Samstag, 8. Februar 2020

14 Tage Marina in Le Marin - Die Magie mit der Zeit

Kaum zu glauben, schon wieder sind zwei Wochen rum. Obwohl es rein arithmetisch der gleiche Zeitabschnitt ist wie bei der Atlantiküberquerung,
fühlt sich das ganz anders an und von heute aus betrachtet schrumpfen die längsten zwei Wochen meines Lebens zu einem Tag zusammen. Wie ist so etwas möglich?

Auf der Atlantiküberquerung folgte ein Tag dem anderen mit wenigen Veränderungen. Sie schwammen nicht mehr abgrenzbar ineinander. Nur mit einem zuverlässigen Zeitmessgerät kann man den Überblick behalten. In der Marina jedoch gibt es wieder Termine und Unternehmungen. Wir sind mit Aufträgen beschäftigt und so vergeht die Zeit, wie im Arbeitsleben sehr schnell. 

Natürlich wurde auch viel erledigt:
  • vom gesamten Boot den Saharasand gespült (heute spülte der Regen immer noch Reste aufs Deck)
  • alle Taue gewaschen
  • neue Rettungsinsel gekauft und montiert
  • Motor und Generator gewartet
  • Autopilot wird nachgestellt und gewartet
  • Ruderkocker abgedichtet, der sich übrigens in unserem Bettkasten befindet
  • Trinkwasseraufbereiter bekommt eine neue Membran und wird gewartet
  • Wasserpumpe wird ersetzt
  • defekte Klimaanlage im Salon wird ersetzt
  • Groß und Mizzen werden heruntergenommen und geprüft
  • Ausrollmotor fürs Groß wird nun korrekt eingebaut und funktioniert wieder (zwei unmarkierte Kabel haben wir vertauscht)
  • neues Fall für das Großsegel
  • Seilösen am Spinnakerbaum getauscht
  • die abgefallene Schutzleiste am Mizzenmast wird wieder montiert
  • Rigg geprüft 
  • Ballooner und Fallschirm werden repariert
  • unser Heck bekommt eine zusätzliche Sicherheitsleine
  • der Erstanker „Bügelanker“ wird zum Zweitanker, das Tau durch eine 50m lange Kette getauscht
  • neuer Erstanker „Spade“ mit neuer 70m langer Kette
  • Gästetoilette bekommt ein neues Ventil
  • Tür des Kühlfachs im Kühlschrank gedreht, damit wir sie öffnen können
  • das Solargestänge wird geputzt, da man vom Steg endlich dran kommt
  • viele kleinere und größere Ersatzteile gekauft
  • Bücher mit Seekarten und vielen wichtigen Infos für gesamte Karibik gekauft
  • Großeinkauf, die Bilgen werden wieder gefüllt
  • Fahrräder gespült und gefettet (der Rost ist wirklich schnell)
  • Wäsche gewaschen
  • Haare geschnitten 
  • Französisch gelernt und Buchhaltung gemacht
  • Tagebuch geschrieben und neue Post hochgeladen
  • Videos geschnitten und Fotos bearbeitet
  • gekocht, gegessen, mit neuen Bekannten getroffen, Informationen und Kontaktdaten ausgetauscht, Geschichten erzählt und gelauscht
Ich komme des öfteren aufs Boot und überrasche unbekannte Männer, die in unserem Bettkasten stecken oder zwischen zur Seite gelegten Polstern im Salon heraus lucken. Die Jungs von Amel haben erstaunlich schnell und gut gearbeitet. Auch die anderen Firmen hielten sich meist an die Terminabsprachen. Außerdem gab es viele hilfreiche Tipps für Stefan. Für alle Amelbesitzer: Alles lief so viel besser als in La Rochelle.

Unsere eine Fahrradtour zur Ostküste war wirklich schön, aber aufgrund der vielen Berge sehr anstrengend. Der Wanderweg ist für Räder ungeeignet und wir müssen sie teilweise schultern oder am Strand entlang schieben. Aber wir baden auch an einem mit Palmen bestandenen und Mangroven gesäumten Sandstrand in türkisfarbenem, warmen Karibikwasser. Die Straßen sind hier die Hölle. In neuen Asphalt  wären ein paar Eu-Gelder wirklich sinnvoll angelegt. Wenn man dann mal fahren kann, rüttelt und rumpelt es in alle Gelenke hinein. Zum Glück konnten wir Stürze vermeiden. Deshalb verschieben wir weitere Ausflüge auf später, die wir dann von der jeweiligen Bucht zu Fuß planen werden.

Nach dem ersten Schock über die Preise im hiesigen Supermarkt, erzählten uns erfahrene Karibiksegler, dass man auf Martinique noch am besten einkaufen kann. Was bleibt uns anderes übrig, als es zu glauben und so füllen wir unsere geleerten Bilgen wieder auf. Schließlich haben wir das letzte Mal auf den Kanaren gebunkert, denn auf Kap Verden, war es nicht nur noch teurer, sondern die Regale oft leer. Warum hier selbst Obst und Gemüse so teuer sind, kann ich jedoch nicht verstehen. Auf einer grünen, sonnigen Insel sollte doch so Einiges wunderbar wachsen. Auf dem hiesigen Markt werden viele selbstgebraute Essenzen verkauft. Da trau ich mich nicht ran, obwohl andere Urlauber ohne Hemmungen zuschlagen. Meinen Kräutergarten kann ich nicht erneuern. Selbst eine Samentüte kostet 7 Euro! und Kräuter in Töpfen gibt es hier gar nicht. Ich kaufe das Obst und Gemüse am Straßenrand. Dann fließt das viele Geld zumindest direkt an die Einwohner. Die Avocados sind jedenfalls eine Wucht. Ich habe noch nie so reife und wohlschmeckende gehabt. Das Fruchtfleisch um den Kern herum ist goldgelb. 

Samstag steht ein großer Wagen mit Kokosnüssen vor dem Markt. Der junge Mann köpft mit einer langen Machete eine Nuss nach der anderen und füllt große Plastikflaschen mit dem Kokoswasser.  Das geht so schnell, dass ich mich wundere, dass er noch alle Finger an seiner Hand hat. 1,5 Liter bekommt man für 5 Euro und das Fruchtfleisch gibt es umsonst. So stehen viele Frauen und Männer mit Plastiktaschen rund herum. Ich habe eine Plastikdose dabei und nehme Kokoswasser und ausgeschabtes Fruchtfleisch mit. 

Alle paar Tage kommt eine Mutti mit ihrem Ziehwagen über die Stege gerumpelt und verkauft selbstgemachte Würsten. Natürlich schlage ich trotz der Sprachbarriere zu. Sie stellen sich als Blutwürstchen heraus, aber sie sind scharf und viel feiner als die „tote Oma“, die wir so kennen. Mein Mut hat sich also gelohnt.

Zentrum Le Marin auf Martinique
Stadt der Toten, eine zweite Stadt hinter der Kirche
Selbstgebrautes und -gemischtes für Mutige
Wellnesskur für unseren Volvo 
da versteckt sich die Klimaanlage für den Salon
Ostküste mit schattenspendenden Mangroven 
Blick in die andere Richtung: Sonne und türkisfarbenes Wasser
schöne Wanderwege, aber nicht mit dem Rad befahrbar
der begehrte Saft der Kokosnüsse wird im Akkord in Flaschen abgefüllt, alle Finger sind noch dran

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