Freitag, 7. November 2025

Canal Lateral à la Garonne

In Toulouse küssen sich der Canal du Midi und der Canal Lateral à la Garonne. Dafür wurde extra ein großes Becken gebaut in dem auch noch der Canal de Brienne beginnt und nach 1560 Metern in die Garonne fließt. All die durchs Zentrum fließenden Wasserläufe machen die Stadt zusätzlich sehr interessant. Wir mögen sie mit all ihren Studenten, Cafés, Museen und Fahrrädern. Hier kann man die Vielzahl moderner Elektrobikes studieren. Manche sind schon eher Mopeds. Etliche haben statt einem Gepäckträger eine gepolsterte Bank mit Geländer, auf denen dann zwei oder drei Kinder sitzen. In Toulouse sind so viele Fahrräder unterwegs, dass Autofahrer von vornherein vorsichtig fahren. In dieser Stadt teilt man sich Fußwege und Straßen, passt ein bisschen auf und wir staunen, wie gut das funktioniert.


Obwohl der Canal du Midi populärer ist, finden wir den Garonne-Kanal sehr viel schöner. Er ist etwas wilder und verwachsener. Ich habe noch nie zuvor so viele Eisvögel gesehen. Zweimal sichte ich einen Wels an der Wasseroberfläche. Man sieht immer ein paar Fische im Kanal. Kolonien von weißen Reihern sitzen in den Bäumen. Das Wasser ist klarer und ich gehe sogar baden. Immer wieder nähert sich die Garonne und wir machen etliche Ausflüge mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Umgebung.


Das letzte Stück bis Bordeaux fahren wir dann tatsächlich auf der Garonne flussab. Auch hier bleiben wir elektrisch unterwegs. Nicht, weil wir mit der Flussströmung reisen, sondern weil wir die Tidenzeiten beachten. Selbst 170 km von der Biskaya sind die Gezeiten so deutlich zu spüren, dass es keinen Sinn macht, gegen sie anzufahren. Es ist unglaublich und am Steg in Cadillac bekommen wir es dann auch mit der Angst zu tun. Da sich die Garonne vom Atlantik wie ein Trichter verjüngt entsteht eine erstaunlich hohe Flutwelle, die sich flussauf wälzt. In Cadillac, mehr als 100 km von der Flussmündung entfernt, warten täglich Surfer auf das Naturschauspiel. Wir erleben unsere erste Flut auf der Garonne im Dunkeln und liegen bereits im Bett. Schon der Wassersog vor der Welle treibt uns schlagartig ins Cockpit. Plötzlich liegen wir etwa einen halben Meter tiefer. Dann strudelt, brodelt und schäumt es an Brückenpfeilern, Uferkanten und am Boot wie auf einem reißenden Wildwasserfluss. Unser schwimmendes Zuhause wird mindestens einen Meter angehoben. Zum Glück hat uns Stefan gut vertäut. Nichts passiert. Schwimmsteg und Boot bleiben heil. Als wir uns das Spektakel 12 Stunden später im Hellen anschauen, sehen wir die Flutwelle auf uns zurollen. Sie ist wirklich so steil, dass man auf ihr surfen kann. 


Von Bordeaux fliegen wir nach Hause. Belinda und Alex heiraten mit der 9 Monate alten Matilda auf dem Arm. Wir genießen die gemeinsame Zeit in einer großen Ferienwohnung. Danach geht es den ganzen Weg wieder zurück bis Toulouse. Abgesehen von den ersten Stunden auf dem Mittelmeer waren wir in diesem Jahr 100 Prozent elektrisch unterwegs. Nur selten mussten wir Landstrom laden. Meistens fahren wir mit Sonnenenergie, alle Geräte, Klimaanlage, warmes Wasser und Kochen inclusive. Diesbezüglich sind wir begeistert. Aber es ist auch etwas langweilig auf den Kanälen. Uns fehlt das klare Meerwasser, der Wassersport. Andererseits ist die Natur so viel näher und wir reisen deutlich komfortabler als in den durchschaukelnden Wellen. 


Nun fliegen wir für den Winter erst einmal nach Olhão in die Algarve. Es wird unsere erste Saison nach acht Jahren in einem eigen Haus, 7 Monate an einem Ort. Wir sind gespannt. Im nächsten Sommer kommen wir wieder, wollen den Canal du Midi bis zum Mittelmeer zurück und dann die Rhone nach Norden hinauf. 


Schaut euch gern die Videos auf YouTube @Reise mit Ricarda an. 

Playlist: Europa



Schleusenalltag





Sonnenuntergangsstimmung

Familie 😍







Sonntag, 25. Mai 2025

Es wird plötzlich eng - Canal du Midi im April und Mai

Zurück in Leucate atmen wir erst einmal durch. Zwei Tage nähen wir noch an unserer Cockpitbude. Dann ist sie fertig und allem in allem sind wir zufrieden. Die größten Herausforderungen sind die vielen Ecken und Wölbungen, die Logistik: wann, was, wie schneiden und nähen und die großen Plastikfensterteile. Die passen kaum in unseren Salon und sind deutlich länger als der Tisch. Was denkt ihr, wie viele Stunden wir insgesamt daran geplant und genäht haben? Tatsächlich waren es 174 Stunden. Nun wissen wir, warum die Angebote ab 10 T€ aufwärts lagen. Das ist absolut gerechtfertigt. Dabei sind da noch nicht einmal die vielen Feinheiten berücksichtigt, die wir natürlich aufgrund der vielen Zeit umsetzen konnten.


Es ist immer noch kalt in Leucate. Auf den Pyrenäen liegt Ende März / Anfang April natürlich noch Schnee und diese Kühlschranktemperaturen bringt der Wind mit an die Küste. Drei Tage haben wir sogar Sturm, der mit 60 Knoten so Einiges in der Marina zerstört. Segel flattern zerfetzt im Wind, Bootsrümpfe schlagen an die Stege und Kaimauern, einige reißen sich los und sinken. Ein trauriger Anblick. Die meisten Boote liegen hier im Winter verlassen, da die Besitzer nur im Sommer kommen. Immerhin konnten wir das Segel und die Lazybag unseres Nachbarn ordentlich befestigen und so zumindest ihm die Reparaturen ersparen. Wir wollen morgens endlich nicht mehr heizen und in wärmere Gefilde. Außerdem zahlen wir im April/Mai 942 Euro pro Monat für den Liegeplatz, statt nur 523 Euro in den Wintermonaten. Also geht es Anfang April los. Wir sind bereit, haben Lust, die Welle auf dem Mittelmeer ist im Moment etwas kleiner und soll von schräg hinten kommen. Das sollte passen. Immerhin sind es nur 12 Seemeilen an der Küste entlang. Ein Kinderspiel!


Dachten wir! Die Welle kommt von schräg vorn und liegt bei etwa 1 bis 1,5 Meter. Wir schaukeln dermaßen, dass nicht nur alles aus den Regalen fällt, sondern sich sogar die Kühlschranktüren öffnen und unsere Lebensmittel auf dem Boden verteilen. Das kann ich nicht bis zur Ankunft so lassen. Also sitze ich auf dem Boden uns sammle gefrorene Blaubeeren ein, die überall herum kullern und natürlich wird mir dabei wieder schlecht.

Stefan dreht den Motor hoch. Er fährt nun mit Diesel und hat  damit genug Power, um mit 12 Knoten das Elend abzukürzen. Für Vollspeed kann sich Stefan nicht durchringen, denn dabei werden die Motoren natürlich besonders durstig. 


In Port-La Nouvelle verlassen wir das wilder Meer für diese Saison und tauchen in die Kanäle Südfrankreichs ein. Am Anfang ist es noch eine normale Hafeneinfahrt, aber danach wird es eng und flach. Der Canal de la Robine empfängt uns mit 70 cm ! Wassertiefe. Das rechte und linke Ufer können wir gefühlt berühren. Die Finnen schleifen im Schlamm, und die Propeller wirbeln ihn mächtig auf. Langsam tasten wir uns vorwärts und wissen noch nicht wie weit wir kommen. Die Angaben über Wassertiefe, Kanalbreite und Brückenhöhen in den Charts, Kartenbüchern und Blogeinträgen sind unterschiedlich. Sie reichen von zu flach, zu niedrig, zu eng bis genügend Platz rundherum. Wir müssen es einfach ausprobieren. Stück für Stück gewöhnen wir uns an die Enge und die vielen Schleusen. Mit unseren 4,25 m Breite (ohne Fender), 2,85 m Höhe und einem Tiefgang von 85 cm kommen wir überall durch, wenn auch oft ziemlich knapp. Beim Anlegen haben wir häufiger Grundberührung und auch manchmal mitten im Kanal. Ab und zu klöttert es unter uns gefährlich laut. Das sind wohl größere Äste oder Baumstämme, die auf dem Grund liegen. Aufgrund des braunen Wassers ist das nicht zu erkennen. Es bleibt frisch. Die Heizung muss morgens weiterhin ran. Erst nach Ostern gibt es Tage, an denen es sonniger und wärmer wird. Im Mai meldet sich dann immer mal wieder der Sommer an. Auch vom Canal du Midi sehen wir hin und wieder die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen am Horizont. Wir fahren durch Narbonne und bis Béziers. Dort treffen wir uns mit unsere Freundin Martine, die wir auf Tahiti kennen lernten. Sie ist ebenso zurück und zeigt uns ihren historischen Wohnort St. Guilherme-le-Desert. Den können wir euch wärmstens empfehlen. Er rangiert bei uns noch vor Minerve auf Platz 1 der Dörfer Südfrankreichs. Dann gehts Richtung Westen über Carcassonne nach Toulouse. Zwischendurch erkunden wir zu Fuß oder mit dem Rad die nähere Umgebung. Wir genießen das ruhige Reisen mit durchschnittlich 2,5 km/h. Die Fußgänger laufen nebenher. Radfahrer sind schnell vorbei. Wir fahren 100 Prozent elektrisch, trotz Wolken und Regen dank einiger Landstrom-Angebote. Wenn keine anderen Boote, Radfahrer oder Autos in der Nähe sind, hören wir nur noch den Gesang der Vögel. Es ist, als gleiten wir schwebend über das Wasser. Was für ein Kontrast zum Segeln: statt unendlicher Weiten ohne Land, streifen uns die Büsche und herabhängenden Äste der Akazien. Statt Stille zwitschern die Vögel fast ununterbrochen. Statt Tagen und Wochen ohne andere Kontakte, steigen wir jeden Tag aus, gehen spazieren, wandern oder fahren mit dem Rad. Die Natur und Kultur sind so nahe, jederzeit präsent. Schwimmen geht jedoch nicht. Zum einen ist es nicht erlaubt, zum anderen will man nicht mal einen Zeh in diese Brühe halten. Noch ist es auch zu frisch zum Baden. Es fehlt uns nicht. Mal schauen, wie es im Sommer wird. 


Schaut euch unsere Filme bei YouTube @Reise mit Ricarda dazu an. 


MY Villa #07 Argens-Trebes 2  https://youtu.be/8IKAgf33MDk


MY Villa #06 Argens-Trebes 1  https://youtu.be/4_Q2vpt2hN0


MY Villa #05 LeSomail - Argens https://youtu.be/X0HLc5jPmoA


MY Villa #04 Béziers-LeSomail https://youtu.be/NOq4tJc6u7A


MY Villa #03 Port la Robine - Béziers  https://youtu.be/iiQ4le3mJjE


MY Villa #02 Narbonne-CanalduMidi https://youtu.be/CiYe6cQwrwA


MY Villa #01 Leucate-Narbonne https://youtu.be/05ZxrGU-twY



Natur und Kultur sind so nahe und immer präsent.

Wiedersehen mit Martine in St. Guilheme-le-Desert


Da geht's lang, im Film seht ihr die Vogelperspektive.

Na, ist die Schleuse auch breit genug?

MY Villa passt bisher überall durch, wenn auch knapp 😅.


Donnerstag, 24. April 2025

Leucate in Südfrankreich oder Olhão in der Algarve

Stefan will unbedingt Leucate kennen lernen, einen der großen hochgelobten Surfertreffpunkte. Nach den vielen Jahren auf der Barfußroute, verschenken wir überhaupt keinen Gedanken daran, dass es vielleicht zu kalt werden könnte. Schließlich sind wir in Südfrankreich, dem warmen Teil von Europa. Obwohl uns unsere Freundin Martine warnte, muss Stefan dort unbedingt hin. (Wir haben die Französin in Polynesien kennengelernt, nachdem sie mit ihrem Mann bereits 12 Jahre auf Weltumsegelung war und davor im Mittelmeer gesegelt ist.) „Was wollt ihr in Leucate?“, fragt sie uns während eines Kurzbesuches in Carnon (nahe Montpellier), dort ist es nicht schön. Ich wäre auch gern in Carnon oder Séte geblieben. 

Dort beginnt der Canal du Midi, unser erstes Ziel mit unserer MY Villa.

Leucate liegt am Mittelmeer und am Fuße der Pyrenäen. Der Gebirgswind sorgt für die außergewöhnlich guten Surfwinde. Dass er in der Regel ablandig ist, stört ja Profis nicht. Gerade (April 2025) finden dort Meisterschaften statt. Jedenfalls weht der Wind stärker, als alles was wir auf unserer Weltumsegelung erlebt haben. 60 Knoten Grundwind sind keine Seltenheit (man kann sich in den Böen nicht mehr auf den Beinen halten, Segel und Lazybags zerreißen, die Boote zerren an den Leinen, einige sinken, weil sie sich losreißen) und da der Wind an den schneebedeckten Gipfeln der Pyrenäen entlang streicht, ist er entsprechend kalt. Wir haben auf dem Steg eine dünne Eisschicht! Morgens sind sechs Grad Celsius im Boot! Selbst Stefan sieht nun ein, dass es hier im Winter zu ungemütlich wird, zumindest für uns. Das Dorf Leucate ist ja ganz schön, aber weit weg. Der Port Leucate besteht aus Marina und tausende Ferienhütten, fast alle so klein wie der Stall, in dem das Jesuskind geboren wurde. Manche haben auch nur eine Tür, wie die Garagen. Das ist nix für uns. Wir wollen echte Orte und keine Urlauberburgen.


Nachdem wir eine Woche eine Ferienwohnung ausprobieren, 2 Wochen an unserem Cockpitverdeck nähen und uns mit einer weißen Weihnacht in den Pyrenäen beschenken, geht es weiter in den Süden. Das Boot bleibt liegen. Wir fahren mit dem Studentenzug nach Toulouse und fliegen mit einem Umsteiger in Lisboa bis in die Algarve. 


Olhão ist uns noch von 2019 in guter Erinnerung. Obwohl wir es nur zufällig entdeckten, dachten wir damals schon: „Das ist ein Ort zum Leben“. Also fangen wir dort an. Stefan studierte schon Wochen vorher das Immobilienangebot und nun checken wir die Lage. Eigentlich wollen wir nur einen Eindruck gewinnen. Ist die Algarve für uns ein Ort zum sesshaft werden? Wollen wir uns dort ein neues Zuhause kaufen und bleiben? In der ersten Woche gibt uns das Immobilien Sightseeing einen ganz neuen Einblick in einen fremden Ort. Wir lernen Urduja kennen und sie hat für uns dann tatsächlich das richtige Haus. Natürlich schauen wir uns noch die anderen Orte der Algarve an, aber unser Favorit bleibt Olhão. Viel schneller als gedacht, kaufen wir die Immobilie. Eine kleine Ferienwohnung, ein Apartment für uns, eine große Dachterrasse mit Blick über das Dächeruniversum der Altstadt und sogar ein kleiner Pool sind dabei.


Alles geht viel zu schnell. Und weil es vernünftig ist, schieben wir in die Wartezeit bis zur Vertragsunterzeichnung auch noch den Umzug ein. Da es keine Einwegmietwagen zum Beladen gibt, fahren wir dann insgesamt fast 7000 Kilometer durch Spanien und Frankreich nach Rostock und nach einem Abstecher bei Belinda, Matilda und Alex wieder zurück. Im kleinen Laderaum sind unsere Kisten und Bilder, die wir all die Jahre in Rostock eingelagert hatten.

Danach ist der Stress aber nicht zu Ende. Der umgebuchte Flug über Lisboa und Toulouse zurück nach Leucate sollte nicht noch einmal umgebucht werden. Dazu waren wir zu geizig. Also haben wir 10 Tage, um einzuziehen und die Apartments für die Vermietung vorzubereiten, Verträge abzuschließen und was sonst noch so vor Ort unbedingt sofort erledigt werden muss.


Ihr kennt uns. Natürlich schaffen wir das! Alles weitere macht die engagierte Firma. Aber wir sind auch fix und fertig und brauchen erst einmal eine Pause.


Noch einmal im Steno-Format:

August 2024 Australien

September 2024 Umzug von Polynesien nach Europa und Deutschlandbesuch

Oktober 2024 Bootskauf

November 2024 Bootsüberführung nach Carnon, Lagerräumung in Montpellier, Deutschlandbesuch

Dezember 2024 Leucate, Cockpitverdeck nähen, weiße Weihnacht auf dem Snowboard

Januar bis Mitte Februar 2025 - Algarve, Immobilienbesichtigungen, Kaufverträge (portugiesisch und englisch)

Mitte Februar bis Mitte März 2025 - 6663 km Autofahrt Olhão - Rostock - Olhão, Hauskauf, Einzug mit Reinigung und Vermietungsvorbereitung

19.März.2025 Rückflug nach Leucate


Nun wisst ihr, warum so lange nichts von uns zu hören war. Es blieb einfach keine Zeit für solche Posts. Nun wird es hoffentlich wieder besser.















Mittwoch, 20. November 2024

… und noch ein Umzug („neues“ Boot)

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Dieser Zeitpunkt ist hier, in Französisch Polynesien definitiv erreicht. Wir schwelgen länger als ein Jahr in der Schönheit der Landschaft, der Polynesier, Ihrer Freundlichkeit, der lokalen Sprache, Tänze, Kultur und können gar nicht genug bekommen. Wir werden zu Bounty-Meuterei-Verstehern. Natürlich wollten die hier nicht mehr weg!

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Großeltern werden wächst rapide, unsere Eltern werden nun doch nicht mehr jünger. Wir sind einfach zu weit weg, als dass uns mal jemand besuchen kommt. Besonders Ricarda fehlt der persönliche Kontakt zur Familie.


Also beschließen wir schon Mitte 2023, die Lady zu verkaufen. Jedoch nicht um und für jeden Preis. So bestimmt auch die Nachfrage auf dem Gebrauchtbootmarkt über unsere Zukunft. Alles können wir eben nicht beeinflussen. Wenn also niemand die Qualitäten der Lady schätzen möchte, werden wir Sie behalten und bis nach Europa oder in die Karibik weitersegeln, sie und uns auf diesem Weg nach Hause bringen.

Aber schon der dritte Kaufinteressent passt perfekt und akzeptiert zudem noch meinen - außergewöhnlich hohen, dem Zustand der Lady angemessenen - Wunschpreis.

Dann lösen wir das Problem, unseren gesamten Haushalt - etwa 20 Reisetaschen und Koffer sowie Kisten incl. Sportgepäck und Fahrrädern von Tahiti nach Frankreich, Montpellier zu befördern, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, die Transportkosten würden wohl den Wert der betroffenen Gegenstände überschreiten. Aber auch das klappt - dank Air France - letztlich reibungslos.

Wir sind also zurück in Europa. 

Einen ganzjährigen festen Wohnsitz oder zum (deutlicheren) Übergang ein quasi ortsgebundenes Hausboot können wir uns noch nicht vorstellen.

Also, was wollen wir hier?


Die Binnengewässer und Kanäle befahren, es wohnlicher haben, keine Wellen, der Familie näher sein, immer Land in Sicht, nicht mehr so viele Vorräte kaufen, weniger Boot, mehr Zeit für andere Dinge (einfachere Bootsbedienung, weniger Wartung, weniger Komplexität, weniger Verschleiß, weniger Kosten), weniger Lärm beim Motoren, möglichst kleiner ökologischer Fußabdruck.

Aber wie soll das gehen? 


Will man „durch“ Europa fahren, sind die Schleusen oft nur ca. 5m breit, die Brücken t.w. nur 3m hoch (im lichten). Beides ist gut, denn dieser nicht veränderbare geometrische Rahmen verkleinert die zur Wahl stehenden geeigneten Boote automatisch und drastisch.

Elektrisch fahren wollen wir soweit (wie) möglich, die Sonne als Stromlieferant nutzen. Es gibt noch nicht viele Gebrauchtboote, die das können. Anfänglich schaue ich daher nach Alternativen, welche man selbst aufrüsten könnte, denke aber auch an den damit notwendigen Aufwand, die Kosten sowie fragliche Installationssicherheit und verwerfe diese Möglichkeit bald.


Letztlich bleibt nur ein einziges ! Modell, welche alle Ansprüche weitestgehend abdeckt. Die Greenline 40 hybrid. 

Nicht zu groß, gerade so nicht zu klein, modern eingerichtet, wohnlich, genug Diesel-Pferdestärken wenn es mal drauf ankommt, 2 kräftige Elektromotoren für den normalen (langsamen) Antrieb, es sind schon ein paar Solarpaneele auf den Dach und große LiFePo-Batterien an Bord. 

Bei den Preisen für diese Boote kann es einem allerdings die Kinnlade bis zum unteren Anschlag öffnen. 

Also warten, den Gebrauchtmarkt beobachten. Das Saisonende bringt vielleicht Kauf-Gelegenheiten. So ist der Stand zum Ende 2023, dem Zeitpunkt an dem die Absicht, nach Europa zurückzukehren, feststeht.


Lediglich ein Hybrid-Modell kommt in den Wintermonaten 2023/24 als Inserat in Italien auf den Markt. Dabei bleibt es bis September 2024, als wir Tahiti verlassen. Auch im Oktober tut sich nichts. Offenbar will sich niemand von seiner Greenline 40 hybrid trennen. Ein gutes Zeichen. Wir machen eine Probefahrt auf der neuesten Greenline 40 hybrid und vergleichen diese auch mit dem etwas kleineren 39-fuß-Modell. 

Das bestätigt uns. Wir lagen mit der Vorauswahl richtig. 


Also vereinbaren wir einen Besichtigungstermin für das gebrauchte Modell in Italien. Es ist quasi ein „Jahres(Wagen)Boot“, gebaut 2022 und nur 1 Jahr genutzt. Und so wirkt es auf uns auch wie neu, jedoch ungepflegt. Selbst der Schmutz (Spänne etc.) von der Herstellung ist teilweise noch nicht aus dem Rumpf beseitigt. Es gibt ein paar Mängel, welche jedoch behebbar sind. Die bisherigen Eigentümer scheinen wohl etwas überfordert gewesen zu sein oder nehmen es eben nicht so wichtig (wie ich). 

Das könnte also das nächste Boot für uns werden.


Nach etwas zähen Verhandlungen und mit einigen rechtlich-organisatorischen Schwierigkeiten, erfolgt der Kauf zügig und direkt (ohne Makler) von dem dänischen Verkäuferpaar. Das Procedere zum Eigentumsübergang geht unerwartet sehr schnell und wir ziehen schon genau Mitte Oktober auf unser „neues“ Boot in Italien.


Dann soll es zeitnah nach Montpellier gefahren werden, damit wir dort unsere Lagerbox auflösen und ganz aufs Boot ziehen können. Das klappt - nach einigen kleinen Eingewöhnungsschwierigkeiten mit dem ungewohnten Antrieb und unerwartet vielen Absagen von Marinas in der Region - insgesamt ganz gut und wir 3 kommen gesund und munter in Port de Carnon an. 

Auf dem Weg machen wir schon mal einen ersten Abstecher in die  Natur auf der Petite Rhône.

Der Transport unseres Hausrats zum Boot klappt dann wieder reibungslos und - dank Ricardas Verstaukünsten und der Stichsäge - können wir tatsächlich alles unterkriegen, wenn auch knapp.


Nun sind wir bereit für das nächste „Boots - Leben & Reisen“.

Dieses Mal auf und mit „MY Villa“.









Donnerstag, 5. September 2024

Australien - Auf ins Land der Beuteltiere!

Sechs Wochen nehmen wir uns für den roten Kontinent. Eigentlich ist es uns im Moment etwas zu viel, aber von Tahiti ist er doch deutlich näher als von Europa aus. Dass es gefühlt dann doch viel weiter ist als gedacht, überrascht uns ein wenig. Wir sind eben das langsame Reisen auf dem Boot gewohnt und denken: „fliegen ist wie beamen.“ Mit Einchecken und dem Umsteigen in Auckland sind wir immerhin insgesamt 12 Stunden unterwegs. Auf der Karte sieht das so viel näher aus und man muss ganz schön rechnen, um die minus 20 Stunden Zeitverschiebung richtig einzuordnen. Schließlich fliegen wir Samstag früh in Papeete los, über die Datumsgrenze und kommen deshalb erst am Sonntag um 15 Uhr an. Den gestohlenen Tag bekommen wir dann auf dem Rückflug zurück. Wir starten Sonntag früh in Sydney und sind Samstagabend auf Tahiti. Ganz schön verwirrend! 


Nun sind die sechs Wochen fast um und wir sind doch froh, diesen Abstecher auf den kleinsten Kontinent und die größte Insel der Welt gemacht zu haben. Australien unterscheidet sich viel mehr von Neuseeland als gedacht. Schnell fällt uns auf, dass hier die freundliche polynesische Mentalität nicht mehr zu finden ist. Von der indigenen Kultur bekommt man nur in Museen einen Eindruck. Der Kontinent ist komplett europäisch oder eher britisch-amerikanisch. Natürlich könnten wir Touren mit einem indigenen Guide buchen, aber diesbezüglich erzwingen wir nichts mehr. Oft ist das nur eine andere Form von Show. Da bevorzugen wir inzwischen doch die Museen, da man sich weniger voyeuristisch fühlt. Den berühmten (Ayers Rock) Uluru haben wir schweren Herzens von der Reiseliste gestrichen. Zu schwierig und kostspielig erscheint uns die Anreise. Wir beschränken uns also auf Sydney, Perth, Adelaide, Melbourne und Tasmanien. Ein volles Programm für sechs Wochen, aber es ist gut zu schaffen. Auch planen wir für die längeren Strecken Flüge ein, um nicht endlos im Auto Kilometer zu schrubben.


So sehen wir ein sehr abwechslungsreiches Australien in relativ kurzer Zeit. Gleich am ersten Tag kann ich Schwärme von Kakadus fotografieren und entdecke etliche andere für uns so besondere Vögel. Ich schwebe im siebenten Vogelliebhaberhimmel. Die Blue Mountains verwöhnen uns mit ihrer wundervollen Landschaft gleich zu Beginn unserer Reise. In Sydney gönnen wir uns eine Führung durch das berühmte Opernhaus. Um nach Perth an die Westküste und den Indischen Ozean zu gelangen, müssen wir noch einmal fünf Stunden fliegen. Der Wave Rock beeindruckt. So etwas gibt es wohl nur einmal auf dieser Welt. Auch die Pinnacle und die Küste sind wundervoll und überall soviel Federvieh. Die Stadt nutzen wir als kleine Verschnaufpause. Dann fliegen wir weiter nach Adelaide und von dort geht es mit dem Auto an der Südküste und dem Südpolarmeer entlang nach Melbourne. Hier sehen wir so viele Kängurus und Koalas in freier Wildbahn, wie nirgendwo anders. Auch eine Emufamilie und der Ameisenigel läuft uns über den Weg. Auch die Seelöwen- und Fellrobben-Kolonien sind ein echtes Highlight. In Perth hatten wir den Fehler gemacht und einen Wildlifepark besucht. Zu wenig informiert, missdeuteten wir den Begriff völlig. Die Tiere sind in kleinen Gehegen eingesperrt. Kängurus und Wallabys werden von Besuchern gemästet und bedrängt. Das schlimmste waren die stundenlangen Fototermine mit Koalas und Wombats. Uns wurde richtig übel. Der naturgegebene Phlegmatismus wird ausgenutzt, um Touristen und ihr Geld einzufangen. In Zukunft meiden wir jeden „Wildpark“ und jedes „Sanctuary“. Dann sehen wir eben weniger Tiere, aber die dann wenigsten in freier Wildbahn. Zum Schluss fliegen wir von Melbourne nach Tasmanien, jener Insel im Südpolarmeer hinter der nur noch die Antarktis kommt. Wir sind von der wilden wunderschönen Landschaft begeistert, sehen zwar weniger Tiere, erleben aber dafür nach 7,5 Jahren unseren ersten Schnee. In den Bergen konnte sich der Frühling noch nicht durchsetzen. Schnabeltier, Tasmanischer Teufel, Wombat und unzählige Kängurus in allen Größen sehen wir leider am Straßenrand oder auf dem Asphalt liegen. Wir fahren nie nachts und nur einmal in der Dämmerung, sind sehr vorsichtig unterwegs und haben deshalb zum Glück keines der heimischen Tiere auf dem Gewissen.


Nun geht es zurück nach Papeete. Dort schnappen wir unsere 20 Gepäckstücke und kommen zurück nach Europa. Bis bald!


Unsere Route: Blue Mountains - Sydney - Perth - Adelaide - Kangaroo Island - Südküste - Melbourne - Tasmanien

Blue Mountains:
Eucalyptuswälder, Wasserfälle, Felsen und Vögel

Drei Schwestern in den Blue Mountains

Urbanes Sydney am Wasser mit beeindruckendem Opernhaus


Wave Rock östlich von Perth 
15 m hoch, 120 m lang, über 60 Millionen Jahre alt

Westküste am Indischen Ozean: Dank an Neptun, dass er uns in den letzten sieben Jahren nicht zu sich geholt hat.

Pinnacle Desert an der Westküste

In Adelaide liegt das Geld auf der Straße.

Aussicht mit Känguruherde auf der Halbinsel Fleurieu

Admirals Arch mit Fellrobbenkolonie auf Kangaroo Island

Seelöwenmama mit Baby an der Seal Bay:
auf Holzstegen distanziert und doch ganz nah

Unsere Polarexpedition führt uns noch weiter in den Süden.

Versteinerter Wald, hier standen die Bäume noch.

South Ocean Road - das Südpolarmeer

Felsen, Wellen und Wind sind von Land aus nicht nur schön, 
sondern auch ungefährlich.

Natur und Großstädte wechseln sich ab: Melbourne

Streetart wie wir sie mögen.

Tasmanien an der Tasmansee: Teufels Küche

Bakterien färben die Steine rot

Eine Vogelauswahl der ersten Woche.

Ameisenigel: Beuteltier, Urtier und mit dem Schnabeltier verwandt

eines der bekanntesten Beuteltiere

Der Koala sitzt hoch oben im Eucalyptusbaum.

unsere Emu-Familie