Mittwoch, 18. März 2020

Gefangen auf der Schmetterlingsinsel

Nun hat uns der Coronavirus doch gepackt, oder zumindest die Auswirkungen seiner Verbreitung.
Ich weiß, wir brauchen nicht jammern. Immerhin wohnen wir auf einem Boot und meistens scheint die Sonne. Aber eigentlich wollten wir heute nach Antigua weiter reisen und seit heute Morgen dürfen wir Guadeloupe offiziell nicht mehr verlassen. Eigentlich war das ja gestern schon der Fall, als der einzige Laden mit einer Möglichkeit zum Ausklarieren für die nächsten 14 Tag seine Türen schloss. Aber wir wären ja auch ohne Ausklarierung weitergesegelt. Was uns dann auf Antigua erwartet hätte, wissen wir nicht. Vielleicht wird darüber in den nächsten Tagen auf noonsite oder irgendeinem anderem sozialen Netzwerk geschrieben.

Warten auf Wind und Ausklarierung in Deshaies

Ohne Internet wären wir sowieso ahnungslos. Hier kommt keine Security vorbei und informiert all die hier vor Anker liegenden Segler, wie es nun weiter gehen soll. Es gibt kein Marinabüro und auch die Polizeibeamten schütteln nur mit dem Kopf. Sie würden keine Ausklarierung vornehmen, das sollen wir im Pelikan versuchen. Außer dem französischen Appelle à tous, Appelle à tous, kommt auch nichts über Funk. Auch wenn ich begonnen haben, diese schwierige Sprache zu lernen, verstehe ich natürlich nicht das Geringste. Wenn es nicht zwecklos wäre, würde ich mal auf Englisch antworten und um englische Information bitten. Vielleicht sagen sie ja wirklich etwas Wichtiges bezüglich der aktuellen Formalitäten und Bestimmungen durch. So fühle ich mich trotz der allmorgendlichen Internetrecherche doch etwas unterversorgt. Zum Glück gibt es noonsite. Hier finden wir täglich neue Informationen. Aber sind die wirklich bindend? Oder wäre es vielleicht besser, nichtsahnend einfach weiter zu segeln und zu gucken was kommt?

Stefan nimmt die ganze Sache nicht auf die leichte Schulter, denn die nächste Hurrikansaison kommt auch trotz der Coronaepidemie und dann soll die Lady in sicheren Gewässern schwimmen. Er ist der Schiffseigner und der Käpt´n, also darf er auch bestimmen. Deshalb soll es nicht weiter nach Norden gehen. Wir werden uns für die nächsten Tage eine schöne Buchte auf Guadeloupe suchen, die nächsten Nachrichten abwarten und dann so bald wie möglich nach Süden segeln. Also wird noch einmal die Karte studiert. Zwischen den Schmetterlingsflügeln liegt eine kleine Insel und ein langes Riff, was uns vielleicht genügend Schutz vor dem Schwell bieten kann. Eine große Buchte würde uns außerdem ein paar Kitetage ermöglichen. Das hört sich toll an, aber dort ist es überall sehr flach. Wir wollen es trotz dessen wagen und starten nicht nach Antigua, sondern einfach ein Stück weiter Richtung Nordost.

Und wir finden unseren Quarantäneort für die nächste Zeit. Wir sind hier ganz allein. Die obligatorische Palme auf der flachen Sandinsel ist zwar noch zu klein, als dass man sie sofort entdecken könnte, aber es ist wundervoll hier. Vielleicht kann ich mich nun endlich überwinden und mir das Aidabuch vornehmen, dass schon seit einem Jahr auf Vollendung wartet. 


Unser Quarantäneort auf Guadeloupe

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