Mittwoch, 13. April 2022

Die Jungferninseln - eine fette und eine überflutete

Es gibt noch viel mehr. Der östliche Teil ist britisch und der westliche amerikanisch. Da die USA Segler nur mit B2-Visum in ihre Hoheitsgebiete lassen, beschränken wir uns auf die British Virgin Islands. Nach dem Einklarieren sind zuerst einmal Virgin Gorda und Anegada dran. Eine Runde entgegen des Uhrzeigersinns ist geplant. 


zur besseren Orientierung ;-)

Die fette Jungfrau hat viel zu bieten. Ihre Felslandschaft im Süden fasziniert. Die Lady liegt direkt davor und wir genießen den besonderen Ort gleich mehrere Tage. Unsere Nachbarn sind fast nur Charterboote und teilweise größer als Einfamilienhäuser. Sie haben keine Zeit, kommen und gehen im Stunden- oder Tagesrhythmus. Besonders angetan hat uns die große Lagune im Norden. Mal ist es voll, mal sind wir fast allein. Dann macht das Kiten mehr Spaß. Auch unser neuer Wassersport, das Wingsurfen, klappt mit jedem Mal besser. Nach ein bis zwei Tagen benötigen unsere Muskeln jedoch Pause. 


Der Saba Rock ist eine winzige Insel auf der es touristisch wild zugeht. Eine schöne Abwechslung, aber auch sehr laut. Hier werden auch die zwei Meter langen Tarpune gefüttert. 

https://youtu.be/kY5fPuGrsSU


Saba Rock - von Rock ist nicht viel zu sehen

Als wir uns an einem Tag mit weniger Wind und Welle nach Anegada aufmachen, zähle ich zwanzig Segel vor und später zehn hinter uns. Richtung Horizont werden sie immer kleiner. Noch nie wurde unsere Route so exakt auf dem Wasser vorgezeichnet. Es sieht aus wie bei einer Entenfamilie. Die Insel ist so flach wie ein Stullenbrett. Anfangs sehen wir nur die Bäume aus dem Wasser ragen. Deshalb hat sie wohl auch ihren Namen erhalten. Wir erkunden Anegada mit den Rädern und essen ausnahmsweise Langusten und Conch. Die wenigen Einwohner leben von dieser Spezialität. Wenn man diese schönen und in weiten Teilen bedrohten Tiere kostet, dann hier.


wie praktisch, ein natürlicher Fahrradständer

Zurück machen wir noch einmal Halt in der Nähe des Saba Rocks. Erst nördlich der bereits bekannten Lagune, dann wieder mitten drin. Stefans Geburtstag wird ein Elton-John-Abend krönen. Da kommt nur ein Double, aber die Gelegenheit lassen wir uns trotz dessen nicht nehmen, denn Kultur erreicht die Crew der Lady ansonsten nur übers Internet. Ostern fällt mal wieder auf das selbe Wochenende. Bis dahin schnorcheln, kiten und wingsurfen wir. Stefan foilt inzwischen, aber das war ja nicht anders zu erwarten.


Rici und dann Stefan


erste Sammelerfolge am ersten Ankerplatz

Das ist er!
Wir sind ganz allein inmitten von Türkis, Blau, Grün und Gelb.

Felslandschaft "The Baths"



Romantik pur

Ich habe nicht mitgezählt, aber es muss sein.
Dabei poste ich nur die schönsten Sonnenuntergänge.

mal ein neuer Arbeitsplatz, Obergeschoss Saba Rock

Bewegung muss sein!
Nebenbei Schildkröten und Fische gucken.




Ostspitze Prickley Pear, gegenüber Eustatia

Geburtstagsgast am 16. April

Montag, 14. März 2022

Marie Galante - Insel der 100 Windmühlen

Tatsächlich sollen es sogar 105 gewesen sein. Marie Galante liegt etwas abseits der üblichen Route, da der Segler in der Regel gegen den Wind kreuzen muss, um sie zu erreichen. Für uns lohnt sich der Aufwand. Wir schlagen den Kurs bereits nördlich von Dominica ein und so genügt ein Schlag hart am Wind. Nach langer Zeit werden unsere Bergziegen aufgeweckt und aus dem Stall geholt. Wir genießen das Radeln durch Zuckerrohrfelder und verträumte Orte. Einige Windmühlen passieren wir auch. Den meisten fehlen Flügel und Dach, manchen hat die Natur eine Frisur wachsen lassen. Da die Insel nicht nur rund, sondern auch flach wie ein Eierkuchen ist, bietet sie sich für den Ackerbau geradezu an. Heute erleben wir ein ruhiges Eiland mit wenigen Touristen, wundervollen Stränden, freundlichen Menschen und gepflegten Ortschaften. Das ist nicht einmal für die französischen Antillen selbstverständlich und fällt positiv auf.


Die Reise zum Westflügel von Guadeloupe und an der Küste entlang bis zur nördlichsten Bucht ist bereits ein Abschied nehmen. Die Hauptstadt Basse-Terre präsentiert sich verwahrlost und wenig einladend. In Bouillante fließt ein heißer schwefeliger Fluss ins Meer. Er scheint direkt von den schlummernden Vulkanen aus dem Erdinneren zu kommen. Die Büste von Jacque Cousteau, 10 Meter tief auf dem Meeresgrund, und all seine Fischschwärme rund herum besuchen wir nach zwei Jahren noch einmal. Nach drei französischen Monaten landen wir nach fast genau zwei Jahren erneut in Deshaies. Hier wollten wir am 16. März 2020 ausklarieren, um weiter nach Antigua zu segeln und das war dank des weltweiten Lockdowns nicht mehr möglich. Einen wirklich schönen Abschluss bietet uns der Besuch des Botanischen Gartens ganz in der Nähe. Und dann geht es tatsächlich weiter. Am 13. März 2022 verlassen wir Guadeloupe Richtung Norden. Wir segeln nicht nach Antigua, sondern an Montserrat (seit zwei Jahren immer noch komplett geschlossen), St. Kitts und Nevis, St. Eustatius und Saba vorbei zu den British Virgin Islands. 26 Stunden sind veranschlagt. Es werden etwas mehr, aber das erzähle ich dann im nächsten Post.



Ich wundere mich, warum die Mühle auf einem Sockel steht
und stelle mich für den Größenvergleich in einen Eingang.

Habitation Roussel Trianon


Hier sitzen nicht die Schwalben auf den Drähten,
sondern die Epiphyten (Aufsitzerpflanzen).

    

Andere Länder, andere Schilder...

Pause an einem schönen Plätzchen.


Besuch kommt auch sofort.


GGG = Gueule Grand Gouffre

So parken wir unseren Kleinwagen.

Es regnet viel, danach gibt es meist ein Farbenschauspiel.

Eine seltene Aufnahme: Die Lady beim Segeln
Danke Patrick!

Rendez-vous mit Jacque Cousteau
Video: 
https://youtu.be/HksJMVQsJmE





Dienstag, 1. März 2022

Zurück nach Martinique

Nun ist unsere Lieferung aus Europa doch noch in Le Marin gelandet. Tatsächlich sind es zwei große und schwere Pakete. Sie enthalten Stefans neues Spielzeug, ein Foilbrett und den Wing dazu. Damit surft der wasserbegeisterte Sportler ohne Mast. Das Segel sieht wie ein doppelter Flügel aus und erinnert stark an unsere Kites. Der Surfer muss den fehlenden Mast mir einem stabilen Körper ersetzen und wenn er dass gut kann, hebt sein Brett ab und schwebt über dem Wasser. Das soll wie fliegen sein und Stefan ist optimistisch, dass er diese neue Funsportart auch noch lernen kann. Ich bin da etwas zurückhaltender. Quäle ich mich doch schon des öfteren ganz schön schwerfällig ins Dingi oder wieder heraus. Probieren will ich es aber auch. Wer will sich schon gern als alt abstempeln? Nun liegt das Hightech-Spielzeug in Le Marin, ganz im Süden von Martinique. Also segeln wir die knapp 100 Seemeilen zurück.

Wieder geht es in einem Step an Dominica vorbei, zwischen den Inseln mit viel Welle und schnellem Schiff. In Lee von Dominica benötigen wir auch manchmal den Motor. Dafür ist die See schön glatt. Ich kann das Mittagessen vorbereiten und es sogar genießen. Dann sehen wir bereits von weitem die Fontänen. Sie stieben immer wieder in die Höhe und kommen näher. Wie ein U-Boot taucht der lange, schwarze Kopf nur wenig aus dem Wasser, stößt den Blas aus und verschwindet wieder. Der Rücken mit der unscheinbaren gebogenen Flosse rundet sich. Auch diese taucht wieder unter der Wasseroberfläche, bevor das relativ schlanke Schwanzende mit der markanten breiten Walflosse erscheint. Das Wasser fließt in Strömen von der glatten schwarzen Fluke. Ein zweiter Artgenosse wiederholt das Spiel, der dritte ist etwas schüchterner. Wenige Sekunden später ist das Schauspiel vorbei. Das Segelflattern stört die großen Meeressäuger offensichtlich mehr als der Motor. Sie tauchen ab und lassen uns bewegt zurück. Nun haben wir endlich, nach fast drei Segeljahren, mit eigenen Augen echte Pottwale gesehen.

Wir ankern am Cap Enragé und entdecken in der Bucht ein weiteres artenreiches Aquarium. Hier wird die Idee geboren, uns das letzte Stück um den Diamanten herum, gegen Strom und Wind zu sparen. Wir segeln mit einem Kreuzschlag nach Fort-de France und mieten dort für 24 Stunden ein Auto. Das kostet zwar ein paar Taler, aber die Pakete sind bald verladen. Der Nachmittag bleibt für die Suche neuer Induktionsplatten reserviert. In der letzten Woche hat sich eine meiner Platten verabschiedet und den Dienst quittiert. Nach mehr als 10 Fachgeschäften haben wir nun zwei neue Geräte, eins zum Einbauen, das andere als Ersatz. 


Ins Restaurant kommen wir jedoch nur mit zwei zugedrückten Augen. Unser digitaler Impfpass-QR-Code ist nicht mehr valide. Ein dickes Kreuz degradiert uns als unwürdig für den öffentlichen Raum. Um weiter reisen zu können, brauchen wir nun den Booster. Stefan recherchiert und so erledigen wir auch das noch. Glücklicherweise geht es uns danach ganz gut. Nun ist unsere Biomasse wieder zertifiziert. Unglücklicherweise funktioniert der QR-Code der App weiterhin nicht.


Nach dieser ganzen Aufregung gönnen wir uns drei ruhige Tage in der Nähe von Les Trois Îlets. Wir treffen noch einmal Anne und Daniel zu einem gemeinsamen Abendessen und verabschieden uns endgültig. Dann baut Stefan sein neues Spielzeug auf und foilt tatsächlich beim ersten Versuch. Ich bin beeindruckt. Meine ersten Versuche beschränken sich auf das Board. Ich kann drauf stehen und die Füße wechseln, ohne ins Wasser zu fallen. Das ist auch schon ein guter Anfang. Ob mein Körper den Mast spielen kann, muss sich jedoch erst noch heraus stellen.


Nun wird es mal wieder Zeit für neue Welten im weiten Ozean. Nächste Ziele sind Marie Galante und die nördliche Karibik. Wir besuchen noch einmal das Aquarium am Cap Enragé und St. Pierre. Dieses Mal steht auch das Memorial zum Vulkanausbruch von 1902 auf dem Programm. Während wir auf La Palma noch überlegten, ob so ein feuerspeiender Berg auch explodieren kann, lernen wir hier, dass dies durchaus möglich ist. Am 08. Mai 1902 löschte eine so entstandene Feuerwolke in Minuten das Leben der gesamten Umgebung aus. Sie war dermaßen heiß, dass alle Häuser und Pflanzen, sogar die Schiffe auf Reede sofort Feuer fingen. Kaum einer konnte sich retten. Also seid vorsichtig mit diesen wütenden Schloten. Die kennen kein Erbarmen.


unsere ersten Pottwale in echt

Es waren wirklich Wale.

Wat mut, dat mut...

Beim Cocktailmeister Thierry zu Gast.

...und schon wieder was kaputt

Petit Îlet nur für uns

In einer alten Ziegelfabrik hat man alles stehen und liegen gelassen.

ohne Worte

Lady mit den Pitons im Hintergrund

Ausflug in ein Vogelparadies

Ist er nicht schön?

Was sagt ihr dazu?

Saint Pierre mit dem Mont Pelée im Hintergrund

Das war einmal der Haupteingang des Gymnasiums.

Nach der Explosion und dem anschließenden Feuer
bleiben nur noch Mauern.
Diese hat man zur Erinnerung stehen gelassen.






Sonntag, 20. Februar 2022

Hamburgbesuch auf der Lady

Wir sind gern zu Zweit unterwegs. Trotz dessen fehlt mir ab und zu mein Rudel. Aufgrund der inzwischen zwei Covid-Jahre ist Besuch selten geworden. Natürlich haben wir Familie und Freunde in Deutschland besucht, sechs Wochen lang. Nun sind Anne und Daniel für eine Woche bei uns und wir haben viel Zeit miteinander. Was sie anfangs wohl nicht wussten, dass sie einen Koffer bestellte Waren und Ersatzteile mitbringen müssen. Erst war es gar nicht so viel, aber dann brauchten wir noch dies und das. Die Pakete stapelten sich im Flur der beiden. Deshalb gab es nach dem langen Flug und einem Abendessen bei DouDou noch Bescherung im Boot.

Ein Mietwagen erleichtert die Inselerkundung. Da wir Guadeloupe vor zwei Jahren bereits mit Belinda entdeckten, fahren die beiden auch allein los. Die Wasserfälle am höchsten Vulkanberg der Insel erkunden wir gemeinsam, wandern durch den Regenwald, kühlen uns im Süßwasser ab, lassen uns von den Kaskaden bestäuben. Dem Essen kommt, aufgrund der Affinität unserer Gäste zu Frankreich, eine besondere Bedeutung zu. Ob im Restaurant oder an Boot, wir schlemmen uns durch die kreolische und französische Küche. Dazu oder auch zwischendurch gibt es karibischen Rum oder französischen Wein. 


Besonders schön werden die Tage auf Les Saintes. Die Insel Îlet à Cabrit wird unser Lieblingsstandort. Relaxen, Schnorcheln, Wandern, Sonnenuntergänge füllen die helle Zeit. Es schaukelt teilweise aber auch ganz schön, was dem Besuch dann zeigt: Das Leben an Bord ist nicht nur Romantik. Nun sind die beiden mit der Fähre nach Martinique und wir 11 Stunden in die selbe Richtung gesegelt. Unterwegs sichten wir drei Pottwale vor der Küste Dominicas. Es sind unsere ersten großen Wale. Das wurde ja auch mal Zeit!


Wiedersehen auf Kreolisch im "Chez Dou Dou"

Bescherung mitten in der Nacht auf der Lady

Spezialeierkuchen vom Capitano persönlich

3ème Chute du Carbet am La Soufriere auf Guadeloupe

Wir bewältigen auch unwegsame Wanderwege.

französisch... sehr lecker

kreolisch... sehr stark

französisch... sehr teuer

besondere Momente an besonderen Plätzen

Weil es so schön war, gleich noch einmal...


Kofferfisch verrät den
versteckten Kugelfisch 


Terre - de - Haut von 300 Höhenmeter

Da sind sie!
Pottwale vor Dominica