Montag, 12. Juli 2021

Santa Maria, Insel die aus Träumen geboren…

Roland Kaiser wusste offensichtlich wovon er singt. Wir mieten uns für fünf Tage ein Auto und entdecken diese außerordentlich schöne Insel. Während Ricardo und Crew weiter an unserem Boot arbeiten (mehr oder weniger), fahren wir zum ersten Mal elektrisch und das fühlt sich toll an. Zum Schluss tanken wir den Hybrid mit nur 12 Litern Gasolino (Normalbenzin) auf. Dafür darf der Mietpreis dann ruhig ein wenig teurer sein. 

Dieses Mal bin ich dank eines Reiseführers gut vorbereitet und deshalb der Reiseleiter. Wir erkunden erst die Südküste, dann die im Norden, besteigen den Pico und sehen von dort oben die gesamte Insel. So groß ist sie ja nicht. Immer wieder halten wir, an all den Miradouros, Ausschau nach Walen, leider erfolglos. Dafür entdecken wir eine alte Walfangstation, die zwar interessant ist, uns aber auch die Gänsehaut über den Rücken jagt. Gut, dass diese Tiere inzwischen nicht mehr zum Beuteschema des europäischen Menschen gehören. Auch auf den Azoren verdient man jetzt eher daran, sie den Touristen zu zeigen. Beeindruckend sind die alten Terrassen an den Hängen, auf denen Wein, Obst und Gemüse angepflanzt werden. Sie geben den Bergen eine ganz besondere Struktur. Einst mussten die Siedler dieser Insel aufwendig viele Trockenmauern aufstapeln, damit ihnen der Regen nicht die gesamte Ernte ins Meer spült. 

Natürlich wandern wir auch. Das kann man hier sehr gut, da die Wege nicht nur gut ausgebaut, sondern auch fast durchgängig gekennzeichnet sind. Dass Problem sind nur die Höhenmeter. Da ziehen wir beide mit der Zunge eine Furche in den Boden und überreden teilweise unsere Schenkel zu jedem einzelnen Schritt. Besonders schön ist der Rundweg um den Pico. Da er meist in den Wolken hängt, ist alles, Wege, Felswände, Baumstämme grün: vom Laub, vom Gras, vom Moos, von den Flechten und sogar von den Walderdbeeren. Aber es geht dauernd hoch oder runter. Insgesamt kommen wir mit 270 Höhenmetern an unsere Grenzen. Ein anderer Weg führt uns dermaßen knapp an der Steilküste entlang, dass wir es mit der Angst zu tun bekommen. Im Norden finden wir eine Höhle und insgesamt besichtigen wir vier Wasserfälle, darunter mit 110 Metern den höchsten von ganz Portugal. Leuchttürme, hübsche kleine Orte und in der Landschaft verteilte weiße Häuschen, alle mit den typischen Schornsteinen der Algarve. Diese saftige, steinige, hügelige Insel scheint einem Märchenbuch zu entstammen. 

Nun sind wir wieder hauptsächlich an Bord, auch wenn noch auf dem Trockenen. Das bedeutet für jeden Toilettenbesuch einen Spaziergang einzulegen, den Kakerlaken aus dem Weg zu springen, die öffentliche Dusche zu benutzen und den Abwasch in der Schüssel zu erledigen. Nicht besonders komfortabel, aber unerlässlich auf einem Werftgelände. Stefan kümmert sich um das Boot. Carlos poliert seit zwei Wochen und ist immer noch nicht fertig. Heute sollen die neue Lichtmaschine und die reparierte Kühlwasserpumpe eingebaut werden. Wir warten noch auf unsere Pakete und in dieser Woche kommt Folie auf den Rumpf, einerseits mit Logo und Schiffsnamen, andererseits farblos zum Schutz der Wasserkante. Ich verewige uns an der Mauer, ein Muss für Weltumsegler. Es wird unser zweites Wallpainting. Das erste prangt auf Porto Santo an der Kaimauer. Ob wir zu den anderen Inseln segeln oder fliegen, ist noch nicht ganz raus. Wie immer wird die Zeit dies zeigen.

Alles grün, da der Berg fast immer in Wolken steckt.
Die Agaven blühen überall,
hier vor traditionellen Feldterrassen und dem Farol de Gonçalo Velho.
Am Fuße des Leuchtturms
eine verlassene und verfallene Walfangstation
schnell weg...
märchenhafte Wanderwege
blühende Sommerwiesen und kleine Orte zwischen Hügeln
Darf ich vorstellen? Fatima
Picknickplatz oberhalb eines Wasserfalls mit Froschkonzert
Immer wieder führen die Wanderwege über Weideland.
São Lorenço liegt in einem eingebrochenen Vulkankrater.
Der ehemalige Steinbruch wird zum Paradies.
Diese Basalformationen kennen wir bereits von Porto Santo.
Ganz schön kribbelig, diese Wanderwege an der Steilküste.
Foz da Ribeira do Aveiro, Portugals höchster Wasserfall
Am oberen Rand des Wasserfalls schauen wir 110 Meter in die Tiefe.
Auf einem Schild steht: dies ist eine Ruine.
Zypressen, Krüppelbäume und Blumen 


Freitag, 2. Juli 2021

5 Wochen in unserem Rudel

Trotz des ganzen Aufwandes mit zusätzlichen PCR-Tests und immerwährenden Ungewissheiten wagen wir den Deutschlandbesuch. Immerhin haben wir unser Rudel bereits seit zwei Jahren nicht mehr beschnuppert. Aufgrund der Corona-Pandemie hatten wir auch seit März 2020 keinen Besuch mehr an Bord. Bevor es zum Ende des Jahres wieder in die Karibik geht, ist immerhin die Reisestrecke kürzer. In Deutschland entspannt sich die Covid-Situation gerade ein wenig. Es scheint, wir haben mit dem Juni einen günstigen Zeitpunkt erwischt. In Hamburg dürfen die Restaurants und Läden wieder öffnen, was jene Bewohner in Scharen an die frische Luft, in die Parks, auf die Alster und ihre Kanäle treibt. Ich kann nicht sagen, was voller ist, die Wiesen und Wege oder die Wasseroberfläche. Wir erleben das erste Wochenende in der nordischen Großstadt mit echtem Frühsommerwetter und werden unweigerlich an Goethes Osterspaziergang erinnert. 

„Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

denn sie sind selber auferstanden.

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern…“


Ich genieße das Wiedersehen mit Anne und sie bewirtet uns köstlich. Von ihr habe ich einen Großteil meiner Kochkunst gelernt und inzwischen hat sie ihre weiter vervollkommnet. Zwei gemeinsame Tage mit Anne, Daniel, Lucy und Edgar. Wir genießen jede Sekunde! 


Dann geht es weiter nach Rostock und ich schließe mein Schwesterherz in die Arme. Ihre Jungs sind junge Männer geworden. An den Kindern sieht man erst, wie lang 730 Tage sind. Anton läuft gerade in die Ziellinie seines Abimarathons ein. Ein Lauf, der in Coronazeiten deutlich selbständiger und mit viel weniger Boxenstopps absolviert werden muss. Und dann müssen die Prüfungsfragenerfinder in Mathematik ihre bereits seit Jahren bewiesenen Gemeinheiten noch verdoppeln. Ich verstehe diese Strategie nicht und werde wohl auch nicht mehr dahinter steigen. Sie hat gar nichts mit Pädagogik zu tun und wirkt in keinster Weise positiv auf die Entwicklung unserer jungen Erwachsenen. Das krasse Gegenteil ist der Fall! Anton kann trotz aller Hindernisse ein gutes Abitur vorweisen und wir sind alle stolz auf ihn. Seine Lehrstelle bei den Panzerknackern hat er sicher. Mein großer Neffe wird Goldschmied wie seine Mutter. Nun sind aber erst einmal Ferien und die brauchen beide Jungs dringend. Theo hat noch ein Jahr, um sich auf diesen unsäglichen Marathon vorzubereiten. Dann geht es auch für ihn ins Rennen.


Wir genießen zwei Wochen in Rostock, besuchen täglich Freunde, erzählen und essen. Tagsüber erholen wir uns in Netti´s und Thorstens Oase und erledigen ein paar notwendige Arztbesuche. Ute und Bernd haben nun einen Garten und genießen ihre grüne Insel. Ines baut sich weiterhin ein neues Leben auf und wehrt sich standhaft gegen emotionale Angriffe. Iris und Detlef müssen gerade die liebe Mama beerdigen und haben trotz dessen Zeit für uns. Was der Alltag für die einen ist, wird für uns zum anstrengenden und doch so wundervollen Intensivtrip. Der Kontrast zu unserem Bootsleben in einsamer Zweisamkeit ist überwältigend. Wir feiern Joachims Geburtstag und stutzen gleich ein paar Bäume im Garten. Belinda und Maxe stellen uns ihre Partner vor, mit denen sie seit geraumer Zeit glücklich sind. Wir treffen uns vor Restaurants oder kochen gemeinsam, sitzen im Garten oder auf der Terrasse, immer mit leckeren Speisen und viel Gesprächsstoff. 


Dann gehts für eine Woche nach Templin, umweltfreundlich und preiswert mit dem Zug. Wenn man Zeit hat, lässt sich die entspannte Fahrt selbst mit Umwegen genießen. Wir feiern Muttis Geburtstag, erleben das wirklich schöne Templin mit seinen vielen frisch sanierten mittelalterlichen Fachwerkhäusern, gehen im Lübbesee baden, durchstreifen das wunderschöne "Boitzenburger Land" und gammeln einen ganzen Tag mit einem Floß auf den Feldberger Seen herum. Mir wird wieder einmal mit große Macht bewusst, an welch einem traumhaften Ort ich aufwachsen durfte. Dieses Gefühl, einschließlich einer tiefen Dankbarkeit, überwältigt mich und macht mein Herz ganz weit. Wir treffen meine Schulfreundin Kathleen mit ihrem Mann und vergessen die Zeit auf ihrer Terrasse. Weit nach Mitternacht schlendern wir durch eine warme Sommernacht durch die dunklen Straßen der Stadt. Tags darauf werden wir unkompliziert in Kathleens Arztpraxis gegen das Coronavirus geimpft. 


Unsere letzte Stadtion ist Landshut. Für unsere Tochter planen wir ebenfalls zwei Wochenenden ein. Wir stromern durch ihre neue Heimatstadt an der Isar, die uns im Zentrum sehr an Rostock erinnert, wandern am Donaudurchbruch zur Weltenburg, einem im 7. Jh. gegründeten Kloster, das auf einer Sandbank steht und besuchen Alexanders Eltern. Ein fünftägiger Ausflug in den Schwarzwald ermöglicht uns zwei angenehme Abende mit Stefans Bruder Adrian und seiner Familie. Wir lernen die einzigartigen Orte Altensteig und Berneck kennen, deren Häuser nicht nur auf steinernem Grund stehen, sondern in die steilen Felswände gebaut wurden. So viele Eindrücke in so kurzer Zeit, die erst einmal geordnet und verarbeitet werden müssen. Die letzte Woche wird etwas ruhiger und ich überwinde mich endlich dazu, die Buchhaltung und Steuererklärung für 2020 zu machen. Morgen geht es zurück zu unserem Boot nach Santa Maria in den Azoren. Weitere PCR-Tests sind trotz erster Impfung unumgänglich. Aber all das ist es wert, um unsere Lieben in den Arm zu nehmen, Zeit mit ihnen zu verbringen und emotional auf den neuesten Stand gebracht zu werden. 


Nun hoffen wir auf Gegenbesuche. Kathleen und Marco wollen Ende Oktober kommen. Edgar hat deutlich Interesse geäußert. Mal sehen ob er die Reise umsetzen kann. Die Azoren gehören zu Portugal, welches nun zum Virusvariantengebiet erklärt wurde. Da spielt es keine Rolle, ob die Inseln betroffen sind oder nicht. Will man zurück nach Deutschland, müssen 14 Tage Quarantäne eingeplant werden. Für im Homeoffice Arbeitende und Rentner ist das sicherlich kein Problem. Von September bis November sind wir wahrscheinlich auf den Kanarischen Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro. Danach ist ein letzter Stop in Mindelo auf den Kap Verden geplant, bevor wir im Dezember oder Januar in die Karibik zurücksegeln. Wer ein bisschen weiter fliegen kann und echtes Karibikflair erleben will, dem empfehlen wir Grenada und die Grenadinen im Januar und Februar. Alle Termine ergeben sich grob aus der derzeitigen Planung. Ob es so kommt, wird die Zeit zeigen. Wir freuen uns jedenfalls sehr auf euren Besuch. Sagt Bescheid wo oder wann und wir planen gemeinsam unseren Treffpunkt. Bis bald!


Osterspaziergang in Hamburg an der Alster

Freundinnen fürs Leben

bei Ute und Bernd im Garten

Rudel beim Essen im Rostocker Stadthafen

Ein ganzer Tag mit Iris und Detlef 

Familienzuwachs
(Julian und Angkana sind leider noch nicht in D.)

Erinnerungen schweißen uns zusammen.

in Netti`s Paradies entspannen

Gemeinsam sorgen wir für mehr Licht.

So ein junger Hund steht meist im Mittelpunkt.
(Kiko will ein Therapiehund werden.)


mit Muddi bei Vaddi



gemeinsame Wanderungen in Bayern

beim Pruda mit Familie

wie die Tochter so die Mama
(Oder war es umgekehrt?)


Dienstag, 18. Mai 2021

2789 Seemeilen = 5165,23 Kilometer

 

in 16 Tagen und 20 Stunden = 404 h

6,6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit

39 Motorstunden (meist als Segelunterstützung)

vom 30. April 2021, 8:20 Uhr bis 17. Mai 2021, 4:30 Uhr (Bahamaszeit)

von Nord-Eleuthera, Bahamas bis Santa Maria, Azoren


Unsere zweite Atlantiküberquerung dauerte genau so lange. Wir könnten auch kurz sagen, denn im Durchschnitt planen die Segler etwa drei Wochen, also etwa 21 Tage, ein. Im Allgemeinen gilt der Norden und die West-Ost-Richtung als nicht so komfortabel, wie jene viel weiter südlich gelegene Route in entgegengesetzter Richtung. Immerhin überquerten wir den 37. Breitengrad. Ab dem 40. sollen im Mai noch Eisberge anzutreffen sein. Hier oben entstehen auch all die Stürme, welche sich über den Atlantik bis nach Europa ziehen und unter Seglern besonders gefürchtet sind. Wir waren also auf so einige Unannehmlichkeiten gefasst.


Nach einem Bilderbuchstart verlässt uns der Wind. Wenig war angesagt, aber davon die Hälfte reicht dann doch nicht aus. In den ersten vier Tagen hatten wir 39 Motorstunden, um die Segel zu unterstützen und einen Nachmittag überhaupt voranzukommen. Durchschnittlich sind uns 5,5 Knoten Reisegeschwindigkeit dann doch zu wenig. Ab dem 5. Tag brauchten wir den Motor dann gar nicht mehr und nach Bermudas zieht die Lady wie gewohnt zügig durch das Meer. Dafür müssen wir viel Bewegung im Boot akzeptieren. Der eine Sturm zieht vor uns wie versprochen weg und so nutzen wir die Kante mit mittleren Winden für unsere zügige Reise. Der nächste Wirbel bildet sich erst hinter uns und schiebt, holt uns jedoch nicht ein. Perfekte Bedingungen also!


Mein Anglerglück verlässt mich. Fünf mal befreit sich der Fisch, bevor ich überhaupt am Heck angekommen bin. Dann interessieren sich nur noch die Möwen für meinen Köder. Ich muss ihn rein holen, damit wenigstens etwas von ihm übrig bleibt. So ein dummes Federvieh! Man sollte doch denken, es gehöre zur Überlebensstrategie zu wissen, was gegessen werden darf. Eine Woche sind die Wellen so wild, dass ich die Angel gar nicht erst raus werfe. So wird es eine Überfahrt ohne frischen Fisch. Dafür besuchen uns im zweiten Teil der Reise täglich Delfine. In kleinen und großen Gruppen toben sie sich in unserer Burgwelle aus, haben sichtlich Spaß und bleiben unterschiedlich lange. Für mich sind diese Visiten das absolute Highlight der Reise. Zwar hoffen wir auch auf Walsichtungen, aber scheinbar sind diese Meeressäuger zu beschäftigt.


Aufgrund der guten Wetterbedingungen ging während der Überfahrt fast gar nichts kaputt. Einzig unser Windstärkemessgerät, das normaler Weise seinen Platz ganz oben auf der Mastspitze hat, fliegt uns in der letzten Woche davon. Die restlichen 600 Seemeilen müssen wir dann nach Gefühl segeln. Glücklicherweise bleibt der Wind moderat und konstant. Während der letzten drei Tage müssen wir dann trödeln, um nicht eventuell im Dunkeln anzukommen. Da Segler nie davon ausgehen dürfen, dass der Wind bis zum Ziel beständig weht, werden die Segel gerefft (verkleinert). Mit dem Sonnenaufgang erreichen wir Santa Maria, die südlichste und östlichste Insel des Azoren-Archipels. Obwohl wir nach fast 17 Tagen Quarantäne auf dem Meer die Covid-Inkubationszeit deutlich überschreiten, verhängt man in der Marina die nächste für uns. Erst muss ein Test gemacht werden und nach dem negativen Ergebnis dürfen wir erst richtig einreisen. Sicherheitshalber fordern die aktuellen Richtlinien auf den Azoren jeweils am 6. und am 12. Tag einen weiteren Test. Sicher ist sicher! Die Zwangshaft am Steg nutzen wir, um die Lady gründlich von innen und außen zu putzen. Das ist auch dringend nötig. 


PS: Ausführlicher werde ich in meiner Reisegeschichte zur Atlantiküberquerung. Was wollt ihr genau wissen? Mit euren Fragen könnt ihr meine Erzählung mitgestalten. Ich freue mich darauf.


Bilderbuchstart und letzte Grüße über WhatsApp


Flaute und 7 Meilen vor uns Gewitterwolken.
Rechts neben der Mitte könnt ihr die Windhose erkennen.

Wir schalten das Radar ein, motoren im Slalom durch die Squalls (rote Flecken auf dem Bildschirm) und bleiben verschont. 

Segeln bei Flaute und Entspannung an Deck.

Ausgebaumt, so kompliziert kann Segelsetzen sein.
Bei Rückenwind lohnt sich die Arbeit jedoch.

Ausguck bei rauschenden, weißschäumenden Bugwellen,
die sich sogar an Deck trauen.

Unser Kartenplotter schafft keine 10 000 Meilen.
Wir müssen zurück auf Start 
(in einer Art Gefängnis sind wir ja bereits).

Ich liebe diese fröhlichen und kraftvollen Tiere.
Jeder Besuch wird zum Highlight, immer wieder.

Die Sonne wacht direkt links neben Santa Maria auf. 

Die Insel trägt eine dicke, weißgraue Lockenfrisur.

Sonntag, 25. April 2021

Good Bye Bahamas

Nach viereinhalb Monaten verabschieden wir uns von diesen unzähligen Inseln. Niemals hätte ich geglaubt, dass wir so lange an einem Ort verweilen würden. Es ist schön hier. Schwimmen und schnorcheln gehören zur Tagesordnung, Strandspaziergänge und Dingitouren ebenso.  Aber die nächste Hurrikansaison kommt bestimmt und die Bahamas liegen mitten drin. Möglich, dass sich der erste Wirbelsturm bereits im Mai blicken lässt. Da wir diese wilden Typen ungern persönlich kennen lernen, machen wir uns beizeiten aus dem Staub. 

Deshalb bereiten wir uns nicht nur seelisch und moralisch auf ein dreiwöchiges Crossing über den Atlantik vor. Die Lady wird auf Herz und Nieren geprüft. Das dauert, denn sie hat viele Organe. Der dicke Volvomotor, der ja möglichst wenig zum Einsatz kommen soll, ist so etwas wie eine Lebensversicherung auf hoher See. Alle Segel, die dazugehörigen kleinen Elektromotoren, Winschen und Furler müssen funktionieren, damit unser Haus und Transportmittel den Wind nutzen kann. Wir benötigen den Wassermacher, den Bordstrom inklusive Inverter genauso wie intakte Kühlschränke. Natürlich darf die gesamte Bordelektronik mit Funkgerät, Kartenplotter, allen möglichen Messgeräte und dazugehörigen Sensoren nicht ausfallen. Zusätzlich hat Stefan unser Satellitentelefon wieder angemeldet, aktiviert und getestet. Damit bekommen wir dann hoffentlich die aktuellen Wetterdaten auf hoher See. Schöner Nebeneffekt ist, dass wir regelmäßig eine SMS mit unseren Koordinaten an Belinda versenden können. Sie ist so lieb, als Ansprechpartner sowie Multiplikator zu vermitteln und wird dazu vielleicht eine WhatsApp-Gruppe einrichten. 

Ich bringe die Lady innen auf Hochglanz, prüfe die Vorräte, wasche Bettwäsche, Handtücher und Klamotten. All das ist auf See schwierig und muss deshalb dann für drei Wochen reichen. Mittwoch wollen wir den Supermarkt plündern, unsere drei! Kühlschränke und die Bilgen füllen, zumindest mit dem was zu kriegen ist. Es wird Zeit, dass wir Portugal erreichen. Unsere Vorräte sind aufgebraucht. Dann soll es Donnerstag oder je nach aktuellem Wetterbericht etwas später los gehen. Drei Wochen waren wir noch nie ununterbrochen auf See. Normalerweise gibt es einen Zwischenstopp auf den Bermudas. Wir haben jedoch keine Lust auf einen zusätzlichen PCR-Test. Davon werden wir auf den Azoren noch genug haben. Im Moment drohen sie Einreisenden drei ! an. Doppelt hält besser und mehr ist noch sicherer ;-) Da spielt es keine Rolle, dass ob man vorher drei Wochen auf See war und gar kein Covid haben kann. „Safety first!“

Wir sind so weit und auf die lange Seereise vorbereitet, freuen uns auf die Azoren und vielleicht klappt ja dann auch der Besuch in Deutschland. Macht euch keine Sorgen, denn die Lady ist ein gutes und sicheres Boot, der Capitano weiß was er tut und ich werde ihn nach besten Kräften versorgen sowie unterstützen. Erst einmal sagen wir Ahoi, senden liebe Grüße und melden uns dann Ende Mai von den portugiesischen Inseln mitten im Atlantik wieder.

Beim Schorcheln am Wrack entdecken wir diesen scheuen Hai

Vor der großen Fahrt wird das Unterwasserschiff geputzt (, damit es nicht daran liegt, wenn wir so langsam sind;-)

Freundliche Schweine bekommen von mir natürlich Gemüse und Streicheleinheiten

So sieht es hier beim Zoll aus. Hier lagern u.a. die Ausklarierungspapiere.

Zeit für Wanderungen und Höhlenbesichtigungen bleibt natürlich auch

Einkaufen und Einkehren in Spanish Wells

Hier sammeln sich deutsche Segler zum Crossing

Geburtstagstorte, von junger Frau