Freitag, 15. Mai 2020

Die spinnen, die Römer!

Wie es Asterix und Obelix mit den uniformierten Italienern ging, so empfinden wir es immer wieder mit den Franzosen. Wer denkt sie seinen wie die Deutschen oder ein anderes europäisches Volk, der liegt auf dem Holzweg. Egal, ob du sie in Brest, La Rochelle, Toulouse, auf Porto Santo oder in der Karibik triffst, es ist nicht so einfach.

In bin nun wirklich ein Verfechter für Europa. Wenn es nach mir ginge, bräuchte es überhaupt keine Länder geben, nur unterschiedliche Kulturen in einer großen Erdgemeinschaft. Und jede Kultur hat ihre Geschichte, ihre Traditionen und ihre Besonderheiten. Die Kunst ist, das zu verstehen und zu tolerieren. Damit jeden Tag erneut gelassen umzugehen.

Warum brauche ich inzwischen mal eine Pause von den Franzosen?
  1. Egal, wo man auf sie trifft, im eigenem Land oder auf Tour, sie sind verschlossen. Über ein gemurmeltes Bonjour oder Bonsoir geht es selten. Oft wird der Gruß nicht einmal erwidert. Auf Porto Santo hatten wir eine Familie an Bord und die haben es doch tatsächlich über sieben Wochen geschafft, mein immer wieder geflötetes, geträllertes oder gerufenes Bonjour zu ignorieren. 
  2. Sie bleiben gern unter sich, feiern üppig und treffen sich gern. Sind wir allein unter Franzosen, wie zum Beispiel im Norden von Guadeloupe, dann sehen wir zu. Dies stört uns normalerweise nicht. Aber wenn man nicht weiter darf und vier Wochen zuschaut, dann fühlt man sich ausgegrenzt. Einige Annäherungsversuche scheiterten. Freundlich distanziert werden wir abgewiesen. 
  3. Franzosen sind sehr stolz, besonders auf ihre Sprache. Diese hat so viele feinsinnige Unterschiede, die es zu beherrschen gilt. Obwohl gerade die Segler mehr oder weniger gut Englisch sprechen und verstehen, verweigern sich die meisten dieser profanen, simplen Sprache, diesem harten Sound. Man munkelt, sie trauen sich nicht, weil es nicht perfekt beherrscht wird. Ich glaube jedoch, sie mögen ihre melodiöse Sprache so sehr, dass es als einzige wahres Kommunikationsmittel zählt. Alles andere ist zu gewöhnlich und unter ihrer Würde.
  4. Ich habe angefangen die Sprache zu lernen, weil viele Franzosen das Englische nicht mögen und deutsch erst recht nicht können. Meine Neugier und soziale Ader treiben mich dazu. Die Sprache ist schwer und ich muss so viele Vokabeln immer wieder lernen, weil sie mir irgendwie abhanden kommen. Inzwischen kann ich so einige Sätze sprechen, langsam zwar, aber einigermaßen richtig. Natürlich brauche ich Praxis, aber die Franzosen gucken mich ständig so verständnislos an, dass ich nach mehreren Wiederholungen aufgebe. Selbst so ein einfacher Satz wie: „Vous avez quelque chose sans gluten.“ verstehen sie nicht. Können sie nicht mal wenigsten ein bisschen kreativ sein. In Frankreich gibt es doch auch Dialekte. Warum kann man dann nicht auch einmal etwas ähnlich Klingendes verstehen?
  5. Franzosen sind egoistisch. Das hört sich hart an und bisher dachte ich, es wäre eine besondere Eigenschaft der Deutschen. Franzosen sind besser. Sie machen ihr Ding, gucken nicht nach links und rechts, fragen nicht, sie befehlen, natürlich mit s´il vous plaît. Spring man nicht gleich nach ihrer Nase, gucken sie ganz verhuscht und verstehen vor Überraschung die Welt nicht mehr. 
  6. Eine Boulongerie ist eine Bäckerei, die jedoch selten einer deutschen gleicht. Hier gibt es die unterschiedlichsten Köstlichkeiten vom allseits bekannten Baguette bis zu den leckersten Törtchen und die Auswahl ist riesig. Wir haben es inzwischen aufgegeben nach glutenfreien Angeboten zu fragen und meiden diese Läden, um unnötige Frustration zu vermeiden. Da gibt es diese berühmten französischen Bäckereien an jeder Ecke, aber von glutenfrei haben sie entweder noch nie etwas gehört oder man ignoriert es einfach. Sicher brauche ich nicht zu erzählen, dass es in der Pizzabude keine glutenfreien Pizzen gibt und im Restaurant weder glutenfreies Brot noch glutenfreie Pasta angeboten wird. Einzig die Galettes, Crêpes aus Buchweizen, werden ohne diesen bösen Weizen gebacken. 
  7. Die Franzosen sind dafür bekannt, sich nicht an vorgegebene Regeln zu halten. Sie möglichst zu ignorieren ist selbstverständlich und gehört meist zum guten Ton. Ich weiß nicht genau, ob Regeln sie in ihrer Freiheit einschränken oder es andere Ursachen für dieses Phänomen gibt. Deshalb werden von Staatsseite besonders harte Regeln aufgestellt und diese mit Waffenpräsens durchgedrückt. Anfangs war ich über den militarisierten Umgang mit Corona sehr erschrocken und verunsichert. Heute denke ich, dass dieses Paradoxon aufgrund der immer noch sehr traditionellen Schulbildung besteht. So müssen französischen Kinder zu zweit auf dem Schulhof antreten, um als Klasse das Schulhaus betreten zu dürfen. In der Ecke stehen ist immer noch gängige Strafe. Alles und jedes wird genau kontrolliert. Der Lehrer droht mit den Eltern, Strafen und schlechten Noten. Kein Wunder, dass man dann jede Lücke sucht, sich dem erwarteten Muster zu entziehen. Selbstverantwortung und eigenständiges Handeln wird so wenig geschult. Deshalb sieht man dann auch die Franzosen mit der Maske um den Hals einkaufen, bei Ausgangssperre in großen Gruppen feiern. Sie öffnen ihre Läden obwohl es nicht erlaubt ist und die Handwerksbetriebe arbeiten, was uns letztendlich ja zugute kommt.
  8. Unangenehm sind dann all die, welche einen Posten haben, die Ermahnungen und Zurechtweisungen der Mitbürger ermöglichen. Der Einlasser im Supermarkt zum Beispiel oder die Kassiererin. Nun haben sie endlich einmal die Macht andere herumzukommandieren. Diese wird mit Freude und Konsequenz ausgekostet. Ob du nun nicht genau am roten Streifen stehst, oder einen kleinen Augenblick zu früh ans Laufband trittst, sofort kommt der erhobene Zeigefinger. Wehe wehe, wenn du nicht sofort spurst.
  9. Franzosen mögen keine Deutschen und wenn möglich hält man sich fern von ihnen.  Sicher passen auch in diese Schublade nicht alle hinein, aber wir spüren diese Antipathie. Vielleicht stammt sie aus den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen unserer beiden Völker und ist inzwischen im Erbgut verankert. Ich weiß nur, dass der 2. Weltkrieg dankenswerterweise schon lange her ist und diese Gräueltaten das Miteinander in heutiger Zeit nicht mehr vergiften sollten.

Vielleicht brauchen wir ja wirklich nur eine Pause vom französischen Volk. Vielleicht verzerrt die Zwangsfestsetzung auf zwei französischen Inseln in dieser besonderen Situation meine Wahrnehmung. Wir versuchen uns so gut es geht anzupassen, dankbar zu sein, immer freundlich zu bleiben und das Positive zu fokussieren. Wer weiß wie es auf anderen Inseln zugeht? Immerhin sind wir als Europäer hier fast zu Hause. 

Auf der Maât treffen wir ein fröhliches, offenes, Englisch sprechendes, älteres Pärchen und werden sogar aufs Schiff eingeladen. Mein Reissalat wird hoch gelobt und wir bekommen Wein, der bei den Franzosen nicht unter der Rubrik alkoholische Getränke läuft. Wir treffen auf einen Katamaran mit französischer Flagge und werden überraschender Weise gleich fröhlich begrüßt. Später stellt sich dann jedoch heraus, dass es Belgier sind, die auf diesem Schiff wohnen.

ohne Worte

Donnerstag, 14. Mai 2020

Ordnung muss sein

Wenn man so viele Utensilien benötigt, um ein Dach zu formen, zu schleifen, zu spachteln und anzustreichen, dann müssen wir ganz schön kramen. Normalerweise ist alles ordentlich in Kisten sortiert und in den Bilgen oder auch Schots untergebracht. Das sind die geheimen Stauräume auf einem Boot. Manche findet man unter dem Boden im Salon, andere unter dem Bett oder den Cockpitbänken. Inzwischen liegt so viel benutzter und unbenutzter Kram verteilt im Boot. Da muss mal wieder aufgeräumt werden. Die gröbsten Arbeiten am neuen Dach sind fertig. Nun wird wieder sortiert, verpackt, verstaut. Stefan ist so in seinem Element, dass ich ihn mal ein wenig ablenken muss. Da stellt sich doch heraus, das wir beide locker in das Schot unter der Cockpitbank passen. Das Fotografieren mit dem Selfistick war dann wirklich lustig. Wie bekommen wir uns ganz ins Bild, ohne den Stab mit auf dem Foto zu haben, wenn die Teleskopstücke immer wieder zusammen rutschen?

Alles raus und dann einmal schön sauber wischen.

Wer nicht spurt, muss hier schlafen.




Mittwoch, 13. Mai 2020

Besuch zum Abendessen

Anne und Stefan von der OYA kommen heute zum Dinner. Nach zwei Monaten koche ich mal wieder für vier Personen. Welch eine Freude! Der Tisch wird schön gedeckt, der Rosé kalt gestellt und die Zutaten bereits am Vormittag eingelegt. Damit meine Gewürzmischung auch schön einzieht. Es gibt Curryreis mit gefüllten Auberginen und Gambas. In einigen Auberginen stecke ich nicht nur Mozzarella und Tomaten, sondern auch Hackfleisch, köstlich gewürzt und mit Zwiebeln sowie Knoblauch verfeinert. Das nennt man dann Surf&Turf, Fleisch aus dem Wasser und vom Land in einem Gericht. Derart mit allem beschäftigt, vergesse ich sogar das Fotografieren. Es wird ein wunderbarer Abend. Wie üblich vergeht die Zeit mal wieder viel zu schnell. Im Nachhinein fühlen sich die gemeinsamen fünf Stunden wie ein Wimpernschlag an.

Dienstag, 12. Mai 2020

Coppercoat ist ein Kupfermantel

Nun sind die Jungs endlich so weit. Im Angebot für den neuen Unterwasseranstrich,

Montag, 11. Mai 2020

Seit Ostern das magische Datum

Am Ostermontag nannte der französische Häuptling Macron diesen Tag. Bis zum 11. Mai

Sonntag, 10. Mai 2020

Spachteln, Schleifen, Spachteln, Schleifen

Eine saumäßige Arbeit ist das. Trotz Mundschutz spüle ich mir den Staub mit Wasser in die

Samstag, 9. Mai 2020

Trinkwasserbeschränkungen auf Martinique

Nach unseren heutigen Schleif- und Spachtelarbeiten wollen wir duschen gehen. Der

Freitag, 8. Mai 2020

Extensions für die Lady

Mit Extensions hat’s mein lieber Mann ja. Die scheint er zu lieben. 2018 müssen es gleich vier Verlängerungen an unserem Katamaran sein, je zwei am Bug und am Heck. Dieses Mal fallen sie etwas kleiner aus. Das Cockpitdach muss vorn ein wenig runder werden und an den Seiten sollen Ohren dran. Das sieht dann formschöner aus und dies ist einem Architekten und Designer selbstverständlich wichtig. 

Natürlich macht das auch Arbeit. Schaumstoffstücke müssen zugeschnitten und angeklebt werden. Diese feilt man dann in die richtige Form. Danach kommen Glaslagen drauf, damit alles schön fest wird. Das nennt man in Fachkreisen laminieren. Mit Spachtel und anschließendem Schleifen wird dann alles schön glatt. Ich darf bei den ganz einfachen Sachen helfen. Schließlich soll ich es nicht verderben.

Da schnitzt der Designer.

Die Ohren werden angeklebt.

Rohmaterial für die Spitze

Ich nenne es Schirm, wie bei einem Basecap.

Nun ist alles schön glatt und muss trocknen.



Donnerstag, 7. Mai 2020

Alleinerziehende Mutter mit Zwillingen

Unsere allabendlichen Spaziergänge bringen ab und zu dann doch etwas Unerwartetes.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Die Platten für unser neues Cockpitdach sind fertig

Seit Stefan das Boot gekauft hat, wünscht er sich ein hartes Cockpitdach. Seine erste

Dienstag, 5. Mai 2020

Mobiles Corona-Korallenriff

Wenn Boote im Meer, auf dem See oder in Flüssen schwimmen, dann siedeln sich früher

Montag, 4. Mai 2020

mi amigo oder mon ami

Nachdem unsere Spaziergänge auf alle Hügel der Umgebung führten, fangen wir wieder

Sonntag, 3. Mai 2020

Werftkonzert

Wieder ein Wochenende auf der Werft, auf einem staubigen, heißen Betonplatz, der zum

Samstag, 2. Mai 2020

Korrekturphase meines neuen Buches läuft

Ist das ein tolles Gefühl, wenn man mit dem Schreiben im Groben erst einmal durch ist.

Freitag, 1. Mai 2020

Sanddusche

Eigentlich haben wir heute einen Feiertag. Zu Zeiten der Coronaeinschränkungen, in denen