Mittwoch, 10. Juni 2020

Die Unterwasserwelt der Tobago Cays

Hier gibt es so viele Riffs, dass man wohl ein ganzes Jahr benötigt, um alle zu sehen. Da ich die Gopro mitnehme, kann ich euch ein paar Bilder und sogar einen Film präsentieren. (siehe Videos)








Dienstag, 9. Juni 2020

So gut geht es uns!

Trotz geschlossener Grenzen und Quarantänebestimmungen reisen wir wieder, wie es uns gefällt. Wir lernen mit den Unsicherheiten und Regelüberschreitungen umzugehen, die dafür zur Zeit notwendig sind. Das flaue Gefühl im Magen stellt sich nur noch gelegentlich ein. Der Mensch gewöhnt sich an alles, so sagt man ja und es stimmt. 

Wir machen Ausflüge, besuchen verlassene Inseln, schnorcheln, kiten, kaufen von den Fischern einen Bonito und feiern all diese Möglichkeiten mit Sushi und Rosé am Abend. Ich schreibe Posts für unsere Lieben zu Hause, bearbeite Bilder und schneide Filme. Stefan plant unsere Hurrikansaison und ist damit auch vollends beschäftigt.

Stefan springt über den Horizont. Ich habe nur zu spät abgedrückt.

Ich springe auch, aber dieses Bild gefällt mir besser.
Dinner im Salon, draußen ziehen Regenwolken übers Archipel.

Mein Sushi wird immer besser.


Montag, 8. Juni 2020

Schatzinsel „Petit Tabac“

Zu den Tobago Cays gehören ein großes hufeisenförmiges Riff, das vier kleine, unbewohnte, felsige und bewaldete Inseln umschließt, viel weitere Riffe und eine langgestreckte Sandinsel mit Palmen und Mangroven außerhalb der geschützten Lagune. Das ist Petit Tabac und man muss mit dem Dingi weit fahren, die Passage durch das Horseshoereaf finden und das Oberflächenriff der ersten wirklichen karibischen Bilderbuchinsel umrunden. Auch das Anlanden gestaltet sich schwierig, da nur ein ganz kleines Stück des Ufers, das gerade so breit wie unser Dingi ist, wirklich ein Sandstrand ist. Alles andere sind tote Korallenbänke, hart wie Stein und sicher mit einigen Seeigeln gespickt. 

Wir meistern auch diese Herausforderung und erobern unsere erste Sandinsel mit richtigen Palmen, deren dünne und lange Stämme weit in den Himmel reichen. Die Palmenwedel sind so weit oben, dass sie kaum Schatten spenden. Dicke, angeschlagene Muschelgehäuse, die ihre inneren Windungen zeigen und unzählige Korallenstücke liegen am Strand. Zermahlen sind diese wohl dann der weiße, in der Sonne leuchtende Sand. Aus diesem schaut die Ecke einer kleinen modernen Holzschatzkiste heraus. 

Wir finden einen handgeschriebenen Zettel auf vergilbten Papier und einen Messingkompass. Offensichtlich hat hier der Papa eine Schatzsuche für seinen Nachwuchs organisiert und diese Kiste wurde vergessen oder einfach nicht wieder gefunden. Ich möchte gern etwas dazu legen, habe aber nichts passendes dabei. Also packen wir eine unserer Segelvisitenkarte dazu und vergraben alles wieder. Ob sie wohl noch einmal gefunden wird?

Tabago Cays, nur die braunen Flecken sind Inseln.
Alles andere sind Riffs.
Sie scheinen nur durch die Wasseroberfläche.
Der blaue Punkt ist unser Ankerplatz.


Unser heutiges Ausflugsziel im Hintergrund.

Anlanden mit hohem Schwierigkeitsgrad

Unsere erste Bilderbuchkaribikinsel: "Petit Tabak"

Was ist den das?

Anweisungen aus der Schatzkiste

Inhalt: vergilbter Brief, Messingkompass
und nun unsere Karte

Sicherheitshalber vergrabe ich sie etwas weiter oben.

Im Hintergrund ankert die Lady.


Vorteile eines Naturparks

Wir sind fast allein in diesem Schnorchelparadies und nutzen das natürlich. Gleich nach unserem Morgentee tauchen wir ab und freuen uns über die vielfältige und artenreiche Unterwasserwelt. Schildkröten, Rochen, unzählige Fische und sogar ein prächtiger Barrakuda kreuzen unseren Weg. Wir können gar nicht aufhören. Heute habe ich mal die Gopro dabei und es lohnt sich, auch wenn die Wolken für nicht ganz so prächtige Farben und gute Sicht sorgen.

Während sich unsere Haut langsam entschrumpelt und ich einen Kaffee im Cockpit genieße, nähert sich ein Motorboot. Sofort öffnen wir die Motorklappe und der Käpt’n freut sich über seinen trockenen Motorraum. Dann muss er auch schon wieder hervor kommen um die beiden Männer zu begrüßen. Sie sind wie Fischer gekleidet, also keine Beamten der Küstenwache. Das sieht man auch schon an dem Boot, das ohne die schwarzen, luftgefüllten Seitenschläuche weniger offiziell aussieht.

Es sind Parkwächter, die den Eintritt kassieren und sich in keinster Weise für Einklarierungen interessieren. Sie wollen wissen, wie lange wir bleiben wollen, kassieren, schreiben eine Quittung, verabschieden sich fröhlich und sind wieder verschwunden. Nun liegen wir für drei Tage mal wieder legal vor Anker. Ein Naturpark ist nicht nur für Tiere und Pflanzen gut.

Heute haben wir nicht ganz so offiziellen Besuch.

Hier seht ihr den Beweis.


Sonntag, 7. Juni 2020

Überstürzter Aufbruch

Nach dem Mittagessen wollen wir entspannt zur nächsten Insel wechseln. Es ist nicht weit. Die Berge von Mayreau sind bereits aus unserer Bucht zu sehen. Ich erledige meine Steuererklärung im Onlineverfahren. Was für ein Glück, dass das inzwischen so problemlos geht. Nicht auszudenken, wenn man mir das Formular mit der Post schicken und ich es ausgefüllt wieder zurücksenden müsste. Gerade feiere ich das erfolgreiche Absenden mit einem gepflegten Vormittagskaffee im Cockpit, da beobachte ich, wie ein sehr offiziell aussehendes Powerdingi auf die beiden kanadischen Boote zu steuert. 

„Stefan, mach die Motorklappe auf. Wir kriegen gleich Besuch.“, war der erste Gedanke und er springt sofort. Dann überlegen wir uns, dass es vielleicht besser wäre gar nicht angesprochen zu werden und proben den Blitzstart. Fenster alle zu, Verrutschrundgang, Geräte hochfahren. Zu spät, das Boot der Küstenwache steuert bereits auf uns zu. Das würde jetzt wie Flucht aussehen. Also verschwindet der Käpt´n doch im Motorraum, schmeißt vorher noch ein paar Schraubenschlüssel auf die Cockpitbank und ich nehme die Beamten in Empfang. 

In ihren Overalls sehen sie nicht sehr offiziell aus. Freundlich und entspannt werden wir gegrüßt. Man will wissen, ob es uns gut geht und alles in Ordnung ist. Ganz nebenbei fällt die Frage, wann und wo wir denn zum letzten Mal einklariert hätten. Beim ersten Mal überhöre ich die Frage geflissentlich und antworte nur auf die anderen. Als der Sprecher der drei zum zweiten Mal fragt, rufe ich Stefan. Nun müssen wir mit der Wahrheit raus. Der Motor streikt jedoch, die Reparatur dauert gewiss nicht lange. In etwa einer Stunde sind wir sicher wieder unterwegs, denn wir haben ja in Grenada einen Termin. Die  Beamten sind entspannt und wünschen uns eine gute Weiterreise. 

Eine viertel Stunde später sind sie wieder da. Gut, dass man in so einer leeren Bucht, die Außenborder immer rechtzeitig hört. Stefan verschwindet wieder im Motorraum, um gleich darauf mit ölverschmiertem Putzlappen in der Hand, die Küstenwache erneut zu empfangen. Sie schreiben sich nur noch den Namen des Bootes auf. Bald werden wir wissen warum.

Ich schreibe noch meine Mail mit allen Erklärungen und Anhängen an meine Bearbeiterin im Rostocker Finanzamt, um sie freundlich zu stimmen und möglichen Nachfragen zuvorzukommen. Dann ist es Zeit den Reis zu kochen und die letzten Barrakudafilets in die Pfanne zu hauen. Das Funkgerät ist bereits an und so verpassen wir nicht, als der Name unseres Bootes klar und deutlich gerufen wird. Ob unser Motor wieder in Ordnung ist und wann wir denn starten würden. Sofort, denn wir wollen keinen Ärger. Während die Filets braten, lichte ich den Anker und zum ersten Mal essen wir nach dem Start. Mit halben Großsegel schleichen wir uns langsam aus der Bucht, damit wir vor den Wellen die Teller wieder in der Küche haben.

Da kommen sie.

lässig im Overall

Tobago Cays für uns allein


Positive Überraschung mit Stressfaktor

Während unserer geruhsamen Überfahrt von Canouan zu den Tobago Cays bekommt Stefan überraschend eine Email aus Grenada. Für das Zeitfenster vom 17. bis 19. Juni hat jemand abgesagt. Wir sollten uns beeilen, wenn wir diesen freien Platz erwischen möchten. Also gehe ich auf den Steuermannsstuhl und der Kapitän verschwindet nach unten an seinen Arbeitsplatz. Das Onlineformular ist schnell aufgerufen und der Termin verfügbar. Welch eine Freude! Nun füllt er das Formular noch aus und muss nur noch bezahlen, um die Reservierung abzuschließen. 

Obwohl Paypal angeboten wird, funktioniert es wiederholt nicht. Leicht genervt zückt Stefan seine Kreditkarte. Die funktioniert nur mit Autorisierung und das klappt dann auf dem Bankportal nicht. Kurz vor dem ersten Riff unseres neuen Ziels bricht er ab und übernimmt total gestresst das Ruder. Zum Glück ist das Segeln mit der Lady ziemlich entspannt. So beruhigt sich mein lieber Mann wieder, während wir zum Ankerplatz kreuzen.

Später müssen wir noch mehrere Formulare für die Einklarierung und die Quarantäne ausfüllen. Das ist lediglich Fleißarbeit und nichts im Vergleich zum Reservierungsstress bei dem die abschließende Bezahlung nicht klappt. 




Samstag, 6. Juni 2020

Erwischt!

In der Nacht gesellt sich ein anderes Boot zu uns. Morgens weht unerwartet eine kanadische Flagge in unmittelbarer Nachbarschaft. Warum kommt er nachts an? Das macht man eigentlich nur im Notfall. Während unseres Schnorchelausfluges fragen wir ihn. Er lag in Bequia und wurde von der Küstenwache angesprochen. Wann und wo er sich zum letzten Mal einklariert hat, wollen sie wissen. Auch er hat eine Geschichte auf Lager. Seine Elektronik funktioniert nicht richtig. Eigentlich ist er auf dem Weg nach Grenada. Dort hat er einen Einklarierungstermin. Der Beamte schaut sich die Papiere an und will ihn ins Hotel einquartieren. Damit ist der Kanadier nicht einverstanden. Wahlweise könnte er auch ins Gefängnis, meint der Wachmann ganz trocken. Nach einigen Diskussionen bekommt der Skipper seine Papiere nur zurück, weil er verspricht, sofort den Anker zu lichten und weiter zu fahren. Nun liegt er hier, wartet auf seinen Bruder, der im eigenen Boot neben ihm lag, nicht kontrolliert wurde und natürlich den nächsten Tag zum Segeln nutzt. Das ist sicherer.

Ob nun seine gelbe Flagge die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zog oder er einfach nur Pech hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls flattert sie immer noch lustig im Wind und wir sind froh, als er, nach Ankunft seines Bruders, umankert und nun deutlich entfernt von uns liegt. Wann werden wir Bekanntschaft mit der Küstenwache machen? Wie wird das wohl ausgehen?

zur Abwechslung mal wieder einen Sonnenuntergang für euch







Schnorcheln mit Schildkröten

Ab und zu kommt die Sonne raus. Mit ihr leuchtet das Riff und seine Fische viel farbenfroher. In dieser Bucht halten sich ungewöhnlich viele Schildkröten auf und die Papageienfische, gestreiften Sergeanten, Meerbarben, Barsche, Flötenfische, Kofferfische, Schnapper, Muränen sind deutlich größer. Dafür ist die Korallenlandschaft nicht so vielfältig. Im Seegras liegen die Schildkröten auf dem Grund. Warum treiben sie nicht auf? Wie lange können sie tauchen? Ich dümple eine Weile über ihnen und hoffe, sie beim Auftauchen beobachten zu können, ziehe aber ohne dieses Erlebnis weiter. Später im weltweiten Netz erfahren wir, dass sie, je nach Aktivität bis zu fünf Stunden unter Wasser bleiben können. Na da kann ich ja lange warten. Sie haben wohl ein spezielles Organ, das es ihnen ermöglicht, Sauerstoff aus dem Wasser zu filtern. Die Panzer der Schildkröten sind relativ schwer. Nur aufgrund der Luftfilter unter dem wehrhaften Schild, können sie schwimmen. Wahrscheinlich sind diese genau so bemessen, dass sie einerseits auftauchen, andererseits sich aber auch auf den Boden legen können, ohne aufzutreiben. Schildkröten sollen bis 1000 Meter tief tauchen können. Das ist viel, denn Wale schaffen nur bis zu 600 Meter. 

Ich kann mir täglich diese vielfältige Unterwasserwelt anschauen. Heute freue ich mich besonders über ein prächtiges Exemplar einer gefleckten Muräne, einen karierten Flötenfisch, etwas größere Kofferfische, einen Igel- oder auch Kugelfisch und die gelbschwarze Felsenschönheit. Die Schildkröten sind jedoch immer ein besonderes Highlight.

Felsenschönheit
Schaut euch die Lippen an :-)


Hier sind die Zähne interessant.
Ich sehe sie eher am Grund umerschlängeln.


Hier ein ganz kleines Exemplar.

Alles nicht meine Bilder! Alles nur geklaut!

Freitag, 5. Juni 2020

Reiseplanung in Coronazeiten

Seit März melden wir uns regelmäßig in Grenada an und aktualisieren immer wieder den Termin. Carriacou ist die erste Insel, die nicht mehr zu den Grenadinen, sondern zu Grenada gehört. Auch wenn sich die Namen sehr ähnlich anhören, sind das offiziell zwei unterschiedliche Staaten. Da Carriacou sehr schön sein soll, wollen wir die geforderte 14tägige Quarantäne dort absitzen. Immerhin ist das auf dem Boot möglich und so für uns kein Ausschlusskriterium mehr. Wir können nach den zwei Wochen erst die Insel, dann das gesamte Archipel bis zum südlichsten Zipfel der Hauptinsel erobern, um danach Aruba, deutlich weiter im Westen gelegen, anzusteuern.

Nun ist es nicht mehr weit, also schreibt Stefan ein paar Emails. Angemeldet sind wir ja seit langem. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. In Carriacou darf man nur einklarieren und inklusive Quarantäne ankern, wenn man das Boot für die gesamte Hurrikansaison aus dem Wasser holen will. Also schreiben wir die offiziellen Stellen auf Grenada an. 

Parallel planen wir Aruba. Ab Mitte Juli gibt es für unsere Lady einen Platz in der Marina, den wir sofort für zwei Monate verbindlich buchen. Endlich haben wir ein verbindliches, legalisiertes Ziel. Bisher sind dort auch 14 Tage Quarantäne notwendig. Während der Zeit wird man jedoch mit Lebensmitteln versorgt. Dafür müssen mehrere umfangreiche Formulare ausgefüllt werden. Man munkelt jedoch, dass dies ab 1. Juli nicht mehr notwendig sein wird und rät uns mit der Bearbeitung dieser noch zu warten. Auf Aruba werden wir Jörg von der Sissi wieder treffen, der während der Grenzschließungen im März hier hängen blieb. Darauf freuen wir uns. 

Dann kommt die Antwort aus Grenada. Wir dürfen landen und sollen gleich mal ein paar Online-Formulare ausfüllen. Der zweite Erfolg heute. Während der Bearbeitung stellt sich jedoch heraus, dass bis Mitte Juli alle Termine zum Einklarieren ausgebucht sind. Zu diesem Zeitpunkt sind wir nun jedoch bereits auf Aruba verbindlich angemeldet. Eine weitere Mail, mit der Anfrage, doch noch einmal unter dem Ladentisch nachzuschauen, geht sofort zurück. Aber es ist bereits 16 Uhr und wir haben Freitag. So wird uns eine Antwort frühestens Montag erreichen. 

Wir reisen wieder, aber mit welchem Aufwand. Man kann nicht mehr einfach so lossegeln und ankommen. Entweder sind wir in geheimer Mission unterwegs und hoffen, dass der Tarnmantel Wirkung zeigt oder aufwendiger Schriftverkehr und komplizierte Anmeldeprozedere werden notwendig, nun auch mit der Gefahr, dass ausgebucht ist. Obwohl man als Segler eigentlich nicht sicher planen kann, muss man bereits lange im Voraus einen Ankunftstag festlegen, je nach Kapazitäten auch flexibel sein. Wir sind zwar fast allein unterwegs und auch die Ankerplätze in den Buchten sind leer gefegt. Die Einklarierungsmöglichkeiten sind jedoch rar und damit, trotz der wenigen verbliebenen Segler, auf Wochen ausgebucht.

Bis auf Weiteres müssen wir also auf unser Glück hoffen. Noch wurden wir nicht kontrolliert. Unsere Motorgeschichte kann also noch eingebracht werden. Trotz dessen wären wir viel lieber legal unterwegs. Dann könnten wir uns die Inseln auch einmal von Land aus anschauen.

zur besseren Orientierung

Südliche Anschlusskarte

Gesamtüberblick mit Coronareiseplan


Donnerstag, 4. Juni 2020

Geheimes Inselhopping in den Grenadinen

Nach einem entspannten Vormittag, einer ausgedehnten Schnorcheltour und dem Mittagessen starten wir, um die nächste bewohnte Insel der Grenadinen auf unserer Nord-Süd-Route zu erreichen. Canouan liegt nur etwa 16 sm von Bequia entfernt und so reicht ein entspannter Segelnachmittag, um die Charlestown Bay zu erreichen. Anfangs müssen wir jedoch erst einmal die lange, schmale Landzunge umrunden. Die vielen Ruinen auf den Felsen und sogar in den größeren Höhlen nennt man Moonhole(Mondloch)-Häuser. Zusammen mit dem gestrandeten Schiff an der vorletzten Klippe, fühlt sich das erste Stück wie eine Sightseeingtour in einem Ausflugsschiff an. 

Dann geht es hart am Wind über das offene Meer. Die Lady macht wieder ihre 7 - 8 Knoten und wir entspannen uns im Cockpit. Wie auch auf unseren letzten Überfahrten sehen wir noch zwei andere Segler durch die Wellen kreuzen. Der eine fährt weit vor uns ebenso nach Süden, der andere kommt uns entgegen und will offensichtlich nach Bequia. Das ist für die Karibik sehr sehr wenig. Ungewöhnlich ist auch, dass nicht einer mit AIS unterwegs ist. Sind sie vielleicht auch ohne Genehmigung in diesen Gewässern unterwegs? Jedenfalls wissen wir deshalb auch nicht, welcher Nationalität sie zugehören, ob wir sie vielleicht kennen oder zumindest irgendwo schon einmal gesehen haben.

Wie hingestreut, liegen größere und kleinere Inseln links von unserer Route. Da ist Port Nevis, Isla de Quader, Pigeon Iland, Mustique, Petit Mustique, Savan Iland, die Savan Rocks und Petit Canouan. Von einzelnen Felsen bis zu größeren, grünen Eilanden ist alles dabei. Der lange Streit von Engländer und Franzosen um die Besitzansprüche sowie der damit verbundene ständige Wechsel der Herrschaften bleibt mit den Namen unvergessen. Gut, dass wir es im Moment nicht mit solchen Problemen zu tun haben. Da ist Corona das wohl geringere Übel. 

Kurz vor Canouan beißt ein Barrakuda an meinen Goldmakrelenhaken. So war das eigentlich nicht gedacht. Auch wenn sein sportliches Fleisch sehr gut schmeckt, sind diese rifffischfressenden Räuber dafür bekannt, die Krankheit Ciguatera in sich zu tragen, welche Lähmungserscheinungen bis zu einem möglichen Tod hervorrufen kann. Der verhältnismäßig große Mensch stirbt davon selten, die deutlich kleineren Hunde und Katzen häufiger. Nun wissen wir jedoch, dass diese Krankheit in den Grenadinen eher seltener auftritt. Trotz dessen nutzen wir die Tipps zum Prüfen, denn auf das leckere Raubfischfilett, wollen wir nur im Ernstfall verzichten.

  1. Filettiere den Fisch, ohne die Eingeweide zu verletzen. Dort befinden sich die meisten Bakterien. (Das kann ich inzwischen ganz gut.)
  2. Ein Fisch mit mehr als 2,5 Kilo ist eher krank, als ein kleinerer. (Unser prächtiges Exemplar hat wohl mehr als drei. Wiegen ist unnötig.)
  3. Gib das Fleisch einer Katze zum Fressen. Wenn sie es nicht anrührt, solltest du den Fisch auch nicht essen. (Wir haben keine Katze an Bord und selbst wenn, wäre mir das Risiko zu groß. Sie soll nicht aus Unerfahrenheit oder Gefräßigkeit ein qualvolles Ende finden.)
  4. Leg etwas vom Fisch auf den Boden. Wenn die Ameisen drüber laufen und keinen Bogen drum herum machen, ist der Fisch gesund. (Auch Ameisen haben wir nicht an Bord. Zum Glück!)
  5. Wenn dir beim Filettieren die Hände kribbeln oder taub werden, wirf den ganzen Fisch sofort ins Wasser zurück. (Ich hatte schnittfeste Handschuhe an, um mich nicht zu verletzen. Stefan fühlte beim Waschen der Filets nichts.)
  6. Iss nur ein ganz kleines Stück und warte dann ein paar Stunden. 
  7. Nimm ein kleines Stückchen und leg es unter die Zunge. Wenn deine Zunge nicht anfängt zu kribbeln oder taub wird, brauchst du die Krankheit nicht zu fürchten.

Wir entscheiden uns für die letztere Variante. Das ist am einfachsten. Mutig stecken wir uns jeder ein kleines Stück unter die Zunge. Das Fleisch ist so gut, dass wir es auch roh essen können. Kein Kribbeln, kein Taubheitsgefühl, kein Unwohlsein. Morgen gibt es Fisch!


Die südwestliche Landzunge von Bequia

Moonholehouses

auch im Berg

traurige Überreste und doch so schön

Wenn Vati das sehen könnte.
Er war ein begeisteter Angler und Fischesser.

gefährliches Raubtiergebiss

Das ist nix für Weicheier.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Wir liegen in der geschützten Admirality Bay von Bequia. Um uns herum hängen etwa 40 andere Segler an ihrem Anker. Während unseres Morgentees schaue ich noch vorsichtig aus dem Cockpit, wenn sich ein Außenbordergeräusch nähert. Es sind nur Dingis und ein richtig schickes Serviceboot, das Wasser, Eis und Diesel anbietet. Auch die Wäsche nehmen sie zum Waschen mit. Das muss ich erst einmal fotografieren, denn davon habe ich häufiger gehört, es jedoch nie mit eigenen Augen gesehen. 

Um nicht vor Aufregung ganz nervös zu werden, gehe ich unter Deck und beende endlich einmal meine Buchhaltung. Da ich nun doch einige Bücher verkaufe, muss ich sie unerwartet und rückwirkend ab 2018 machen. Der größte Aufwand war das Zusammensuchen all der Belege. Nun habe ich die gefundenen Belege sortiert, nummeriert, die ganzen Kontoauszüge herausgesucht, alles in eine Datei sowie die Zahlen in eine Tabelle gepresst und hoffe, dass sie vom Finanzamt anerkannt wird. Das nächste ist dann die Steuererklärung für 2019. Wenn man auf einem Boot lebt, ist es nicht nur spaßig. Solche bürokratischen Spitzfindigkeiten verfolgen auch den Weltenbummler bis ans Ende der Welt.

Als ich meinen Rücken strecke und Stefan schon nach dem Mittagessen fragt, ist immer noch keine Küstenwache bei uns gewesen. Er schmiert uns ein paar Stullen. Wir entspannen uns immer mehr. Meine ausgedehnte Schnorcheltour verschafft mir wieder einen freien Kopf, einen lockeren Körper und aufgeweichte Finger. Heute habe ich zum ersten Mal zwei Langusten und einen ganzen Schwarm Kalmare entdeckt. Die kolbenartigen Tiere, mit den verschränkten Armen ganz vorn und den winzigen, zarten, vibrierenden Flossen rechts und links, finde ich so witzig. Direkt vor unserem Bug wohnt eine ausgewachsene Muräne unter zwei Steinen auf dem Meeresgrund. Anfangs habe ich mich noch gefürchtet. Nun sind die Powerdingis der Behörden das größere Problem.

Zum zweiten Mal gibt es Goldmakrelenfilet vom gestrigen Fang zum Abendessen. Wir sind wieder unterwegs, lassen uns den Wind um die Nase wehen, gleiten an Inseln vorbei, Ankern in uns unbekannten Buchten, genießen den Tag vor Anker und fangen sowie schmausen leckeren Fisch. Was will man mehr?

Ab heute ist dies mein Lieblingstrimaran.

Hier wird an alles gedacht.

Dienstag, 2. Juni 2020

Uneingeschränkter Gehorsam oder respektvolles Übertreten von Regeln?

Bei Facebook wurden einige Gruppen extra für das Segeln gegründet. Während der Coronazeit geben sie Informationen und die Möglichkeit zum Austausch von Wissen, Halbwissen, Meinungen und Gedanken. Für uns sind daher in letzter Zeit die Gruppen East-Caribbean-Cruisers, Martinique und Grenada interessant. Wenn man selbst nicht die richtigen Seiten im Internet findet oder sich unsicher ist, kann man hier fragen. Es gibt immer genügend schlaue und kundige Segler, die helfen. Die Übersetzungsfunktion, die bei den Posts fast immer funktioniert, vermindert die Sprachbarriere, denn hier tummeln sich spanisch, italienisch, französisch, russisch und englisch sprechende Mitglieder. Allgemeine Kommunikationssprache ist zwar Englisch, aber das kann eben nicht jeder. Bei den Kommentaren, muss man dann das vermeintlich Wichtige kopieren und dem Google-Übersetzer anvertrauen. Nebenbei erweitert der Aufenthalt in diesen Gruppen den Wortschatz der Fremdsprache.

Vor drei Tagen habe ich in diesem Netzwerk unseren Start angekündigt. Das hätte ich vielleicht lassen sollen. Neben wenigen Viel-Glück-Wünschen, kamen eine Menge Warnungen. Das dürft ihr nicht. Ihr müsst an Land Quarantäne machen. Am besten ihr segelt non-stop nach Grenada. Als Gast muss man die Regeln des Gastlandes respektieren. Dies ist keine Zeit für Abenteuer. Bleibt auf Martinique, hier ist es sicher. Sie haben ja alle Recht, aber so geballt in Kombination mit einigen Wutemojis verunsichert das schon sehr. Wir sind zum Reisen hier und haben genug in Guadeloupe und Martinique herum gelegen. 

Immerhin brachten mir die Facebookkommentare einen Link zu einer offiziellen Seite. In dieser steht eine Mitteilung des Primeministers sowie des Ministers für nationale Sicherheit von St. Vincent und den Grenadinen zum Vorgehen während der Coronapandemie. Sie ist vom 27. März und gilt, bis man sich bequemt, etwas Neues zu überlegen. Hier steht sehr unmissverständlich, sobald man sich in den Gewässern des Landes befindet, muss als erstes einer der drei Einklarierungshäfen angesteuert werden, um die Einreiseformalitäten zu durchlaufen. Man würde das Vorgehen konsequent und mit täglichen Kontrollen der Küstenwache umsetzen. Konsequenzen werden nicht genannt. Entweder wir lassen für 14 Tage unser Boot allein, gehen in ein Hotel, machen die anschließenden Gesundheitstests oder wir ignorieren die Anweisungen. Natürlich könnten wir auch direkt nach Grenada einreisen, aber dann würden wir die Grenadinen gar nicht sehn.

Nun reisen wir trotz Corona. Es ist jedoch anders als zuvor, mit viel mehr Unsicherheiten verbunden und ohne Landgänge. Immerhin sehen wir die Inseln zumindest vom Wasser aus. Gestern konnte ich sogar eine wundervolle Unterwasserwelt entdecken. St. Lucia betreten wir nicht, liegen nur vor Anker, denn hier darf man gar nicht einreisen. St. Vincent lassen wir im wahren und übertragenen Sinne links liegen. Die einzige Option bei Einreise, die 14tägige Quarantäne in einem Hotel zu verbringen, ist für uns keine. Auch will sich uns der Sinn nicht recht erschließen, da wir auf dem Boot viel weniger gefährlich sind. Offensichtlich ist diese Maßnahme kommerziell motiviert. Sonst würde man doch gleich bei Einreise einen Gesundheitstest machen und nur die Kranken in Quarantäne stecken. 

So segeln wir nun doch durch die Gewässer, ohne offizielle Einreise, mit ein wenig Besorgnis, was uns erwartet. Die gelbe Flagge hissen wir nicht. Einerseits wollen wir nicht einklarieren, andererseits keine Aufmerksamkeit erregen. Die Gastlandflagge setzen wir natürlich. Sie ist ein Zeichen der Höflichkeit und des Respekts. Nun liegen wir in Bequia vor Anker. Noch ist keine Küstenwache vorbei gekommen, um unsere Einreisepapiere zu kontrollieren. Vielleicht bekommen wir morgen diesen Besuch, denn wir wollen den Tag hier verbringen. Dafür legen wir uns nun eine Geschichte zurecht. Sie muss möglichst kurz und nahe an der Wahrheit sein:

„Wir sind auf dem Weg nach Grenada, wollen hier nicht einklarieren, müssen jedoch unerwartet vor Anker gehen, da unser Motor nicht richtig funktioniert. Um nicht manövrierunfähig in Gefahr zu geraten, wollen wir sehen, ob wir den Fehler finden und beheben können. Vielleicht ist nur Luft im System.“ 

Die Zuckerhutvulkane von St. Lucia

karibisch bunt und coronaleer auf St. Vincent

Küstendetail St. Vincent mit Tele aufgenommen

Auch hier ist der Strand leer.
Die Fischer sitzen im Schatten der Palmen.

Südwestzipfel von St. Vincent und im Hintergrund Bequia

Montag, 1. Juni 2020

Wir segeln in den 4. Coronamonat

März, April, Mai, Juni und immer noch sind viele Inseln geschlossen. Vor einem Vierteljahr hätten wir gar nicht geglaubt, dass man Inseln schließen kann und nun ist es zum Alltag geworden. Jeder hat sich mehr oder weniger daran gewöhnt und akzeptiert. Was soll man auch machen. Die Regierungen versuchen das Richtige zu tun. Was das ist, weiß keiner wirklich. Wissenschaftler widersprechen sich ebenso wie Politiker und jeder Mensch bildet sich seine Meinung oder quatscht eine andere nach. Letztlich versucht jedoch jeder seine Haut zu retten, den wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern oder einfach nur seinen Gewohnheiten und Zielen nachzugehen. 

Unseren Morgentee trinken wir heute bei absoluter Flaute. Bereits um kurz vor sieben ist es brütend heiß. Den Wind braucht man in der Karibik, um nicht zu schmelzen. Um acht frischt es ein wenig auf. Es reicht um loszulegen, aber nicht für 60 Seemeilen bis zum Dunkelwerden und auf den Motor haben wir keine Lust. Unsere Lady soll wieder wie gestern durchs Meer rauschen. Deshalb genügt uns die übernächste Bucht Canaries, an der ein weiteres stilles Fischerörtchen liegt. Wie in der letzten ankern wir auch hier allein. Das Wasser ist glasklar, so dass man den Grund in 10 Metern Tiefe erkennt und den Fischen auf den Rücken gucken kann. 

Gern würden wir an Land gehen und die nähere Umgebung erkunden. Das dürfen wir nicht. Seit Mitte März darf niemand mehr in St. Lucia einreisen. Über Nacht auf dem Wasser, im eigenen Boot werden wir offensichtlich geduldet, denn niemand kommt und beschwert sich. So dürfen wir einen ruhigen Tag genießen. Wie verhält es sich jedoch mit dem Wasser? Wenn ich baden oder schnorcheln gehe, verlassen wir formal Deutschland. Reisen wir bereits in St. Lucia ein, wenn wir in dessen Hoheitsgewässern schwimmen? Der Ausflug in die Unterwasserwelt lohnt sich. Bizarre Korallen, viele große Fischschwärme und sogar zwei Kalmare darf ich beobachten. Auch wenn sich diese Ausflüge ähneln, ich kann nicht genug bekommen. Wie ein Wald, eine Wiese oder ein Berg sind sie doch immer wieder einzigartig.

Für uns ein ganz neues Naturschauspiel präsentiert uns das Meer zum Sonnenuntergang. Während der feurige Ball am Horizont verschwindet, springen immer wieder riesige Fischschwärme  aus dem Wasser und bewegen sich wie dunkle Wellen über die glatte Oberfläche. Möwen kreisen über ihnen hinweg, tauchen in diese schwarzen Wolken ein und fischen sich ihr Abendessen aus der Luft. Leider kann ich das nicht fotografieren, denn das Licht verschwindet langsam und das Boot bewegt sich zu sehr. Aber diese Schwärme aus tausenden Tieren, die gemeinsam wie eines wirken, werde ich nicht vergessen.

Blick auf Canaries vom Ankerplatz

Blick vom Boot ins Wasser