Freitag, 7. November 2025

Canal Lateral à la Garonne

In Toulouse küssen sich der Canal du Midi und der Canal Lateral à la Garonne. Dafür wurde extra ein großes Becken gebaut in dem auch noch der Canal de Brienne beginnt und nach 1560 Metern in die Garonne fließt. All die durchs Zentrum fließenden Wasserläufe machen die Stadt zusätzlich sehr interessant. Wir mögen sie mit all ihren Studenten, Cafés, Museen und Fahrrädern. Hier kann man die Vielzahl moderner Elektrobikes studieren. Manche sind schon eher Mopeds. Etliche haben statt einem Gepäckträger eine gepolsterte Bank mit Geländer, auf denen dann zwei oder drei Kinder sitzen. In Toulouse sind so viele Fahrräder unterwegs, dass Autofahrer von vornherein vorsichtig fahren. In dieser Stadt teilt man sich Fußwege und Straßen, passt ein bisschen auf und wir staunen, wie gut das funktioniert.


Obwohl der Canal du Midi populärer ist, finden wir den Garonne-Kanal sehr viel schöner. Er ist etwas wilder und verwachsener. Ich habe noch nie zuvor so viele Eisvögel gesehen. Zweimal sichte ich einen Wels an der Wasseroberfläche. Man sieht immer ein paar Fische im Kanal. Kolonien von weißen Reihern sitzen in den Bäumen. Das Wasser ist klarer und ich gehe sogar baden. Immer wieder nähert sich die Garonne und wir machen etliche Ausflüge mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Umgebung.


Das letzte Stück bis Bordeaux fahren wir dann tatsächlich auf der Garonne flussab. Auch hier bleiben wir elektrisch unterwegs. Nicht, weil wir mit der Flussströmung reisen, sondern weil wir die Tidenzeiten beachten. Selbst 170 km von der Biskaya sind die Gezeiten so deutlich zu spüren, dass es keinen Sinn macht, gegen sie anzufahren. Es ist unglaublich und am Steg in Cadillac bekommen wir es dann auch mit der Angst zu tun. Da sich die Garonne vom Atlantik wie ein Trichter verjüngt entsteht eine erstaunlich hohe Flutwelle, die sich flussauf wälzt. In Cadillac, mehr als 100 km von der Flussmündung entfernt, warten täglich Surfer auf das Naturschauspiel. Wir erleben unsere erste Flut auf der Garonne im Dunkeln und liegen bereits im Bett. Schon der Wassersog vor der Welle treibt uns schlagartig ins Cockpit. Plötzlich liegen wir etwa einen halben Meter tiefer. Dann strudelt, brodelt und schäumt es an Brückenpfeilern, Uferkanten und am Boot wie auf einem reißenden Wildwasserfluss. Unser schwimmendes Zuhause wird mindestens einen Meter angehoben. Zum Glück hat uns Stefan gut vertäut. Nichts passiert. Schwimmsteg und Boot bleiben heil. Als wir uns das Spektakel 12 Stunden später im Hellen anschauen, sehen wir die Flutwelle auf uns zurollen. Sie ist wirklich so steil, dass man auf ihr surfen kann. 


Von Bordeaux fliegen wir nach Hause. Belinda und Alex heiraten mit der 9 Monate alten Matilda auf dem Arm. Wir genießen die gemeinsame Zeit in einer großen Ferienwohnung. Danach geht es den ganzen Weg wieder zurück bis Toulouse. Abgesehen von den ersten Stunden auf dem Mittelmeer waren wir in diesem Jahr 100 Prozent elektrisch unterwegs. Nur selten mussten wir Landstrom laden. Meistens fahren wir mit Sonnenenergie, alle Geräte, Klimaanlage, warmes Wasser und Kochen inclusive. Diesbezüglich sind wir begeistert. Aber es ist auch etwas langweilig auf den Kanälen. Uns fehlt das klare Meerwasser, der Wassersport. Andererseits ist die Natur so viel näher und wir reisen deutlich komfortabler als in den durchschaukelnden Wellen. 


Nun fliegen wir für den Winter erst einmal nach Olhão in die Algarve. Es wird unsere erste Saison nach acht Jahren in einem eigen Haus, 7 Monate an einem Ort. Wir sind gespannt. Im nächsten Sommer kommen wir wieder, wollen den Canal du Midi bis zum Mittelmeer zurück und dann die Rhone nach Norden hinauf. 


Schaut euch gern die Videos auf YouTube @Reise mit Ricarda an. 

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