Montag, 9. September 2019

Unsere Lady bekommt einen neuen Schlüpper

Die Strömung der Flut treibt uns den Tejo hinauf.
Auch der Wind hilft ein wenig. Pünktlich um 17 Uhr fahren wir in die Bucht von Seixal ein und trotz des Hochwassers müssen wir genau aufpassen, um in der schmalen Fahrrinne zu bleiben und nicht auf einer der vielen Sandbänke zu landen. Das Fahrwasser teilen wir uns mit Schnellfähren, die scheinbar ständig Menschen ins Zentrum von Lissabon bringen und zurück. Außerdem liegen hier Segelboote, wie Perlen einer Kette, vor Anker. Aber wir schaffen es fast ohne Grundberührung, die Tagus-Werft mit ihren Travellellift zu erreichen. Die Lady wird sofort aus dem Wasser gehoben und bleibt erst einmal auf dem Waschplatz stehen.

Dienstag wird ihr Unterwasserschiff dann gründlich abgeduscht und wir erkunden die Umgebung. Es ist heiß, 40 Grad Celsius und doch wird auf der Werft fleißig weiter gearbeitet. Man munkelt, es wären die heißesten Tage in diesem Jahr. Sergio, einer der Inhaber des vom über 90jährigen Opa gegründeten Familienunternehmens, in dem sogar der 82jährige Onkel täglich Hand anlegt, betreut uns aufmerksam. Obwohl Bruder und Cousin gerade im Urlaub sind, hält er die per Email gesendeten Zusagen ein. 

Mittwoch kommt der Elektriker. Immerhin stellt er fest, dass unser Kühlschrank einen neuen Kompressor benötigt und die Klimaanlage wohl ein Leck in der Gasleitung hat. Machen kann er leider nichts. Ein Kompressor muss erst bestellt werden und darauf wollen wir nicht warten. Die Klimaanlage kann sich nur ein Spezialist anschauen, der frühestens in 14 Tagen Zeit für uns hat. Nebenbei gibt der mitteilungsfreudige portugiesische Fachmann Stefan eine stundenlange Fortbildung, die ihm sicher noch gute Dienste leisten wird, auch wenn es bei der Hitze doch etwas anstrengend ist, sich zu konzentrieren. 

Sergios Männer schleifen das Unterwasserschiff glatt, die Propeller der Motoren werden gesäubert und Freitag bekommt die Lady einen neuen Anstrich. Wir nutzen das Wochenende für eine Fahrt in den Schwarzwald. Stefans Bruder Adrian feiert seinen 20. Hochzeitstag ganz groß und wir wollen ihn vor unserer großen Reise endlich einmal besuchen. Julian, Maxe und Belinda kommen auch und so genießen wir ein Wochenende zu fünft. Selten genug sind diese Gelegenheiten ja und wer weiß, wann wir das mal wieder hin bekommen.

Genau nach Plan wird die Lady am Montag während der Flut mit neuem schwarzen Slip wieder ins Wasser gesetzt. Die Ebbe zieht uns wieder zum Atlantik. Der Wind kommt von vorn, wir kreuzen und sehen 10,2 Knoten Fahrt über Grund. So macht es Spaß, obwohl wir dann doch immer mal wieder reffen müssen. 

Sergio und sein Team war Spitze, auch wenn viele Reparaturen nicht ausgeführt werden konnten. Aber da wir ja zwei Kühlschränke haben und die Klimaanlage uns noch nicht so wichtig erscheint, ist alles halb so schlimm. Wir sind wieder im Wasser, auf dem auch 40 Grad deutlich erträglicher sind, als auf dem Land.


  • Auskrahnen, Unterwasserschiff reinigen und schleifen
  • komplett neuer Antifoulinganstrich/ Schlüpper
  • Austausch der Zinkanoden
  • Motorschraube wird gereinigt und bekommt einen Schutzanstrich
  • ebenso die beiden Schrauben unseres Bugstrahlruders
  • die Badeleiter wird so gekürzt, dass sie unter das aufgehängte Dingi passt
  • ein neuer Motor mit Getriebe für das Ausrollen des Großsegels kommt
  • außerdem werden 4 Überlastungsprotektoren (schalten bei zuviel Strom/Ampere die Elektromotoren zur Segelbedienung ab) geliefert
  • den Ausholantrieb des Großsegels bekommt Stefan trotz dessen nicht in Gang und muss deshalb weiterhin per Hand bedient werden
  • das kaputte Getriebe des alten Motors kann immerhin repariert werden
  • Kompressor ist Schuld am defekten Kühlschrank und muss später ausgetauscht werden
  • Klimaanlage hat wohl ein Leck, Gas muss später nachgefüllt werden






1 Kommentar:

  1. Bester Titel ever!
    Obwohl ein anti „fouling“ als schlüppi ist auch n bisschen komisch 😂

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