Stefan will unbedingt Leucate kennen lernen, einen der großen hochgelobten Surfertreffpunkte. Nach den vielen Jahren auf der Barfußroute, verschenken wir überhaupt keinen Gedanken daran, dass es vielleicht zu kalt werden könnte. Schließlich sind wir in Südfrankreich, dem warmen Teil von Europa. Obwohl uns unsere Freundin Martine warnte, muss Stefan dort unbedingt hin. (Wir haben die Französin in Polynesien kennengelernt, nachdem sie mit ihrem Mann bereits 12 Jahre auf Weltumsegelung war und davor im Mittelmeer gesegelt ist.) „Was wollt ihr in Leucate?“, fragt sie uns während eines Kurzbesuches in Carnon (nahe Montpellier), dort ist es nicht schön. Ich wäre auch gern in Carnon oder Séte geblieben.
Dort beginnt der Canal du Midi, unser erstes Ziel mit unserer MY Villa.
Leucate liegt am Mittelmeer und am Fuße der Pyrenäen. Der Gebirgswind sorgt für die außergewöhnlich guten Surfwinde. Dass er in der Regel ablandig ist, stört ja Profis nicht. Gerade (April 2025) finden dort Meisterschaften statt. Jedenfalls weht der Wind stärker, als alles was wir auf unserer Weltumsegelung erlebt haben. 60 Knoten Grundwind sind keine Seltenheit (man kann sich in den Böen nicht mehr auf den Beinen halten, Segel und Lazybags zerreißen, die Boote zerren an den Leinen, einige sinken, weil sie sich losreißen) und da der Wind an den schneebedeckten Gipfeln der Pyrenäen entlang streicht, ist er entsprechend kalt. Wir haben auf dem Steg eine dünne Eisschicht! Morgens sind sechs Grad Celsius im Boot! Selbst Stefan sieht nun ein, dass es hier im Winter zu ungemütlich wird, zumindest für uns. Das Dorf Leucate ist ja ganz schön, aber weit weg. Der Port Leucate besteht aus Marina und tausende Ferienhütten, fast alle so klein wie der Stall, in dem das Jesuskind geboren wurde. Manche haben auch nur eine Tür, wie die Garagen. Das ist nix für uns. Wir wollen echte Orte und keine Urlauberburgen.
Nachdem wir eine Woche eine Ferienwohnung ausprobieren, 2 Wochen an unserem Cockpitverdeck nähen und uns mit einer weißen Weihnacht in den Pyrenäen beschenken, geht es weiter in den Süden. Das Boot bleibt liegen. Wir fahren mit dem Studentenzug nach Toulouse und fliegen mit einem Umsteiger in Lisboa bis in die Algarve.
Olhão ist uns noch von 2019 in guter Erinnerung. Obwohl wir es nur zufällig entdeckten, dachten wir damals schon: „Das ist ein Ort zum Leben“. Also fangen wir dort an. Stefan studierte schon Wochen vorher das Immobilienangebot und nun checken wir die Lage. Eigentlich wollen wir nur einen Eindruck gewinnen. Ist die Algarve für uns ein Ort zum sesshaft werden? Wollen wir uns dort ein neues Zuhause kaufen und bleiben? In der ersten Woche gibt uns das Immobilien Sightseeing einen ganz neuen Einblick in einen fremden Ort. Wir lernen Urduja kennen und sie hat für uns dann tatsächlich das richtige Haus. Natürlich schauen wir uns noch die anderen Orte der Algarve an, aber unser Favorit bleibt Olhão. Viel schneller als gedacht, kaufen wir die Immobilie. Eine kleine Ferienwohnung, ein Apartment für uns, eine große Dachterrasse mit Blick über das Dächeruniversum der Altstadt und sogar ein kleiner Pool sind dabei.
Alles geht viel zu schnell. Und weil es vernünftig ist, schieben wir in die Wartezeit bis zur Vertragsunterzeichnung auch noch den Umzug ein. Da es keine Einwegmietwagen zum Beladen gibt, fahren wir dann insgesamt fast 7000 Kilometer durch Spanien und Frankreich nach Rostock und nach einem Abstecher bei Belinda, Matilda und Alex wieder zurück. Im kleinen Laderaum sind unsere Kisten und Bilder, die wir all die Jahre in Rostock eingelagert hatten.
Danach ist der Stress aber nicht zu Ende. Der umgebuchte Flug über Lisboa und Toulouse zurück nach Leucate sollte nicht noch einmal umgebucht werden. Dazu waren wir zu geizig. Also haben wir 10 Tage, um einzuziehen und die Apartments für die Vermietung vorzubereiten, Verträge abzuschließen und was sonst noch so vor Ort unbedingt sofort erledigt werden muss.
Ihr kennt uns. Natürlich schaffen wir das! Alles weitere macht die engagierte Firma. Aber wir sind auch fix und fertig und brauchen erst einmal eine Pause.
Noch einmal im Steno-Format:
August 2024 Australien
September 2024 Umzug von Polynesien nach Europa und Deutschlandbesuch
Oktober 2024 Bootskauf
November 2024 Bootsüberführung nach Carnon, Lagerräumung in Montpellier, Deutschlandbesuch
Dezember 2024 Leucate, Cockpitverdeck nähen, weiße Weihnacht auf dem Snowboard
Januar bis Mitte Februar 2025 - Algarve, Immobilienbesichtigungen, Kaufverträge (portugiesisch und englisch)
Mitte Februar bis Mitte März 2025 - 6663 km Autofahrt Olhão - Rostock - Olhão, Hauskauf, Einzug mit Reinigung und Vermietungsvorbereitung
19.März.2025 Rückflug nach Leucate
Nun wisst ihr, warum so lange nichts von uns zu hören war. Es blieb einfach keine Zeit für solche Posts. Nun wird es hoffentlich wieder besser.



















































