Montag, 14. März 2022

Marie Galante - Insel der 100 Windmühlen

Tatsächlich sollen es sogar 105 gewesen sein. Marie Galante liegt etwas abseits der üblichen Route, da der Segler in der Regel gegen den Wind kreuzen muss, um sie zu erreichen. Für uns lohnt sich der Aufwand. Wir schlagen den Kurs bereits nördlich von Dominica ein und so genügt ein Schlag hart am Wind. Nach langer Zeit werden unsere Bergziegen aufgeweckt und aus dem Stall geholt. Wir genießen das Radeln durch Zuckerrohrfelder und verträumte Orte. Einige Windmühlen passieren wir auch. Den meisten fehlen Flügel und Dach, manchen hat die Natur eine Frisur wachsen lassen. Da die Insel nicht nur rund, sondern auch flach wie ein Eierkuchen ist, bietet sie sich für den Ackerbau geradezu an. Heute erleben wir ein ruhiges Eiland mit wenigen Touristen, wundervollen Stränden, freundlichen Menschen und gepflegten Ortschaften. Das ist nicht einmal für die französischen Antillen selbstverständlich und fällt positiv auf.


Die Reise zum Westflügel von Guadeloupe und an der Küste entlang bis zur nördlichsten Bucht ist bereits ein Abschied nehmen. Die Hauptstadt Basse-Terre präsentiert sich verwahrlost und wenig einladend. In Bouillante fließt ein heißer schwefeliger Fluss ins Meer. Er scheint direkt von den schlummernden Vulkanen aus dem Erdinneren zu kommen. Die Büste von Jacque Cousteau, 10 Meter tief auf dem Meeresgrund, und all seine Fischschwärme rund herum besuchen wir nach zwei Jahren noch einmal. Nach drei französischen Monaten landen wir nach fast genau zwei Jahren erneut in Deshaies. Hier wollten wir am 16. März 2020 ausklarieren, um weiter nach Antigua zu segeln und das war dank des weltweiten Lockdowns nicht mehr möglich. Einen wirklich schönen Abschluss bietet uns der Besuch des Botanischen Gartens ganz in der Nähe. Und dann geht es tatsächlich weiter. Am 13. März 2022 verlassen wir Guadeloupe Richtung Norden. Wir segeln nicht nach Antigua, sondern an Montserrat (seit zwei Jahren immer noch komplett geschlossen), St. Kitts und Nevis, St. Eustatius und Saba vorbei zu den British Virgin Islands. 26 Stunden sind veranschlagt. Es werden etwas mehr, aber das erzähle ich dann im nächsten Post.



Ich wundere mich, warum die Mühle auf einem Sockel steht
und stelle mich für den Größenvergleich in einen Eingang.

Habitation Roussel Trianon


Hier sitzen nicht die Schwalben auf den Drähten,
sondern die Epiphyten (Aufsitzerpflanzen).

    

Andere Länder, andere Schilder...

Pause an einem schönen Plätzchen.


Besuch kommt auch sofort.


GGG = Gueule Grand Gouffre

So parken wir unseren Kleinwagen.

Es regnet viel, danach gibt es meist ein Farbenschauspiel.

Eine seltene Aufnahme: Die Lady beim Segeln
Danke Patrick!

Rendez-vous mit Jacque Cousteau
Video: 
https://youtu.be/HksJMVQsJmE





Dienstag, 1. März 2022

Zurück nach Martinique

Nun ist unsere Lieferung aus Europa doch noch in Le Marin gelandet. Tatsächlich sind es zwei große und schwere Pakete. Sie enthalten Stefans neues Spielzeug, ein Foilbrett und den Wing dazu. Damit surft der wasserbegeisterte Sportler ohne Mast. Das Segel sieht wie ein doppelter Flügel aus und erinnert stark an unsere Kites. Der Surfer muss den fehlenden Mast mir einem stabilen Körper ersetzen und wenn er dass gut kann, hebt sein Brett ab und schwebt über dem Wasser. Das soll wie fliegen sein und Stefan ist optimistisch, dass er diese neue Funsportart auch noch lernen kann. Ich bin da etwas zurückhaltender. Quäle ich mich doch schon des öfteren ganz schön schwerfällig ins Dingi oder wieder heraus. Probieren will ich es aber auch. Wer will sich schon gern als alt abstempeln? Nun liegt das Hightech-Spielzeug in Le Marin, ganz im Süden von Martinique. Also segeln wir die knapp 100 Seemeilen zurück.

Wieder geht es in einem Step an Dominica vorbei, zwischen den Inseln mit viel Welle und schnellem Schiff. In Lee von Dominica benötigen wir auch manchmal den Motor. Dafür ist die See schön glatt. Ich kann das Mittagessen vorbereiten und es sogar genießen. Dann sehen wir bereits von weitem die Fontänen. Sie stieben immer wieder in die Höhe und kommen näher. Wie ein U-Boot taucht der lange, schwarze Kopf nur wenig aus dem Wasser, stößt den Blas aus und verschwindet wieder. Der Rücken mit der unscheinbaren gebogenen Flosse rundet sich. Auch diese taucht wieder unter der Wasseroberfläche, bevor das relativ schlanke Schwanzende mit der markanten breiten Walflosse erscheint. Das Wasser fließt in Strömen von der glatten schwarzen Fluke. Ein zweiter Artgenosse wiederholt das Spiel, der dritte ist etwas schüchterner. Wenige Sekunden später ist das Schauspiel vorbei. Das Segelflattern stört die großen Meeressäuger offensichtlich mehr als der Motor. Sie tauchen ab und lassen uns bewegt zurück. Nun haben wir endlich, nach fast drei Segeljahren, mit eigenen Augen echte Pottwale gesehen.

Wir ankern am Cap Enragé und entdecken in der Bucht ein weiteres artenreiches Aquarium. Hier wird die Idee geboren, uns das letzte Stück um den Diamanten herum, gegen Strom und Wind zu sparen. Wir segeln mit einem Kreuzschlag nach Fort-de France und mieten dort für 24 Stunden ein Auto. Das kostet zwar ein paar Taler, aber die Pakete sind bald verladen. Der Nachmittag bleibt für die Suche neuer Induktionsplatten reserviert. In der letzten Woche hat sich eine meiner Platten verabschiedet und den Dienst quittiert. Nach mehr als 10 Fachgeschäften haben wir nun zwei neue Geräte, eins zum Einbauen, das andere als Ersatz. 


Ins Restaurant kommen wir jedoch nur mit zwei zugedrückten Augen. Unser digitaler Impfpass-QR-Code ist nicht mehr valide. Ein dickes Kreuz degradiert uns als unwürdig für den öffentlichen Raum. Um weiter reisen zu können, brauchen wir nun den Booster. Stefan recherchiert und so erledigen wir auch das noch. Glücklicherweise geht es uns danach ganz gut. Nun ist unsere Biomasse wieder zertifiziert. Unglücklicherweise funktioniert der QR-Code der App weiterhin nicht.


Nach dieser ganzen Aufregung gönnen wir uns drei ruhige Tage in der Nähe von Les Trois Îlets. Wir treffen noch einmal Anne und Daniel zu einem gemeinsamen Abendessen und verabschieden uns endgültig. Dann baut Stefan sein neues Spielzeug auf und foilt tatsächlich beim ersten Versuch. Ich bin beeindruckt. Meine ersten Versuche beschränken sich auf das Board. Ich kann drauf stehen und die Füße wechseln, ohne ins Wasser zu fallen. Das ist auch schon ein guter Anfang. Ob mein Körper den Mast spielen kann, muss sich jedoch erst noch heraus stellen.


Nun wird es mal wieder Zeit für neue Welten im weiten Ozean. Nächste Ziele sind Marie Galante und die nördliche Karibik. Wir besuchen noch einmal das Aquarium am Cap Enragé und St. Pierre. Dieses Mal steht auch das Memorial zum Vulkanausbruch von 1902 auf dem Programm. Während wir auf La Palma noch überlegten, ob so ein feuerspeiender Berg auch explodieren kann, lernen wir hier, dass dies durchaus möglich ist. Am 08. Mai 1902 löschte eine so entstandene Feuerwolke in Minuten das Leben der gesamten Umgebung aus. Sie war dermaßen heiß, dass alle Häuser und Pflanzen, sogar die Schiffe auf Reede sofort Feuer fingen. Kaum einer konnte sich retten. Also seid vorsichtig mit diesen wütenden Schloten. Die kennen kein Erbarmen.


unsere ersten Pottwale in echt

Es waren wirklich Wale.

Wat mut, dat mut...

Beim Cocktailmeister Thierry zu Gast.

...und schon wieder was kaputt

Petit Îlet nur für uns

In einer alten Ziegelfabrik hat man alles stehen und liegen gelassen.

ohne Worte

Lady mit den Pitons im Hintergrund

Ausflug in ein Vogelparadies

Ist er nicht schön?

Was sagt ihr dazu?

Saint Pierre mit dem Mont Pelée im Hintergrund

Das war einmal der Haupteingang des Gymnasiums.

Nach der Explosion und dem anschließenden Feuer
bleiben nur noch Mauern.
Diese hat man zur Erinnerung stehen gelassen.






Sonntag, 20. Februar 2022

Hamburgbesuch auf der Lady

Wir sind gern zu Zweit unterwegs. Trotz dessen fehlt mir ab und zu mein Rudel. Aufgrund der inzwischen zwei Covid-Jahre ist Besuch selten geworden. Natürlich haben wir Familie und Freunde in Deutschland besucht, sechs Wochen lang. Nun sind Anne und Daniel für eine Woche bei uns und wir haben viel Zeit miteinander. Was sie anfangs wohl nicht wussten, dass sie einen Koffer bestellte Waren und Ersatzteile mitbringen müssen. Erst war es gar nicht so viel, aber dann brauchten wir noch dies und das. Die Pakete stapelten sich im Flur der beiden. Deshalb gab es nach dem langen Flug und einem Abendessen bei DouDou noch Bescherung im Boot.

Ein Mietwagen erleichtert die Inselerkundung. Da wir Guadeloupe vor zwei Jahren bereits mit Belinda entdeckten, fahren die beiden auch allein los. Die Wasserfälle am höchsten Vulkanberg der Insel erkunden wir gemeinsam, wandern durch den Regenwald, kühlen uns im Süßwasser ab, lassen uns von den Kaskaden bestäuben. Dem Essen kommt, aufgrund der Affinität unserer Gäste zu Frankreich, eine besondere Bedeutung zu. Ob im Restaurant oder an Boot, wir schlemmen uns durch die kreolische und französische Küche. Dazu oder auch zwischendurch gibt es karibischen Rum oder französischen Wein. 


Besonders schön werden die Tage auf Les Saintes. Die Insel Îlet à Cabrit wird unser Lieblingsstandort. Relaxen, Schnorcheln, Wandern, Sonnenuntergänge füllen die helle Zeit. Es schaukelt teilweise aber auch ganz schön, was dem Besuch dann zeigt: Das Leben an Bord ist nicht nur Romantik. Nun sind die beiden mit der Fähre nach Martinique und wir 11 Stunden in die selbe Richtung gesegelt. Unterwegs sichten wir drei Pottwale vor der Küste Dominicas. Es sind unsere ersten großen Wale. Das wurde ja auch mal Zeit!


Wiedersehen auf Kreolisch im "Chez Dou Dou"

Bescherung mitten in der Nacht auf der Lady

Spezialeierkuchen vom Capitano persönlich

3ème Chute du Carbet am La Soufriere auf Guadeloupe

Wir bewältigen auch unwegsame Wanderwege.

französisch... sehr lecker

kreolisch... sehr stark

französisch... sehr teuer

besondere Momente an besonderen Plätzen

Weil es so schön war, gleich noch einmal...


Kofferfisch verrät den
versteckten Kugelfisch 


Terre - de - Haut von 300 Höhenmeter

Da sind sie!
Pottwale vor Dominica




Samstag, 5. Februar 2022

Boxenstop in Le Marin auf Martinique (Karibik)

Die Bootswerft von Henry Amel befindet sich in La Rochelle. Im Mittelmeer und auf Martinique hat sie je eine Werkstatt eingerichtet. Ameleigner nutzen das Angebot in der Karibik gern, um ihr Schiff auf Herz und Nieren durchchecken zu lassen. Das kleine Handwerkerteam hier in Le Marin ist so gut drauf, dass Reparatur- und Wartungsarbeiten sogar deutlich besser laufen, als am Mutterstandort in Frankreich. So liegen wir mit anderen Amel 54, 55, 60, Maramu’s, und Supermaramu’s dicht an dicht nebeneinander an einem langen Steg. Jeden morgen kommt der Oberarzt Alban mit seinen beiden Fachärzten auf seinem Fahrrad auf dem Ponton zur Chefvisite entlang. Ihre Patienten liegen rechts und links in ihren Betten. Parallel oder nach und nach werden alle Krankheiten behandelt. Wer will, bekommt auch noch eine Kur und Gesundheitshinweise. Das Dreamteam ist immer fröhlich, pünktlich, außerordentlich kompetent und arbeitet schnell. So ist es kein Wunder, dass auch die Bootsbesitzer gute Laune haben. Ich backe für die Jungs einen Zitronenkuchen und zaubere damit ein zusätzliches Lächeln in ihre Gesichter. Stefan ist so dankbar, dass er einige, nicht mehr benötigte Ersatzteile dort lässt.


Den größten Auftrag bekommt jedoch der Rigger von uns. Das gesamte stehende Gut muss einmal ausgetauscht werden. Im November vereinbaren wir per Email einen Termin für den 27. Dezember 2021. Drei bis vier Tage werden veranschlagt. Die Lady liegt pünktlich am überfüllten Riggerponton im Päckchen und die Arbeiten beginnen planmäßig. Statt drei Tage werden es vier Wochen, was verschiedene Gründe hat. Zuerst beginnen die Rigger mit der falschen Wantenstärke. Beauftragt wurden dickere und so muss ein Teil der Arbeit wiederholt werden. Andere Boote kommen und gehen. Sie haben offensichtlich Priorität oder kommunizieren vielleicht nachdrücklicher. Stefan lässt sich einen neuen Furler aufschwatzen, um den letzten lästigen, verschleißanfälligen von Bamar loszuwerden. Das gute Stück muss aber erst aus Frankreich kommen. Der Vollständigkeit wird oben der völlig intakte Marokko abgebaut (Drahtseil zwischen den Mastspitzen), um später festzustellen, dass neue Teile fehlen. Der zwei Jahre alte Reckman-Furler muss überprüft werden, schließlich hat er gerade noch so Garantie. Beim Aufbau wird ein Teil vergessen, was einen erneuten Ab- und Aufbau erfordert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Unwägbarkeiten aufgezählt habe. Wir verlassen den Riggersteg zwischenzeitlich, um in St. Anne zu ankern, zu schnorcheln, zu schwimmen oder zu wandern und am Amelsteg zu liegen. Letztendlich steht unser Rigg nun. Neue Segel werden aufgezogen und unsere Lady erstrahlt in neuen Kleidern. Beim Segeln schlägt sich nun jede Böe sofort in Geschwindigkeit nieder. 


Zum Schluss schrubben wir all den Dreck von den Arbeitsschuhen vom Deck und genießen unser frischen Zuhause. Eine Lieferung steht noch aus, etwas Zeit haben wir noch bis zu unserer Verabredung mit Anne und Daniel auf Guadeloupe. Der Ausflug auf die Luvseite (Ostseite) der Insel lohnt sich. Dort entdecken wir das wirklich schöne Martinique. Erstaunlicherweise sind im Osten kaum Boote unterwegs. Die Atlantikwellen schütteln uns ordentlich durch und schrecken wohl auch die meisten Segler ab. Auf der ‚Presqu’île de Caravelle‘ gibt es einen 10 Kilometer langen Rundwanderweg und interessante Gutshausruinen einer Zucker- und Kaffeefarm des 18. Jahrhunderts. Ein deutscher Audioguide führt uns über das einsame Gelände des ‚Château Dubuc’, für das nicht nur Eintritt und Maske, sondern auch ein gültiges Impfzertifikat nötig sind. Die Bucht von ‚Le Robert‘ wird zu meinem absoluten Lieblingsort auf der Insel. Eine riesige spiegelglatte See und viele Inseln versetzen mich in die geliebte mecklenburger Binnenseelandschaft. In der Bucht von Le François lassen wir die Lady vor Anker allein und besuchen die ‚Habitation de Clément‘. Ein lohnender Ausflug auf das Gelände einer Rum-Destillerie mit gepflegter weitläufiger Parkanlage, viel Kunst, Historie und alkoholisiertem Zuckersaft in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen.


Am 5. Februar wird es Zeit für den Aufbruch nach Guadeloupe. Am elften werden wir Anne und Daniel vom Flughafen abholen und eine gemeinsame Woche an Bord verbringen. Unser zweiter Besuch nach dem Lockdown im März 2020! Die letzte Lieferung ist immer noch nicht da. Es sind zwei Pakete, die ein Wingfoilset enthalten. Es gibt weder Nachrichten über den Verbleib noch eine prognostizierte Ankunftszeit. Somit kann die Sendung in zwei Tagen, sechs Monaten oder gar nicht kommen. Ich sitze im Cockpit, Le Marin hinter und der Diamant vor uns, und schreibe diesen Post. Die See auf der Leeseite ist ruhig. St. Lucia ist als Scherenschnitt am linken Horizont zu sehen. Ein sanfter achterlicher Wind und etwas Strömung treiben uns nach Norden. Über die ‚Anse Dufour‘, ‚St. Pierre‘ und ‚Les Saintes‘ steuern wir ‚Pointe à Pitre‘ auf Guadeloupe an. Dominica müssen wir umrunden, um einen weiteren PCR-Test zu vermeiden. Mit guten Wind ist dieses lange Stück in 10 Stunden zu schaffen.  


Marché St. Anne

Joyeux Noël

Wanderpause

beim Rigger

Natürlich repariert der Capitano auch selbst.

Fachgespräche unter Fachleuten


Wanderbegegnungen

Ja, das mag die Rici!

Yoga an Deck mit Regenschauer und Farbenspiel


der Lady Charlyette's neue Kleider

unsere Bucht vom Château Dubuc mit Zuckermühle

Rici's absolute Lieblingsbucht auf Martinique

Kunstgenuss

Parkidylle

nicht das Rad der Zeit

Le Diamant