Donnerstag, 20. Februar 2020

Kitestrand gesucht! oder 2 Wochen Buchtenhüpfen

Den Nachmittag nutzen wir, um uns etwas weiter im Norden einen Kitespot zu suchen. Ein geschützter Ankerplatz, nahe eines Strandes mit auflandigem Wind wird gesucht.
Mit Hilfe der Satellitenaufnahmen von google maps haben wir schon mal recherchiert und so segeln wir mit prall gefüllter Genua Richtung Norden. Die erste Bucht „Trois Rivières“ ist ein Fehlschlag, kein Strand, nur Mangroven. So landen wir in der „Anse du Céron“ mit einem kleinen Strand. Hier übernachten wir und schauen uns das Ganze mit dem Dingi etwas genauer an. Fehlanzeige, der Strand ist viel zu klein, um einen Kite sicher aufbauen und starten zu können. Dafür besuchen wir eine kleine Mangroveninsel, die Reihern und Fregattvögeln als Schlafplatz dient. Erstaunlich, dass sich so unterschiedliche Vogelarten dieses Fleckchen teilen. Was für ein Naturschauspiel! Schaut euch das unter „Videos“ an!

In der „Baie du Marigot“ versuchen wir dann unser Glück. Wir liegen hier sehr idyllisch, wieder allein mit ein paar Fischerbooten vor einem Palmen bestandenen Sandstrand. Leider ist der Wind so böig, dass ich nicht viel Freude habe, Stefan es gar nicht erst probiert und er mich mit dem Dingi zwischen den Fischerbooten wieder einsammeln muss. Aber wir genießen die einsame Bucht und wandern tags darauf zum Strand nach Le Diamant, bis zu einem eindrucksvollen Mahnmal für ein gestrandetes Sklavenschiff mit nur sehr wenigen Überlebenden. Le Diamant ist ein Urlauberort. So können wir hier bei Ernest direkt am Strand sehr lecker essen und etwas mehr im Zentrum selbst gemachtes Eis genießen. Direkt vor der Küste, steht ein unübersehbar großer, durchlöcherter Felsen im Wasser, den wir einen Tag später mit unserer Lady einmal umrunden. Auch wenn das Wetter in dieser Woche sehr wechselhaft ist und uns mit dicken Wolken und viel Regen nicht gerade verwöhnt, habe ich einen Film für euch gemacht.

Unser nächstes Ziel ist die „Grande Anse d`Arlet“. Wir wissen zwar, dass sie zum Kiten nicht geeignet sein wird, aber sie soll sehr schön sein und dort soll man wohl auch Schildkröten sehen. Die schätzungsweise 200 Masten, die dichtgedrängt diese Bucht füllen, schrecken schon ein wenig ab. Aber als wir uns in eine kleine Lücke zwängen, neben uns gesägt und geschleift wird, der Bootsbesitzer sich vor unserer Ankerboje fürchtet und dies lautstark hinüber schreit (französisch natürlich), die Wanten rundherum für eine schrecklich durchdringende Hintergrundmusik sorgen, lichten wir nach der Siesta den Anker und fahren weiter.

In der „Anse Dufour“ werden für für diese Entscheidung belohnt. Vorher kämpfen wir zwar mit den 30-Knoten-Böen hart am Wind und schrotten den Keilriemen im Motor für die Genua. Stefan muss das Segel direkt am Furler mit der Winschkurbel aufrollen und ist nicht nur schweißgebadet, sondern bringt auch einen dicken blauen Fleck am Arm ins Cockpit zurück. Die Buchte ist jedenfalls toll. Nur eine weitere Segelyacht ankert hier, die deutsche Sissi. Natürlich verbringen wir einen Abend gemeinsam mit der Mannschaft und leeren so einige Weinflaschen. Die beiden Brüder Jörg und Jens haben drei Jahre Zeit, um einmal um die Welt zu segeln und werden nach Martinique sofort Kuba ansteuern, um rechtzeitig am Panamakanal aufzukreuzen. Außerdem gibt es eine Menge Badegäste am Strand, von denen viele auf der Wasseroberfläche treiben, um sich die Unterwasserwelt anzuschauen. Und es lohnt sich! Seht selbst im extra für euch zusammengeschnittenen Video. Wenn man genau aufpasst, hört man an einer Stelle auch Walgesänge, die wir auch erst auf den Filmaufnahmen bemerkten.

Unser nächstes Ziel, die „Anse Mitan“ wird nun hoffentlich unser Kitespot. Wir ankern am Pointe du Bout und finden keinen geeigneten Strand zum Starten und Landen. Der Wind bläst zwar schön auflandig, aber was nützt das. Frust macht sich breit. Ich spreche das Starten und Landen vom Heck an. Die verrückten Franzosen machen das sogar bei ablandigem Wind erfolgreich. Stefan ist das zu gefährlich. Wir geben die Hoffnung auf, in nächster Zeit auf dem Board unseren Spaß zu haben. Der künstliche Urlauberort spricht uns nicht sehr an, aber die Burgruine am Pointe du Bout ist sehr interessant.

Unsere letzte Chance zum Kiten suchen wir in der Bucht der „Les Trois Ilets“. Hier sitzen wir erst zweimal auf Grund und müssen uns mit dem starken Volvo aus dem Schlamm fahren, bevor wir einen sicheren Ankerplatz zwischen verlassenen Booten und gestrandeten rostigen Schiffsleichen finden. Statt einem Strand gibt es einen Golfplatz. Ob die das akzeptieren, wenn wir dort einen Kite aufbauen, starten und landen? Wir probieren es gar nicht erst aus, denn zwischen grünem, gepflegtem Rasen und braunem Matschwasser liegt eine Menge Schrott. Aber der Wind weht mal gleichmäßig kräftig und auflandig. Zwischen den Booten ist genug Platz und der Gedanke, es den Franzosen nachzumachen, setzt sich fest. Nach einigen theoretischen Besprechungen und mehreren youtube-videos haben wir einen Plan, der sich einigermaßen sicher anfühlt. Ob er auch funktioniert?

Aus einer Badenudel, einer ausgemusterten Schot und einem Karabiner wird eine Start- und Landeleine gebaut. Eine zweite kleine Sicherheitsleine, hält den Kite beim Auf- und Abbau sowie zum Trocknen am Heck fest. Und es klappt. Drei Tage genießen wir unser Glück in dieser abgelegenen und schlammigen Schrottbucht. Der Ausflug in den kleinen Ort und die Wanderung zum für Touristen nachgebauten Sklavendorf geraten bei all dem Spaß auf dem Wasser schnell in den Hintergrund. Dann geht nichts mehr. Ich kann nur noch seitlich aufstehen, so zwickt der Muskelkater. Nun sind wir für Belinda bereit! Wir setzten nach Fort du France über, putzen das Boot und es gibt auch frische Bettwäsche im Gästezimmer. Belinda, du kannst kommen!

Stefans Kunstwerk zur besseren Orientierung aller Leser

Fregattvögel stauben immer gern was ab.

elegant, scheu und schön

Fregattvogel mal ganz aus der Nähe

Vogelinsel mit Reihern und Fregattvögeln im Hintergrund 
Sonne, Regen, Windböen und Flaute wechseln im Minutentakt
Die Diamantenbucht laufen wir einmal bis zur anderen Seite und zurück.

Rocher du Diamant

Mahnmal für die vielen unschuldigen Toten eines gestrandeten Sklaventransportschiffes

Wir sind auf einer französischen Karibikinsel!

Chez Ernest!

Siesta!

Anse Dufour

eines meiner Lieblingsbilder

Trois Ilets

Moderne trifft Tradition

karibisch, kolonial

Begegnungen am Wegesrand 

endlich mal wieder kiten



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