Dienstag, 18. Mai 2021

2789 Seemeilen = 5165,23 Kilometer

 

in 16 Tagen und 20 Stunden = 404 h

6,6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit

39 Motorstunden (meist als Segelunterstützung)

vom 30. April 2021, 8:20 Uhr bis 17. Mai 2021, 4:30 Uhr (Bahamaszeit)

von Nord-Eleuthera, Bahamas bis Santa Maria, Azoren


Unsere zweite Atlantiküberquerung dauerte genau so lange. Wir könnten auch kurz sagen, denn im Durchschnitt planen die Segler etwa drei Wochen, also etwa 21 Tage, ein. Im Allgemeinen gilt der Norden und die West-Ost-Richtung als nicht so komfortabel, wie jene viel weiter südlich gelegene Route in entgegengesetzter Richtung. Immerhin überquerten wir den 37. Breitengrad. Ab dem 40. sollen im Mai noch Eisberge anzutreffen sein. Hier oben entstehen auch all die Stürme, welche sich über den Atlantik bis nach Europa ziehen und unter Seglern besonders gefürchtet sind. Wir waren also auf so einige Unannehmlichkeiten gefasst.


Nach einem Bilderbuchstart verlässt uns der Wind. Wenig war angesagt, aber davon die Hälfte reicht dann doch nicht aus. In den ersten vier Tagen hatten wir 39 Motorstunden, um die Segel zu unterstützen und einen Nachmittag überhaupt voranzukommen. Durchschnittlich sind uns 5,5 Knoten Reisegeschwindigkeit dann doch zu wenig. Ab dem 5. Tag brauchten wir den Motor dann gar nicht mehr und nach Bermudas zieht die Lady wie gewohnt zügig durch das Meer. Dafür müssen wir viel Bewegung im Boot akzeptieren. Der eine Sturm zieht vor uns wie versprochen weg und so nutzen wir die Kante mit mittleren Winden für unsere zügige Reise. Der nächste Wirbel bildet sich erst hinter uns und schiebt, holt uns jedoch nicht ein. Perfekte Bedingungen also!


Mein Anglerglück verlässt mich. Fünf mal befreit sich der Fisch, bevor ich überhaupt am Heck angekommen bin. Dann interessieren sich nur noch die Möwen für meinen Köder. Ich muss ihn rein holen, damit wenigstens etwas von ihm übrig bleibt. So ein dummes Federvieh! Man sollte doch denken, es gehöre zur Überlebensstrategie zu wissen, was gegessen werden darf. Eine Woche sind die Wellen so wild, dass ich die Angel gar nicht erst raus werfe. So wird es eine Überfahrt ohne frischen Fisch. Dafür besuchen uns im zweiten Teil der Reise täglich Delfine. In kleinen und großen Gruppen toben sie sich in unserer Burgwelle aus, haben sichtlich Spaß und bleiben unterschiedlich lange. Für mich sind diese Visiten das absolute Highlight der Reise. Zwar hoffen wir auch auf Walsichtungen, aber scheinbar sind diese Meeressäuger zu beschäftigt.


Aufgrund der guten Wetterbedingungen ging während der Überfahrt fast gar nichts kaputt. Einzig unser Windstärkemessgerät, das normaler Weise seinen Platz ganz oben auf der Mastspitze hat, fliegt uns in der letzten Woche davon. Die restlichen 600 Seemeilen müssen wir dann nach Gefühl segeln. Glücklicherweise bleibt der Wind moderat und konstant. Während der letzten drei Tage müssen wir dann trödeln, um nicht eventuell im Dunkeln anzukommen. Da Segler nie davon ausgehen dürfen, dass der Wind bis zum Ziel beständig weht, werden die Segel gerefft (verkleinert). Mit dem Sonnenaufgang erreichen wir Santa Maria, die südlichste und östlichste Insel des Azoren-Archipels. Obwohl wir nach fast 17 Tagen Quarantäne auf dem Meer die Covid-Inkubationszeit deutlich überschreiten, verhängt man in der Marina die nächste für uns. Erst muss ein Test gemacht werden und nach dem negativen Ergebnis dürfen wir erst richtig einreisen. Sicherheitshalber fordern die aktuellen Richtlinien auf den Azoren jeweils am 6. und am 12. Tag einen weiteren Test. Sicher ist sicher! Die Zwangshaft am Steg nutzen wir, um die Lady gründlich von innen und außen zu putzen. Das ist auch dringend nötig. 


PS: Ausführlicher werde ich in meiner Reisegeschichte zur Atlantiküberquerung. Was wollt ihr genau wissen? Mit euren Fragen könnt ihr meine Erzählung mitgestalten. Ich freue mich darauf.


Bilderbuchstart und letzte Grüße über WhatsApp


Flaute und 7 Meilen vor uns Gewitterwolken.
Rechts neben der Mitte könnt ihr die Windhose erkennen.

Wir schalten das Radar ein, motoren im Slalom durch die Squalls (rote Flecken auf dem Bildschirm) und bleiben verschont. 

Segeln bei Flaute und Entspannung an Deck.

Ausgebaumt, so kompliziert kann Segelsetzen sein.
Bei Rückenwind lohnt sich die Arbeit jedoch.

Ausguck bei rauschenden, weißschäumenden Bugwellen,
die sich sogar an Deck trauen.

Unser Kartenplotter schafft keine 10 000 Meilen.
Wir müssen zurück auf Start 
(in einer Art Gefängnis sind wir ja bereits).

Ich liebe diese fröhlichen und kraftvollen Tiere.
Jeder Besuch wird zum Highlight, immer wieder.

Die Sonne wacht direkt links neben Santa Maria auf. 

Die Insel trägt eine dicke, weißgraue Lockenfrisur.

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