Samstag, 13. Juni 2020

Kiten im Krater eines Vulkans

Das hört sich spektakulärer an, als es ist. Wir nutzen den Wind und nehmen unseren geliebten 10er Kite. Immer wieder macht der Wind schlapp. Aber das Starten und Landen vom Boot aus, klappt inzwischen richtig gut. Wir benötigen keinen Strand mehr für das Aufbauen, Starten und Landen und am Ende packen wir einen sauberen Kite, ohne ein Körnchen Sand, wieder ein. Das ist schon sehr komfortabel. Nun benötigen wir nur noch ein bis zwei Knoten mehr Wind, um richtig Spaß haben zu können.

Abends besuchen uns Nora und Hacko von der Anixi. Wir haben sie in den Tobago Cays bereits gesehen und hier angesprochen. Eine deutsche Fahne am Heck ist ja nicht so häufig und das nutzt man gern. Beide landeten nach der Atlantiküberquerung auf Bequia, da alle anderen Staaten im Umkreis ihre Grenzen bereits geschlossen haben. Nach drei Monaten Corona-Lockdown kennen sie die Grenadinen wie ihre Westentasche und würden gern einmal etwas anderes sehen. Wieder einmal erleben wir einen entspannten Abend im Austausch von Geschichten bei kühlem Rosé. Diese Treffen sind ein wichtiger Bestandteil im Seglerleben und werden allseits sehr geschätzt.

quer durchs Ankerfeld, aber es sind ja nur wenige Boote

Starten und Landen am Heck mit Hilfsleine


Freitag, 12. Juni 2020

Union Island

Wir liegen ganz im Süden der Insel, vor den Wellen von einem großen Felsen und einem langen Damm geschützt, im Schatten eines hohen langgestreckten Berges, dem Mt. Taboi. Wenn ich mir von unserem Ankerplatz das Massiv neben uns so anschaue, wie er sich zu mir öffnend in einem Halbkreis von einer zur anderen Seite zieht, könnten wir in einem mit Wasser gefüllten Vulkankrater liegen. Zwar fehlt die andere Hälfte des Berges, aber das ist ja nicht so selten. Jahrhunderte lang haben Regen und Meereswellen diese Seite abgetragen. Nur Frigate Island, ein aus dem Wasser ragender, großer, bewachsener Fels ist übrig. Später wurde dieser mittels einem Damm mit der Hauptinsel verbunden. 

Auch wenn wir mangels Einklarierung nicht an Land dürfen, genieße ich die wundervolle Aussicht in dieser Bucht. Die Pelikane fliegen hier ganz adrett im anthrazitfarbenem Outfit herum. Körper und Flügel sind dunkel und der Kopf hellgrau wie bei alten Menschen. 

Rund um das Boot, strecken die Schildkröten immer wieder den Kopf aus dem Wasser, um schauend Luft zu holen. Ihre Panzer glitzern feucht in der Sonne und ab und zu planschen die hinteren Flossen. Beim Abtauchen hebt sich das hintere Ende des Schildes etwas in die Höhe. Dann wissen wir, dass die Schildkröte eine Weile nicht mehr zu sehen ist.

Panoramafoto vom Ankerplatz

Donnerstag, 11. Juni 2020

Fremdbestimmt durch die Technik

Das ist nun ein Problem, mit dem der Coronavirus so ganz und gar nichts zu tun hat. Immer wieder in verlässlicher Regelmäßigkeit werden wir Menschen von der Technik drangsaliert, gestresst, entnervt. Sie stiehlt unsere Zeit, fordert Geduld und macht mich manchmal ganz garstig. Diese Disharmonie ist hausgemacht. Wir Menschen haben die Computer, die Smartphones und das Internet erfunden, um sie zu nutzen und das Leben zu erleichtern. Wenn man auf einem Boot in der Welt unterwegs ist und keinen festen Wohnort mehr hat, sind diese Erfindungen ein Segen. Funktionieren sie nicht, werden sie zum verfluchten Teufelswerk.

So plagt sich Stefan bereits seit Tagen mit dem Akku seines neuen Handys. Nachdem er auf Guadeloupe mit dem bisherigen Exemplar ins Wasser springt, weil er seinen Hut vor dem Ertrinken retten will. Er kauft sich in Martinique ein gebrauchtes. Das funktioniert auch ganz gut, der Akku stellt sich jedoch als sehr ungepflegt heraus. Immer wieder schaltet es sich aus, obwohl laut Anzeige noch 30 - 40 % Batterieladung vorhanden sind. Im Internet kann man Pflegetipps erfahren und das probiert er immer wieder aus. 

Mir ist aus irgendeinem Grund die TAN-App für mein Online-Banking ausgefallen. Nach einigen Emails wird es wohl ein fehlendes Update sein oder vielleicht auch mehrere. Nachdem ich dann endlich das neue Betriebssystem auf meinem Handy habe, erkennt das Programm meine App nicht mehr. Ich soll sie mir installieren, was ja nicht funktioniert, wenn man sie bereits auf dem Handy hat. Nach mehrmaligen Versuchen mit beiden meiner Handys, bleibe ich immer an dieser Stelle stecken. Da das Internet in den Tobago Cays sehr langsam ist, dauert diese nervtötende Tätigkeit ein paar Stunden. Mit jedem Versuch bin ich ärgerlicher auf meine blöde Bank, die mich einfach so auflaufen lässt. Mein Konto kann ich nur mit TAN einsehen und so bleibt nur die Hoffnung, dass alles in Ordnung ist.

Seit ein paar Tagen planen wir unseren Sommer. Wir wollen Theo zu seiner Jugendweihe überraschen, die Ende August nun endlich stattfinden soll. Wer über Internet Flugverbindungen sucht, bucht und dabei Geld sparen will, muss Geduld aufbringen. Hinzu kommen die coronabedingten Ein- und Ausreiseschwierigkeiten und die schlechte Internetverbindung. Gestern haben wir es dann gewagt und Flüge nach New York, von dort nach Paris und dann nach Berlin gebucht. Heute kommt die Nachricht, dass Theos Jugendweihe auf Oktober verschoben wird. Nun plagen wir uns mit den Stornierungen. Mal schauen wie erfolgreich das wird.

Will man mit einem eigenen Boot amerikanischen Boden ansteuern, reicht Esta nicht aus. Segler benötigen das Nichteinwanderervisum B2, dass 10 Jahre gilt, auch wenn sie nur für ein paar Tage oder Wochen eine amerikanische karibische Insel sehen wollen. So ein Visum muss man aufwendig, möglichst im Heimatland beantragen. Bevor man einen Terminvorschlag vor das notwendige persönliche Interview bekommt, wird die Gebühr von 160 Euro fällig. In der letzten Woche, haben wir all das heraus bekommen. Wenn wir sowieso in Deutschland sind, können wir uns gleich darum kümmern. Aber bis zum 15. Juli werden vorerst keine Termine vergeben und danach, wenn man denn wieder Interviews macht, muss aufgearbeitet werden. So ist sehr fraglich, ob man uns in diesen vier Wochen überhaupt einen Termin anbieten kann. Also wägen wir ab, spielen alle Möglichkeiten durch und entscheiden uns letztlich für das Risiko. 

Etwa zwei Stunden zaubern wir für die Passfotos rum. Die müssen einen weißen Hintergrund haben, den offiziellen Passfotos gerecht werden und dürfen nicht älter als sechs Monate sein. Deshalb betätigen wir uns selbst als Fotografen, denn die Passfotos von vor zwei Jahren könnten uns Schwierigkeiten bereiten. Mit einer weißen Decke im Cockpit und ein wenig Geduld, bis unser Boot genau in der Richtung liegt, dass keine Lichtreflexe auf dem Bild erscheinen, schaffen wir es letztendlich. Dann wird das Foto von einem speziellen Programm geprüft. Auch hier brauchen wir Zeit, um es zu finden, zu verstehen, zu laden und zu nutzen. Alles mit einer sehr schwachen Internetverbindung, die immer wieder ganz ausfällt. 

Nun sind wir so weit, das Online-Formular auszufüllen, in der Hoffnung in Berlin einen Termin im August zu bekommen. Für das Ausfüllen sind 20 Minuten vorgesehen. Überschreitest du die Zeit, werden deine Eingaben nicht gespeichert und du kommst ungefragt an den Anfang zurück. Gerade während das Programm langsam den letzten Eintrag speichert und sich bemüht die Bestätigungsseite zu öffnen, ist die Zeit um. Wir verschieben die ganze Sache nüchtern auf einen Ort mit besserer Internetverbindung. Kurz danach bekommen wir die Information, dass Theos Jugendweihe zum zweiten Mal verschoben wird. 

Nach leckerem Thunfischfilet, heben wir den Anker und segeln, nur mit dem Vorsegel und durchschnittlich vier Knoten zur Nachbarinsel Union Island. Hier soll man an der Südküste wunderbar kiten können. Dies ist die letzte Insel von St. Vincent / Grenadinen und wir hoffen, dass uns unser Glück auch zum Schluss nicht im Stich lässt. Beim Segeln mit dem Blick auf das Meer ist alles wieder gut. Handy, Bank, US-Botschaft und Fluggesellschaften rücken in den Hintergrund und wir genießen unser Leben.

Nicht schön, aber den Richtlinien entsprechend und akzeptiert.

Das war wirklich lecker!
Palm Island passieren wir nur.
Union Island von Norden aus

unser neuer Standort auf Union Island
Rechts oben seht ihr die Tobago Cays.
Was muss man eigentlich tun,
um die dämlichen, weißen Schilder nicht auf dem Bild zu haben?




Mittwoch, 10. Juni 2020

Die Unterwasserwelt der Tobago Cays

Hier gibt es so viele Riffs, dass man wohl ein ganzes Jahr benötigt, um alle zu sehen. Da ich die Gopro mitnehme, kann ich euch ein paar Bilder und sogar einen Film präsentieren. (siehe Videos)








Dienstag, 9. Juni 2020

So gut geht es uns!

Trotz geschlossener Grenzen und Quarantänebestimmungen reisen wir wieder, wie es uns gefällt. Wir lernen mit den Unsicherheiten und Regelüberschreitungen umzugehen, die dafür zur Zeit notwendig sind. Das flaue Gefühl im Magen stellt sich nur noch gelegentlich ein. Der Mensch gewöhnt sich an alles, so sagt man ja und es stimmt. 

Wir machen Ausflüge, besuchen verlassene Inseln, schnorcheln, kiten, kaufen von den Fischern einen Bonito und feiern all diese Möglichkeiten mit Sushi und Rosé am Abend. Ich schreibe Posts für unsere Lieben zu Hause, bearbeite Bilder und schneide Filme. Stefan plant unsere Hurrikansaison und ist damit auch vollends beschäftigt.

Stefan springt über den Horizont. Ich habe nur zu spät abgedrückt.

Ich springe auch, aber dieses Bild gefällt mir besser.
Dinner im Salon, draußen ziehen Regenwolken übers Archipel.

Mein Sushi wird immer besser.


Montag, 8. Juni 2020

Schatzinsel „Petit Tabac“

Zu den Tobago Cays gehören ein großes hufeisenförmiges Riff, das vier kleine, unbewohnte, felsige und bewaldete Inseln umschließt, viel weitere Riffe und eine langgestreckte Sandinsel mit Palmen und Mangroven außerhalb der geschützten Lagune. Das ist Petit Tabac und man muss mit dem Dingi weit fahren, die Passage durch das Horseshoereaf finden und das Oberflächenriff der ersten wirklichen karibischen Bilderbuchinsel umrunden. Auch das Anlanden gestaltet sich schwierig, da nur ein ganz kleines Stück des Ufers, das gerade so breit wie unser Dingi ist, wirklich ein Sandstrand ist. Alles andere sind tote Korallenbänke, hart wie Stein und sicher mit einigen Seeigeln gespickt. 

Wir meistern auch diese Herausforderung und erobern unsere erste Sandinsel mit richtigen Palmen, deren dünne und lange Stämme weit in den Himmel reichen. Die Palmenwedel sind so weit oben, dass sie kaum Schatten spenden. Dicke, angeschlagene Muschelgehäuse, die ihre inneren Windungen zeigen und unzählige Korallenstücke liegen am Strand. Zermahlen sind diese wohl dann der weiße, in der Sonne leuchtende Sand. Aus diesem schaut die Ecke einer kleinen modernen Holzschatzkiste heraus. 

Wir finden einen handgeschriebenen Zettel auf vergilbten Papier und einen Messingkompass. Offensichtlich hat hier der Papa eine Schatzsuche für seinen Nachwuchs organisiert und diese Kiste wurde vergessen oder einfach nicht wieder gefunden. Ich möchte gern etwas dazu legen, habe aber nichts passendes dabei. Also packen wir eine unserer Segelvisitenkarte dazu und vergraben alles wieder. Ob sie wohl noch einmal gefunden wird?

Tabago Cays, nur die braunen Flecken sind Inseln.
Alles andere sind Riffs.
Sie scheinen nur durch die Wasseroberfläche.
Der blaue Punkt ist unser Ankerplatz.


Unser heutiges Ausflugsziel im Hintergrund.

Anlanden mit hohem Schwierigkeitsgrad

Unsere erste Bilderbuchkaribikinsel: "Petit Tabak"

Was ist den das?

Anweisungen aus der Schatzkiste

Inhalt: vergilbter Brief, Messingkompass
und nun unsere Karte

Sicherheitshalber vergrabe ich sie etwas weiter oben.

Im Hintergrund ankert die Lady.


Vorteile eines Naturparks

Wir sind fast allein in diesem Schnorchelparadies und nutzen das natürlich. Gleich nach unserem Morgentee tauchen wir ab und freuen uns über die vielfältige und artenreiche Unterwasserwelt. Schildkröten, Rochen, unzählige Fische und sogar ein prächtiger Barrakuda kreuzen unseren Weg. Wir können gar nicht aufhören. Heute habe ich mal die Gopro dabei und es lohnt sich, auch wenn die Wolken für nicht ganz so prächtige Farben und gute Sicht sorgen.

Während sich unsere Haut langsam entschrumpelt und ich einen Kaffee im Cockpit genieße, nähert sich ein Motorboot. Sofort öffnen wir die Motorklappe und der Käpt’n freut sich über seinen trockenen Motorraum. Dann muss er auch schon wieder hervor kommen um die beiden Männer zu begrüßen. Sie sind wie Fischer gekleidet, also keine Beamten der Küstenwache. Das sieht man auch schon an dem Boot, das ohne die schwarzen, luftgefüllten Seitenschläuche weniger offiziell aussieht.

Es sind Parkwächter, die den Eintritt kassieren und sich in keinster Weise für Einklarierungen interessieren. Sie wollen wissen, wie lange wir bleiben wollen, kassieren, schreiben eine Quittung, verabschieden sich fröhlich und sind wieder verschwunden. Nun liegen wir für drei Tage mal wieder legal vor Anker. Ein Naturpark ist nicht nur für Tiere und Pflanzen gut.

Heute haben wir nicht ganz so offiziellen Besuch.

Hier seht ihr den Beweis.


Sonntag, 7. Juni 2020

Überstürzter Aufbruch

Nach dem Mittagessen wollen wir entspannt zur nächsten Insel wechseln. Es ist nicht weit. Die Berge von Mayreau sind bereits aus unserer Bucht zu sehen. Ich erledige meine Steuererklärung im Onlineverfahren. Was für ein Glück, dass das inzwischen so problemlos geht. Nicht auszudenken, wenn man mir das Formular mit der Post schicken und ich es ausgefüllt wieder zurücksenden müsste. Gerade feiere ich das erfolgreiche Absenden mit einem gepflegten Vormittagskaffee im Cockpit, da beobachte ich, wie ein sehr offiziell aussehendes Powerdingi auf die beiden kanadischen Boote zu steuert. 

„Stefan, mach die Motorklappe auf. Wir kriegen gleich Besuch.“, war der erste Gedanke und er springt sofort. Dann überlegen wir uns, dass es vielleicht besser wäre gar nicht angesprochen zu werden und proben den Blitzstart. Fenster alle zu, Verrutschrundgang, Geräte hochfahren. Zu spät, das Boot der Küstenwache steuert bereits auf uns zu. Das würde jetzt wie Flucht aussehen. Also verschwindet der Käpt´n doch im Motorraum, schmeißt vorher noch ein paar Schraubenschlüssel auf die Cockpitbank und ich nehme die Beamten in Empfang. 

In ihren Overalls sehen sie nicht sehr offiziell aus. Freundlich und entspannt werden wir gegrüßt. Man will wissen, ob es uns gut geht und alles in Ordnung ist. Ganz nebenbei fällt die Frage, wann und wo wir denn zum letzten Mal einklariert hätten. Beim ersten Mal überhöre ich die Frage geflissentlich und antworte nur auf die anderen. Als der Sprecher der drei zum zweiten Mal fragt, rufe ich Stefan. Nun müssen wir mit der Wahrheit raus. Der Motor streikt jedoch, die Reparatur dauert gewiss nicht lange. In etwa einer Stunde sind wir sicher wieder unterwegs, denn wir haben ja in Grenada einen Termin. Die  Beamten sind entspannt und wünschen uns eine gute Weiterreise. 

Eine viertel Stunde später sind sie wieder da. Gut, dass man in so einer leeren Bucht, die Außenborder immer rechtzeitig hört. Stefan verschwindet wieder im Motorraum, um gleich darauf mit ölverschmiertem Putzlappen in der Hand, die Küstenwache erneut zu empfangen. Sie schreiben sich nur noch den Namen des Bootes auf. Bald werden wir wissen warum.

Ich schreibe noch meine Mail mit allen Erklärungen und Anhängen an meine Bearbeiterin im Rostocker Finanzamt, um sie freundlich zu stimmen und möglichen Nachfragen zuvorzukommen. Dann ist es Zeit den Reis zu kochen und die letzten Barrakudafilets in die Pfanne zu hauen. Das Funkgerät ist bereits an und so verpassen wir nicht, als der Name unseres Bootes klar und deutlich gerufen wird. Ob unser Motor wieder in Ordnung ist und wann wir denn starten würden. Sofort, denn wir wollen keinen Ärger. Während die Filets braten, lichte ich den Anker und zum ersten Mal essen wir nach dem Start. Mit halben Großsegel schleichen wir uns langsam aus der Bucht, damit wir vor den Wellen die Teller wieder in der Küche haben.

Da kommen sie.

lässig im Overall

Tobago Cays für uns allein


Positive Überraschung mit Stressfaktor

Während unserer geruhsamen Überfahrt von Canouan zu den Tobago Cays bekommt Stefan überraschend eine Email aus Grenada. Für das Zeitfenster vom 17. bis 19. Juni hat jemand abgesagt. Wir sollten uns beeilen, wenn wir diesen freien Platz erwischen möchten. Also gehe ich auf den Steuermannsstuhl und der Kapitän verschwindet nach unten an seinen Arbeitsplatz. Das Onlineformular ist schnell aufgerufen und der Termin verfügbar. Welch eine Freude! Nun füllt er das Formular noch aus und muss nur noch bezahlen, um die Reservierung abzuschließen. 

Obwohl Paypal angeboten wird, funktioniert es wiederholt nicht. Leicht genervt zückt Stefan seine Kreditkarte. Die funktioniert nur mit Autorisierung und das klappt dann auf dem Bankportal nicht. Kurz vor dem ersten Riff unseres neuen Ziels bricht er ab und übernimmt total gestresst das Ruder. Zum Glück ist das Segeln mit der Lady ziemlich entspannt. So beruhigt sich mein lieber Mann wieder, während wir zum Ankerplatz kreuzen.

Später müssen wir noch mehrere Formulare für die Einklarierung und die Quarantäne ausfüllen. Das ist lediglich Fleißarbeit und nichts im Vergleich zum Reservierungsstress bei dem die abschließende Bezahlung nicht klappt. 




Samstag, 6. Juni 2020

Erwischt!

In der Nacht gesellt sich ein anderes Boot zu uns. Morgens weht unerwartet eine kanadische Flagge in unmittelbarer Nachbarschaft. Warum kommt er nachts an? Das macht man eigentlich nur im Notfall. Während unseres Schnorchelausfluges fragen wir ihn. Er lag in Bequia und wurde von der Küstenwache angesprochen. Wann und wo er sich zum letzten Mal einklariert hat, wollen sie wissen. Auch er hat eine Geschichte auf Lager. Seine Elektronik funktioniert nicht richtig. Eigentlich ist er auf dem Weg nach Grenada. Dort hat er einen Einklarierungstermin. Der Beamte schaut sich die Papiere an und will ihn ins Hotel einquartieren. Damit ist der Kanadier nicht einverstanden. Wahlweise könnte er auch ins Gefängnis, meint der Wachmann ganz trocken. Nach einigen Diskussionen bekommt der Skipper seine Papiere nur zurück, weil er verspricht, sofort den Anker zu lichten und weiter zu fahren. Nun liegt er hier, wartet auf seinen Bruder, der im eigenen Boot neben ihm lag, nicht kontrolliert wurde und natürlich den nächsten Tag zum Segeln nutzt. Das ist sicherer.

Ob nun seine gelbe Flagge die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zog oder er einfach nur Pech hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls flattert sie immer noch lustig im Wind und wir sind froh, als er, nach Ankunft seines Bruders, umankert und nun deutlich entfernt von uns liegt. Wann werden wir Bekanntschaft mit der Küstenwache machen? Wie wird das wohl ausgehen?

zur Abwechslung mal wieder einen Sonnenuntergang für euch







Schnorcheln mit Schildkröten

Ab und zu kommt die Sonne raus. Mit ihr leuchtet das Riff und seine Fische viel farbenfroher. In dieser Bucht halten sich ungewöhnlich viele Schildkröten auf und die Papageienfische, gestreiften Sergeanten, Meerbarben, Barsche, Flötenfische, Kofferfische, Schnapper, Muränen sind deutlich größer. Dafür ist die Korallenlandschaft nicht so vielfältig. Im Seegras liegen die Schildkröten auf dem Grund. Warum treiben sie nicht auf? Wie lange können sie tauchen? Ich dümple eine Weile über ihnen und hoffe, sie beim Auftauchen beobachten zu können, ziehe aber ohne dieses Erlebnis weiter. Später im weltweiten Netz erfahren wir, dass sie, je nach Aktivität bis zu fünf Stunden unter Wasser bleiben können. Na da kann ich ja lange warten. Sie haben wohl ein spezielles Organ, das es ihnen ermöglicht, Sauerstoff aus dem Wasser zu filtern. Die Panzer der Schildkröten sind relativ schwer. Nur aufgrund der Luftfilter unter dem wehrhaften Schild, können sie schwimmen. Wahrscheinlich sind diese genau so bemessen, dass sie einerseits auftauchen, andererseits sich aber auch auf den Boden legen können, ohne aufzutreiben. Schildkröten sollen bis 1000 Meter tief tauchen können. Das ist viel, denn Wale schaffen nur bis zu 600 Meter. 

Ich kann mir täglich diese vielfältige Unterwasserwelt anschauen. Heute freue ich mich besonders über ein prächtiges Exemplar einer gefleckten Muräne, einen karierten Flötenfisch, etwas größere Kofferfische, einen Igel- oder auch Kugelfisch und die gelbschwarze Felsenschönheit. Die Schildkröten sind jedoch immer ein besonderes Highlight.

Felsenschönheit
Schaut euch die Lippen an :-)


Hier sind die Zähne interessant.
Ich sehe sie eher am Grund umerschlängeln.


Hier ein ganz kleines Exemplar.

Alles nicht meine Bilder! Alles nur geklaut!

Freitag, 5. Juni 2020

Reiseplanung in Coronazeiten

Seit März melden wir uns regelmäßig in Grenada an und aktualisieren immer wieder den Termin. Carriacou ist die erste Insel, die nicht mehr zu den Grenadinen, sondern zu Grenada gehört. Auch wenn sich die Namen sehr ähnlich anhören, sind das offiziell zwei unterschiedliche Staaten. Da Carriacou sehr schön sein soll, wollen wir die geforderte 14tägige Quarantäne dort absitzen. Immerhin ist das auf dem Boot möglich und so für uns kein Ausschlusskriterium mehr. Wir können nach den zwei Wochen erst die Insel, dann das gesamte Archipel bis zum südlichsten Zipfel der Hauptinsel erobern, um danach Aruba, deutlich weiter im Westen gelegen, anzusteuern.

Nun ist es nicht mehr weit, also schreibt Stefan ein paar Emails. Angemeldet sind wir ja seit langem. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. In Carriacou darf man nur einklarieren und inklusive Quarantäne ankern, wenn man das Boot für die gesamte Hurrikansaison aus dem Wasser holen will. Also schreiben wir die offiziellen Stellen auf Grenada an. 

Parallel planen wir Aruba. Ab Mitte Juli gibt es für unsere Lady einen Platz in der Marina, den wir sofort für zwei Monate verbindlich buchen. Endlich haben wir ein verbindliches, legalisiertes Ziel. Bisher sind dort auch 14 Tage Quarantäne notwendig. Während der Zeit wird man jedoch mit Lebensmitteln versorgt. Dafür müssen mehrere umfangreiche Formulare ausgefüllt werden. Man munkelt jedoch, dass dies ab 1. Juli nicht mehr notwendig sein wird und rät uns mit der Bearbeitung dieser noch zu warten. Auf Aruba werden wir Jörg von der Sissi wieder treffen, der während der Grenzschließungen im März hier hängen blieb. Darauf freuen wir uns. 

Dann kommt die Antwort aus Grenada. Wir dürfen landen und sollen gleich mal ein paar Online-Formulare ausfüllen. Der zweite Erfolg heute. Während der Bearbeitung stellt sich jedoch heraus, dass bis Mitte Juli alle Termine zum Einklarieren ausgebucht sind. Zu diesem Zeitpunkt sind wir nun jedoch bereits auf Aruba verbindlich angemeldet. Eine weitere Mail, mit der Anfrage, doch noch einmal unter dem Ladentisch nachzuschauen, geht sofort zurück. Aber es ist bereits 16 Uhr und wir haben Freitag. So wird uns eine Antwort frühestens Montag erreichen. 

Wir reisen wieder, aber mit welchem Aufwand. Man kann nicht mehr einfach so lossegeln und ankommen. Entweder sind wir in geheimer Mission unterwegs und hoffen, dass der Tarnmantel Wirkung zeigt oder aufwendiger Schriftverkehr und komplizierte Anmeldeprozedere werden notwendig, nun auch mit der Gefahr, dass ausgebucht ist. Obwohl man als Segler eigentlich nicht sicher planen kann, muss man bereits lange im Voraus einen Ankunftstag festlegen, je nach Kapazitäten auch flexibel sein. Wir sind zwar fast allein unterwegs und auch die Ankerplätze in den Buchten sind leer gefegt. Die Einklarierungsmöglichkeiten sind jedoch rar und damit, trotz der wenigen verbliebenen Segler, auf Wochen ausgebucht.

Bis auf Weiteres müssen wir also auf unser Glück hoffen. Noch wurden wir nicht kontrolliert. Unsere Motorgeschichte kann also noch eingebracht werden. Trotz dessen wären wir viel lieber legal unterwegs. Dann könnten wir uns die Inseln auch einmal von Land aus anschauen.

zur besseren Orientierung

Südliche Anschlusskarte

Gesamtüberblick mit Coronareiseplan


Donnerstag, 4. Juni 2020

Geheimes Inselhopping in den Grenadinen

Nach einem entspannten Vormittag, einer ausgedehnten Schnorcheltour und dem Mittagessen starten wir, um die nächste bewohnte Insel der Grenadinen auf unserer Nord-Süd-Route zu erreichen. Canouan liegt nur etwa 16 sm von Bequia entfernt und so reicht ein entspannter Segelnachmittag, um die Charlestown Bay zu erreichen. Anfangs müssen wir jedoch erst einmal die lange, schmale Landzunge umrunden. Die vielen Ruinen auf den Felsen und sogar in den größeren Höhlen nennt man Moonhole(Mondloch)-Häuser. Zusammen mit dem gestrandeten Schiff an der vorletzten Klippe, fühlt sich das erste Stück wie eine Sightseeingtour in einem Ausflugsschiff an. 

Dann geht es hart am Wind über das offene Meer. Die Lady macht wieder ihre 7 - 8 Knoten und wir entspannen uns im Cockpit. Wie auch auf unseren letzten Überfahrten sehen wir noch zwei andere Segler durch die Wellen kreuzen. Der eine fährt weit vor uns ebenso nach Süden, der andere kommt uns entgegen und will offensichtlich nach Bequia. Das ist für die Karibik sehr sehr wenig. Ungewöhnlich ist auch, dass nicht einer mit AIS unterwegs ist. Sind sie vielleicht auch ohne Genehmigung in diesen Gewässern unterwegs? Jedenfalls wissen wir deshalb auch nicht, welcher Nationalität sie zugehören, ob wir sie vielleicht kennen oder zumindest irgendwo schon einmal gesehen haben.

Wie hingestreut, liegen größere und kleinere Inseln links von unserer Route. Da ist Port Nevis, Isla de Quader, Pigeon Iland, Mustique, Petit Mustique, Savan Iland, die Savan Rocks und Petit Canouan. Von einzelnen Felsen bis zu größeren, grünen Eilanden ist alles dabei. Der lange Streit von Engländer und Franzosen um die Besitzansprüche sowie der damit verbundene ständige Wechsel der Herrschaften bleibt mit den Namen unvergessen. Gut, dass wir es im Moment nicht mit solchen Problemen zu tun haben. Da ist Corona das wohl geringere Übel. 

Kurz vor Canouan beißt ein Barrakuda an meinen Goldmakrelenhaken. So war das eigentlich nicht gedacht. Auch wenn sein sportliches Fleisch sehr gut schmeckt, sind diese rifffischfressenden Räuber dafür bekannt, die Krankheit Ciguatera in sich zu tragen, welche Lähmungserscheinungen bis zu einem möglichen Tod hervorrufen kann. Der verhältnismäßig große Mensch stirbt davon selten, die deutlich kleineren Hunde und Katzen häufiger. Nun wissen wir jedoch, dass diese Krankheit in den Grenadinen eher seltener auftritt. Trotz dessen nutzen wir die Tipps zum Prüfen, denn auf das leckere Raubfischfilett, wollen wir nur im Ernstfall verzichten.

  1. Filettiere den Fisch, ohne die Eingeweide zu verletzen. Dort befinden sich die meisten Bakterien. (Das kann ich inzwischen ganz gut.)
  2. Ein Fisch mit mehr als 2,5 Kilo ist eher krank, als ein kleinerer. (Unser prächtiges Exemplar hat wohl mehr als drei. Wiegen ist unnötig.)
  3. Gib das Fleisch einer Katze zum Fressen. Wenn sie es nicht anrührt, solltest du den Fisch auch nicht essen. (Wir haben keine Katze an Bord und selbst wenn, wäre mir das Risiko zu groß. Sie soll nicht aus Unerfahrenheit oder Gefräßigkeit ein qualvolles Ende finden.)
  4. Leg etwas vom Fisch auf den Boden. Wenn die Ameisen drüber laufen und keinen Bogen drum herum machen, ist der Fisch gesund. (Auch Ameisen haben wir nicht an Bord. Zum Glück!)
  5. Wenn dir beim Filettieren die Hände kribbeln oder taub werden, wirf den ganzen Fisch sofort ins Wasser zurück. (Ich hatte schnittfeste Handschuhe an, um mich nicht zu verletzen. Stefan fühlte beim Waschen der Filets nichts.)
  6. Iss nur ein ganz kleines Stück und warte dann ein paar Stunden. 
  7. Nimm ein kleines Stückchen und leg es unter die Zunge. Wenn deine Zunge nicht anfängt zu kribbeln oder taub wird, brauchst du die Krankheit nicht zu fürchten.

Wir entscheiden uns für die letztere Variante. Das ist am einfachsten. Mutig stecken wir uns jeder ein kleines Stück unter die Zunge. Das Fleisch ist so gut, dass wir es auch roh essen können. Kein Kribbeln, kein Taubheitsgefühl, kein Unwohlsein. Morgen gibt es Fisch!


Die südwestliche Landzunge von Bequia

Moonholehouses

auch im Berg

traurige Überreste und doch so schön

Wenn Vati das sehen könnte.
Er war ein begeisteter Angler und Fischesser.

gefährliches Raubtiergebiss

Das ist nix für Weicheier.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Wir liegen in der geschützten Admirality Bay von Bequia. Um uns herum hängen etwa 40 andere Segler an ihrem Anker. Während unseres Morgentees schaue ich noch vorsichtig aus dem Cockpit, wenn sich ein Außenbordergeräusch nähert. Es sind nur Dingis und ein richtig schickes Serviceboot, das Wasser, Eis und Diesel anbietet. Auch die Wäsche nehmen sie zum Waschen mit. Das muss ich erst einmal fotografieren, denn davon habe ich häufiger gehört, es jedoch nie mit eigenen Augen gesehen. 

Um nicht vor Aufregung ganz nervös zu werden, gehe ich unter Deck und beende endlich einmal meine Buchhaltung. Da ich nun doch einige Bücher verkaufe, muss ich sie unerwartet und rückwirkend ab 2018 machen. Der größte Aufwand war das Zusammensuchen all der Belege. Nun habe ich die gefundenen Belege sortiert, nummeriert, die ganzen Kontoauszüge herausgesucht, alles in eine Datei sowie die Zahlen in eine Tabelle gepresst und hoffe, dass sie vom Finanzamt anerkannt wird. Das nächste ist dann die Steuererklärung für 2019. Wenn man auf einem Boot lebt, ist es nicht nur spaßig. Solche bürokratischen Spitzfindigkeiten verfolgen auch den Weltenbummler bis ans Ende der Welt.

Als ich meinen Rücken strecke und Stefan schon nach dem Mittagessen fragt, ist immer noch keine Küstenwache bei uns gewesen. Er schmiert uns ein paar Stullen. Wir entspannen uns immer mehr. Meine ausgedehnte Schnorcheltour verschafft mir wieder einen freien Kopf, einen lockeren Körper und aufgeweichte Finger. Heute habe ich zum ersten Mal zwei Langusten und einen ganzen Schwarm Kalmare entdeckt. Die kolbenartigen Tiere, mit den verschränkten Armen ganz vorn und den winzigen, zarten, vibrierenden Flossen rechts und links, finde ich so witzig. Direkt vor unserem Bug wohnt eine ausgewachsene Muräne unter zwei Steinen auf dem Meeresgrund. Anfangs habe ich mich noch gefürchtet. Nun sind die Powerdingis der Behörden das größere Problem.

Zum zweiten Mal gibt es Goldmakrelenfilet vom gestrigen Fang zum Abendessen. Wir sind wieder unterwegs, lassen uns den Wind um die Nase wehen, gleiten an Inseln vorbei, Ankern in uns unbekannten Buchten, genießen den Tag vor Anker und fangen sowie schmausen leckeren Fisch. Was will man mehr?

Ab heute ist dies mein Lieblingstrimaran.

Hier wird an alles gedacht.