Freitag, 18. Oktober 2019

Madeira mit Fähre, Bus, Rucksäcken und booking.com

Was für eine Insel der Gegensätze: Funchal präsentiert sich uns als touristisch ausgerichtete Inselhauptstadt, die es sich leisten kann am Sonntag alle Museen zu schließen.
Die Häuser drängen sich hier dicht an dicht und übereinander gestapelt, bis ins 3 km entfernte und deutlich höher gelegene Monte. Hier lernen wir unsere erste Levada kennen, bewandern sie im Stadtbesichtigungsoutfit bis Camacha und sind völlig fertig. Entkräftet lassen wir uns in der Altstadt mit dem lokalem Degenfisch bewirten und verschwinden früh ins Bett. Am zweiten Tag treffen wir Freunde aus Rostock und essen gemütlich miteinander. Es gibt so viel zu erzählen.

Der Norden hinter den großen fast 2000 Meter hohen Bergen fasziniert hingegen mit einer saftig grünen Natur, steilen felsigen Klippen, die senkrecht aus dem Meer nach oben ragen und sehr kleinen charmanten Ortschaften, die wie Santana sogar Stadt genannt werden. Auf unserer zweiten Levadawanderung tauchen wir in einen tropfenden, dicht bewachsenen Urwald ein, kommen an Wasserfällen vorbei und landen in einem schmalen grünen Kessel, der uns fast vollständig umschließt und über uns 100 Meter in die Höhe ragt. Natürlich fällt auch hier das Wasser von oben senkrecht herab, bildet einen kleinen See und füttert die Levadas, aus Stein gebaute Wasserrinnen, die sich scheinbar waagerecht an den Berghängen entlang schlängeln und doch das Wasser in die Täler, auf die Felder, in die Siedlungen verteilen. Oft sind sie die einzige Möglichkeit, um von A nach B zu gelangen, denn der tropische Regenwald ist hier undurchdringlich, die Berge zu steil und felsig.

Im großen Kontrast zum grünen Dickicht steht unsere Bergwanderung zum Pico Ruivo, der mit seinen 1862 Metern, der höchste Punkt auf dieser Insel ist, auf den man sogar stehen und runter gucken kann. Wir laufen über den Wolken an kahlen Bäumen und Steinen entlang. Etwas Grün hat sich aber auch bis hier her durchsetzen können. Oben angekommen schauen wir auf die skullirsten Felsformationen, die teilweise, wie von Menschenhand gebaut erscheinen. Da staune ich mal wieder über die große Künstlerin Natur.

Über kleine Dörfer geht es über Arco de S. Jorge nach São Vicente, wo wir uns in lange Tunnel begeben, die durch Lava und Gase während der Vulkantätigkeit entstanden. Hier erfahren wir auch, wie jung die Inseln im Vergleich zu unserem guten alten Europa sind. In Porto Moniz sieht man wieder mehr Touristen und wir baden in einem Meerwasserbecken.  An der Westküste benutzen wir noch einmal eine Seilbahn, um durch ein einsames Dorf mit kleinen Gemüsefeldern etwa 500 Meter weiter unten zu spazieren. 

Die Südküste präsentiert sich dann wieder zivilisiert. Caletha ist komplett zersiedelt und verstreut seine tausenden Häuschen über mehrere flache Berghänge und die dazugehörigen Täler. Auch wenn Ponte do Sol und Ribeira Brava den Charme der Fischerdörfer noch versprühen, sind wir hauptsächlich von anderen Touristen umgeben. Der so hoch gelobte Skywalk am Cabo Girão ist die Krönung der Touristisierung. Von einem Spaziegang oder einem Weg kann keine Rede sein, auch wenn der Blick von der gläsernen Plattform 580 Meter in die Tiefe geht. 

Zurück in Funchal besuchen wir das Amt zum Schutz der Natur, in der Hoffnung eine Genehmigung für das Ansteuern der Desertasinseln und der Selvagens zu bekommen. Aber man konnte uns nur sagen, dass wir auf die Antwort meiner bereits vor einigen Tagen verschickten E-Mail warten müssen. 
Immerhin laufen wir inzwischen flink wie die Wiesel und ohne zu schnaufen all die steilen Berge hinauf. 
Unsere zweiwöchige Madeirarundreise endet mit einem wunderbaren Abend in der Marina von Funchal auf der Elise mit Bernadette und Richard, die wir bereits in Porto Santo kennen gelernt haben. Die Zeit reicht immer gar nicht aus, für all das, was es so unter Seglern zu erzählen gibt.


Von den fast 1000 Bildern suche ich nun einige für euch aus.


Blick auf Funchal, Madeiras Hauptstadt im Süden der Insel


Levadawanderung oberhalb von Funchal

Häuser dicht an dicht neben- und übereinander

 Poncha, Madeiras traditionelles Getränk aus Orangensaft, Zitrone, Honig und Rum

 Kleines Dorf zwischen Küste und Felsen mit Feldern

Traditionelle Casa da Santana

Levadawanderung im tropischen Regenwald

Das saftige Grün wächst auf nacktem Fels.

Hier gehts durch einen Tunnel, Taschenlampe ist empfehlenswert.

Über den Wolken bei Achadas das Teixeiras

Auf dem Pico Ruivo, 1862 m über dem Meer

Kunstwerke der Natur

Das Tal von São Vicente

Flussmündung in São Vicente mit Felsenkapelle

Grutas de São Vicente, Lavatunnel bis zu 9 km lang und 6 m hoch

Madeira ist verhältnismäßig jung, die Flüsse schneiden schmale Schluchten in den Stein

Mit dem Bus von Ort zu Ort, Busfahrer kommen vom Morgenkaffee

Meerwasserbecken in Porto Moniz, das in der Mitte ist die Wasserratte

Fisch hängt zum Trocken am Geländer, die Fischer fischen nachts

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