Sonntag, 31. Juli 2022

Abenteuer Amazonien

Die Lunge der Welt, der Amazonas mit seinem riesigen Regenwald steht auf dem Programm. Von Aruba fliegen wir über Panama nach Manaus. Einen Tag treiben wir durch die Stadt, sehen das alte Teatro Amazonas und erleben sogar eine Schwanensee-Aufführung. Dann soll es zum „Encontro das Águas“ gehen. Über viele Kilometer fließen der Rio Negro und der Amazonas nebeneinander in einem Flussbett. Dazu brauchen wir ein Boot.  So landen Stefan und ich absolut touristisch auf dem Amazonas. Die rosafarbenen Flussdelfine werden angefüttert, tropische Tiere von den Indios zum Kuscheln und Geld verdienen gehalten. Deshalb bekommen wir sie gleich am zweiten Tag zu sehen. Mit gemischten Gefühlen halte ich zwei davon sogar in meinen Händen oder Armen.

Dann ziehen wir für zwölf Tage auf ein traditionelles Amazonas-Flusschiff und schippern den Rio Negro hinauf. Im Schwarzwasser finden Moskitos keine Brutgebiete. Auf dem Fluss sind wir vor Insekten einigermaßen sicher. Von hier aus sind auch die Vögel zu sehen. Aras, Amazonen, Geier, Falken Bussarde… Den Hoatzin kannte ich noch gar nicht. Er ist ein echter Paradiesvogel. Die Delfine besuchen uns täglich, im großen Abstand zwar, aber doch sind sie immer da. Wurdest du schon vom Schnaufen der Delfine geweckt? Das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. 

Überall ist Wasser. Der Fluss hatte vor zwei Wochen seinen Höchststand. Im Überschwemmungsgebiet gucken nur noch die Scheitel der Baumkronen aus dem Wasser. Wir lernen, sie vom Festland zu unterscheiden. Der Dschungel ist so dicht, dass wir kaum Tiere sehen. Ameisen gibt es jedoch überall. Sie sind die wahren Herrscher des Urwaldes. In Vollmontur tapern wir vertrauensselig hinter Wolfgang Brög, einem berühmten deutschen Kameramann und Filmproduzenten hinterher. Er schlägt mit der Machete eine kaum wahrnehmbare Schneise in den Wald. Wir erleben den Regenwald pur. Alle größeren Tiere haben sich bereits lange in Sicherheit gebracht. Die warnenden Rufe des Waldkapitäns schallen durchs Dickicht. Spinnen und Ameisen gibt es zuhauf. Einmal entdecken wir einen Nachtfalter, eine fette Kröte und eine hübsche Landschildkröte. Die Losung eines Tapirs verrät zumindest seine Anwesenheit. Der Regenwald ist so dicht, dass wir aufpassen müssen, nicht unsere Gruppe zu verlieren. Dass wir in diesen Gewässern baden, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Aber selbst Piranhas, Anakondas und Krokodile bringen sich vor dem Menschen lieber in Sicherheit. So planschen wir täglich im undurchsichtigen schwarzen Wasser zwischen Baumkronen. 

Wahre Wildnis eben. Tiere sieht man in ihr selten und doch ist dieser Ausflug ein echtes Erlebnis.


Touristenattraktion Amazonasdelfin

https://youtu.be/JpLr5qwaqAs

so long, and thanks for all the fish…🎶

So klein, so verängstigt und Einnahmequelle für Kinder…

Der Klammerreflex funktioniert auch bei mir.

ein etwas älteres Jungtier

Indio mit Haustier

wunderschöne Indiofrau 

Indiofamilie mit Bemalung für Touristen 

Familienoberhaupt, der gesamte Stamm
hat sich auf die neue Zeit eingestellt.

Encontro da Águas

Die Aynara ist ein echtes Amazonas-Flussschiff aus Holz.

entspanntes Bordleben

Stachelpalme: Hier nicht festhalten oder abstützen!

Eine Nuss, die sich innen mit Stacheln wehrt: Piquiá

Der Schrei am „Pedra Pintada“ gleich dreifach:
Hat Munch hier seine Inspiration bekommen?

Hoatzin, ein Paradiesvogel (Foto von Wolfgang Brög)

Der Schul“bus“: Die Siedlungen sind über die Wasserstraße zu erreichen.

Alltagsszene am Dorf

Wasserfall am Río Perdido, am Verschwundenen Fluss

Freitag, 24. Juni 2022

Von Bonaire über Curaçao nach Aruba

Auf Bonaire ist kein Platz für uns. Ungeachtet der Wetterlage müssen wir Richtung Westen starten. Vor Klein Bonaire liegen Muringbojen für Tagesausflügler. Ich möchte hier unbedingt noch einmal schnorcheln. Bei so viel Welle waren wir noch nie im Wasser. Der Wind bläst heftig und wühlt im Meer. Bis Klein Curaçao ist es nicht weit. Die Lady wird ordentlich voran geschoben. Wenn die Dünung nicht so hoch und kurz wäre, könnten wir den dreistündigen Segeltörn genießen. Aber wir werden ordentlich durchgeschaukelt.

Klein Curaçao stellt sich als kleines Paradies heraus. Am Tag liegen hier zwar viele Ausflugsboote mit unzähligen Tagesgästen, aber abends und morgens sind wir fast allein. Da zelten drei Surfer am Strand, ein junger Mann mit Hund bewacht das Ausflugslokal und etliche Seeschwalben bevölkern die Insel. Früher war das kleine Eiland von all dem Seevogeldung ein paar Meter höher. Der Abbau im letzten Jahrhundert vertrieb die einstigen gefiederten Bewohner, die sich nun wieder ansiedeln und auf dieser flachen Scholle nisten. Auf unserer Wanderung kommen wir ihren Nestern ungewollt zu nahe. Wie Torpedos fliegen sie auf uns zu, um kurz vor dem Aufprall steil nach oben abzudrehen. 


Wir genießen das Paradies für zwei Tage, legen dann noch zwei weitere unerlaubte Stopps auf Curaçao ein, um den Tagestörn zur westlichsten ABC-Insel anzugehen. Wieder wird die Lady samt Crew ordentlich durchgeschaukelt. Nach 8 Stunden erreichen wir die südlichste Bucht von Aruba. Selbst in der Lagune schlagen Wellen an den Rumpf und bringen Gläser ins Rutschen. Einklarieren kann man nur im Hafen von Barcadera. Das nehmen wir uns für den nächsten Tag vor und ankern dann in der Lagune direkt vor Oranjestadt. 


Hier kennen wir uns aus. Vor zwei Jahren hat die Lady hier übersommert. Die ABC-Inseln liegen offiziell außerhalb des Hurrikangürtels. Den Versicherungen ist das zwar nicht südlich genug, aber diese Breitengrade gelten im Karibischen Meer als sicher. Kaum angekommen, kündigt sich jedoch ein Ausnahmehurrikan an. Er will hier durch. Na mal sehen, ob ihm das gelingt und wir ihn zu spüren bekommen. 


Video Roodberglift Aruba: https://youtu.be/7AHzsPhekBI


Kleine Scholle im Meer.
Das Wrack liegt seit den 80igern an der Küste.

trauriges Ende einer stolzen Ketsch

Angriff der Seeschwalben

Angekettet wird der grausige Pirat keinem mehr gefährlich.

Während der Inselwanderung spiele ich mit meiner Knipse.

Romantik pur !

Montag, 20. Juni 2022

Bonaire im Akkord

Bereits Ende Februar reservierten wir eine Woche in der Marina auf Bonaire für den Juni. Sie ist die östlichste der ABC-Inseln, nördlich der venezolanischen Küste. Weil Hurrikan das südliche karibische Meer meidet, suchen hier viele Segler im Sommer Schutz. Unser Plan, nach den ersten Tagen für drei Wochen an einer Muring zu liegen, weil dies viel angenehmer ist als am Steg, geht leider nicht auf. Bereits bei der Ankunft wird offensichtlich, dass alle Plätze besetzt sind. Es gibt keine Anmeldelisten. Wer zuerst die Boje erreicht, hat den Platz. Natürlich verlassen regelmäßig Boote die Insel. Schnell stellt sich heraus, dass die begehrten Muringbojen schon im Vorfeld unter der Hand weitergegeben werden. Die Hälfte der Steglieger will eine ergattern, um länger bleiben zu können. Die anderen waren schlau genug, für die gesamte Zeit zu reservieren. Auch die Marina ist ausgebucht, sodass eine Verlängerung sehr unwahrscheinlich wird. Also bleibt uns nichts weiter übrig, als die Insel in einer Woche zu erkunden. Es wird das absolute Kontrastprogramm zu den drei entspannten Monaten in den BVIs.


So stecken wir von Anfang an im Reisestress wie lange nicht mehr. Natürlich geht es nicht sofort los. Das Einklarieren bedarf einer mittleren Wanderung durch die Hauptstadt. Nach einem Crossing muss die Lady gespült werden. Einige Waschmaschinenladungen laufen nebenbei. Bonaire ist zu groß für die Fahrräder. Deshalb brauchen wir einen Mietwagen. Der muss für den Nationalpark zugelassen sein. Unsere erste Reservierung platzt. Der zweite, deutlich kostenintensivere Wagen steht dann erst am Dienstag für uns bereit. Es lohnt sich. Bonaire ist wirklich schön. Den flachen Süden füllen Salinen aus, welche auch von Flamingos und anderen Seevögeln genutzt werden. Auf der Luvseite toben sich Windsurfer aus, in Lee Kitesurfer. Auch wir haben unser Material dabei. Inzwischen hat der beliebte Zehner vier geklebte Ventile. Beim Aufpumpen lässt das fünfte und letzte Luft. Stefan probiert zwar noch den Vierzehner, aber der ist eindeutig zu groß. Immerhin bläst es mit konstanten 20 Knoten. 


Also bleibt es beim Baden und Schnorcheln. Bonaire ist das Tauchparadies in der Karibik und auch Schnorchler kommen auf ihre Kosten. Mit dem Dingi haben wir bereits eine Ecke von Klein Bonaire entdeckt. Die üppige Korallenlandschaft lebt und bietet unzähligen Fischen ein Zuhause. Obwohl es die üblichen Vertreter sind, beeindrucken sie allein durch ihre Anzahl. Zwei Tage bleiben dem Nationalpark vorbehalten. Er nimmt den gesamten Norden ein. Im Einbahnstraßensystem erkundet der Tourist die Landschaft im Wagen über löchrige, schmutzige Sandpisten und wird den ganzen Tag durchgerüttelt. Es lohnt sich. Die schroffe Küste in Luv erinnert an El Hierro. In Lee leuchtet das flache Wasser türkis wie in den Bahamas. Dort befindet sich der Schnorchelspot. Die Korallenlandschaft ist fast tot. Entsprechend wenige Fische sind zu sehen. Papageienfische fühlen sich hier jedoch wohl und werden aufgrund des Schutzes riesengroß. Einer schafft wohl einen Meter vom Maul bis zur Schwanzflosse. Ich höre laut und deutlich das Knarpsen jedes seiner Bisse an den Korallenskeletten. Seine Färbung unterscheidet sich deutlich von den kleineren Exemplaren. Er ist je zur Hälfte blau und gold. Mich erinnert dieser stattliche Fisch an das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Wenn das geldschenkende Tier ein Vorbild hat, dann dieses hier.


Die Landschaft von Bonaire erinnert uns immer wieder an die weiten Steppen Afrikas. Flache dünne Bäume mit ausladenden Kronen bedecken die Ebenen und überall wachsen diese säulenförmigen Kakteen hoch hinaus. Aus ihnen wird der berühmte Kaktuslikör gebraut, den wir natürlich auch kosten. Außerdem bieten sie sich als sehr wirkungsvolle Grundstücksabgrenzungen an. Auf Bonaire fliegen überall Loris und Sittiche herum. Flamingos stehen in wohl allen flachen Gewässern. Reiher, Möwen, Seeschwalben bevölkern die Insel ebenso wie unzählige Singvögel. Ich genieße das Gezwitscher im Hintergrund. Es fehlt mir auf dem Wasser. Ein besonderes Highlight ist der Warawara, ein großer Falke mit schwarzer Mütze auf dem weißen Kopf. Sein überdimensionaler Raubvogelschnabel leuchtet je zur Hälfte blau und orange. Ein wunderschönes Tier! An einem Tümpel finden sich mindestens zehn Exemplare zum Trinken ein. Auch Jungvögel unterschiedlichen Alters sind dabei. Mir geht das Herz auf und ich bin sofort im Afrikasafarimodus.


Gern wären wir länger geblieben, aber es lässt sich nur ein Tag Verlängerung herausschlagen. Die Abende sind gesellig gefüllt mit neuen Seglerbekanntschaften. Allein vier weitere Amels liegen hier, alle mit deutschsprachiger Crew. Die Wild Thing treffen wir wieder und die niederländische Chiara. Es bleibt kaum Luft zum Luft holen. Aber was soll’s. Man muss die Feste feiern wie sie fallen. Ausruhen kommt danach.


Infos für Segler:

  • von Juni bis Oktober unbedingt frühzeitig reservieren
  • komplettes Ankerverbot auf der Insel
  • Muringbojen sind nur mit Glück, Vitamin B oder unfairen Mitteln zu ergattern
  • Marina erscheint unorganisiert, kassiert für Muringbojen, teilweise sogar doppelt, kümmert sich jedoch nicht
  • Einklarierung 2,5 Kilometer von Marina entfernt, schöne Wanderung am Pier möglich
  • Supermärkte weit von Küste entfernt, aber sehr gut bestückt
  • kostenloser Taxiservice zum Supermarkt Dienstag und Freitag 17 Uhr von Pier und Marina 
  • Aufgrund der Situation muss man ungeachtet der Wetterlage weiter segeln, gut dass Curaçao und Aruba nicht weit sind

echte Post von meinem Schwesterherz 🥰

Bonaire ist das Tauchparadies der Karibik.

Naturzäune, ökologisch und wehrhaft

ehemalige Sklavensiedlung der Salzbarone

Es sind fast Hundehütten.

Salzberge zwischen Salinen

überpowert springen, sieht zwar cool aus, fühlt sich aber nicht gut an

Getrunken wird auf der ganzen Welt. Hier ein Sprachkurs 😉

Kaktuslikör- und Rum-Distellerie

Die Ergebnisse dürfen wir testen. 

Bonaire's Landschaft erinnert an Afrika.

Die Farben sind unbearbeitet! 

In die Halbmondpools traue ich mich nicht rein. 
Sie sind wahre Wellenbrecher.

Ehemalige Saline mutiert mit der Zeit zum Naturparadies.

In Rincon findet man noch einige traditionelle Wohnhäuser.

wenn Wasserratte und Flachlandtiroler einen Berg besteigen...

stolze Gipfelstürmer

türkis wie die flachen Buchten der Insel

urig, saurig, gepanzert und wunderschön

Seit es Autos gibt und die Lasttiere nicht mehr gebraucht werden,
leben sie wild auf der Insel.

Die Rehe von Bonaire, hier ein hübscher Bock.

Siesta 

danach erst einmal strecken

Lori oder auch Gelbschulterpapagei
Wo sind die gelben Schultern?
Prikichi oder auch Karibischer Sittich

So nah lassen mich die Reiher selten ran.

Oriole, Troupical oder fliegende Mandarine

Warawara, Carribean Caracara 
bis 60 cm groß, Spannweite bis 132 cm