Mittwoch, 20. Januar 2021

Inselparadies Exumas

Sie werden unter den Seglern hoch gelobt und diese Korallenplatten unter dem Meeresspiegel, von der so viele Spitzen durch die Wasseroberfläche ragen, haben es verdient. Nach Venezuela befinden wir uns gerade im schönsten Inselparadies unserer Reise. Wie viele Inseln es sind, weiß keiner so genau. Manche tauchen nur bei Ebbe auf. Nur wenige sind bewohnt. Unsere Segelstrecken sind kurz, um so viel wie möglich zu sehen. 

In Lee Stocking Island sehen wir beim Schnorcheln sechs Stachelrochen, jeder mit einem Durchmesser von mindestens drei Metern. Die Strömungen sind auf unserem Ankerplatz so stark, dass man sich auf einem Wildwasserfluss wähnt. 

Am Rudder Cay liegen wir direkt vor einer Höhle im ausgefransten Korallenskelett, welches die Insel bildet. Hier braucht man nicht nass und salzig werden. Wenn die Wasseroberfläche spiegelglatt ist, kann man alles vom Boot aus perfekt erkennen. Wir schnorcheln trotz dessen in diesem türkisfarbenen, glasklaren Wasser und sehen Schildkröten sowie viele bunte Fische um einzelne Korallenköpfe schwimmen. Bei Ebbe erscheinen die Inseln wie die schwebenden Felsen in Avatar, weil die Wellen mit der Zeit den Sockel dünn spülen. Auf dem Meeresgrund liegt eine Nixe an einem Flügel. Nur etwa drei Meter unter der Wasseroberfläche können wir uns mit Gewichten am Gürtel kurz dazu setzen.

Auf Little Farmers Cay finden wir ein belebtes Dorf, essen Conches (Fechterschnecken), treffen einen Holzschnitzer und laufen während unserer Wanderung um die Insel auf dem Rollfeld des Airports entlang. Der Oven Rock, auf dem ein Seeadlerpärchen brütet, liegt gleich gegenüber. Sie meckern mächtig rum, als wir ihnen näher kommen und die Ankerkette rasselt. Hier finden wir eine Höhle mit Stalaktiten und Stalakmiten. Mit den Cenotes in Mexiko kann sie nicht mithalten, zu zerstört sind die Tropfsteine aufgrund der unbeaufsichtigten Besuche. Sie ist es trotz dessen wert, ebenso wie das rostige Wrack auf dem Strand.


Mal wieder frischer Barrakuda 

Guten Morgen, ein traumhafter Sonnenaufgang speziell für euch in Pixel gebannt.

Die schwierige Sache mit der Tide, verlässliche Voraussagen gibt es wohl in den Bahamas nicht. Sie sind eben flach.

Ein riesiger Hühnergott aus altem Korallenskelett, und wir mittendrin.

Sie soll im Auftrag von David Copperfield angefertigt und platziert worden sein und wartet auf Besucher.

Die Seeadlermutter, findet es nicht lustig, dass wir ihr so auf den Pelz rücken. Ich will nichts von ihren Kleinen und traue mich aufgrund ihres aufmerksamen Blicks auch nicht zum Horst. Aber ich kann auch nicht aus meiner Haut und muss ein paar Fotos machen. 
Mutter Natur kreiert so wunderschöne Geschöpfe.

Im Moment eines meiner Lieblingsbilder von meinem Capitano.


Sonntag, 10. Januar 2021

Malaria vs Covid

Nachdenklich!

Ich schreibe gerade an meinem Kambodschabuch. In Südostasien ist Malaria ein Problem. Auf unserer Reise mussten wir uns für oder gegen die Präparate zur Vorbeugung entscheiden. Diese versprechen jedoch keinen kompletten Schutz, mildern eventuell die Symptome und müssen durchgängig eingenommen werden. 2004 sollen weltweit 1,8 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben sein. 2017 erkrankten 218 Millionen Menschen, 435 000 starben. Die Fallzahlen steigen im Moment wieder an. Eine Impfung gab es gegen das Sumpffieber nicht. Seit Jahren forscht man nach wirksamen Mitteln. Heute verspricht das beste Präparat eine Wirksamkeit von mindestens 75 Prozent. Als Reiseimpfstoff eignet er sich jedoch nicht. 

Covid-19 hat seit Ausbruch vor einem Jahr 88 Millionen Erkrankte und 1,9 Millionen Tote auf dem Gewissen. Für diesen Virus gibt es 2020 ebenso keinen Impfstoff. Im Unterschied zu Malaria trifft es nicht nur die armen Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart. Dieses Mal sind alle betroffen. Die Regierungen der Länder reagieren unterschiedlich und auch die Fallzahlen sind sehr unterschiedlich. Ähnlich wie bei Malaria Moskitonetze und Mückenspray vorbeugend helfen können, versucht man sich mit Masken und Desinfektionsmitteln vor Covid schützen. Das ergibt Sinn.

Aber was ist mit all den anderen Einschränkungen? Die Verbote Läden, Restaurants und Hotels zu öffnen töten nicht nur Unternehmen und Existenzen, sie verändern unser soziales Leben. Gebote, sich nicht mehr treffen und gegenseitig besuchen zu dürfen, machen einsam. Schlimmer noch, gegenseitige Denunziationen erinnern mich an dunkle Nazi- oder DDR-Zeiten. Viele sind verunsichert und warten ab, was die Regierung als nächstes vorgibt. Das eigene Denken wird nicht unterstützt. 

Auch wenn ich Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit richtig und wichtig finde, muss man sich fragen, ob sie wirklich alle gerechtfertigt sind. Kann man die Folgen dieser Restriktionen überhaupt messen? Ich denke nicht nur an den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch an die psychologischen, emotionalen und damit auch physiologischen. Sollten die Regierungen nicht eher aufklären und informieren, Forschung unterstützen und die Verantwortung für den präventiven Schutz beim Einzelnen lassen. Wir sind doch selbständig denkende Menschen und vor den Mücken schützen wir uns doch auch entsprechend. Sollten die finanziellen Mittel nicht eher für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden, statt Ausgangssperren zu verhängen? Seit März ist doch nun genug Zeit gewesen die Krankenhäuser entsprechend auszurüsten und auch neue zu bauen, um alle Erkrankte entsprechend versorgen zu können. Was macht Covid-19 eigentlich so besonders, das unser gesellschaftliches und soziales Leben nicht nur in Frage gestellt, sondern abgeschafft wird?

Ich habe es gut, bin auf Reisen und muss im Moment kein Geschäft am Laufen halten. Ich muss keine Mitarbeiter und deren Sozialabgaben mehr bezahlen, keine Miete und all die anderen Rechnungen. Aber was ist mit dem Mittelstand, der bisher Deutschland finanzierte? Was ist mit all den Künstlern, die unser Leben bereichern? Was ist mit all den Selbständigen, welche mit Kraft und Mut ihr Einkommen sichern und nicht Vater Staat auf der Tasche liegen? Was ist mit all den Unternehmen, die keinen Speckgürtel auf dem Konto haben? Was passiert eigentlich, wenn all die Steuereinnahmen fehlen und dem Staat das Geld für notwendige Verbesserungen schlichtweg fehlt? Was passiert mit uns? Werden wir offen und herzlich bleiben oder uns verbittert einigeln? Werden wir uns lenken und die Verantwortung über uns anderen lassen oder selbständig denken und handeln? Werden wir friedlich, tolerant und demokratisch bleiben oder trägt man die Meinungsverschiedenheiten wieder mit Gewalt aus?

Ich glaube, die Einschränkungen müssen ein Ende finden. Die vorhandenen Kapazitäten sollten für Forschung, Infrastruktur und Bildung verwendet werden. Die Regierungen sollten den Menschen zutrauen, die Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können. Wir sind kreativ, mutig, anstrengungsbereit, ausdauernd und können unsere Geschicke lenken. Und steckt man sich trotz aller Vorsicht trotz dessen an, ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass im Krankenhaus ein Arzt für mich Zeit hat.



Freitag, 8. Januar 2021

Inselparadies Bahamas

Über 2000 Inseln, Cays und Atolle bilden die Bahamas und nur 30 Inseln sind bewohnt. Inzwischen haben wir schon so einige Inseln gesehen und sie sind nur ein Bruchteil davon. Von Georg Town Richtung Norden liegen die felsigen oder sandigen Landfetzen der Exumas wie eine dicke Spur Brotkrumen im Meer. Wir wollen so viele sehen wie nur möglich und doch grenzen die Ankerplätze die Zahl aufgrund unseres Tiefgangs ein. Hier wäre der leichte und flache Katamaran mir seinen Steckschwertern genau das Richtige (gewesen). Wir sind trotz dessen froh über unsere Lady, auch wenn sie immer etwas mehr als 2,20 Meter Wassertiefe benötigt, auch bei Ebbe. Sie hat uns auch durch schwere See sicher her gebracht.

Aufgrund Corona, haben wir die Ankerplätze meist für uns allein. Nicht ganz, denn wir reisen immer noch im Tandem mit der Tomskii und finden es gut. Außerdem sind dann doch noch einige andere Segler unterwegs. Meistens kommen sie aus den USA oder Kanada. Das ist ja auch nicht so weit. Wenn wir dann mal auf Europäer treffen oder gar eine deutsche Flagge sehen, lohnt der Gang zum Funkgerät, obwohl wir diesen Kommunikationskanal eher sparsam nutzen. So treffen wir auf die Munot mit Annette und Theo, die vor ihrer Weiterfahrt, extra noch einen Abstecher zu unserem Ankerplatz machen und sich Zeit für einen Kaffee nehmen. Sie kreuzen seit 6 Jahren durch dieses Inselparadies. Während der Hurrikansaison wird das Boot sicher geparkt und nach Hause geflogen. In Europa ist ja Sommer. 

Gestern haben wir die ersten berühmten Bahamasschweine besucht. Eine Familie mit zwei gescheckten Ferkeln rennt zum Strand weil der Motor heran knattert. Sie sehen mit ihren langen Beinen wie sehr sportliche, bepelzte Hausschweine aus und schauen neugierig zu unserem Dingi hinüber. „Ob wir etwas Futter mitgebracht haben?“ So ein Schwein ist jedoch nicht dumm und das Wasser ist kalt. Also checkt man erst einmal die Lage. Ohne Futter lohnt sich das Schwimmen nicht so sehr. Wir bleiben lieber im Bötchen. Vielleicht haben sie Hunger oder nicht genügend Respekt vor dem Menschen. Außerdem würden wir in ihr Revier eindringen. Vorsicht ist die Mutter der Pozellankiste, besonders auf Reisen.

Die Bahamas im Winter sind nichts für ungeübte Segler. Die Winde ändern sich täglich und drehen sich im Kreis. Von Norden weht er ganz plötzlich auch mal kräftiger und kalt ist er sowieso. Das tägliche Studium der Vorhersagen ist deshalb im Moment sehr wichtig, auch wenn man einen ruhigen Ankerplatz gefunden hat. Aber es ist wundervoll hier. Dieses Inselparadies kann sich durchaus mit den Malediven messen. Wir haben jetzt noch zwei Monate um unsere Runde nach Norden und zurück zu drehen. Anfang Mai wollen wir spätestens in Panama sein.


Yelena zeigt mir, wie man richtige Paella kocht

gemeinsames Essen am Strand bei Sonnenuntergang

Ankerbucht vor Black Island

zwei Hühner am Strand mit einem Kunstwerk von Mutter Natur

erst einmal die Lage sondieren

ein Ferkeljunge ist besonders neugierig


Sonntag, 27. Dezember 2020

Weihnachten in der Karibik

Das Fest der Familie in der Ferne zu feiern, ist für uns nicht neu. Es gab Jahre, in denen waren die beiden Wochen über den Jahreswechsel die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen. Nun sind wir jedoch bereits so lange unterwegs. Die meisten unserer Lieben haben wir vor 18 Monaten das letzte Mal gesehen. Sie fehlen und die Weihnachtstage verdeutlichen es um so mehr. Insbesondere in diesem Jahr mit dem Wissen, dass die Beschränkungen, aufgrund des immer noch allgegenwärtigen Virus, meiner Mutti die erste einsame Weihnacht ihres Leben verursachen. Sie schlägt sich tapfer, aber schön ist das nicht. Immerhin ermöglichen das Internet und gut funktionierende Programme meistens eine unkomplizierte Kommunikation. Diese Anrufe sind jedoch nur ein unzureichender Ersatz. Wir sind unterwegs, dürfen die Welt sehen und auch Covid-19 konnte uns noch nicht wirklich aufhalten. Diese Reise ist ein großes Glück und man kann eben nicht alles haben. So müssen wir auf unsere Familie und Freunde vorerst verzichten.

Auch wenn derzeit nur wenige Segler unterwegs sind, so sind wir nicht allein. Unsere Tandemfahrt mit der Tomskii beschert uns ein Weihnachtsfest mit neu gewonnenen Freunden. Es gibt zwar keinen grünen Tannenbaum, aber karibische Weihnachtsdeko, Plätzchen, gemeinsame Essen, Weihnachtsmusik, kleine Geschenke und ein Spieleabend lassen die Tage besonders werden. Selbst Santa Claus kam auf einem Elektrofoilboard vorbei. Statt mit dem Snowboard durch den Pulverschnee zu surfen, genießen wir die Inselwelt der Bahamas mit Strandspaziergängen, Schwimmen und Kiten. In der Lagune wohnen Delfine. Sie kommen uns auf ihrer täglichen Runde regelmäßig besuchen und kreisen lange um die Boote während ihrer geruhsamen Futtersuche. So steige ich mit ins Wasser, treibe mit Schnorchel und Taucherbrille an der Wasseroberfläche und kann diese friedlichen Tiere unter mir beobachten.

Weihnachtsessen mit Yelena und Marcel auf der Tomskii Kastan

Charly mit Geschenken, Plätzchen und Weihnachtsbäumen aus Schneckenhäusern

Romantik zu zweit kommt nicht zu kurz.

Obwohl Weihnachten ein paar Touristen angekommen sind, sind wir fast allein am Strand.

Auch in der Karibik ist Santa Claus warm angezogen.

Direkt vor der Haustür eine wundervolle Bucht zum Kiten

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Willkommen auf den Bahamas

25 Stunden benötigen wir für die 169 Seemeilen von Luperón in der Dominikanischen Republik bis zur südlichsten Insel „Great Inagua“. Gemeinsam mit dem Postboot erreichen wir „Matthew Town“ am Nachmittag des 11. Dezember´s, was sich als etwas ungünstig herausstellt. Die Ankunft der Lieferungen, wahrscheinlich sind all die Weihnachtsgeschenke dabei, verursacht im Hafen große freudige Aufregung. Dementsprechend voll und laut ist es dann auch. Stefan benötigt vier Stunden, um uns in diesem Trubel einzuklarieren: alle Zettel auszufüllen, die bereits online im Voraus abgeschickt wurden, Pässe und Einklarierungspapiere wieder zu bekommen, eine Telefonkarte zu besorgen. Die Anzahl der auszufüllenden Formulare hat sich aufgrund der Gesundheitsüberprüfungen verdoppelt. Aber die Beamten sind freundlich, freuen sich über unser Ankunft und heißen uns warmherzig willkommen. Keine Anzeichen von Korruption oder anderweitigen Machtmissbrauch! Eher erkundigt man sich bei uns mehrfach, ob alles in Ordnung ist, wir noch etwas bräuchten und wünscht uns eine wunderbare Zeit in diesem Inselparadies. Drei Monate dürfen wir ohne weiteres Visum bleiben. Das sollte wohl reichen!

Wir entdecken den Ort, der an ein verstreutes Dorf erinnert und ein wenig Westernidylle versprüht. Die mit dem Giebel zur Straße ausgerichteten Häuser haben hölzerne Terrassen und Balkone, die beiden größeren sind der Supermarkt und das Rathaus. Eine Tankstelle mit einer überdachten Säule finden wir auch. Sie steht inmitten von brachliegendem Land. Das alte Fort aus Piratenzeiten wird als Betriebsgelände genutzt. Es bietet eine Menge Lagerkapazitäten. Zu jedem Grundstück gehört auch ein separates Haus, dass scheinbar zu zwei Dritteln in der Erde steckt. Das wird wohl so eine Art Schutzkeller sein, der im Falle eines heranziehenden Hurrikans aufgesucht werden kann. Warum dieses Dach nun aber besser halten soll, als das des eigentlichen Wohnhauses ist mir schleierhaft. 

Während wir auf der Hauptstraße entlang schlendern, werden wir von den Einheimischen außerordentlich freundlich begrüßt. Der Weg zum Leuchtturm ist lang und mehrfach fragt man uns, ob wir nicht im Auto mitkommen wollen. Das Allerbeste ist jedoch nach neun Corona-Monaten: der Leuchtturm ist geöffnet. Vorsichtig schauen wir in den staubigen und spinnenverwebten Hohlraum mit der typischen Wendeltreppe. Ein Gästebuch liegt auch dort, sieht jedoch eher wie ein mysteriöses, antikes Rezeptbuch eines längst verstorbenen Zauberers aus, so verstaubt und mürbe ist es bereits. Wir klettern hinauf, genießen auf der Galerie den atemberaubenden Blick auf die Insel, die riesige Lagune und hohe Salzberge am Horizont. Dann stehen wir sogar in der gläsernen Kabine ganz oben. Der Rundblick aus diesem runden Wintergarten ist fantastisch. Auf den Bahamas ist Landwirtschaft fast unmöglich. Es reicht wohl nicht einmal für den Eigenbedarf. Dafür freuen sich die Tiere über ausgedehnte naturbelassene Areale. Ein Paradies für Vögel, Schmetterlinge, Leguane und Reisende wie uns.

Nach einer schaukeligen Nacht wechseln wir die Bucht und später die Insel. Auf den Acklins bietet sich eine Strandwanderung an und nebenbei kann man Schnecken für die nächste Mahlzeit sammeln. Über Long Cay wechseln wir dann nach Long Island und tasten uns vorsichtig in die geschützte Buch von Little Harbor. Man hat fast das Gefühl allein zu sein. Erst auf dem Land entdecken wir, dass hier, inmitten all der Palmen und Mangroven, auch einige Menschen leben. Allein sind wir jedoch nicht. Seit Luprón segeln wir gemeinsam mit der Tomskii Kastan und deren Crew Marcel und Yelena. Das erste Mal haben wir uns auf so eine Tandemreise eingelassen. Das fröhliche, begeisterungsfähige und positive Pärchen in unserem Alter passt zu uns. Nur wenige Segelboote sind unterwegs und so genießen wir dieses selten gewordene Glück. Wir besprechen die Routen, checken die Ankerplätze und tauschen uns aus. Das fühlt sich insgesamt sicherer an. Abwechslungs- und ereignisreich ist es so auch. Gemeinsame Ausflüge, Lagerfeuer am Strand, leckere Mahlzeiten an Bord… Langeweile kommt nicht auf, wir lachen viel, hören und erzählen Geschichten.

Long Island ist wirklich lang. Trotz guter Winde benötigen wir zwei Tage um die Nordküste zu umrunden. Dann gehts am 23. Dezember Richtung Georg Town. Dort müssen wir unseren zweiten Coronatest machen. In der vorgelagerten Lagune wollen wir Weihnachten verbringen. Sie zieht sich zwischen Great Exuma und Stocking Island entlang, welche wie eine natürliche Mohle vor der langen Dünungswelle schützt. Die Eingangspassage ist schmal und das schäumende Weißwasser lässt unsere Lady erneut in einem Wellenrodeo springen. Der Capitano nutzt neben den üblichen Karten die Luftbilder von Google und das ist auch ganz gut so. Wir kommen heil in die ruhigeren Gewässer vor Georg Town.

Great Inagua, Leuchtturm: warmherziger Empfang und offene Türen

Acklins, China Hill: Den Wettlauf mit der Zeit verlieren wir zum ersten Mal und müssen im Dunkeln ankern.

Acklins, China Hill: Strandwanderung

Unterwasserwelt Bahamas: ein prächtiger Feuerfisch

Gemeinsames Baracudaessen, natürlich ist der Fisch frisch.

Long Island, Little Harbor: Beachparty zu viert und dann gesellen sich zwei Einwohner dazu, schenken uns Keilerzähne und probieren Yelenas Wein.

Wir feiern den frisch gefangenen Tuna mit einem Sushi-Abend

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Komplizierter Landeswechsel

Weihnachten wollen wir in den Bahamas sein. Die vielen Inseln, einsame Buchten, Möglichkeiten zum Schnorcheln und Kiten locken uns. Die Dominikanische Republik auf der großen und bergigen Insel Hispaniola ist schön. Die Leute begegnen uns freundlich und aufgeschlossen, die Avocados sind mal wieder die besten der Welt. Wir sind von Seglern umgeben, mit denen wir gern mehr Zeit verbringen würden, aber die Moskitos stechen, ein Ölfilm bedeckt die braune Mangrovenbrühe unserer geschützten Bucht. Das nächste Wetterfenster für eine angenehme Überfahrt ohne Motorunterstützung zeigt sich. Damit ist es jedoch nicht getan.


Die Ausklarierung gestaltet ist umständlich. „Was, Sie wollen schon wieder los?“, werden wir gefragt. Man hat sich offensichtlich an die coronabedingten Langzeitaufenthalte der Segler gewöhnt und freut sich über die zusätzlichen Einnahmen. Nicht wenige liegen mit ihren Booten bereits mehr als ein Jahr zwischen den Mangroven von Luperon. Neben den vielen Zetteln und Stempeln, die wir in den unterschiedlichen Containern bekommen, müssen wir zum Hafenhäuptling. Er heißt Richard und kommt von Kopf bis Fuß in strahlendem Weiß daher. Seine Residenz steht auf einem kleinen Hügel und sie ist nur durch den Magrovenmatsch zu erreichen. Natürlich müssen wir auf eine Audienz warten, um dann zu erfahren, dass uns die selbsternannte Eminenz am Tag vor unserer Abreise auf dem Boot besuchen wird. Dort werden dann wieder Fotos gemacht und wir bekommen den so wichtigen Ausreisezettel.


Soweit so gut, all das kann man noch als normales Prozedere einordnen. Insbesondere, da der Häuptling keine zusätzlichen Spenden fordert. Man munkelt, er wurde aufgrund seines ausverschämten Verhaltens an Bord einiger Segelschiffe aus der Hauptstadt gerügt und ist deshalb nun etwas vorsichtiger mit seinen Forderungen. Aber da ist außerdem noch unser inzwischen guter alter Freud Covid. Die Bahamas legen keinen Wert auf ihn und machen die Einreise schwer. Nur mit einem negativen PCR-Test und einem Online-Antrag ist sie möglich. Den geforderten Gesundheitsnachweis bekommt man hier in Luperón nicht. Marcel und Yelena von der Tomskii Kastan wollen ebenfalls in die Bahamas und so recherchieren wir gemeinsam. Marcel spricht und versteht gut Spanisch, was zusätzliche Telefonate ermöglicht. Er findet ein Labor auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, welches wohl von den Nachbarinseln akzeptiert wird. Mit vorheriger Absprache mit den Behörden wird ein Termin vereinbart und das Taxi organisiert. Da der Test bei Einklarierung nicht älter als fünf Tage alt sein darf, muss er möglichst spät gemacht werden. Die Ergebnisse benötigen wir jedoch vor Abreise, weil mit diesen nach einer Online-Antragstellung die Einreise im Vorfeld genehmigt oder abgelehnt wird.  Vorher darf man nicht los. Also holt uns das Taxi morgens um vier ab, damit wir nach einer vierstündigen Fahrt über die Insel spätestens 8:30 Uhr den Test machen können und abends die Ergebnisse haben, den Antrag stellen können und tags drauf hoffentlich die Einreisegenehmigung haben. 


Wer sich das alles ausdenkt, kennt den Alltag der Segler nicht. Auf dem Boot sind wir vor Ansteckung ziemlich sicher. Die Gefahren, welche durch so eine zusätzlich Überlandreise hinzukommen, wurden wohl nicht bedacht, von den Kosten mal ganz abgesehen. Nicht nur der rasante dominikanische Verkehr, sondern auch unzählige zusätzliche Ansteckungsmöglichkeiten bringen den Segler zusätzlich in Gefahr. 


Die Tests werden nicht mehr im Labor gemacht, sondern vor der Tür im eigenen Auto. Wir haben ein Taxi als Untersuchungsraum anzubieten. Das wird akzeptiert. Eigentlich waren wir in Boca Chica verabredet. Kurz nachdem wir in Santo Domingo abgebogen sind, bekommen wir die Nachricht, dass der Test in der Hauptstadt statt finden muss. Sandy, unser Fahrer, wendet sofort sein Auto und wir quälen uns durch den Stau. Auch die Laborantin Mariella muss dort durch und lässt uns am vereinbarten Treffpunkt, auf dem Parkplatz einer Klinik, zwei Stunden warten. Dann geht alles ganz schnell. Die Nasenschleimhäute brennen zwar noch eine Weile, aber wir sind bald auf dem Rückweg. Mittagessen und Großeinkauf werden gleich mit erledigt. Abends kommen die Testergebnisse und Marcel macht sofort den Online-Antrag fertig. Die deprimierende Antwort kommt bereits zehn Minuten später: „Abgelehnt!“ Nun telefoniert er wieder mit den Behörden der Bahamas. „Dann ist es wohl nicht das richtige Labor.“, bekommt er zu hören. Uns frustriert das so sehr, dass wir die vielen Inseln im Norden schon abschreiben.


Stefan stellt die online-Anträge nun auch für uns. Egal, was die Tante am Telefon erzählt. Dabei stellt er fest, dass die Telefonnummern des Labors nicht übereinstimmen und die Postleitzahl nicht heraus zu bekommen ist. Eine Anfrage bei Mariella bringt keine Antwort. Also probiert mein lieber Mann die Möglichkeiten durch. Auch er fängt Absagen ein und versucht es dann mit anderen Daten erneut, weil er auf der "anderen Seite" einen Computer als Entscheider vermutet. Irgendwann haben wir den Test mit den richtigen Nummern und Angaben tatsächlich bestanden und dürfen einreisen. Was für ein Stress! Was für eine Aufregung! Was für eine Freude am Ende! 

Reisen ist nicht mehr selbstverständlich und für Segler muss nicht mehr nur das Wetter stimmen. 



Meeting auf der "Tomskii Kastan" mit Morgenkaffee

Marcels D-Day-Planung


Mit all meinen Namen kommen viele nicht klar. 


Gesundheitsvisum mit Einreisebestätigung



Mittwoch, 2. Dezember 2020

Kolumbus auf Hispaniola

Ob es auf dieser Insel eine indigene Bevölkerung gibt, kann ich nicht sagen. Auf uns wirkt Luperón wie Kleinafrika in der Karibik. In den Hauptstraßen finden wir zwar Steinhäuser, aber am Rande stehen ärmliche Holzhütten im Matsch, die schon lange keinen neuen Farbanstrich bekommen haben. Wenn man hier durch den Ort geht, fällt man auf, nicht nur wegen der hellen Haut. Die Einwohner grüßen uns freundlich und freuen sich offenbar über die neuen Gesichter. Der Ort ist jedoch so klein, dass man uns schnell kennt. Frisches Gemüse und Milch bekommen wir hier. Für einen größeren Einkauf müsste man ein Taxi nehmen oder ein Auto mieten und nach Puerto Plata fahren. 

In der ersten Woche beende ich mit Stefans Hilfe das Mexikobuch. Seit dem 23.11.2020 ist es öffentlich. Dann feiern wir meinen 51. Geburtstag mit unseren Nachbarn. Die Seglergemeinschaft nimmt uns warmherzig und selbstverständlich auf. Schnell werden wir heimisch. Die Frauen treffen sich drei Mal in der Woche zum Yoga in einer alten Ruine. Sie liegt auf dem Berg oberhalb der Marina und bietet eine grandiose Aussicht auf das Ankerfeld. Ich genieße das gemeinsame Stretching und muss mir eingestehen, dass ich die schwierigeren Übungen allein gern weglasse oder abkürze. 


Dann packen wir unsere Rucksäcke und nehmen den Bus ins Landesinnere. Grüne Berge am Horizont, einfache Hütten am Straßenrand und dazwischen Felder und Weiden. Hier hält man sich Kühe, Schafe, Pferde und Ziegen. Fruchtbarer Boden und viel Wasser ermöglichen ertragreiche Landwirtschaft. Eine schöne Insel! In den Bergen ist es zwar kälter, auch in der Karibik beginnt nun der Winter, aber den Leuten geht es besser. Sie sind weniger vom Tourismus abhängig, denn auch die Einheimischen müssen essen. In den Hotels sind wir fast die einzigen. Die Museen sind geschlossen. So genießen wir die Natur und den wohl höchsten Wasserfall der Karibik, während uns beispielsweise in Santo Domingo die Türen des „Faró a Colon“ und das Bernsteinmuseum verschlossen bleiben. Immerhin öffnen ein paar Restaurants und die Stadtparks. In der Hauptstadt bezahlen wir für ein Abendessen so viel wie in Deutschland. In der Dominikanischen Republik herrscht ab 21 Uhr Ausgangssperre. Nach fünf Tagen sind wir bereits zurück. Entgegen aller Warnungen im Internet zur Sicherheit auf der Insel, geht es unserer Lady gut. Unsere Nachbarn haben offenbar gut auf sie aufgepasst. Ganz lieben Dank!


Bastelstunde

Frauen unter sich

Ruhiger Ankerplatz mit Ausflugsmöglichkeiten

Luzifer zu Besuch auf der Lady



Santiago

Bushaltestelle in Jarabacoa

Unser Bus nach Constanza

Salto de Aguas Blancas

Santo Domingo


Mittwoch, 18. November 2020

Hinter Hurrikan „Iota“ entlang

Nun ist es wieder so weit. Die Hurrikansaison endet am 15. November, zumindest für unsere Versicherung. Wir wollen natürlich auch keine direkte Bekanntschaft mit so einem wütendem Wirbelsturm schließen. Gerade ziehen die Vorläufer eines dieser gefürchteten Winde nördlich von Aruba entlang. Hinter ihm soll für ein paar Tage kaum Welle und Ostwind folgen. Eine günstige Gelegenheit, um den Ritt von Aruba in die Dominikanische Republik zu wagen. Dort kommen wir im Moment ohne PCR-Test und Quarantäne rein. Das überzeugt uns. Stefan beobachtet die Wettervorhersagen bereits seit einer Weile und ist sich immer sicherer. Am Freitag, den 13. November starten wir. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und die Kühlschränke voll. Am Donnerstag verlassen wir die Marina, segeln nach Süd, um auszuklarieren und wieder nach Norden an die Boca Catalina, dem letzten Ankerplatz vor dem Karibischen Meer.


Freitag starten wir um acht Uhr mit der Morgensonne nach Norden und nehmen beschwingt mit nur zwei Segeln Fahrt auf. Bald kommt die Sturmfock noch dazu und schon saust die Lady mit neun Knoten durch die Wellen. Der Wind kommt noch zu weit von vorn und und der Himmel ist bewölkt, aber das wird schon noch. Denken wir! 


Tatsächlich haben wir Wind und Wellen während der gesamten Überfahrt von vorn. Das Wetter hält sich nicht an die Vorhersage, macht was es will und auch die Wellen werden immer größer. Zwischen 20 und 30 Knoten kommt der Wettergott mächtig zu Sache und türmt die Wassermassen immer weiter auf. Höhe halten ist schwer, aber wir dürfen nicht abfallen, um ohne Kreuzschlag um Hispaniola herumzukommen. Einklarieren ist coronabedingt nur in Luperón an der Nordküste möglich. Die Lady stampft sich durch die Wellen. Oft kracht es im Gebälk, als würde sie zerbersten. Danach verschlingt eine Wasserflut Verdeck und Cockpit. Wir hatten noch nie so viel Meersalz in unserem offenem Wohnzimmer. Eine dicke Regenwolke folgt der nächsten und die bringen nicht nur Süßwasser zum Nachspülen, sondern auch ordentliche Böen mit sich. 


In der ersten Nacht steigt der neue Furler unserer Genua aus. Wir haben extra in das teure Teil investiert, damit das nicht mehr passiert. Um vor den nächsten Böen unser wichtigstes Segel zu retten, muss Stefan nach vorn, wo der Bug wie ein unschlüssiger Fahrstuhl auf und ab saust, jeweils mit einer ruckartigen Bremsung die Richtung wechselnd. Zum Glück hat er sich, aufgrund ähnlicher schlechter Erfahrungen mit dem alten Furler, bereits eine sündhaft teure Elektrowinschkurbel zugelegt. Die funktioniert gut, braucht aber auch unendlich viele Umdrehungen bis der große Lappen eingerollt ist. Das Ende vom Lied ist eine gesicherte Genua, aber nun bleibt uns nur noch die Sturmfock, denn bei dieser Berg- und Talfahrt ist an eine Reparatur im Vorschiff nicht zu denken. 


So kämpfen wir uns voran, einen zweiten Tag und eine zweite Nacht. Am dritten Vormittag kommt die Sonne durch und mittags dreht sich der Furler wieder. Die See wird ruhiger und auch die Genua steht wieder. Stefan reizt aus was geht und spielt den Trimm-Tim. Die Lady kann Höhe halten, auch wenn es knapp bleibt. Zeitweise muss der Motor mit ran. Kurz vor der großen Karibikinsel genießen wir tatsächlich die Segelfahrt für etwa drei Stunden. 14 Uhr ist Land in Sicht. 17 Uhr tauchen wir in einen Hexenkessel von See zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik ein. Wenn wir dachten, die ersten beiden Tagen waren schlimm und mehr können unser Schiff samt Besatzung nicht aushalten, dann war das eine Täuschung. Steile, drei bis vier Meter hohe Wellen bauen sich auf. Aber die Lady schafft auch das, bricht nicht entzwei, kommt mit Motorunterstützung und ohne Kreuzschlag gerade so an den Untiefen vorbei. Dann wird es Dunkel. Wir biegen Richtung West ab, um an der Nordküste entlang zu segeln, haben den Wind nun von schräg hinten und auch die See beruhigt sich deutlich. 


Ein paar Stunden später schläft der Wind ein. Erst segeln wir noch mit Motorunterstützung, dann müssen die Tücher aufgerollt werden. Den gesamten vierten Tag brummt es im Cockpit. Immerhin kann man sich wieder an Bord bewegten, ohne sich wie ein Klammeraffe von Griff zu Griff zu hangeln, sich besonders an den Hüften, Oberschenkeln und Armen blaue Flecken zu holen. Ich muss keine Stugeron mehr einwerfen und kann wenigsten zeitweise an der Korrektur des Mexikobuches arbeiten. Kochen und mit Genuss essen ist wieder möglich. Eine abwechselnd grüne und felsige Küste mit kleinen Stränden zieht an uns vorbei. Am vierten Tag fällt um 17 Uhr  der Anker in der Bucht von Sosua. Von hier aus ist es nur noch eine halbe Tagesreise bis Luperón. Neben den Furler, muss sich Stefan um die Lichtmaschine und eine Analoganzeige im Cockpit kümmern. Für eine viertägige Überfahrt ziemlich viel. Ich muss das ganze Salz aus Handtüchern, Kleidung und Kissen waschen. Außerdem ruhen wir uns aus, schicken euch diesen Post und korrigieren weiter das Mexikobuch. Nun wird es Zeit es fertig zu stellen. Wir genießen die Bucht, die Sonne, gehen baden und schnorcheln. Das Einklarieren kann warten.


Hurrikan „Iota“ wurde inzwischen benannt. Er treibt gerade in Mittelamerika sein Unwesen und verliert hoffentlich bald an Kraft. In diesem Jahr gab es außergewöhnlich viele klassifizierte Wirbelstürme. Die Namen nach dem lateinischen Alphabet reichen nicht mehr aus. Nun nutzt man bereits das neunte! Mal das griechische. Eine deutliche Folge des Klimawandels. Auch wenn unser Ritt über das Karibische Meer nichts mit Iota zu tun hat, Gegenwind und steile Wellen wählen wir ab. Das macht keinen Spaß!


534 sm, in 80 h, Nordostwind
34 h gesegelt 
36 h mit Motorunterstützung gesegelt 
10 h nur Motor (Nordküste DR)

Ankerbucht auf Aruba vor dem Start

Sosúa, Ankunft in der Dominikanischen Republik

Salz aus Tüchern und Kissen waschen

Furler-Reparatur im Vorschiff (hier, zur Abwechslung, jedoch Prüfung des Bowthrusters)

Reparatur Lichtmaschine, alle Schäden stammen von der extremen Bewegung an Bord: abgerissene Kabel, zerschlagene Stecker...


Freitag, 30. Oktober 2020

Aruba, Klappe die Zweite

Nun leben wir wieder auf dem Boot, in der Marina, am Steg. Es ist heiß auf der Insel. Die Regenschauer bringen erst etwas Erleichterung. Sobald die Sonne sich wieder zeigt, dampft es wie in einer Sauna. Aber es geht uns gut. Wir sind wieder zu Hause und gewöhnen uns schnell an den Rhythmus auf dem Boot.


Um auf Aruba eingelassen zu werden, mussten wir einen PCR-Test über uns ergehen lassen. Naiv, wie wir waren, lassen wir uns ohne Vorurteile darauf ein. Was dann jedoch auf uns zukam, überraschte uns außerordentlich. Wir waren nicht nur verwirrt und entsetzt, sondern auch ärgerlich und die Schmerzen hielten 24 Stunden an. Das kann doch nicht normal sein, oder?! So eine Tortour kann man doch nicht zur Routine machen. Da gibt es doch bestimmt auch einige Kollateralschäden. Egal, genaueres erfahrt ihr im Mexikobuch.


Obwohl wir keinen Job haben, gibt es keine Langeweile an Bord. Stefan repariert am Boot herum und kümmert sich um alles Administrative. Ich koche wieder, schreibe am Buch und bin nun immerhin schon in der Korrekturphase. Da muss Stefan dann auch ran. Dieses Mal malt er Bilder. Ihr könnt also schon gespannt sein. In der ersten Novemberhälfte soll es dann nach Norden gehen. Im Moment scheint die Dominikanische Republik unser Ziel. Das hat gleich drei Gründe. Erstens wir können die üblichen Winde gut nutzen, zweitens, die Einreisebedingungen sind relativ unkompliziert und drittens sind die Bahamas nicht weit. Nur ist dann leider ein erneuter PCR-Test notwendig. Ich habe jetzt schon Angst.


Ansonsten lassen wir es uns gut gehen. Kleine Wanderungen, eine größere Radtour zum Norden der Insel, Poolbesuche und gemeinsame Essen mit Segelfreunden verkürzen die Freizeit. Stefan wartet noch auf einen Brief. Der wurde vor vier Wochen in Rostock abgeschickt. Irgendwie habe ich gerade ein Déjà-vu. Das kennen wir doch schon von Porto Santo. Mal sehen wie lange die Post dieses Mal braucht.


Am Eagle Beach bricht die Dünung durch die Korallenlöcher.

Nordspitze von Aruba,
hier liegen so einige Schiffswracks auf Grund.

Kakteen, Leguane, Gestein = Aruba

So ein Pelikan ist auch nur ´n Mensch.
Man muss sich auch mal strecken dürfen.