunde,der Geburtstagswunsch an Stefan ist von uns eine gute Überfahrt und eine grosse Schar von Schutzengeln für Euch beide,bleibt gesund und viel Erfolg Eure Rentner/HRO 16.04.00.00 Uhr
AntwortenLöschenVielen lieben Dank für diese besonders guten Wünsche. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.
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