Das ist nun ein Problem, mit dem der Coronavirus so ganz und gar nichts zu tun hat. Immer wieder in verlässlicher Regelmäßigkeit werden wir Menschen von der Technik drangsaliert, gestresst, entnervt. Sie stiehlt unsere Zeit, fordert Geduld und macht mich manchmal ganz garstig. Diese Disharmonie ist hausgemacht. Wir Menschen haben die Computer, die Smartphones und das Internet erfunden, um sie zu nutzen und das Leben zu erleichtern. Wenn man auf einem Boot in der Welt unterwegs ist und keinen festen Wohnort mehr hat, sind diese Erfindungen ein Segen. Funktionieren sie nicht, werden sie zum verfluchten Teufelswerk.
So plagt sich Stefan bereits seit Tagen mit dem Akku seines neuen Handys. Nachdem er auf Guadeloupe mit dem bisherigen Exemplar ins Wasser springt, weil er seinen Hut vor dem Ertrinken retten will. Er kauft sich in Martinique ein gebrauchtes. Das funktioniert auch ganz gut, der Akku stellt sich jedoch als sehr ungepflegt heraus. Immer wieder schaltet es sich aus, obwohl laut Anzeige noch 30 - 40 % Batterieladung vorhanden sind. Im Internet kann man Pflegetipps erfahren und das probiert er immer wieder aus.
Mir ist aus irgendeinem Grund die TAN-App für mein Online-Banking ausgefallen. Nach einigen Emails wird es wohl ein fehlendes Update sein oder vielleicht auch mehrere. Nachdem ich dann endlich das neue Betriebssystem auf meinem Handy habe, erkennt das Programm meine App nicht mehr. Ich soll sie mir installieren, was ja nicht funktioniert, wenn man sie bereits auf dem Handy hat. Nach mehrmaligen Versuchen mit beiden meiner Handys, bleibe ich immer an dieser Stelle stecken. Da das Internet in den Tobago Cays sehr langsam ist, dauert diese nervtötende Tätigkeit ein paar Stunden. Mit jedem Versuch bin ich ärgerlicher auf meine blöde Bank, die mich einfach so auflaufen lässt. Mein Konto kann ich nur mit TAN einsehen und so bleibt nur die Hoffnung, dass alles in Ordnung ist.
Seit ein paar Tagen planen wir unseren Sommer. Wir wollen Theo zu seiner Jugendweihe überraschen, die Ende August nun endlich stattfinden soll. Wer über Internet Flugverbindungen sucht, bucht und dabei Geld sparen will, muss Geduld aufbringen. Hinzu kommen die coronabedingten Ein- und Ausreiseschwierigkeiten und die schlechte Internetverbindung. Gestern haben wir es dann gewagt und Flüge nach New York, von dort nach Paris und dann nach Berlin gebucht. Heute kommt die Nachricht, dass Theos Jugendweihe auf Oktober verschoben wird. Nun plagen wir uns mit den Stornierungen. Mal schauen wie erfolgreich das wird.
Will man mit einem eigenen Boot amerikanischen Boden ansteuern, reicht Esta nicht aus. Segler benötigen das Nichteinwanderervisum B2, dass 10 Jahre gilt, auch wenn sie nur für ein paar Tage oder Wochen eine amerikanische karibische Insel sehen wollen. So ein Visum muss man aufwendig, möglichst im Heimatland beantragen. Bevor man einen Terminvorschlag vor das notwendige persönliche Interview bekommt, wird die Gebühr von 160 Euro fällig. In der letzten Woche, haben wir all das heraus bekommen. Wenn wir sowieso in Deutschland sind, können wir uns gleich darum kümmern. Aber bis zum 15. Juli werden vorerst keine Termine vergeben und danach, wenn man denn wieder Interviews macht, muss aufgearbeitet werden. So ist sehr fraglich, ob man uns in diesen vier Wochen überhaupt einen Termin anbieten kann. Also wägen wir ab, spielen alle Möglichkeiten durch und entscheiden uns letztlich für das Risiko.
Etwa zwei Stunden zaubern wir für die Passfotos rum. Die müssen einen weißen Hintergrund haben, den offiziellen Passfotos gerecht werden und dürfen nicht älter als sechs Monate sein. Deshalb betätigen wir uns selbst als Fotografen, denn die Passfotos von vor zwei Jahren könnten uns Schwierigkeiten bereiten. Mit einer weißen Decke im Cockpit und ein wenig Geduld, bis unser Boot genau in der Richtung liegt, dass keine Lichtreflexe auf dem Bild erscheinen, schaffen wir es letztendlich. Dann wird das Foto von einem speziellen Programm geprüft. Auch hier brauchen wir Zeit, um es zu finden, zu verstehen, zu laden und zu nutzen. Alles mit einer sehr schwachen Internetverbindung, die immer wieder ganz ausfällt.
Nun sind wir so weit, das Online-Formular auszufüllen, in der Hoffnung in Berlin einen Termin im August zu bekommen. Für das Ausfüllen sind 20 Minuten vorgesehen. Überschreitest du die Zeit, werden deine Eingaben nicht gespeichert und du kommst ungefragt an den Anfang zurück. Gerade während das Programm langsam den letzten Eintrag speichert und sich bemüht die Bestätigungsseite zu öffnen, ist die Zeit um. Wir verschieben die ganze Sache nüchtern auf einen Ort mit besserer Internetverbindung. Kurz danach bekommen wir die Information, dass Theos Jugendweihe zum zweiten Mal verschoben wird.
Nach leckerem Thunfischfilet, heben wir den Anker und segeln, nur mit dem Vorsegel und durchschnittlich vier Knoten zur Nachbarinsel Union Island. Hier soll man an der Südküste wunderbar kiten können. Dies ist die letzte Insel von St. Vincent / Grenadinen und wir hoffen, dass uns unser Glück auch zum Schluss nicht im Stich lässt. Beim Segeln mit dem Blick auf das Meer ist alles wieder gut. Handy, Bank, US-Botschaft und Fluggesellschaften rücken in den Hintergrund und wir genießen unser Leben.
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| Nicht schön, aber den Richtlinien entsprechend und akzeptiert. |
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| Das war wirklich lecker! |
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| Palm Island passieren wir nur. |
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| Union Island von Norden aus |
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unser neuer Standort auf Union Island Rechts oben seht ihr die Tobago Cays. Was muss man eigentlich tun, um die dämlichen, weißen Schilder nicht auf dem Bild zu haben? |