Mittwoch, 18. Mai 2022

All die anderen britischen Jungfrauen

Nach Stefans Geburtstag mit einem zweifelhaften Elton-John-Verschnitt und wild tanzenden Urlaubern ziehen wir weiter unsere Runde durch die britischen Jungfraueninseln gegen den Uhrzeigersinn. An den Seal Dogs vorbei, ankern und schnorcheln wir am Georg Dog und am Great Dog. In Spanisch Town wird Proviant aufgefüllt. Auch wenn alles das Dreifache kostet, so lässt es sich zumindest bezahlen und die Qualität stimmt auch. Das ist in den BVIs nicht selbstverständlich.


Tortola bietet viele Buchten, leider eignen sich nur wenige zum Ankern. Immerhin kann man auf dieser Insel herumwandern. Es geht zwar steil rauf und runter, aber die Aussichten sind spektakulär. In der Brewers Bay unterhalten uns die Pelikane mit ihren Flugkünsten. Hier entdecke ich, dass jeder eine andere Frisur trägt. Auf Beef Island finden wir einen richtigen Wanderweg und entdecken ein Kolibrinest.


Jost Van Dyke liegt etwas abseits, bietet aber eine einsame Sandinsel mit Palmen und den Bubbly Pool. Wir gehen nicht hinein, schauen uns das Wellenspektakel lieber von oben an. Inzwischen habe ich Respekt vor weißschäumenden Wellen. Im Foxy’s Taboo ist das Essen großartig und zur Abwechslung bezahlbar. 


Soper’s Hole bietet uns Schutz vor den angesagten Gewittern. Die enge Bucht liegt nicht nur zwischen hohen Bergen. Hier sind all die Charterboote zu Hause und es gibt genügend Masten, die deutlich höher sind als die beiden unserer Lady.


Zum Schluss nehmen wir uns die Kleinen Schwestern vor. Ein ganzer Monat ist für Norman und Peter reserviert. Alle empfehlen sie als die Schönsten. Was wir erst dort mitbekommen, beide sind komplett privat und wandern ist unmöglich. Die Schnorchelspots auf Norman und an den Indians sind dafür die besten im gesamten Revier. Peter betreten wir dann heimlich auf der ungenutzten Seite. Abgesehen von rolligen Ankerplätzen werden uns lange Strände und spektakuläre Felsformationen geboten. Wir bleiben nicht lange, genießen die Landschaft aber in vollen Zügen. Über Luv und Cooper Island gehts viel früher als gedacht nochmals zurück nach Tortola. Wir wollen mal wieder die Füße vertreten. Außerdem können wir an der Long Bay nochmals wingsurfen. Hier liegt die Lady ganz allein an einem angesagten Partystrand. 


Wenn sich die Amis nicht so hätten, könnten wir ihre Jungfrauen auch besuchen. Die US-Amerikanischen Inseln, sind die einzigen in der gesamten Karibik (Welt?), für deren Besuch mit dem eigenen Boot ein spezielles Visum benötigt wird. Also lassen wir es ruhig angehen, der Sommer wird aufregend genug (3-4 Monate Rucksacktour Lateinamerika). Ich schreibe am Azorenbuch und Stefan entspannt sich ein wenig, wenn keine Hiobsbotschaften aus Rostock kommen. So langsam stimmen wir uns auf Bonaire ein. Anfang Juni werden wir ein gutes Wetterfenster suchen. Die Überfahrt wird voraussichtlich drei Tage dauern. Die BVIs sind ein traumhaftes Segelrevier. Wandern kann man hier jedoch kaum. Alle Zeichen stehen auf Wassersport: schwimmen, schnorcheln, wingsurfen, kiten, paddeln oder einfach nur baden.


BVI unter der Wasseroberfläche:

Teil 1: Unter der Lady

Teil 2: Rifflandschaft, Snapper und Makrelen

Teil 3: Lieblingstiere

Teil 4: Doktorfische, Kofferfische, Eidechsen- und Flötenfisch

Teil 5: Die besonders mutigen Fische im Riff

Teil 6: Papageienfische

Teil 7: Versteckspiele



Ich finde, Hund Georg ist sehr gut zu erkennen.
Der Zahn wird durch einen Seevogel gestellt.
Er hat dort sein Nest in bester Wohnlage.

kitschig, romantisch und immer wieder schön

nur einige der britischen Jungfrauen, Blick von Tortola

Brewers Bay und im Hintergrund Jost Van Dyke

Pelikane in Schwärmen, ich zähle einmal 50 Tiere

Atlantikwellen: weiß, kraftvoll, gefährlich

Sundowner mal anders, Jost Van Dyke am Bubbly Pool


Boxenstop in Soper's Hole

Alt und Neu bieten oft schöne Fotomotive.

The Indians und Pelican Island
Seht ihr auch den Kopf und die vier Finger
aus dem Wasser gucken?

Höhlenschnorcheln in Privateer Bay, Norman Island




Wenn die Insel privat ist,
findet man die Bar auf dem Wasser.

nicht sehr höflich, dafür sehr eindeutig

Dann bewegen wir uns halt auf dem Wasser.

atemberaubend schön und einsam
Key Point auf Peters Island

Seeigel am Strand
In der Form sehen wir sie zum ersten Mal.

Kolibrinachwuchs
Das Nest hat den Durchmesser des Ein-Euro-Stücks.
Genau zwei Eier passen hinein.



Juni 2022 - Juni 2023

 Auf Anfrage eine grobe Planung:

(auch wenn wir nie wissen, ob das so klappt)


Juni  Bonaire

Juli Aruba (Boot verlassen)/Amazonas

August  Brasilien/Kolumbien

September          Ecuador/Galapagos

Oktober         Peru /zurück zum Boot

November Kolumbien

Dezember San Blas

Jan- Mai         Panama/ Pazifik

Juni Deutschland


Wir sind unterwegs!



Mittwoch, 13. April 2022

Die Jungferninseln - eine fette und eine überflutete

Es gibt noch viel mehr. Der östliche Teil ist britisch und der westliche amerikanisch. Da die USA Segler nur mit B2-Visum in ihre Hoheitsgebiete lassen, beschränken wir uns auf die British Virgin Islands. Nach dem Einklarieren sind zuerst einmal Virgin Gorda und Anegada dran. Eine Runde entgegen des Uhrzeigersinns ist geplant. 


zur besseren Orientierung ;-)

Die fette Jungfrau hat viel zu bieten. Ihre Felslandschaft im Süden fasziniert. Die Lady liegt direkt davor und wir genießen den besonderen Ort gleich mehrere Tage. Unsere Nachbarn sind fast nur Charterboote und teilweise größer als Einfamilienhäuser. Sie haben keine Zeit, kommen und gehen im Stunden- oder Tagesrhythmus. Besonders angetan hat uns die große Lagune im Norden. Mal ist es voll, mal sind wir fast allein. Dann macht das Kiten mehr Spaß. Auch unser neuer Wassersport, das Wingsurfen, klappt mit jedem Mal besser. Nach ein bis zwei Tagen benötigen unsere Muskeln jedoch Pause. 


Der Saba Rock ist eine winzige Insel auf der es touristisch wild zugeht. Eine schöne Abwechslung, aber auch sehr laut. Hier werden auch die zwei Meter langen Tarpune gefüttert. 

https://youtu.be/kY5fPuGrsSU


Saba Rock - von Rock ist nicht viel zu sehen

Als wir uns an einem Tag mit weniger Wind und Welle nach Anegada aufmachen, zähle ich zwanzig Segel vor und später zehn hinter uns. Richtung Horizont werden sie immer kleiner. Noch nie wurde unsere Route so exakt auf dem Wasser vorgezeichnet. Es sieht aus wie bei einer Entenfamilie. Die Insel ist so flach wie ein Stullenbrett. Anfangs sehen wir nur die Bäume aus dem Wasser ragen. Deshalb hat sie wohl auch ihren Namen erhalten. Wir erkunden Anegada mit den Rädern und essen ausnahmsweise Langusten und Conch. Die wenigen Einwohner leben von dieser Spezialität. Wenn man diese schönen und in weiten Teilen bedrohten Tiere kostet, dann hier.


wie praktisch, ein natürlicher Fahrradständer

Zurück machen wir noch einmal Halt in der Nähe des Saba Rocks. Erst nördlich der bereits bekannten Lagune, dann wieder mitten drin. Stefans Geburtstag wird ein Elton-John-Abend krönen. Da kommt nur ein Double, aber die Gelegenheit lassen wir uns trotz dessen nicht nehmen, denn Kultur erreicht die Crew der Lady ansonsten nur übers Internet. Ostern fällt mal wieder auf das selbe Wochenende. Bis dahin schnorcheln, kiten und wingsurfen wir. Stefan foilt inzwischen, aber das war ja nicht anders zu erwarten.


Rici und dann Stefan


erste Sammelerfolge am ersten Ankerplatz

Das ist er!
Wir sind ganz allein inmitten von Türkis, Blau, Grün und Gelb.

Felslandschaft "The Baths"



Romantik pur

Ich habe nicht mitgezählt, aber es muss sein.
Dabei poste ich nur die schönsten Sonnenuntergänge.

mal ein neuer Arbeitsplatz, Obergeschoss Saba Rock

Bewegung muss sein!
Nebenbei Schildkröten und Fische gucken.




Ostspitze Prickley Pear, gegenüber Eustatia

Geburtstagsgast am 16. April

Montag, 14. März 2022

Marie Galante - Insel der 100 Windmühlen

Tatsächlich sollen es sogar 105 gewesen sein. Marie Galante liegt etwas abseits der üblichen Route, da der Segler in der Regel gegen den Wind kreuzen muss, um sie zu erreichen. Für uns lohnt sich der Aufwand. Wir schlagen den Kurs bereits nördlich von Dominica ein und so genügt ein Schlag hart am Wind. Nach langer Zeit werden unsere Bergziegen aufgeweckt und aus dem Stall geholt. Wir genießen das Radeln durch Zuckerrohrfelder und verträumte Orte. Einige Windmühlen passieren wir auch. Den meisten fehlen Flügel und Dach, manchen hat die Natur eine Frisur wachsen lassen. Da die Insel nicht nur rund, sondern auch flach wie ein Eierkuchen ist, bietet sie sich für den Ackerbau geradezu an. Heute erleben wir ein ruhiges Eiland mit wenigen Touristen, wundervollen Stränden, freundlichen Menschen und gepflegten Ortschaften. Das ist nicht einmal für die französischen Antillen selbstverständlich und fällt positiv auf.


Die Reise zum Westflügel von Guadeloupe und an der Küste entlang bis zur nördlichsten Bucht ist bereits ein Abschied nehmen. Die Hauptstadt Basse-Terre präsentiert sich verwahrlost und wenig einladend. In Bouillante fließt ein heißer schwefeliger Fluss ins Meer. Er scheint direkt von den schlummernden Vulkanen aus dem Erdinneren zu kommen. Die Büste von Jacque Cousteau, 10 Meter tief auf dem Meeresgrund, und all seine Fischschwärme rund herum besuchen wir nach zwei Jahren noch einmal. Nach drei französischen Monaten landen wir nach fast genau zwei Jahren erneut in Deshaies. Hier wollten wir am 16. März 2020 ausklarieren, um weiter nach Antigua zu segeln und das war dank des weltweiten Lockdowns nicht mehr möglich. Einen wirklich schönen Abschluss bietet uns der Besuch des Botanischen Gartens ganz in der Nähe. Und dann geht es tatsächlich weiter. Am 13. März 2022 verlassen wir Guadeloupe Richtung Norden. Wir segeln nicht nach Antigua, sondern an Montserrat (seit zwei Jahren immer noch komplett geschlossen), St. Kitts und Nevis, St. Eustatius und Saba vorbei zu den British Virgin Islands. 26 Stunden sind veranschlagt. Es werden etwas mehr, aber das erzähle ich dann im nächsten Post.



Ich wundere mich, warum die Mühle auf einem Sockel steht
und stelle mich für den Größenvergleich in einen Eingang.

Habitation Roussel Trianon


Hier sitzen nicht die Schwalben auf den Drähten,
sondern die Epiphyten (Aufsitzerpflanzen).

    

Andere Länder, andere Schilder...

Pause an einem schönen Plätzchen.


Besuch kommt auch sofort.


GGG = Gueule Grand Gouffre

So parken wir unseren Kleinwagen.

Es regnet viel, danach gibt es meist ein Farbenschauspiel.

Eine seltene Aufnahme: Die Lady beim Segeln
Danke Patrick!

Rendez-vous mit Jacque Cousteau
Video: 
https://youtu.be/HksJMVQsJmE





Dienstag, 1. März 2022

Zurück nach Martinique

Nun ist unsere Lieferung aus Europa doch noch in Le Marin gelandet. Tatsächlich sind es zwei große und schwere Pakete. Sie enthalten Stefans neues Spielzeug, ein Foilbrett und den Wing dazu. Damit surft der wasserbegeisterte Sportler ohne Mast. Das Segel sieht wie ein doppelter Flügel aus und erinnert stark an unsere Kites. Der Surfer muss den fehlenden Mast mir einem stabilen Körper ersetzen und wenn er dass gut kann, hebt sein Brett ab und schwebt über dem Wasser. Das soll wie fliegen sein und Stefan ist optimistisch, dass er diese neue Funsportart auch noch lernen kann. Ich bin da etwas zurückhaltender. Quäle ich mich doch schon des öfteren ganz schön schwerfällig ins Dingi oder wieder heraus. Probieren will ich es aber auch. Wer will sich schon gern als alt abstempeln? Nun liegt das Hightech-Spielzeug in Le Marin, ganz im Süden von Martinique. Also segeln wir die knapp 100 Seemeilen zurück.

Wieder geht es in einem Step an Dominica vorbei, zwischen den Inseln mit viel Welle und schnellem Schiff. In Lee von Dominica benötigen wir auch manchmal den Motor. Dafür ist die See schön glatt. Ich kann das Mittagessen vorbereiten und es sogar genießen. Dann sehen wir bereits von weitem die Fontänen. Sie stieben immer wieder in die Höhe und kommen näher. Wie ein U-Boot taucht der lange, schwarze Kopf nur wenig aus dem Wasser, stößt den Blas aus und verschwindet wieder. Der Rücken mit der unscheinbaren gebogenen Flosse rundet sich. Auch diese taucht wieder unter der Wasseroberfläche, bevor das relativ schlanke Schwanzende mit der markanten breiten Walflosse erscheint. Das Wasser fließt in Strömen von der glatten schwarzen Fluke. Ein zweiter Artgenosse wiederholt das Spiel, der dritte ist etwas schüchterner. Wenige Sekunden später ist das Schauspiel vorbei. Das Segelflattern stört die großen Meeressäuger offensichtlich mehr als der Motor. Sie tauchen ab und lassen uns bewegt zurück. Nun haben wir endlich, nach fast drei Segeljahren, mit eigenen Augen echte Pottwale gesehen.

Wir ankern am Cap Enragé und entdecken in der Bucht ein weiteres artenreiches Aquarium. Hier wird die Idee geboren, uns das letzte Stück um den Diamanten herum, gegen Strom und Wind zu sparen. Wir segeln mit einem Kreuzschlag nach Fort-de France und mieten dort für 24 Stunden ein Auto. Das kostet zwar ein paar Taler, aber die Pakete sind bald verladen. Der Nachmittag bleibt für die Suche neuer Induktionsplatten reserviert. In der letzten Woche hat sich eine meiner Platten verabschiedet und den Dienst quittiert. Nach mehr als 10 Fachgeschäften haben wir nun zwei neue Geräte, eins zum Einbauen, das andere als Ersatz. 


Ins Restaurant kommen wir jedoch nur mit zwei zugedrückten Augen. Unser digitaler Impfpass-QR-Code ist nicht mehr valide. Ein dickes Kreuz degradiert uns als unwürdig für den öffentlichen Raum. Um weiter reisen zu können, brauchen wir nun den Booster. Stefan recherchiert und so erledigen wir auch das noch. Glücklicherweise geht es uns danach ganz gut. Nun ist unsere Biomasse wieder zertifiziert. Unglücklicherweise funktioniert der QR-Code der App weiterhin nicht.


Nach dieser ganzen Aufregung gönnen wir uns drei ruhige Tage in der Nähe von Les Trois Îlets. Wir treffen noch einmal Anne und Daniel zu einem gemeinsamen Abendessen und verabschieden uns endgültig. Dann baut Stefan sein neues Spielzeug auf und foilt tatsächlich beim ersten Versuch. Ich bin beeindruckt. Meine ersten Versuche beschränken sich auf das Board. Ich kann drauf stehen und die Füße wechseln, ohne ins Wasser zu fallen. Das ist auch schon ein guter Anfang. Ob mein Körper den Mast spielen kann, muss sich jedoch erst noch heraus stellen.


Nun wird es mal wieder Zeit für neue Welten im weiten Ozean. Nächste Ziele sind Marie Galante und die nördliche Karibik. Wir besuchen noch einmal das Aquarium am Cap Enragé und St. Pierre. Dieses Mal steht auch das Memorial zum Vulkanausbruch von 1902 auf dem Programm. Während wir auf La Palma noch überlegten, ob so ein feuerspeiender Berg auch explodieren kann, lernen wir hier, dass dies durchaus möglich ist. Am 08. Mai 1902 löschte eine so entstandene Feuerwolke in Minuten das Leben der gesamten Umgebung aus. Sie war dermaßen heiß, dass alle Häuser und Pflanzen, sogar die Schiffe auf Reede sofort Feuer fingen. Kaum einer konnte sich retten. Also seid vorsichtig mit diesen wütenden Schloten. Die kennen kein Erbarmen.


unsere ersten Pottwale in echt

Es waren wirklich Wale.

Wat mut, dat mut...

Beim Cocktailmeister Thierry zu Gast.

...und schon wieder was kaputt

Petit Îlet nur für uns

In einer alten Ziegelfabrik hat man alles stehen und liegen gelassen.

ohne Worte

Lady mit den Pitons im Hintergrund

Ausflug in ein Vogelparadies

Ist er nicht schön?

Was sagt ihr dazu?

Saint Pierre mit dem Mont Pelée im Hintergrund

Das war einmal der Haupteingang des Gymnasiums.

Nach der Explosion und dem anschließenden Feuer
bleiben nur noch Mauern.
Diese hat man zur Erinnerung stehen gelassen.