La Palma zeigt sich widerspenstig. Wir benötigen mehrere Anläufe, um diese nordwestlichste Insel der Kanaren zu erkunden. Deshalb gibt es heute eine kurze Zeitleiste zur besseren Orientierung:
15.09.
Start von Santa Maria Azoren, die Marina Tazacorte konnte uns keinen Liegeplatz anbieten und so weichen wir in die deutlich unbeliebtere in Santa Cruz aus.
19.09.
Wir erreichen nachts um ein Uhr die Marina in Santa Cruz. Nur wenige Stunden später bricht der Vulkan in der Cumbre Vieja aus. Santa Cruz stellt sich nun als die bessere Wahl heraus, weil die Lava und die Aschewolken Richtung Tazacorte ziehen. Die schöne alte Stadt begeistert uns. Die Inselentdeckung muss warten, weil im Moment die Evakuierungen laufen. Da will und darf man nicht stören.
24.09.- 11.10.
Afrikaurlaub mit der Mutti
12.10. - 16.10.
Wir leben uns wieder ein und freuen uns auf unseren ersten Besuch seit dem Lockdown in der Karibik. Ich informiere mich über die Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten auf der Insel, Stefan mietet ein Auto.
15.10. + 16.10.
Der Wind lässt nach. Erst fällt grober Sand vom Himmel, dann wird er feiner bis es nur noch Asche ist. Dieser Vulkanniederschlag hört nicht auf. Wir schlafen mit Maske und bekommen trotzdem Halsschmerzen und den Rotz. Die Kopfhaut juckt.
16.10.
Ich sitze schon im Bus, um Kathleen und Marco vom Flughafen abzuholen. Ein Anruf von Stefan lässt mich umkehren: „Das Flugzeug landet auf Teneriffa.“ Es folgt eine Krisensitzung, dann laden wir die beiden aus. La Palma ist im Moment kein Urlaubsort. Kathleen und Marco stehen gerade am Kofferband, reagieren unkompliziert und sehr schnell, nehmen ein Taxi und die nächste Fähre nach La Gomera. Unterwegs buchen sie ein Hotel in San Sebastián. Wir fragen nach einem Liegeplatz, aber die Marina kann uns keinen anbieten.
17.10.
Wir spülen den gesamten Tag das Boot. Vorher muss die zentimeterdicke Ascheschicht mit der Schaufel geschippt werden. Inzwischen lässt sie sich nämlich nicht mehr fegen. Mich erinnert das ans Schneeschippen. Nur ist dieser Matsch tiefschwarz. Wir freuen uns über die sauberen Flächen, aber hinter uns ist wieder alles grau. Ich bekomme Angst vor der nächsten Nacht und einer weiteren dicken Ascheschicht. Auch meine Halsschmerzen werden schlimmer. Inzwischen fühle ich mich krank und glaube an eine echte Erkältung. Stefan macht das Boot klar und wir starten ohne Wind um 16 Uhr Richtung La Gomera. Etwa eine halbe Meile vor der Küste hört der Ascheregen auf. Die Insel hinter uns ist von tiefliegenden Wolken umringt und sieht aus, als läge sie im Morgennebel. Wir spülen das Boot notdürftig mit Bordwasser aus dem Tank weiter.
18.10.
Gegen Mitternacht passieren wir die Lichter von San Sebastián de La Gomera und ankern in der nächsten Bucht. Die restliche Nacht wird unruhig. Unsere Lady schaukelt in den Dünungswellen. Morgens spüle das Boot weiter mit Seewasser, das ich mir mühsam mit der Pütz über die Reling ziehe. Danach müssen wir erst aus der Bucht raus, bevor wir die Marina erreichen. Wider Erwarten haben sie tatsächlich einen Liegeplatz für uns. Nach dem Anlegen spüle ich das Boot erneut, während Stefan einklariert. Kathleen und Marco können an Bord.
18.10. - 22.10.
Wir haben eine schöne gemeinsame Zeit mit unseren Freunden, entspannen, erzählen, gehen schön essen, sehen Wale und schnorcheln in einer Bucht. Die gesamte Zeit schwebt die Frage im Hintergrund: „Von wo startet am Samstag der Flieger nach Deutschland? Wird es La Palma sein oder wieder Teneriffa.“ Da La Gomera mittendrin liegt, ist das schon wichtig. Eindeutige Informationen fehlen. So nehmen Kathleen und Marco am Freitag die Fähre nach La Palma und buchen auf der Insel eine Nacht im Hotel. Die fährt über Teneriffa, was erst unnötig umständlich erscheint und sich dann als Glücksfall heraus stellt. Auf der Fähre trudelt die Mail ein, dass der Flieger morgen von Teneriffa startet. Die beiden steigen spontan dort aus, buchen nun dort in ein weiteres Hotel ein und kommen letztendlich gut wieder zu Hause an. Gut, wenn man lösungsorientiert sowie schnell denken und handeln kann. „Schön dass ihr da wart und die ganzen Probleme so gelassen bewältigt habt.“
23.10.
Für vier Tage ist auf La Palma Wind angesagt. Stefan bucht Fähre, Hotel, Mietwagen und Rückflug. Die Verlängerung des Liegeplatzes auf La Gomera muss er sich danach überraschender Weise erst erkämpfen.
24.10- 28.10.
Nun entdecken wir endlich La Palma.
Die Insel ist wirklich schön und ich kann sie jeden ans Herz legen. Sehr grün, viele Wanderwege, grandiose Aussichten, nette Menschen, gute Restaurants…
Für den zweiten Abend reservieren wir einen Tisch südlich von El Paso, quasi am Fuß des feuerspeienden Ascheberges. Dieser bietet uns ein spektakuläres Feuerwerk mit glühenden Lavaströmen, lässt aber auch die Angst in den Brustkorb kriechen. Niemals hätte ich gedacht, einem solchen Naturschaupiel so nahe zu sein. Tazacorte bekommen wir wieder nicht zu Gesicht. Am Aussichtspunkt El Time drehen wir um, weil wir von hier oben die Asche förmlich regnen sehen und der Hals trotz Maske erneut kratzt. Auf dem Caldeirarand über 2000 Meter ist die Luft außergewöhnlich klar. Wir schauen von oben auf ein Wolkenmeer, dass in dem ersten großen Vulkankessel der Insel festhängt. Wie ein Atompilz ragt die dunkle Vulkanwolke heraus. Auch der Teijde auf der Nachbarinsel ist so klar zu sehen, als wäre er nur einen Steinwurf entfernt. Und dann sind da noch die urzeitlichen Lorbeerwälder in den tiefen schmalen Tälern im Norden von La Palma. An den knorrigen Ästen wachsen grüne Mooshaare, was sie zusätzlich alt erscheinen lässt. Ich habe eine Kurzgeschichte dazu geschrieben, die ich digital veröffentlichen werde. Als Taschenbuch lohnt es sich wohl nicht. Vielleicht druckt die Yacht einen Teil davon. Das wird sich wahrscheinlich nächste Woche entscheiden.
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| Verkehrte Welt: Schwarzer Schnee auf weißem Grund |
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| Endlich mal wieder Besuch! Wer kommt als nächstes? |
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| Grindwale, auch Pilotwale genannt |
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Der noch namenlose Vulkan in der Cumbre Vieja: 19.09.2021 - ??? |
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| mehrere Hundert Meter hohe Feuerfontänen |
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2351 m hoch auf dem Monte Santa Cruz Die Aschewolke hebt sich deutlich heraus. |