Samstag, 5. Februar 2022

Boxenstop in Le Marin auf Martinique (Karibik)

Die Bootswerft von Henry Amel befindet sich in La Rochelle. Im Mittelmeer und auf Martinique hat sie je eine Werkstatt eingerichtet. Ameleigner nutzen das Angebot in der Karibik gern, um ihr Schiff auf Herz und Nieren durchchecken zu lassen. Das kleine Handwerkerteam hier in Le Marin ist so gut drauf, dass Reparatur- und Wartungsarbeiten sogar deutlich besser laufen, als am Mutterstandort in Frankreich. So liegen wir mit anderen Amel 54, 55, 60, Maramu’s, und Supermaramu’s dicht an dicht nebeneinander an einem langen Steg. Jeden morgen kommt der Oberarzt Alban mit seinen beiden Fachärzten auf seinem Fahrrad auf dem Ponton zur Chefvisite entlang. Ihre Patienten liegen rechts und links in ihren Betten. Parallel oder nach und nach werden alle Krankheiten behandelt. Wer will, bekommt auch noch eine Kur und Gesundheitshinweise. Das Dreamteam ist immer fröhlich, pünktlich, außerordentlich kompetent und arbeitet schnell. So ist es kein Wunder, dass auch die Bootsbesitzer gute Laune haben. Ich backe für die Jungs einen Zitronenkuchen und zaubere damit ein zusätzliches Lächeln in ihre Gesichter. Stefan ist so dankbar, dass er einige, nicht mehr benötigte Ersatzteile dort lässt.


Den größten Auftrag bekommt jedoch der Rigger von uns. Das gesamte stehende Gut muss einmal ausgetauscht werden. Im November vereinbaren wir per Email einen Termin für den 27. Dezember 2021. Drei bis vier Tage werden veranschlagt. Die Lady liegt pünktlich am überfüllten Riggerponton im Päckchen und die Arbeiten beginnen planmäßig. Statt drei Tage werden es vier Wochen, was verschiedene Gründe hat. Zuerst beginnen die Rigger mit der falschen Wantenstärke. Beauftragt wurden dickere und so muss ein Teil der Arbeit wiederholt werden. Andere Boote kommen und gehen. Sie haben offensichtlich Priorität oder kommunizieren vielleicht nachdrücklicher. Stefan lässt sich einen neuen Furler aufschwatzen, um den letzten lästigen, verschleißanfälligen von Bamar loszuwerden. Das gute Stück muss aber erst aus Frankreich kommen. Der Vollständigkeit wird oben der völlig intakte Marokko abgebaut (Drahtseil zwischen den Mastspitzen), um später festzustellen, dass neue Teile fehlen. Der zwei Jahre alte Reckman-Furler muss überprüft werden, schließlich hat er gerade noch so Garantie. Beim Aufbau wird ein Teil vergessen, was einen erneuten Ab- und Aufbau erfordert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Unwägbarkeiten aufgezählt habe. Wir verlassen den Riggersteg zwischenzeitlich, um in St. Anne zu ankern, zu schnorcheln, zu schwimmen oder zu wandern und am Amelsteg zu liegen. Letztendlich steht unser Rigg nun. Neue Segel werden aufgezogen und unsere Lady erstrahlt in neuen Kleidern. Beim Segeln schlägt sich nun jede Böe sofort in Geschwindigkeit nieder. 


Zum Schluss schrubben wir all den Dreck von den Arbeitsschuhen vom Deck und genießen unser frischen Zuhause. Eine Lieferung steht noch aus, etwas Zeit haben wir noch bis zu unserer Verabredung mit Anne und Daniel auf Guadeloupe. Der Ausflug auf die Luvseite (Ostseite) der Insel lohnt sich. Dort entdecken wir das wirklich schöne Martinique. Erstaunlicherweise sind im Osten kaum Boote unterwegs. Die Atlantikwellen schütteln uns ordentlich durch und schrecken wohl auch die meisten Segler ab. Auf der ‚Presqu’île de Caravelle‘ gibt es einen 10 Kilometer langen Rundwanderweg und interessante Gutshausruinen einer Zucker- und Kaffeefarm des 18. Jahrhunderts. Ein deutscher Audioguide führt uns über das einsame Gelände des ‚Château Dubuc’, für das nicht nur Eintritt und Maske, sondern auch ein gültiges Impfzertifikat nötig sind. Die Bucht von ‚Le Robert‘ wird zu meinem absoluten Lieblingsort auf der Insel. Eine riesige spiegelglatte See und viele Inseln versetzen mich in die geliebte mecklenburger Binnenseelandschaft. In der Bucht von Le François lassen wir die Lady vor Anker allein und besuchen die ‚Habitation de Clément‘. Ein lohnender Ausflug auf das Gelände einer Rum-Destillerie mit gepflegter weitläufiger Parkanlage, viel Kunst, Historie und alkoholisiertem Zuckersaft in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen.


Am 5. Februar wird es Zeit für den Aufbruch nach Guadeloupe. Am elften werden wir Anne und Daniel vom Flughafen abholen und eine gemeinsame Woche an Bord verbringen. Unser zweiter Besuch nach dem Lockdown im März 2020! Die letzte Lieferung ist immer noch nicht da. Es sind zwei Pakete, die ein Wingfoilset enthalten. Es gibt weder Nachrichten über den Verbleib noch eine prognostizierte Ankunftszeit. Somit kann die Sendung in zwei Tagen, sechs Monaten oder gar nicht kommen. Ich sitze im Cockpit, Le Marin hinter und der Diamant vor uns, und schreibe diesen Post. Die See auf der Leeseite ist ruhig. St. Lucia ist als Scherenschnitt am linken Horizont zu sehen. Ein sanfter achterlicher Wind und etwas Strömung treiben uns nach Norden. Über die ‚Anse Dufour‘, ‚St. Pierre‘ und ‚Les Saintes‘ steuern wir ‚Pointe à Pitre‘ auf Guadeloupe an. Dominica müssen wir umrunden, um einen weiteren PCR-Test zu vermeiden. Mit guten Wind ist dieses lange Stück in 10 Stunden zu schaffen.  


Marché St. Anne

Joyeux Noël

Wanderpause

beim Rigger

Natürlich repariert der Capitano auch selbst.

Fachgespräche unter Fachleuten


Wanderbegegnungen

Ja, das mag die Rici!

Yoga an Deck mit Regenschauer und Farbenspiel


der Lady Charlyette's neue Kleider

unsere Bucht vom Château Dubuc mit Zuckermühle

Rici's absolute Lieblingsbucht auf Martinique

Kunstgenuss

Parkidylle

nicht das Rad der Zeit

Le Diamant

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