Montag, 29. März 2021

Nein, wir hängen nicht fest!

Noch nie waren wir während unserer Reise so lange in einer Region. Nun gut, die Bahamas bestehen uns unzähligen Inseln und es soll Leute geben, die sich über die Anzahl streiten. Obwohl wir hier Lebensmittel zum dreifachen Preis einkaufen, haben wir noch nie so billig gelebt. Keine Restaurants, kein Mietwagen und immer vor Anker liegend, geben wir ansonsten kaum Geld aus. Inseln aus alten Korallenbänken, Sandstrände, Schnorchel- und Kitebuchten, schwimmende Schweine, von Mangroven umwachsene Flüsse, glasklares Wasser mit bunten Fischen, Krabben, Schildkröten, Rochen und Haien bieten genügend Abwechslung. Dieses Paradies ist definitiv eine längere Reise wert und eignet sich ebenso für den Kurzurlaub. Insbesondere in diesen Coronazeiten sind die vielen hundert Inseln ein hervorragender Zufluchtsort, wenn man sich nicht andauern diese furchtbar langen Wattestäbchen in Hals und Nase stecken lassen will.

Genau drei ! Monate verbringen wir allein in den Exumas. Aber in den letzten vier Wochen ist es hier voll geworden. Amerikaner und Kanadier nutzen die Bahamas und insbesondere die Exumas-Platte als Naherholungsgebiet. Motorboote, Trawler genannt, tummeln sich hier ebenso wie Segelboote. Nach einem Abschied mit Lagerfeuer segeln wir nach Eleuthera rüber. Sie ist eine der größeren Inseln der Bahamas und soll sich mit rosa Sandstränden präsentieren. Die müssen wir jedoch erst einmal finden. Ganz im Süden besuchen wir Rock Sound, einen kleinen Ort ohne die begehrten Strände. Deshalb auch der Name. Insbesondere bei Niedrigwasser, geben die Wellen unter den ausgespülten Küstenkanten ein eindrucksvolles Konzert ab. Unerwartet finden wir hier eine ganz besondere Sehenswürdigkeit. Die Cathedral Cave erinnert an Gaudis Sagrada Familia. Licht flutet durch natürliche, runde Öffnungen in die sakrale Höhle. In den hohen geschlossenen Spitzen wohnen unzählige kleine, puschelige Fledermäuse. Bäume wachsen oben drauf und strecken ihre Wurzeln durch den etwa zehn bis zwölf Meter hohen Hohlraum bis zum Grund und bilden zarte, natürliche Säulen. Das muss man gesehen haben!


Nein, wir hängen nicht fest. Auch wenn man es hier ohne Probleme noch viel länger aushalten kann, wird unsere Reise weiter gehen. Spätestens Ende Mai müssen wir uns dünne machen, denn die nächsten Tropenstürme werden unterwegs sein. Nachdem die, bereits im Januar gebuchten, Flüge von Panama nach Deutschland gestrichen wurden, haben wir unsere Pläne noch einmal neu durchdacht, alle Argumente abgewogen, die aktuelle Covid-Situation in Deutschland und anderswo einbezogen, um in diesen Zeiten, mit den sich ständig ändernden Einreisebedingungen, eine möglichst vernünftige Entscheidung treffen zu können. Wir werden eine zusätzliche Atlantikrunde einlegen. Zum Einen brauchen wir im Pazifik noch nicht aufschlagen, da dort immer noch alle Grenzen geschlossen sind. Zum Anderen habe ich Sehnsucht nach meinem Rudel. Ich will meine Familie mal wieder umarmen. Bereits im letzten Jahr mussten wir die Deutschlandreise ganz kurzfristig absagen. Seit über einem Jahr kommt uns niemand besuchen. Also werden wir im Mai das dreiwöchige Crossing über den Atlantik auf uns nehmen, um die Azoren zu erreichen. Vielleicht können wir von dort aus fliegen oder später von den Kanaren. Zur Zeit steppt ja wieder der Bär in unserem Heimatland. Sie nennen es die dritte Welle und sprechen von aggressiven Mutationen. Da kann man nur hoffen, dass sich das Ganze bald wieder beruhigt. 


Inzwischen genießen wir bis Ende April die Bahamas und bereiten uns seelisch, moralisch, körperlich sowie technisch auf unsere zweite Atlantiküberquerung vor. Sie wird noch länger dauern als unsere erste, denn Bermuda lassen wir aufgrund der Covid-Einreisebestimmungen aus.


Video: Segeln in den Bahamas


Abschied von den Exumas

kein Abschiedskuss

Cathedral Cave alla Gaudi (oder umgekehrt)

Cathedral Cave mit Maßstab

Cathedral Cave mit Fledermäusen (die kleinen schwarzen Punkte)

Freitag, 19. Februar 2021

Sprünge zwischen den Jahreszeiten, vom Sommer in den Winter und zurück

Nach Staniel Cay benötigen wir eine Bucht, die uns vor einem 40 Knoten-Westwind schützt. Zumindest warnt die Wettervorhersage vor diesem Tiefdruckgebiet. Das ist in den Exumas nicht so einfach, besonders, wenn man mit einem Tiefgang von 2,10 Meter herum fährt. Zwischen den Inseln auf der Korallenbank der Exumas ist es meist flacher. Da wir immer noch auf dem Weg nach Norden sind, sucht Stefan uns eine Bucht an der Belle Island aus. Die befindet sich zwar bereits im Naturschutzgebiet und jede Nacht muss bezahlt werden, aber eine wirkliche Alternative gibt es nicht. Um dort hin zu kommen, können wir einen großen Umweg fahren oder zwei Sandbänke überwinden, was laut Karten während des Hochwassers möglich erscheint. Es klappt. Mit einigen anderen Booten liegt unsere Lady nun geschützt vor Anker. Noch weht es auflandig, so dass wir noch einmal kiten können. Danach dreht der Wind und nimmt beständig zu. 40 Knoten werden es nicht, aber Böen mit 35 Knoten sind auch ordentlich laut. Besonders unangenehm ist, dass sich die Luft auf 18 Grad abkühlt. Mit Wollsocken, Kaschmirpullover und warmen Haushosen halten wir die heiße Teetasse in den Händen oder verkriechen uns ins warme Boot. Die Heizung hilft abends und morgens. Plötzlich stecken wir mitten im Bahamaswinter.

Danach tasten wir uns kurz vor dem Ende der Flut über die Sandbänke und durch schmale Rinnen. Das Tiefensonar wird ununterbrochen kontrolliert und dann steht dort die 0,0! Ein leichter Ruck geht durch das Schiff und die dicke Köchin wird in den Bug geschickt. Was das bei 23 Tonnen Schiffsgewicht ausmachen soll, sei dahingestellt, denn der Capitano hat das Sagen. Mit den Luftbildern von Google geht es dann besser. Unsere Karten waren nicht ganz korrekt. Die von den Strömungen geschaffene, schmale Rinne, liegt einen Meter neben uns. Dort tasten wir uns weiter und erreichen ohne weitere Grundberührung unseren Ankerplatz. Der Einsatz hat sich gelohnt. Wir sind im Paradies angekommen und mal wieder komplett allein. Die Sonne brutzelt, der Sommer kehrt zurück und im Windschatten kann ich wieder alle Kleider von mir werfen. Den Nachmittag nutzen wir zum Schnorcheln. Ein paar Tage später können wir sogar kiten.

Weiter geht es nach Norden über den Schnorchelspot Rocky Dundas. Bunte Fische und eine Höhle sind die Highlights. Wie so oft in den Exumas, präsentieren sich die Korallen grau veralgt und zerbrochen. Nur kleine farbige Landschaften zeugen partiell vom Neuanfang. Die Insel Shroud Cay ist für ihre Mangrovewflüsse bekannt. Auf einer mehrstündigen Dingitour sehen wir in glasklarem Wasser Rochen, Haie und Schildkröte neben Schwärmen kleiner Fische schwimmen. Besonders beeindruckt mich jedoch die Landschaft aus türkisfarbenem Wasser, kantigem Korallengestein, Luftwurzeln und grünen Blättern.

Am Normans Cay besuchen wir das Flugzeug vom Drogenbaron Pablo Escobar. Es liegt bereits seit einiger Zeit im seichten Wasser zwischen den Inseln. Man munkelt, dass die C-46 schlichtweg überladen war und deshalb ins Meer stürzte. Bis 1982 wird die Insel als Hauptquartier für den Drogenschmuggel genutzt. Heute ist es hier ruhig. Eine neue Marina ist noch im Bau. Der Naturpark liegt nun hinter uns und im Norden lockt ein Funkmast, der Internet verspricht. Also segeln wir weiter bis Highborne Cay. Nach drei Tagen Funkstille läuft das Internet wieder. Hier können wir bleiben.

Yelena und Marcel sind mit ihrer Tomskii bereits auf dem Weg nach Florida. In Highborne Cay lernen wir Andrea und Marco kennen. Sie liegen mit ihrer Gonzo in der selben Bucht. Nach den ersten englischen Sätzen wird schnell klar, dass wir deutsch weiter reden können. Wieder lernen wir ein interessantes, sympathisches Seglerpaar kennen, treffen uns abends zum Wein und tauschen Geschichten aus. Während die Lady einen Abstecher zu nächsten Inselgruppe macht, filmt uns Marco mit seiner Drohne. Andrea ist Fotografin und plant ein Fotoshooting mit mir. Sie hat ihre große Kamera in ein wasserdichtes Gehäuse gepackt und will das Meer in ihre Kunst einbeziehen. Ich spiele das erste Mal in meinem Leben das Model und werde mit einem fröhlichen Nachmittag sowie tollen Bildern belohnt. 

Nun genießen wir bereits zwei Monate die Bahamas. Mit dem nächsten Nordwind müssen wir den Rückweg antreten.

Kitevergnügen vor dem Sturm, Belle Island

Liegeplatz mit gefiederten Nachbarn am Pipe Cay

paradiesischer Kitespot zwischen Compass Cay und Pipe Cay

erstaunlich großer Kaiserfisch zwischen bunten Korallen

Unsere Lady im Abendlicht

kunstvolle Landschaft in den Durchflüssen am Shrout Cay





Ist das Spiegelung oder eher Durchsicht?

Sonnenschutz für die Cockpitfenster

Pause muss sein: Dingitour mit Spaziergang

Korrekturarbeiten für das neue Buch "Covid 2020 - Lockdown unter Segeln"

Der Kapitän ist auch Lektor. Und streng!

Der Sekundenklebermann ist mal wieder am Werk

Nördlichster Ankerplatz zwischen Leaf Cay und Allan´s Cay

Eines meiner Lieblingsbilder von Andrea Di Prima 
https://www.diprimaportraits.com/about


Dienstag, 2. Februar 2021

Zum Thema Videos

Da ich meine Videos nicht immer zweimal hochladen möchte (Internet ist knapp und teuer), werden sie nun nur noch auf YouTube erscheinen. Unter dem Videoreiter findet ihr einen Link, der euch direkt zu meinem Kanal führt. Diesen könnt ihr abonnieren und werdet ab sofort zuverlässig informiert, wenn ein neuer Film erscheint. Das ist praktisch, klappt aber bei diesem Googleblog bekanntlich nicht bei allen so gut. 
Viel Spaß beim Gucken! Das Beste kommt bei mir immer zum Schluss!

I love Staniel Cay

Deshalb bekommt dieser Ort in den Exumas einen eigenen Post. Die ersten Tage ankern wir an einer tieferen Stelle direkt vor dem Ort. Um dort hinzugelangen, muss man zur Flut ankommen und sehr vorsichtig fahren, denn rundherum ist es flach, sehr flach. Dafür liegen wir dann sehr geschützt zwischen Sandbänken und Koralleninseln. Es sind so viele, dass ich sie nicht gezählt habe. Was für eine Kulisse, erst recht, wenn die auf- oder untergehende Sonne unsere Umgebung in romantisches Orangerot färbt. Zu den Supermärkten im Ort und den Sehenswürdigkeiten im Wasser ist es auch nicht weit. 

Auch wenn es auf den Bahamas sehr teuer ist, wird jeder Einkauf zu einem Erlebnis. Der Preis hat nicht mehr die Priorität. Die alles entscheiden Frage ist, ob du überhaupt etwas bekommst. Ich brauche auch keinen Einkaufszettel, denn wir nehmen - von dem sehr begrenzten Angebot - alles, was uns zusagt. Unser Ankerplatz liegt strategisch so gut, dass wir die Postboote ein- und auslaufen sehen. Am Sonntag kamen gleich drei und deshalb wird am Montag eingekauft. 150 Dollar bezahlen wir. Dafür wandern Tomaten, Gurken, Brokkoli, Möhren, ein paar Kartoffeln und sogar sechs kleine Avocados in unseren Beutel. Außerdem nehmen wir die letzten zwei Becher Joghurt und Sourcreme, für je acht Dollar, mit. Erst haben wir noch ein schlechtes Gewissen, aber dann wird uns bewusst, dass wir für das Einkaufsmanagement der Supermärkte nicht verantwortlich sind. Diese müssen sich wohl erst wieder an die Yachtis gewöhnen, die gern an Bord kochen.

Ein Höhepunkt ist zweifelsohne die Thunderballgrotte aus dem gleichnamigen James Bond Film. So viele Fische tummeln sich in diesem geschützten Hohlraum einer Koralleninsel. Der Lichteinfall durch die großen, höhlenartigen Öffnungen unter Wasser ist einmalig. Klar werden die Fische hier gefüttert, aber wir sind zwei Mal dort und immer allein, dank Corona und ein wenig Glück. Wir schnorcheln um ein gesunkenes Flugzeug und Auto herum, sehen Feuerfische und bunte Kaiserfische, Schildkröten, Rochen und bis zu 2,50 Meter lange Haie, Ammenhaie. Die sind auch gefährlich, aber in der Regel friedlich. Das Beste daran ist, dass ich meine unerklärliche Haiphobie, die mich seit meiner Kindheit gepackt hat, verliere. Ein tolles Gefühl, nicht mehr, nur bei dem Gedanken an einen Hai, im Wasser gleich panisch zu werden. 

Dann ankern wir um und legen uns, geschützt vor dem aufkommenden Wind, in das Ankerfeld vor dem legendären „Pig Beach“. Hier leben die berühmten Bahamasschweine. Diese schwimmenden Vierbeiner will ich schon lange mal persönlich begegnen. Tage vorher sammle ich bereits Gemüseabfälle und horte sie gut verpackt im kalten Kühlschrank. Unser Besuch wird zum Erlebnis, aber wie bei Haien, die Blut schnuppern, sind diese Schweine unberechenbar, wenn sie Futter sehen. Vorsichtig tasten wir uns ran und mehrmals suche ich schützende Deckung hinter dem Dingi. An Land traue ich mich nur ohne Futter. Diese Viecher haben Zähne und benutzen sie auch! Dann will ein kleiner Keiler sogar in unser Schlauchboot, vielleicht gibt es ja noch etwas unterm Ladentisch. Was für ein Schreck! Schnell suchen wir im tieferen Wasser Schutz. Wenn sie schwimmen, können die hungrigen Kerle nicht springen.

Nach einer Woche erst geht es weiter nach Norden. Eine Entscheidung ist gefallen. Den Rückweg nehmen wir nicht über die weiter östlich gelegene Inselkette sondern auf gleichem Weg durch die Exumas. Einige Plätze wollen wir einfach noch einmal sehen.

Licht und Schatten


Nixe spielt mit Sergeanten

Wracks ohne auslaufendes Öl sind Fisch- und Korallenparadiese


Schattenspiele


Stachelrochen auf Futtersuche



Huch ... !


Romantischer geht es kaum - Der Dank für das Bild geht an Ute!


Künstlicher Sternenhimmel

Mittwoch, 20. Januar 2021

Inselparadies Exumas

Sie werden unter den Seglern hoch gelobt und diese Korallenplatten unter dem Meeresspiegel, von der so viele Spitzen durch die Wasseroberfläche ragen, haben es verdient. Nach Venezuela befinden wir uns gerade im schönsten Inselparadies unserer Reise. Wie viele Inseln es sind, weiß keiner so genau. Manche tauchen nur bei Ebbe auf. Nur wenige sind bewohnt. Unsere Segelstrecken sind kurz, um so viel wie möglich zu sehen. 

In Lee Stocking Island sehen wir beim Schnorcheln sechs Stachelrochen, jeder mit einem Durchmesser von mindestens drei Metern. Die Strömungen sind auf unserem Ankerplatz so stark, dass man sich auf einem Wildwasserfluss wähnt. 

Am Rudder Cay liegen wir direkt vor einer Höhle im ausgefransten Korallenskelett, welches die Insel bildet. Hier braucht man nicht nass und salzig werden. Wenn die Wasseroberfläche spiegelglatt ist, kann man alles vom Boot aus perfekt erkennen. Wir schnorcheln trotz dessen in diesem türkisfarbenen, glasklaren Wasser und sehen Schildkröten sowie viele bunte Fische um einzelne Korallenköpfe schwimmen. Bei Ebbe erscheinen die Inseln wie die schwebenden Felsen in Avatar, weil die Wellen mit der Zeit den Sockel dünn spülen. Auf dem Meeresgrund liegt eine Nixe an einem Flügel. Nur etwa drei Meter unter der Wasseroberfläche können wir uns mit Gewichten am Gürtel kurz dazu setzen.

Auf Little Farmers Cay finden wir ein belebtes Dorf, essen Conches (Fechterschnecken), treffen einen Holzschnitzer und laufen während unserer Wanderung um die Insel auf dem Rollfeld des Airports entlang. Der Oven Rock, auf dem ein Seeadlerpärchen brütet, liegt gleich gegenüber. Sie meckern mächtig rum, als wir ihnen näher kommen und die Ankerkette rasselt. Hier finden wir eine Höhle mit Stalaktiten und Stalakmiten. Mit den Cenotes in Mexiko kann sie nicht mithalten, zu zerstört sind die Tropfsteine aufgrund der unbeaufsichtigten Besuche. Sie ist es trotz dessen wert, ebenso wie das rostige Wrack auf dem Strand.


Mal wieder frischer Barrakuda 

Guten Morgen, ein traumhafter Sonnenaufgang speziell für euch in Pixel gebannt.

Die schwierige Sache mit der Tide, verlässliche Voraussagen gibt es wohl in den Bahamas nicht. Sie sind eben flach.

Ein riesiger Hühnergott aus altem Korallenskelett, und wir mittendrin.

Sie soll im Auftrag von David Copperfield angefertigt und platziert worden sein und wartet auf Besucher.

Die Seeadlermutter, findet es nicht lustig, dass wir ihr so auf den Pelz rücken. Ich will nichts von ihren Kleinen und traue mich aufgrund ihres aufmerksamen Blicks auch nicht zum Horst. Aber ich kann auch nicht aus meiner Haut und muss ein paar Fotos machen. 
Mutter Natur kreiert so wunderschöne Geschöpfe.

Im Moment eines meiner Lieblingsbilder von meinem Capitano.


Sonntag, 10. Januar 2021

Malaria vs Covid

Nachdenklich!

Ich schreibe gerade an meinem Kambodschabuch. In Südostasien ist Malaria ein Problem. Auf unserer Reise mussten wir uns für oder gegen die Präparate zur Vorbeugung entscheiden. Diese versprechen jedoch keinen kompletten Schutz, mildern eventuell die Symptome und müssen durchgängig eingenommen werden. 2004 sollen weltweit 1,8 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben sein. 2017 erkrankten 218 Millionen Menschen, 435 000 starben. Die Fallzahlen steigen im Moment wieder an. Eine Impfung gab es gegen das Sumpffieber nicht. Seit Jahren forscht man nach wirksamen Mitteln. Heute verspricht das beste Präparat eine Wirksamkeit von mindestens 75 Prozent. Als Reiseimpfstoff eignet er sich jedoch nicht. 

Covid-19 hat seit Ausbruch vor einem Jahr 88 Millionen Erkrankte und 1,9 Millionen Tote auf dem Gewissen. Für diesen Virus gibt es 2020 ebenso keinen Impfstoff. Im Unterschied zu Malaria trifft es nicht nur die armen Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart. Dieses Mal sind alle betroffen. Die Regierungen der Länder reagieren unterschiedlich und auch die Fallzahlen sind sehr unterschiedlich. Ähnlich wie bei Malaria Moskitonetze und Mückenspray vorbeugend helfen können, versucht man sich mit Masken und Desinfektionsmitteln vor Covid schützen. Das ergibt Sinn.

Aber was ist mit all den anderen Einschränkungen? Die Verbote Läden, Restaurants und Hotels zu öffnen töten nicht nur Unternehmen und Existenzen, sie verändern unser soziales Leben. Gebote, sich nicht mehr treffen und gegenseitig besuchen zu dürfen, machen einsam. Schlimmer noch, gegenseitige Denunziationen erinnern mich an dunkle Nazi- oder DDR-Zeiten. Viele sind verunsichert und warten ab, was die Regierung als nächstes vorgibt. Das eigene Denken wird nicht unterstützt. 

Auch wenn ich Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit richtig und wichtig finde, muss man sich fragen, ob sie wirklich alle gerechtfertigt sind. Kann man die Folgen dieser Restriktionen überhaupt messen? Ich denke nicht nur an den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch an die psychologischen, emotionalen und damit auch physiologischen. Sollten die Regierungen nicht eher aufklären und informieren, Forschung unterstützen und die Verantwortung für den präventiven Schutz beim Einzelnen lassen. Wir sind doch selbständig denkende Menschen und vor den Mücken schützen wir uns doch auch entsprechend. Sollten die finanziellen Mittel nicht eher für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden, statt Ausgangssperren zu verhängen? Seit März ist doch nun genug Zeit gewesen die Krankenhäuser entsprechend auszurüsten und auch neue zu bauen, um alle Erkrankte entsprechend versorgen zu können. Was macht Covid-19 eigentlich so besonders, das unser gesellschaftliches und soziales Leben nicht nur in Frage gestellt, sondern abgeschafft wird?

Ich habe es gut, bin auf Reisen und muss im Moment kein Geschäft am Laufen halten. Ich muss keine Mitarbeiter und deren Sozialabgaben mehr bezahlen, keine Miete und all die anderen Rechnungen. Aber was ist mit dem Mittelstand, der bisher Deutschland finanzierte? Was ist mit all den Künstlern, die unser Leben bereichern? Was ist mit all den Selbständigen, welche mit Kraft und Mut ihr Einkommen sichern und nicht Vater Staat auf der Tasche liegen? Was ist mit all den Unternehmen, die keinen Speckgürtel auf dem Konto haben? Was passiert eigentlich, wenn all die Steuereinnahmen fehlen und dem Staat das Geld für notwendige Verbesserungen schlichtweg fehlt? Was passiert mit uns? Werden wir offen und herzlich bleiben oder uns verbittert einigeln? Werden wir uns lenken und die Verantwortung über uns anderen lassen oder selbständig denken und handeln? Werden wir friedlich, tolerant und demokratisch bleiben oder trägt man die Meinungsverschiedenheiten wieder mit Gewalt aus?

Ich glaube, die Einschränkungen müssen ein Ende finden. Die vorhandenen Kapazitäten sollten für Forschung, Infrastruktur und Bildung verwendet werden. Die Regierungen sollten den Menschen zutrauen, die Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können. Wir sind kreativ, mutig, anstrengungsbereit, ausdauernd und können unsere Geschicke lenken. Und steckt man sich trotz aller Vorsicht trotz dessen an, ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass im Krankenhaus ein Arzt für mich Zeit hat.



Freitag, 8. Januar 2021

Inselparadies Bahamas

Über 2000 Inseln, Cays und Atolle bilden die Bahamas und nur 30 Inseln sind bewohnt. Inzwischen haben wir schon so einige Inseln gesehen und sie sind nur ein Bruchteil davon. Von Georg Town Richtung Norden liegen die felsigen oder sandigen Landfetzen der Exumas wie eine dicke Spur Brotkrumen im Meer. Wir wollen so viele sehen wie nur möglich und doch grenzen die Ankerplätze die Zahl aufgrund unseres Tiefgangs ein. Hier wäre der leichte und flache Katamaran mir seinen Steckschwertern genau das Richtige (gewesen). Wir sind trotz dessen froh über unsere Lady, auch wenn sie immer etwas mehr als 2,20 Meter Wassertiefe benötigt, auch bei Ebbe. Sie hat uns auch durch schwere See sicher her gebracht.

Aufgrund Corona, haben wir die Ankerplätze meist für uns allein. Nicht ganz, denn wir reisen immer noch im Tandem mit der Tomskii und finden es gut. Außerdem sind dann doch noch einige andere Segler unterwegs. Meistens kommen sie aus den USA oder Kanada. Das ist ja auch nicht so weit. Wenn wir dann mal auf Europäer treffen oder gar eine deutsche Flagge sehen, lohnt der Gang zum Funkgerät, obwohl wir diesen Kommunikationskanal eher sparsam nutzen. So treffen wir auf die Munot mit Annette und Theo, die vor ihrer Weiterfahrt, extra noch einen Abstecher zu unserem Ankerplatz machen und sich Zeit für einen Kaffee nehmen. Sie kreuzen seit 6 Jahren durch dieses Inselparadies. Während der Hurrikansaison wird das Boot sicher geparkt und nach Hause geflogen. In Europa ist ja Sommer. 

Gestern haben wir die ersten berühmten Bahamasschweine besucht. Eine Familie mit zwei gescheckten Ferkeln rennt zum Strand weil der Motor heran knattert. Sie sehen mit ihren langen Beinen wie sehr sportliche, bepelzte Hausschweine aus und schauen neugierig zu unserem Dingi hinüber. „Ob wir etwas Futter mitgebracht haben?“ So ein Schwein ist jedoch nicht dumm und das Wasser ist kalt. Also checkt man erst einmal die Lage. Ohne Futter lohnt sich das Schwimmen nicht so sehr. Wir bleiben lieber im Bötchen. Vielleicht haben sie Hunger oder nicht genügend Respekt vor dem Menschen. Außerdem würden wir in ihr Revier eindringen. Vorsicht ist die Mutter der Pozellankiste, besonders auf Reisen.

Die Bahamas im Winter sind nichts für ungeübte Segler. Die Winde ändern sich täglich und drehen sich im Kreis. Von Norden weht er ganz plötzlich auch mal kräftiger und kalt ist er sowieso. Das tägliche Studium der Vorhersagen ist deshalb im Moment sehr wichtig, auch wenn man einen ruhigen Ankerplatz gefunden hat. Aber es ist wundervoll hier. Dieses Inselparadies kann sich durchaus mit den Malediven messen. Wir haben jetzt noch zwei Monate um unsere Runde nach Norden und zurück zu drehen. Anfang Mai wollen wir spätestens in Panama sein.


Yelena zeigt mir, wie man richtige Paella kocht

gemeinsames Essen am Strand bei Sonnenuntergang

Ankerbucht vor Black Island

zwei Hühner am Strand mit einem Kunstwerk von Mutter Natur

erst einmal die Lage sondieren

ein Ferkeljunge ist besonders neugierig


Sonntag, 27. Dezember 2020

Weihnachten in der Karibik

Das Fest der Familie in der Ferne zu feiern, ist für uns nicht neu. Es gab Jahre, in denen waren die beiden Wochen über den Jahreswechsel die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen. Nun sind wir jedoch bereits so lange unterwegs. Die meisten unserer Lieben haben wir vor 18 Monaten das letzte Mal gesehen. Sie fehlen und die Weihnachtstage verdeutlichen es um so mehr. Insbesondere in diesem Jahr mit dem Wissen, dass die Beschränkungen, aufgrund des immer noch allgegenwärtigen Virus, meiner Mutti die erste einsame Weihnacht ihres Leben verursachen. Sie schlägt sich tapfer, aber schön ist das nicht. Immerhin ermöglichen das Internet und gut funktionierende Programme meistens eine unkomplizierte Kommunikation. Diese Anrufe sind jedoch nur ein unzureichender Ersatz. Wir sind unterwegs, dürfen die Welt sehen und auch Covid-19 konnte uns noch nicht wirklich aufhalten. Diese Reise ist ein großes Glück und man kann eben nicht alles haben. So müssen wir auf unsere Familie und Freunde vorerst verzichten.

Auch wenn derzeit nur wenige Segler unterwegs sind, so sind wir nicht allein. Unsere Tandemfahrt mit der Tomskii beschert uns ein Weihnachtsfest mit neu gewonnenen Freunden. Es gibt zwar keinen grünen Tannenbaum, aber karibische Weihnachtsdeko, Plätzchen, gemeinsame Essen, Weihnachtsmusik, kleine Geschenke und ein Spieleabend lassen die Tage besonders werden. Selbst Santa Claus kam auf einem Elektrofoilboard vorbei. Statt mit dem Snowboard durch den Pulverschnee zu surfen, genießen wir die Inselwelt der Bahamas mit Strandspaziergängen, Schwimmen und Kiten. In der Lagune wohnen Delfine. Sie kommen uns auf ihrer täglichen Runde regelmäßig besuchen und kreisen lange um die Boote während ihrer geruhsamen Futtersuche. So steige ich mit ins Wasser, treibe mit Schnorchel und Taucherbrille an der Wasseroberfläche und kann diese friedlichen Tiere unter mir beobachten.

Weihnachtsessen mit Yelena und Marcel auf der Tomskii Kastan

Charly mit Geschenken, Plätzchen und Weihnachtsbäumen aus Schneckenhäusern

Romantik zu zweit kommt nicht zu kurz.

Obwohl Weihnachten ein paar Touristen angekommen sind, sind wir fast allein am Strand.

Auch in der Karibik ist Santa Claus warm angezogen.

Direkt vor der Haustür eine wundervolle Bucht zum Kiten

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk