Wir sind gern zu Zweit unterwegs. Trotz dessen fehlt mir ab und zu mein Rudel. Aufgrund der inzwischen zwei Covid-Jahre ist Besuch selten geworden. Natürlich haben wir Familie und Freunde in Deutschland besucht, sechs Wochen lang. Nun sind Anne und Daniel für eine Woche bei uns und wir haben viel Zeit miteinander. Was sie anfangs wohl nicht wussten, dass sie einen Koffer bestellte Waren und Ersatzteile mitbringen müssen. Erst war es gar nicht so viel, aber dann brauchten wir noch dies und das. Die Pakete stapelten sich im Flur der beiden. Deshalb gab es nach dem langen Flug und einem Abendessen bei DouDou noch Bescherung im Boot.
Ein Mietwagen erleichtert die Inselerkundung. Da wir Guadeloupe vor zwei Jahren bereits mit Belinda entdeckten, fahren die beiden auch allein los. Die Wasserfälle am höchsten Vulkanberg der Insel erkunden wir gemeinsam, wandern durch den Regenwald, kühlen uns im Süßwasser ab, lassen uns von den Kaskaden bestäuben. Dem Essen kommt, aufgrund der Affinität unserer Gäste zu Frankreich, eine besondere Bedeutung zu. Ob im Restaurant oder an Boot, wir schlemmen uns durch die kreolische und französische Küche. Dazu oder auch zwischendurch gibt es karibischen Rum oder französischen Wein.
Besonders schön werden die Tage auf Les Saintes. Die Insel Îlet à Cabrit wird unser Lieblingsstandort. Relaxen, Schnorcheln, Wandern, Sonnenuntergänge füllen die helle Zeit. Es schaukelt teilweise aber auch ganz schön, was dem Besuch dann zeigt: Das Leben an Bord ist nicht nur Romantik. Nun sind die beiden mit der Fähre nach Martinique und wir 11 Stunden in die selbe Richtung gesegelt. Unterwegs sichten wir drei Pottwale vor der Küste Dominicas. Es sind unsere ersten großen Wale. Das wurde ja auch mal Zeit!
Wiedersehen auf Kreolisch im "Chez Dou Dou"
Bescherung mitten in der Nacht auf der Lady
Spezialeierkuchen vom Capitano persönlich
3ème Chute du Carbet am La Soufriere auf Guadeloupe
Die Bootswerft von Henry Amel befindet sich in La Rochelle. Im Mittelmeer und auf Martinique hat sie je eine Werkstatt eingerichtet. Ameleigner nutzen das Angebot in der Karibik gern, um ihr Schiff auf Herz und Nieren durchchecken zu lassen. Das kleine Handwerkerteam hier in Le Marin ist so gut drauf, dass Reparatur- und Wartungsarbeiten sogar deutlich besser laufen, als am Mutterstandort in Frankreich. So liegen wir mit anderen Amel 54, 55, 60, Maramu’s, und Supermaramu’s dicht an dicht nebeneinander an einem langen Steg. Jeden morgen kommt der Oberarzt Alban mit seinen beiden Fachärzten auf seinem Fahrrad auf dem Ponton zur Chefvisite entlang. Ihre Patienten liegen rechts und links in ihren Betten. Parallel oder nach und nach werden alle Krankheiten behandelt. Wer will, bekommt auch noch eine Kur und Gesundheitshinweise. Das Dreamteam ist immer fröhlich, pünktlich, außerordentlich kompetent und arbeitet schnell. So ist es kein Wunder, dass auch die Bootsbesitzer gute Laune haben. Ich backe für die Jungs einen Zitronenkuchen und zaubere damit ein zusätzliches Lächeln in ihre Gesichter. Stefan ist so dankbar, dass er einige, nicht mehr benötigte Ersatzteile dort lässt.
Den größten Auftrag bekommt jedoch der Rigger von uns. Das gesamte stehende Gut muss einmal ausgetauscht werden. Im November vereinbaren wir per Email einen Termin für den 27. Dezember 2021. Drei bis vier Tage werden veranschlagt. Die Lady liegt pünktlich am überfüllten Riggerponton im Päckchen und die Arbeiten beginnen planmäßig. Statt drei Tage werden es vier Wochen, was verschiedene Gründe hat. Zuerst beginnen die Rigger mit der falschen Wantenstärke. Beauftragt wurden dickere und so muss ein Teil der Arbeit wiederholt werden. Andere Boote kommen und gehen. Sie haben offensichtlich Priorität oder kommunizieren vielleicht nachdrücklicher. Stefan lässt sich einen neuen Furler aufschwatzen, um den letzten lästigen, verschleißanfälligen von Bamar loszuwerden. Das gute Stück muss aber erst aus Frankreich kommen. Der Vollständigkeit wird oben der völlig intakte Marokko abgebaut (Drahtseil zwischen den Mastspitzen), um später festzustellen, dass neue Teile fehlen. Der zwei Jahre alte Reckman-Furler muss überprüft werden, schließlich hat er gerade noch so Garantie. Beim Aufbau wird ein Teil vergessen, was einen erneuten Ab- und Aufbau erfordert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Unwägbarkeiten aufgezählt habe. Wir verlassen den Riggersteg zwischenzeitlich, um in St. Anne zu ankern, zu schnorcheln, zu schwimmen oder zu wandern und am Amelsteg zu liegen. Letztendlich steht unser Rigg nun. Neue Segel werden aufgezogen und unsere Lady erstrahlt in neuen Kleidern. Beim Segeln schlägt sich nun jede Böe sofort in Geschwindigkeit nieder.
Zum Schluss schrubben wir all den Dreck von den Arbeitsschuhen vom Deck und genießen unser frischen Zuhause. Eine Lieferung steht noch aus, etwas Zeit haben wir noch bis zu unserer Verabredung mit Anne und Daniel auf Guadeloupe. Der Ausflug auf die Luvseite (Ostseite) der Insel lohnt sich. Dort entdecken wir das wirklich schöne Martinique. Erstaunlicherweise sind im Osten kaum Boote unterwegs. Die Atlantikwellen schütteln uns ordentlich durch und schrecken wohl auch die meisten Segler ab. Auf der ‚Presqu’île de Caravelle‘ gibt es einen 10 Kilometer langen Rundwanderweg und interessante Gutshausruinen einer Zucker- und Kaffeefarm des 18. Jahrhunderts. Ein deutscher Audioguide führt uns über das einsame Gelände des ‚Château Dubuc’, für das nicht nur Eintritt und Maske, sondern auch ein gültiges Impfzertifikat nötig sind. Die Bucht von ‚Le Robert‘ wird zu meinem absoluten Lieblingsort auf der Insel. Eine riesige spiegelglatte See und viele Inseln versetzen mich in die geliebte mecklenburger Binnenseelandschaft. In der Bucht von Le François lassen wir die Lady vor Anker allein und besuchen die ‚Habitation de Clément‘. Ein lohnender Ausflug auf das Gelände einer Rum-Destillerie mit gepflegter weitläufiger Parkanlage, viel Kunst, Historie und alkoholisiertem Zuckersaft in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen.
Am 5. Februar wird es Zeit für den Aufbruch nach Guadeloupe. Am elften werden wir Anne und Daniel vom Flughafen abholen und eine gemeinsame Woche an Bord verbringen. Unser zweiter Besuch nach dem Lockdown im März 2020! Die letzte Lieferung ist immer noch nicht da. Es sind zwei Pakete, die ein Wingfoilset enthalten. Es gibt weder Nachrichten über den Verbleib noch eine prognostizierte Ankunftszeit. Somit kann die Sendung in zwei Tagen, sechs Monaten oder gar nicht kommen. Ich sitze im Cockpit, Le Marin hinter und der Diamant vor uns, und schreibe diesen Post. Die See auf der Leeseite ist ruhig. St. Lucia ist als Scherenschnitt am linken Horizont zu sehen. Ein sanfter achterlicher Wind und etwas Strömung treiben uns nach Norden. Über die ‚Anse Dufour‘, ‚St. Pierre‘ und ‚Les Saintes‘ steuern wir ‚Pointe à Pitre‘ auf Guadeloupe an. Dominica müssen wir umrunden, um einen weiteren PCR-Test zu vermeiden. Mit guten Wind ist dieses lange Stück in 10 Stunden zu schaffen.
Von El Hierro werden wir fünf Tage 789 Seemeilen `gen Südwesten segeln, um Mindelo im Kap-Verden-Archipel zu erreichen. Dort wollen wir ein wenig Afrikaluft schnuppern, eine zweite, vielleicht auch dritte kapverdische Insel kennen lernen, die Kühlschränke noch einmal auffüllen, um dann die zweite Etappe nach Westen in die Karibik in Angriff zu nehmen. Unser Ziel ist Martinique und beim letzten Mal im Januar 2019 haben wir für diese gut 2100 Seemeilen 14 Tage benötigt. Im Moment dürfen wir als „Geimpfte“ in die Kap Verden und auch auf die französischen Karibikinseln ohne weitere PCR-Tests einreisen. Deshalb entscheiden wir uns gegen Barbados, das wir noch nicht kennen, und Grenada sowie die Grenadinen, wo ich so gern noch ein paar Wochen länger geblieben wäre. Da wir nach neun! mehr oder weniger schmerzvollen Hirnuntersuchungen die Nase buchstäblich und im übertragenen Sinne voll haben, wird sich unsere Reise nun zusätzlich nach den Covid-Einreisebedingungen richten, so weit möglich zumindest. So der Plan und wieder kommt es anders.
Die erste Etappe bewältigen wir sehr bewegt in 107 Stunden, der Motor muss nur bei sieben davon helfen. Das ist ein guter Schnitt. Wir haben ein nigelnagelneues 175 qm großes Leichtwindsegel von Oxley. Weil man es vor den Bug spannt und die Firma uns den Namen fast in den Mund legt, nennen wir es „den Ochsen“. Er ist für Rückenwind gedacht und deshalb wurde er vor diesem Atlantikcrossing angeschafft. Erst ist die Welle zu groß, um das dünne große Tuch herauszuholen, als es ruhiger wird, wagen wir es und der Ochse zieht gut. Wir sind mit 9 - 10 Knoten unterwegs und haben Spaß. Fünf Stunden später gibt es einen lauten Knall und das neue Leichtwindsegel flattert knistern herum. Schnell bergen wir es und entdecken ein komplett abgerissenes Schothorn. Wie kann das denn passieren? So etwas haben wir beide noch nie gesehen. Es hilft nichts, der Ochse wird schwer verletzt verstaut und wir segeln auf traditionelle Weise, etwa 1,5 Knoten langsamer, weiter. Schade eigentlich, er wird uns insbesondere auf der zweiten, deutlich längeren Etappe sehr fehlen.
Mindelo empfängt uns diesig. Inzwischen wissen wir, das dies am Saharasand in der Luft liegt. Sie Sonne wirkt eher wie ein großer gelber Mond und São Vicentes Berge sehen wir gespenstisch erst kurz vor Ankunft vor uns aufragen. Während unserer Überfahrt haben die Behörden der Kap Verden entschlossen, dass sie nun doch einen PCR-Test sehen wollen. Geimpft oder nicht spielt dabei keine Rolle mehr. Wir drehen eine Runde durch Mindelo, atmen die sandige Luft und entscheiden uns für einen kurzen Aufenthalt. Das Einklarierungsbüro finden wir sicherheitshalber nicht und hoffen, dass uns niemand nach den Einreisepapieren fragt. Auf den Mercados kaufen wir frisches Gemüse und Obst sowie ein dickes Stück vom Thunfisch. Der Ankerplatz vor Mindelo ist sehr unruhig. Beständig weht es mit Böen um die 30 Knoten. Also beschließen wir, die Bucht zu wechseln, um vor dem Crossing noch eine Nacht ruhig zu schlafen.
Wild geht es durch die Meerenge zwischen den zwei nordöstlichsten Inseln des Archipels. In der von uns anvisierten Bucht haben wir plötzlich 45 Knoten von vorn. Trotz ablandigen Wind schäumt sie komplett weiß und scheint nicht eine windgeschützte Ecke zu haben. Überall werden Schaumkronen in dichten Tropfenwolken über das Meer getrieben. Stellt euch einen Schneesturm vor, statt Flocken fliegt der Sprühregen horizontal. Eine Ecke weiter sieht es nicht besser aus. Zurück ist quasi unmöglich. Trotz voller Motorkraft kämen wir nur mit zwei Knoten voran. Die See kocht, der Wind pfeift und unser Cockpitdach wackelt. Wir drehen bei, richten den Bug nach West und starten nur halb vorbereitet und unerwartet einen Tag eher über den Atlantik. Mehr als 2000 Seemeilen weiter westlich befindet sich eine wundervolle ruhige Bucht. Dort werden wir also Ankern.
Die Kap Verden sind erneut nicht unser Fall. Nicht nur die sandige Luft und das afrikanische Flair, sondern auch die schlechten Ankerbedingungen sorgen dafür. Es gibt genügend Segler, die das anders sehen, aber wir weinen dem Archipel keine Träne nach. Das nächste Mal, sollte es noch eines geben, werden wir, wie viele andere auch, direkt von den Kanarischen Inseln starten. Das Seglercafé direkt an der Marina in Mindelo strahl jedoch einen besonderes Flair aus. So haben wir die Aufbruchstimmung noch nirgendwo anders erlebt. Die Atmosphäre auf der Terrasse ist so gesättigt davon, dass ich sie greifen kann. Egal welche Sprache die Segler hier sprechen, wir spüren das Adrenalin, die Aufregung und Spannung vor diesem Crossing.
Dann umgibt uns für fast 12 Tage nur noch Wasser, das sich meist in mehr oder weniger drei Meter hohen Wellen bewegt. Die Lady kommt aus dem Schaukeln nicht mehr heraus. Beschäftigungen fallen aus, da man sich permanent festhalten und beim Herumsitzen sicher verkeilen muss. Lesen geht manchmal, hören ist besser. Trotz Tabletten ist mir latent flau im Magen. Deshalb bin ich auch immer früh im Bett. Gleich am ersten Abend rutscht Stefan auf Socken ungebremst durch die Küche. Statt sich festzuhalten, schlagt er mit dem Kopf auf. Seine Stirn ist halbmondförmig in der Größe einer Untertasse aufgeplatzt. Ein Schrei holt mich aus dem Bett. Ich ziehe ihm seekrank bei Seegang die Stirn aus den Augen und fixiere sie mit Steri-Stripes dort, wo sie hingehört. Stefan hält mich derweil fest, damit ich die Hände frei habe und nicht auch noch unkontrolliert im Rumpf umherfliege. Zum Glück heilt alles gut, keine Gehirnerschütterung oder Entzündung. Dafür steckt mir ein Riesenschreck in den Knochen. Stefan sollte mit Helm segeln und er bekommt Sockenverbot. Zum Ende der Strecke wird es zeitweise etwas ruhiger. Wie alles hat auch diese Medallie zwei Seiten: Viel Wind und Welle bedeuten hohe Geschwindigkeit. Unser Spinnackerbaum macht das nicht mit. Nach ein paar Tagen bricht er mit lautem Knall und wir segeln mal wieder langsamer weiter. Die fliegenden Fische tanzen auf den Wellen Ballett wie kleine Tinkerbells, viel zu schnell, um sie ablichten zu können. Delfine kommen zwei Mal, bleiben dafür eine Weile und unterhalten uns mit tollkühnen Sprüngen. Klar mache ich einen Film für euch und einen zweiten zum Crossing allgemein. Alles weiteren Details zur Überfahrt könnt ihr dann in meiner nächsten Kurzgeschichte nachlesen. Die soll vielleicht Ende Januar fertig werden. Alles braucht seine Zeit und die während des Crossings konnte ich sie leider nicht nutzen.
Jedenfalls landen wir 2111 Seemeilen und 287 Stunden später zum Sonnenaufgang in der wundervoll ruhigen Bucht vor St. Anne im Süden von Martinique.
Binnen Sekunden ist all das Leid auf dem Meer vergessen.
Ja, darüber könnt ihr nur lachen, denn in Deutschland herrscht echtes Novemberwetter und die ersten Schneestürme sind angesagt. Aber wir frieren. Es wird Zeit, mit den Zugvögeln zu reisen. Sie sind uns wahrscheinlich weit voraus. Wir tragen wieder lange Hosen, Kaschmirpullover und Weste. Ich nähe Stefan einen kuschelwarmen Bademantel. Abends läuft die Heizung an Bord. Jeder Sonnenstrahl wird eingefangen und nach langer Zeit gab es mal wieder heiße Linsensuppe.
El Hierro lohnt sich. Da die Insel so abgeschlagen liegt und außerdem so klein ist, verirren sich nur wenige hier hin. Als La Gomera schon lange fertig war, reißt die Erdkruste tief im Atlantik. Die austretende Lava türmt sich steil auf, bis der neue Gebirgsrücken aus der Wasseroberfläche ragt. 2000 Meter sollen es gewesen sein und dann stürzt ein Teil der Insel in Meer, verursacht einen riesigen Tsunami, der wohl sogar bis Amerika reicht und hinterlässt eine wundervolle langgezogene Bucht - El Golfo genannt. Dort quartieren wir uns in das kleinste Hotel der Welt ein, dort tosen die Wellen fortwährend an den schwarzen Basalt, von dort aus erkunden wir mit einem Mietwagen die Insel und dort fliege ich das erste Mal mit einem Paragleitschirm von über 1000 Metern Höhe hinunter ins Tal. Wie ein Adler kreise ich während des Sonnenuntergangs in der Thermik, ziehe einen großen Bogen über weiß schäumenden Wellen und türkisblauen Wasser an der rauhen tiefschwarzen Küste.
Hier kann man wandern, César Manrique besuchen und bei ihm mit bester Aussicht über die El Golfo-Bucht zu Abend essen. Viele Aussichtspunkte bieten eine spektakuläre Sicht, da es überall sehr steil hinab geht. Von 1500 Metern sehen wir Teneriffa, La Gomera und La Palma. Hier wachsen die windflüchtenden Wacholder, jeder ein eigenes Kunstwerk. Hier war lange Zeit das Ende der Welt. Auf den westlichsten Zipfel der südwestlichsten kanarischen Insel legte man im Mittelalter den Nullmeridian. Erst 1884 wird er nach Greenwich verlegt. Damals hat man die Karten noch von links nach rechts beschriftet. Was für eine Verwirrung muss das gegeben haben. Musste man doch immer fragen, von welchem Jahr die Koordinaten stammen, um nicht plötzlich am völlig falschen Ort zu landen. Natürlich gucken wir uns den westlichsten Zipfel der alten Welt genau so wie auch den südlichsten an. Wieder einmal stehen wir am Ende der Welt und erinnern uns ans Kap Finisterre in Portugal.
Hier kann man sich in einem Freiluftmuseum die Häuser aus den letzten Jahrhunderten ansehen. Diese kamen erst mit den Spaniern. Davor lebten die Bimbaches in Lavahöhlen. Als man die Häuser obendrauf baut, werden sie als Keller oder Ställe weiter genutzt und so können wir auch diese heute noch besichtigen. Das ist wirklich spannend und einzigartig. El Hierro ist für viele Menschen zu trocken. Die Ureinwohner haben das Wasser von den Bäumen geholt. Von denen tropft es nämlich, wenn die Wolken in den blattreichen Kronen hängen. Diese heiligen Bäume können wir uns auch ansehen. Heute sind sie einbetoniert. Das Wasser fließt am tiefsten Punkt ab und kann so ohne Verluste eingesammelt werden. Durch den Nebel müsse wir auch immer wieder. Von einem Moment auf den anderen steckt man in der grauen undurchsichtigen Wolke und im nächsten Moment scheint die Sonne am hellblauen Himmel.
Nun bereiten wir uns auf die Atlantiküberquerung vor. Über Kap Verden geht es nach Martinique. In Mindelo wird das Wetter entscheiden, ob wir die Inseln noch ein wenig näher kennen lernen oder gleich weiter segeln. Die Reise bleibt spannend, kein Plan ist gewiss, Flexibilität gefragt. Wir haben alle Zeit der Welt. Nicht ganz, Anne und Daniel wollen uns Ende Januar in der Karibik besuchen. Darauf freuen wir uns so, dass wir natürlich rechtzeitig da sein werden. Ich werde mich nun doch noch einmal mit Französisch versuchen und habe für die Überfahrt einen Lehrgang gekauft. Mal sehen, ob man meine ersten Versuche dann wohlwollender entgegen nimmt.
Vogelperspektive auf unser Zuhause: Puerto de Estaca
Dinner bei César Manrique
Lavawohnhöle zur Bodega umfunktioniert
Das kleinste Hotel der Welt wird ständig von schäumenden Wellen umspült
Wir finden fünf natürliche Basaltbrücken. Wie lange die wohl halten. Ich traue mich nicht rauf.
Jeder dieser windflüchtenden Wacholder stellt ein Kunstwerk dar.
Wie ein Adler über den Wolken in der Thermik, ich bin fasziniert und wahrscheinlich infiziert.
Auf der Karte sieht die Insel wie ein Weihnachtsplätzchen aus. Schaut man sie sich genauer an, handelt es sich eher um eines aus längst vergangener Zeit.
Das 11 Millionen Jahre alte Eiland hat inzwischen schon so viel Regen, Wind und Wellen erlebt, so dass sich seine Bergrücken und Vulkanschlote nackt präsentieren. Wie uralte Wächter ragen die riesigen Felsen in der Mitte der Insel heraus. Von hier ziehen sich tiefe schmale Täler in alle Himmelsrichtungen zum Meer. Dort fließt das Regenwasser hindurch und der Mensch sorgt für viel Grün. Urzeitliche Laurazeenwälder bedecken die Füße der erkalteten Vulkane wie eine flauschig grüne Decke. Darunter wird es jedoch nicht warm. Die bemoosten Bäumchen fangen die Feuchtigkeit der Wolken ein und halten ihre eisigen Temperaturen fest. Der Wanderer muss entweder unempfindlich sein oder etwas Warmes zum Überziehen dabei haben. Auf den sonnenbeschienenen Felsen und unter dem schattigen Blätterdach herrscht ein Unterschied von 20 bis 30 Grad Celsius. Der letzte Vulkan war vor zwei Millionen Jahren aktiv und damit kann La Gomera wohl als Ururgroßmutter von La Palma gelten. Das junge Kücken wächst ja immer noch.
Wir erkunden die Insel wandernd. Mit dem Bus lassen wir uns von Ost nach West und von Süd nach Nord fahren und nutzen die alten Wege der Ureinwohner. Hier geht es so steil hinunter, dass sie wohl den längsten Wanderstab der Menschheit erfunden haben. So kann man besser die steilen Klippen von Absatz zu Absatz hinunter springen. Meine Stickis sind zwar nur etwa halb so lang, aber dafür habe ich zwei und sie sind eine gute Hilfe. Außerdem gibt es hier eine Pfeifsprache. So spart man sich den mühseligen Weg hinunter ins Tal und wieder hinauf. Man kann sich von der Terrasse über den Abgrund hinweg zum gegenüberliegenden Anwesen unterhalten. Heute steht diese Art der Kommunikation in allen Schulen der Insel auf dem Lehrplan. Wir entdecken wunderschöne kleine alte Orte, klettern scheinbar senkrechte Felswände hinauf und hinunter, wandern auf kargen Bergrücken entlang und schauen den Falken auf den Rücken, balancieren durch einen Flusslauf bis zu einem erfrischendem Wasserfall, im vergeblichen Bestreben, keine nassen Füße zu bekommen. Im Valle Grand Rey treffen wir fast nur Deutsche, während ich in San Sebastián mein Spanisch weiter trainieren kann.
Dann werden wir quasi weggeschickt. Die Marina ist so überfüllt, das sogar Stefan an der Herrentoilette anstehen muss. Es gibt wohl eine ellenlange Reservationsliste und zwei Verlängerungen wären genug. Nun soll die Lady Platz für andere Boote machen. Da kein Wind ist, müssen wir erneut motoren, die gesamte Strecke bis El Hierro, neun lange Stunden. So darf das aber nicht weiter gehen! Immerhin haben uns die Delfine nicht vergessen. Sie besuchen uns, um eine Weile abwechselnd in unserer Bugwelle zu surfen.
Reparaturarbeiten: Unser Schiff soll dichter werden!
Nackte Bergrücken und im Hintergrund die Wächter mit der grünen Fußdecke