Freitag, 2. Juli 2021

5 Wochen in unserem Rudel

Trotz des ganzen Aufwandes mit zusätzlichen PCR-Tests und immerwährenden Ungewissheiten wagen wir den Deutschlandbesuch. Immerhin haben wir unser Rudel bereits seit zwei Jahren nicht mehr beschnuppert. Aufgrund der Corona-Pandemie hatten wir auch seit März 2020 keinen Besuch mehr an Bord. Bevor es zum Ende des Jahres wieder in die Karibik geht, ist immerhin die Reisestrecke kürzer. In Deutschland entspannt sich die Covid-Situation gerade ein wenig. Es scheint, wir haben mit dem Juni einen günstigen Zeitpunkt erwischt. In Hamburg dürfen die Restaurants und Läden wieder öffnen, was jene Bewohner in Scharen an die frische Luft, in die Parks, auf die Alster und ihre Kanäle treibt. Ich kann nicht sagen, was voller ist, die Wiesen und Wege oder die Wasseroberfläche. Wir erleben das erste Wochenende in der nordischen Großstadt mit echtem Frühsommerwetter und werden unweigerlich an Goethes Osterspaziergang erinnert. 

„Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

denn sie sind selber auferstanden.

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern…“


Ich genieße das Wiedersehen mit Anne und sie bewirtet uns köstlich. Von ihr habe ich einen Großteil meiner Kochkunst gelernt und inzwischen hat sie ihre weiter vervollkommnet. Zwei gemeinsame Tage mit Anne, Daniel, Lucy und Edgar. Wir genießen jede Sekunde! 


Dann geht es weiter nach Rostock und ich schließe mein Schwesterherz in die Arme. Ihre Jungs sind junge Männer geworden. An den Kindern sieht man erst, wie lang 730 Tage sind. Anton läuft gerade in die Ziellinie seines Abimarathons ein. Ein Lauf, der in Coronazeiten deutlich selbständiger und mit viel weniger Boxenstopps absolviert werden muss. Und dann müssen die Prüfungsfragenerfinder in Mathematik ihre bereits seit Jahren bewiesenen Gemeinheiten noch verdoppeln. Ich verstehe diese Strategie nicht und werde wohl auch nicht mehr dahinter steigen. Sie hat gar nichts mit Pädagogik zu tun und wirkt in keinster Weise positiv auf die Entwicklung unserer jungen Erwachsenen. Das krasse Gegenteil ist der Fall! Anton kann trotz aller Hindernisse ein gutes Abitur vorweisen und wir sind alle stolz auf ihn. Seine Lehrstelle bei den Panzerknackern hat er sicher. Mein großer Neffe wird Goldschmied wie seine Mutter. Nun sind aber erst einmal Ferien und die brauchen beide Jungs dringend. Theo hat noch ein Jahr, um sich auf diesen unsäglichen Marathon vorzubereiten. Dann geht es auch für ihn ins Rennen.


Wir genießen zwei Wochen in Rostock, besuchen täglich Freunde, erzählen und essen. Tagsüber erholen wir uns in Netti´s und Thorstens Oase und erledigen ein paar notwendige Arztbesuche. Ute und Bernd haben nun einen Garten und genießen ihre grüne Insel. Ines baut sich weiterhin ein neues Leben auf und wehrt sich standhaft gegen emotionale Angriffe. Iris und Detlef müssen gerade die liebe Mama beerdigen und haben trotz dessen Zeit für uns. Was der Alltag für die einen ist, wird für uns zum anstrengenden und doch so wundervollen Intensivtrip. Der Kontrast zu unserem Bootsleben in einsamer Zweisamkeit ist überwältigend. Wir feiern Joachims Geburtstag und stutzen gleich ein paar Bäume im Garten. Belinda und Maxe stellen uns ihre Partner vor, mit denen sie seit geraumer Zeit glücklich sind. Wir treffen uns vor Restaurants oder kochen gemeinsam, sitzen im Garten oder auf der Terrasse, immer mit leckeren Speisen und viel Gesprächsstoff. 


Dann gehts für eine Woche nach Templin, umweltfreundlich und preiswert mit dem Zug. Wenn man Zeit hat, lässt sich die entspannte Fahrt selbst mit Umwegen genießen. Wir feiern Muttis Geburtstag, erleben das wirklich schöne Templin mit seinen vielen frisch sanierten mittelalterlichen Fachwerkhäusern, gehen im Lübbesee baden, durchstreifen das wunderschöne "Boitzenburger Land" und gammeln einen ganzen Tag mit einem Floß auf den Feldberger Seen herum. Mir wird wieder einmal mit große Macht bewusst, an welch einem traumhaften Ort ich aufwachsen durfte. Dieses Gefühl, einschließlich einer tiefen Dankbarkeit, überwältigt mich und macht mein Herz ganz weit. Wir treffen meine Schulfreundin Kathleen mit ihrem Mann und vergessen die Zeit auf ihrer Terrasse. Weit nach Mitternacht schlendern wir durch eine warme Sommernacht durch die dunklen Straßen der Stadt. Tags darauf werden wir unkompliziert in Kathleens Arztpraxis gegen das Coronavirus geimpft. 


Unsere letzte Stadtion ist Landshut. Für unsere Tochter planen wir ebenfalls zwei Wochenenden ein. Wir stromern durch ihre neue Heimatstadt an der Isar, die uns im Zentrum sehr an Rostock erinnert, wandern am Donaudurchbruch zur Weltenburg, einem im 7. Jh. gegründeten Kloster, das auf einer Sandbank steht und besuchen Alexanders Eltern. Ein fünftägiger Ausflug in den Schwarzwald ermöglicht uns zwei angenehme Abende mit Stefans Bruder Adrian und seiner Familie. Wir lernen die einzigartigen Orte Altensteig und Berneck kennen, deren Häuser nicht nur auf steinernem Grund stehen, sondern in die steilen Felswände gebaut wurden. So viele Eindrücke in so kurzer Zeit, die erst einmal geordnet und verarbeitet werden müssen. Die letzte Woche wird etwas ruhiger und ich überwinde mich endlich dazu, die Buchhaltung und Steuererklärung für 2020 zu machen. Morgen geht es zurück zu unserem Boot nach Santa Maria in den Azoren. Weitere PCR-Tests sind trotz erster Impfung unumgänglich. Aber all das ist es wert, um unsere Lieben in den Arm zu nehmen, Zeit mit ihnen zu verbringen und emotional auf den neuesten Stand gebracht zu werden. 


Nun hoffen wir auf Gegenbesuche. Kathleen und Marco wollen Ende Oktober kommen. Edgar hat deutlich Interesse geäußert. Mal sehen ob er die Reise umsetzen kann. Die Azoren gehören zu Portugal, welches nun zum Virusvariantengebiet erklärt wurde. Da spielt es keine Rolle, ob die Inseln betroffen sind oder nicht. Will man zurück nach Deutschland, müssen 14 Tage Quarantäne eingeplant werden. Für im Homeoffice Arbeitende und Rentner ist das sicherlich kein Problem. Von September bis November sind wir wahrscheinlich auf den Kanarischen Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro. Danach ist ein letzter Stop in Mindelo auf den Kap Verden geplant, bevor wir im Dezember oder Januar in die Karibik zurücksegeln. Wer ein bisschen weiter fliegen kann und echtes Karibikflair erleben will, dem empfehlen wir Grenada und die Grenadinen im Januar und Februar. Alle Termine ergeben sich grob aus der derzeitigen Planung. Ob es so kommt, wird die Zeit zeigen. Wir freuen uns jedenfalls sehr auf euren Besuch. Sagt Bescheid wo oder wann und wir planen gemeinsam unseren Treffpunkt. Bis bald!


Osterspaziergang in Hamburg an der Alster

Freundinnen fürs Leben

bei Ute und Bernd im Garten

Rudel beim Essen im Rostocker Stadthafen

Ein ganzer Tag mit Iris und Detlef 

Familienzuwachs
(Julian und Angkana sind leider noch nicht in D.)

Erinnerungen schweißen uns zusammen.

in Netti`s Paradies entspannen

Gemeinsam sorgen wir für mehr Licht.

So ein junger Hund steht meist im Mittelpunkt.
(Kiko will ein Therapiehund werden.)


mit Muddi bei Vaddi



gemeinsame Wanderungen in Bayern

beim Pruda mit Familie

wie die Tochter so die Mama
(Oder war es umgekehrt?)


Dienstag, 18. Mai 2021

2789 Seemeilen = 5165,23 Kilometer

 

in 16 Tagen und 20 Stunden = 404 h

6,6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit

39 Motorstunden (meist als Segelunterstützung)

vom 30. April 2021, 8:20 Uhr bis 17. Mai 2021, 4:30 Uhr (Bahamaszeit)

von Nord-Eleuthera, Bahamas bis Santa Maria, Azoren


Unsere zweite Atlantiküberquerung dauerte genau so lange. Wir könnten auch kurz sagen, denn im Durchschnitt planen die Segler etwa drei Wochen, also etwa 21 Tage, ein. Im Allgemeinen gilt der Norden und die West-Ost-Richtung als nicht so komfortabel, wie jene viel weiter südlich gelegene Route in entgegengesetzter Richtung. Immerhin überquerten wir den 37. Breitengrad. Ab dem 40. sollen im Mai noch Eisberge anzutreffen sein. Hier oben entstehen auch all die Stürme, welche sich über den Atlantik bis nach Europa ziehen und unter Seglern besonders gefürchtet sind. Wir waren also auf so einige Unannehmlichkeiten gefasst.


Nach einem Bilderbuchstart verlässt uns der Wind. Wenig war angesagt, aber davon die Hälfte reicht dann doch nicht aus. In den ersten vier Tagen hatten wir 39 Motorstunden, um die Segel zu unterstützen und einen Nachmittag überhaupt voranzukommen. Durchschnittlich sind uns 5,5 Knoten Reisegeschwindigkeit dann doch zu wenig. Ab dem 5. Tag brauchten wir den Motor dann gar nicht mehr und nach Bermudas zieht die Lady wie gewohnt zügig durch das Meer. Dafür müssen wir viel Bewegung im Boot akzeptieren. Der eine Sturm zieht vor uns wie versprochen weg und so nutzen wir die Kante mit mittleren Winden für unsere zügige Reise. Der nächste Wirbel bildet sich erst hinter uns und schiebt, holt uns jedoch nicht ein. Perfekte Bedingungen also!


Mein Anglerglück verlässt mich. Fünf mal befreit sich der Fisch, bevor ich überhaupt am Heck angekommen bin. Dann interessieren sich nur noch die Möwen für meinen Köder. Ich muss ihn rein holen, damit wenigstens etwas von ihm übrig bleibt. So ein dummes Federvieh! Man sollte doch denken, es gehöre zur Überlebensstrategie zu wissen, was gegessen werden darf. Eine Woche sind die Wellen so wild, dass ich die Angel gar nicht erst raus werfe. So wird es eine Überfahrt ohne frischen Fisch. Dafür besuchen uns im zweiten Teil der Reise täglich Delfine. In kleinen und großen Gruppen toben sie sich in unserer Burgwelle aus, haben sichtlich Spaß und bleiben unterschiedlich lange. Für mich sind diese Visiten das absolute Highlight der Reise. Zwar hoffen wir auch auf Walsichtungen, aber scheinbar sind diese Meeressäuger zu beschäftigt.


Aufgrund der guten Wetterbedingungen ging während der Überfahrt fast gar nichts kaputt. Einzig unser Windstärkemessgerät, das normaler Weise seinen Platz ganz oben auf der Mastspitze hat, fliegt uns in der letzten Woche davon. Die restlichen 600 Seemeilen müssen wir dann nach Gefühl segeln. Glücklicherweise bleibt der Wind moderat und konstant. Während der letzten drei Tage müssen wir dann trödeln, um nicht eventuell im Dunkeln anzukommen. Da Segler nie davon ausgehen dürfen, dass der Wind bis zum Ziel beständig weht, werden die Segel gerefft (verkleinert). Mit dem Sonnenaufgang erreichen wir Santa Maria, die südlichste und östlichste Insel des Azoren-Archipels. Obwohl wir nach fast 17 Tagen Quarantäne auf dem Meer die Covid-Inkubationszeit deutlich überschreiten, verhängt man in der Marina die nächste für uns. Erst muss ein Test gemacht werden und nach dem negativen Ergebnis dürfen wir erst richtig einreisen. Sicherheitshalber fordern die aktuellen Richtlinien auf den Azoren jeweils am 6. und am 12. Tag einen weiteren Test. Sicher ist sicher! Die Zwangshaft am Steg nutzen wir, um die Lady gründlich von innen und außen zu putzen. Das ist auch dringend nötig. 


PS: Ausführlicher werde ich in meiner Reisegeschichte zur Atlantiküberquerung. Was wollt ihr genau wissen? Mit euren Fragen könnt ihr meine Erzählung mitgestalten. Ich freue mich darauf.


Bilderbuchstart und letzte Grüße über WhatsApp


Flaute und 7 Meilen vor uns Gewitterwolken.
Rechts neben der Mitte könnt ihr die Windhose erkennen.

Wir schalten das Radar ein, motoren im Slalom durch die Squalls (rote Flecken auf dem Bildschirm) und bleiben verschont. 

Segeln bei Flaute und Entspannung an Deck.

Ausgebaumt, so kompliziert kann Segelsetzen sein.
Bei Rückenwind lohnt sich die Arbeit jedoch.

Ausguck bei rauschenden, weißschäumenden Bugwellen,
die sich sogar an Deck trauen.

Unser Kartenplotter schafft keine 10 000 Meilen.
Wir müssen zurück auf Start 
(in einer Art Gefängnis sind wir ja bereits).

Ich liebe diese fröhlichen und kraftvollen Tiere.
Jeder Besuch wird zum Highlight, immer wieder.

Die Sonne wacht direkt links neben Santa Maria auf. 

Die Insel trägt eine dicke, weißgraue Lockenfrisur.

Sonntag, 25. April 2021

Good Bye Bahamas

Nach viereinhalb Monaten verabschieden wir uns von diesen unzähligen Inseln. Niemals hätte ich geglaubt, dass wir so lange an einem Ort verweilen würden. Es ist schön hier. Schwimmen und schnorcheln gehören zur Tagesordnung, Strandspaziergänge und Dingitouren ebenso.  Aber die nächste Hurrikansaison kommt bestimmt und die Bahamas liegen mitten drin. Möglich, dass sich der erste Wirbelsturm bereits im Mai blicken lässt. Da wir diese wilden Typen ungern persönlich kennen lernen, machen wir uns beizeiten aus dem Staub. 

Deshalb bereiten wir uns nicht nur seelisch und moralisch auf ein dreiwöchiges Crossing über den Atlantik vor. Die Lady wird auf Herz und Nieren geprüft. Das dauert, denn sie hat viele Organe. Der dicke Volvomotor, der ja möglichst wenig zum Einsatz kommen soll, ist so etwas wie eine Lebensversicherung auf hoher See. Alle Segel, die dazugehörigen kleinen Elektromotoren, Winschen und Furler müssen funktionieren, damit unser Haus und Transportmittel den Wind nutzen kann. Wir benötigen den Wassermacher, den Bordstrom inklusive Inverter genauso wie intakte Kühlschränke. Natürlich darf die gesamte Bordelektronik mit Funkgerät, Kartenplotter, allen möglichen Messgeräte und dazugehörigen Sensoren nicht ausfallen. Zusätzlich hat Stefan unser Satellitentelefon wieder angemeldet, aktiviert und getestet. Damit bekommen wir dann hoffentlich die aktuellen Wetterdaten auf hoher See. Schöner Nebeneffekt ist, dass wir regelmäßig eine SMS mit unseren Koordinaten an Belinda versenden können. Sie ist so lieb, als Ansprechpartner sowie Multiplikator zu vermitteln und wird dazu vielleicht eine WhatsApp-Gruppe einrichten. 

Ich bringe die Lady innen auf Hochglanz, prüfe die Vorräte, wasche Bettwäsche, Handtücher und Klamotten. All das ist auf See schwierig und muss deshalb dann für drei Wochen reichen. Mittwoch wollen wir den Supermarkt plündern, unsere drei! Kühlschränke und die Bilgen füllen, zumindest mit dem was zu kriegen ist. Es wird Zeit, dass wir Portugal erreichen. Unsere Vorräte sind aufgebraucht. Dann soll es Donnerstag oder je nach aktuellem Wetterbericht etwas später los gehen. Drei Wochen waren wir noch nie ununterbrochen auf See. Normalerweise gibt es einen Zwischenstopp auf den Bermudas. Wir haben jedoch keine Lust auf einen zusätzlichen PCR-Test. Davon werden wir auf den Azoren noch genug haben. Im Moment drohen sie Einreisenden drei ! an. Doppelt hält besser und mehr ist noch sicherer ;-) Da spielt es keine Rolle, dass ob man vorher drei Wochen auf See war und gar kein Covid haben kann. „Safety first!“

Wir sind so weit und auf die lange Seereise vorbereitet, freuen uns auf die Azoren und vielleicht klappt ja dann auch der Besuch in Deutschland. Macht euch keine Sorgen, denn die Lady ist ein gutes und sicheres Boot, der Capitano weiß was er tut und ich werde ihn nach besten Kräften versorgen sowie unterstützen. Erst einmal sagen wir Ahoi, senden liebe Grüße und melden uns dann Ende Mai von den portugiesischen Inseln mitten im Atlantik wieder.

Beim Schorcheln am Wrack entdecken wir diesen scheuen Hai

Vor der großen Fahrt wird das Unterwasserschiff geputzt (, damit es nicht daran liegt, wenn wir so langsam sind;-)

Freundliche Schweine bekommen von mir natürlich Gemüse und Streicheleinheiten

So sieht es hier beim Zoll aus. Hier lagern u.a. die Ausklarierungspapiere.

Zeit für Wanderungen und Höhlenbesichtigungen bleibt natürlich auch

Einkaufen und Einkehren in Spanish Wells

Hier sammeln sich deutsche Segler zum Crossing

Geburtstagstorte, von junger Frau

Montag, 29. März 2021

Nein, wir hängen nicht fest!

Noch nie waren wir während unserer Reise so lange in einer Region. Nun gut, die Bahamas bestehen uns unzähligen Inseln und es soll Leute geben, die sich über die Anzahl streiten. Obwohl wir hier Lebensmittel zum dreifachen Preis einkaufen, haben wir noch nie so billig gelebt. Keine Restaurants, kein Mietwagen und immer vor Anker liegend, geben wir ansonsten kaum Geld aus. Inseln aus alten Korallenbänken, Sandstrände, Schnorchel- und Kitebuchten, schwimmende Schweine, von Mangroven umwachsene Flüsse, glasklares Wasser mit bunten Fischen, Krabben, Schildkröten, Rochen und Haien bieten genügend Abwechslung. Dieses Paradies ist definitiv eine längere Reise wert und eignet sich ebenso für den Kurzurlaub. Insbesondere in diesen Coronazeiten sind die vielen hundert Inseln ein hervorragender Zufluchtsort, wenn man sich nicht andauern diese furchtbar langen Wattestäbchen in Hals und Nase stecken lassen will.

Genau drei ! Monate verbringen wir allein in den Exumas. Aber in den letzten vier Wochen ist es hier voll geworden. Amerikaner und Kanadier nutzen die Bahamas und insbesondere die Exumas-Platte als Naherholungsgebiet. Motorboote, Trawler genannt, tummeln sich hier ebenso wie Segelboote. Nach einem Abschied mit Lagerfeuer segeln wir nach Eleuthera rüber. Sie ist eine der größeren Inseln der Bahamas und soll sich mit rosa Sandstränden präsentieren. Die müssen wir jedoch erst einmal finden. Ganz im Süden besuchen wir Rock Sound, einen kleinen Ort ohne die begehrten Strände. Deshalb auch der Name. Insbesondere bei Niedrigwasser, geben die Wellen unter den ausgespülten Küstenkanten ein eindrucksvolles Konzert ab. Unerwartet finden wir hier eine ganz besondere Sehenswürdigkeit. Die Cathedral Cave erinnert an Gaudis Sagrada Familia. Licht flutet durch natürliche, runde Öffnungen in die sakrale Höhle. In den hohen geschlossenen Spitzen wohnen unzählige kleine, puschelige Fledermäuse. Bäume wachsen oben drauf und strecken ihre Wurzeln durch den etwa zehn bis zwölf Meter hohen Hohlraum bis zum Grund und bilden zarte, natürliche Säulen. Das muss man gesehen haben!


Nein, wir hängen nicht fest. Auch wenn man es hier ohne Probleme noch viel länger aushalten kann, wird unsere Reise weiter gehen. Spätestens Ende Mai müssen wir uns dünne machen, denn die nächsten Tropenstürme werden unterwegs sein. Nachdem die, bereits im Januar gebuchten, Flüge von Panama nach Deutschland gestrichen wurden, haben wir unsere Pläne noch einmal neu durchdacht, alle Argumente abgewogen, die aktuelle Covid-Situation in Deutschland und anderswo einbezogen, um in diesen Zeiten, mit den sich ständig ändernden Einreisebedingungen, eine möglichst vernünftige Entscheidung treffen zu können. Wir werden eine zusätzliche Atlantikrunde einlegen. Zum Einen brauchen wir im Pazifik noch nicht aufschlagen, da dort immer noch alle Grenzen geschlossen sind. Zum Anderen habe ich Sehnsucht nach meinem Rudel. Ich will meine Familie mal wieder umarmen. Bereits im letzten Jahr mussten wir die Deutschlandreise ganz kurzfristig absagen. Seit über einem Jahr kommt uns niemand besuchen. Also werden wir im Mai das dreiwöchige Crossing über den Atlantik auf uns nehmen, um die Azoren zu erreichen. Vielleicht können wir von dort aus fliegen oder später von den Kanaren. Zur Zeit steppt ja wieder der Bär in unserem Heimatland. Sie nennen es die dritte Welle und sprechen von aggressiven Mutationen. Da kann man nur hoffen, dass sich das Ganze bald wieder beruhigt. 


Inzwischen genießen wir bis Ende April die Bahamas und bereiten uns seelisch, moralisch, körperlich sowie technisch auf unsere zweite Atlantiküberquerung vor. Sie wird noch länger dauern als unsere erste, denn Bermuda lassen wir aufgrund der Covid-Einreisebestimmungen aus.


Video: Segeln in den Bahamas


Abschied von den Exumas

kein Abschiedskuss

Cathedral Cave alla Gaudi (oder umgekehrt)

Cathedral Cave mit Maßstab

Cathedral Cave mit Fledermäusen (die kleinen schwarzen Punkte)

Freitag, 19. Februar 2021

Sprünge zwischen den Jahreszeiten, vom Sommer in den Winter und zurück

Nach Staniel Cay benötigen wir eine Bucht, die uns vor einem 40 Knoten-Westwind schützt. Zumindest warnt die Wettervorhersage vor diesem Tiefdruckgebiet. Das ist in den Exumas nicht so einfach, besonders, wenn man mit einem Tiefgang von 2,10 Meter herum fährt. Zwischen den Inseln auf der Korallenbank der Exumas ist es meist flacher. Da wir immer noch auf dem Weg nach Norden sind, sucht Stefan uns eine Bucht an der Belle Island aus. Die befindet sich zwar bereits im Naturschutzgebiet und jede Nacht muss bezahlt werden, aber eine wirkliche Alternative gibt es nicht. Um dort hin zu kommen, können wir einen großen Umweg fahren oder zwei Sandbänke überwinden, was laut Karten während des Hochwassers möglich erscheint. Es klappt. Mit einigen anderen Booten liegt unsere Lady nun geschützt vor Anker. Noch weht es auflandig, so dass wir noch einmal kiten können. Danach dreht der Wind und nimmt beständig zu. 40 Knoten werden es nicht, aber Böen mit 35 Knoten sind auch ordentlich laut. Besonders unangenehm ist, dass sich die Luft auf 18 Grad abkühlt. Mit Wollsocken, Kaschmirpullover und warmen Haushosen halten wir die heiße Teetasse in den Händen oder verkriechen uns ins warme Boot. Die Heizung hilft abends und morgens. Plötzlich stecken wir mitten im Bahamaswinter.

Danach tasten wir uns kurz vor dem Ende der Flut über die Sandbänke und durch schmale Rinnen. Das Tiefensonar wird ununterbrochen kontrolliert und dann steht dort die 0,0! Ein leichter Ruck geht durch das Schiff und die dicke Köchin wird in den Bug geschickt. Was das bei 23 Tonnen Schiffsgewicht ausmachen soll, sei dahingestellt, denn der Capitano hat das Sagen. Mit den Luftbildern von Google geht es dann besser. Unsere Karten waren nicht ganz korrekt. Die von den Strömungen geschaffene, schmale Rinne, liegt einen Meter neben uns. Dort tasten wir uns weiter und erreichen ohne weitere Grundberührung unseren Ankerplatz. Der Einsatz hat sich gelohnt. Wir sind im Paradies angekommen und mal wieder komplett allein. Die Sonne brutzelt, der Sommer kehrt zurück und im Windschatten kann ich wieder alle Kleider von mir werfen. Den Nachmittag nutzen wir zum Schnorcheln. Ein paar Tage später können wir sogar kiten.

Weiter geht es nach Norden über den Schnorchelspot Rocky Dundas. Bunte Fische und eine Höhle sind die Highlights. Wie so oft in den Exumas, präsentieren sich die Korallen grau veralgt und zerbrochen. Nur kleine farbige Landschaften zeugen partiell vom Neuanfang. Die Insel Shroud Cay ist für ihre Mangrovewflüsse bekannt. Auf einer mehrstündigen Dingitour sehen wir in glasklarem Wasser Rochen, Haie und Schildkröte neben Schwärmen kleiner Fische schwimmen. Besonders beeindruckt mich jedoch die Landschaft aus türkisfarbenem Wasser, kantigem Korallengestein, Luftwurzeln und grünen Blättern.

Am Normans Cay besuchen wir das Flugzeug vom Drogenbaron Pablo Escobar. Es liegt bereits seit einiger Zeit im seichten Wasser zwischen den Inseln. Man munkelt, dass die C-46 schlichtweg überladen war und deshalb ins Meer stürzte. Bis 1982 wird die Insel als Hauptquartier für den Drogenschmuggel genutzt. Heute ist es hier ruhig. Eine neue Marina ist noch im Bau. Der Naturpark liegt nun hinter uns und im Norden lockt ein Funkmast, der Internet verspricht. Also segeln wir weiter bis Highborne Cay. Nach drei Tagen Funkstille läuft das Internet wieder. Hier können wir bleiben.

Yelena und Marcel sind mit ihrer Tomskii bereits auf dem Weg nach Florida. In Highborne Cay lernen wir Andrea und Marco kennen. Sie liegen mit ihrer Gonzo in der selben Bucht. Nach den ersten englischen Sätzen wird schnell klar, dass wir deutsch weiter reden können. Wieder lernen wir ein interessantes, sympathisches Seglerpaar kennen, treffen uns abends zum Wein und tauschen Geschichten aus. Während die Lady einen Abstecher zu nächsten Inselgruppe macht, filmt uns Marco mit seiner Drohne. Andrea ist Fotografin und plant ein Fotoshooting mit mir. Sie hat ihre große Kamera in ein wasserdichtes Gehäuse gepackt und will das Meer in ihre Kunst einbeziehen. Ich spiele das erste Mal in meinem Leben das Model und werde mit einem fröhlichen Nachmittag sowie tollen Bildern belohnt. 

Nun genießen wir bereits zwei Monate die Bahamas. Mit dem nächsten Nordwind müssen wir den Rückweg antreten.

Kitevergnügen vor dem Sturm, Belle Island

Liegeplatz mit gefiederten Nachbarn am Pipe Cay

paradiesischer Kitespot zwischen Compass Cay und Pipe Cay

erstaunlich großer Kaiserfisch zwischen bunten Korallen

Unsere Lady im Abendlicht

kunstvolle Landschaft in den Durchflüssen am Shrout Cay





Ist das Spiegelung oder eher Durchsicht?

Sonnenschutz für die Cockpitfenster

Pause muss sein: Dingitour mit Spaziergang

Korrekturarbeiten für das neue Buch "Covid 2020 - Lockdown unter Segeln"

Der Kapitän ist auch Lektor. Und streng!

Der Sekundenklebermann ist mal wieder am Werk

Nördlichster Ankerplatz zwischen Leaf Cay und Allan´s Cay

Eines meiner Lieblingsbilder von Andrea Di Prima 
https://www.diprimaportraits.com/about


Dienstag, 2. Februar 2021

Zum Thema Videos

Da ich meine Videos nicht immer zweimal hochladen möchte (Internet ist knapp und teuer), werden sie nun nur noch auf YouTube erscheinen. Unter dem Videoreiter findet ihr einen Link, der euch direkt zu meinem Kanal führt. Diesen könnt ihr abonnieren und werdet ab sofort zuverlässig informiert, wenn ein neuer Film erscheint. Das ist praktisch, klappt aber bei diesem Googleblog bekanntlich nicht bei allen so gut. 
Viel Spaß beim Gucken! Das Beste kommt bei mir immer zum Schluss!

I love Staniel Cay

Deshalb bekommt dieser Ort in den Exumas einen eigenen Post. Die ersten Tage ankern wir an einer tieferen Stelle direkt vor dem Ort. Um dort hinzugelangen, muss man zur Flut ankommen und sehr vorsichtig fahren, denn rundherum ist es flach, sehr flach. Dafür liegen wir dann sehr geschützt zwischen Sandbänken und Koralleninseln. Es sind so viele, dass ich sie nicht gezählt habe. Was für eine Kulisse, erst recht, wenn die auf- oder untergehende Sonne unsere Umgebung in romantisches Orangerot färbt. Zu den Supermärkten im Ort und den Sehenswürdigkeiten im Wasser ist es auch nicht weit. 

Auch wenn es auf den Bahamas sehr teuer ist, wird jeder Einkauf zu einem Erlebnis. Der Preis hat nicht mehr die Priorität. Die alles entscheiden Frage ist, ob du überhaupt etwas bekommst. Ich brauche auch keinen Einkaufszettel, denn wir nehmen - von dem sehr begrenzten Angebot - alles, was uns zusagt. Unser Ankerplatz liegt strategisch so gut, dass wir die Postboote ein- und auslaufen sehen. Am Sonntag kamen gleich drei und deshalb wird am Montag eingekauft. 150 Dollar bezahlen wir. Dafür wandern Tomaten, Gurken, Brokkoli, Möhren, ein paar Kartoffeln und sogar sechs kleine Avocados in unseren Beutel. Außerdem nehmen wir die letzten zwei Becher Joghurt und Sourcreme, für je acht Dollar, mit. Erst haben wir noch ein schlechtes Gewissen, aber dann wird uns bewusst, dass wir für das Einkaufsmanagement der Supermärkte nicht verantwortlich sind. Diese müssen sich wohl erst wieder an die Yachtis gewöhnen, die gern an Bord kochen.

Ein Höhepunkt ist zweifelsohne die Thunderballgrotte aus dem gleichnamigen James Bond Film. So viele Fische tummeln sich in diesem geschützten Hohlraum einer Koralleninsel. Der Lichteinfall durch die großen, höhlenartigen Öffnungen unter Wasser ist einmalig. Klar werden die Fische hier gefüttert, aber wir sind zwei Mal dort und immer allein, dank Corona und ein wenig Glück. Wir schnorcheln um ein gesunkenes Flugzeug und Auto herum, sehen Feuerfische und bunte Kaiserfische, Schildkröten, Rochen und bis zu 2,50 Meter lange Haie, Ammenhaie. Die sind auch gefährlich, aber in der Regel friedlich. Das Beste daran ist, dass ich meine unerklärliche Haiphobie, die mich seit meiner Kindheit gepackt hat, verliere. Ein tolles Gefühl, nicht mehr, nur bei dem Gedanken an einen Hai, im Wasser gleich panisch zu werden. 

Dann ankern wir um und legen uns, geschützt vor dem aufkommenden Wind, in das Ankerfeld vor dem legendären „Pig Beach“. Hier leben die berühmten Bahamasschweine. Diese schwimmenden Vierbeiner will ich schon lange mal persönlich begegnen. Tage vorher sammle ich bereits Gemüseabfälle und horte sie gut verpackt im kalten Kühlschrank. Unser Besuch wird zum Erlebnis, aber wie bei Haien, die Blut schnuppern, sind diese Schweine unberechenbar, wenn sie Futter sehen. Vorsichtig tasten wir uns ran und mehrmals suche ich schützende Deckung hinter dem Dingi. An Land traue ich mich nur ohne Futter. Diese Viecher haben Zähne und benutzen sie auch! Dann will ein kleiner Keiler sogar in unser Schlauchboot, vielleicht gibt es ja noch etwas unterm Ladentisch. Was für ein Schreck! Schnell suchen wir im tieferen Wasser Schutz. Wenn sie schwimmen, können die hungrigen Kerle nicht springen.

Nach einer Woche erst geht es weiter nach Norden. Eine Entscheidung ist gefallen. Den Rückweg nehmen wir nicht über die weiter östlich gelegene Inselkette sondern auf gleichem Weg durch die Exumas. Einige Plätze wollen wir einfach noch einmal sehen.

Licht und Schatten


Nixe spielt mit Sergeanten

Wracks ohne auslaufendes Öl sind Fisch- und Korallenparadiese


Schattenspiele


Stachelrochen auf Futtersuche



Huch ... !


Romantischer geht es kaum - Der Dank für das Bild geht an Ute!


Künstlicher Sternenhimmel