Montag, 15. November 2021

La Gomera - Auf Schusters Rappen

Auf der Karte sieht die Insel wie ein Weihnachtsplätzchen aus. Schaut man sie sich genauer an, handelt es sich eher um eines aus längst vergangener Zeit. 

Das 11 Millionen Jahre alte Eiland hat inzwischen schon so viel Regen, Wind und Wellen erlebt, so dass sich seine Bergrücken und Vulkanschlote nackt präsentieren. Wie uralte Wächter ragen die riesigen Felsen in der Mitte der Insel heraus. Von hier ziehen sich tiefe schmale Täler in alle Himmelsrichtungen zum Meer. Dort fließt das Regenwasser hindurch und der Mensch sorgt für viel Grün. Urzeitliche Laurazeenwälder bedecken die Füße der erkalteten Vulkane wie eine flauschig grüne Decke. Darunter wird es jedoch nicht warm. Die bemoosten Bäumchen fangen die Feuchtigkeit der Wolken ein und halten ihre eisigen Temperaturen fest. Der Wanderer muss entweder unempfindlich sein oder etwas Warmes zum Überziehen dabei haben. Auf den sonnenbeschienenen Felsen und unter dem schattigen Blätterdach herrscht ein Unterschied von 20 bis 30 Grad Celsius. Der letzte Vulkan war vor zwei Millionen Jahren aktiv und damit kann La Gomera wohl als Ururgroßmutter von La Palma gelten. Das junge Kücken wächst ja immer noch.


Wir erkunden die Insel wandernd. Mit dem Bus lassen wir uns von Ost nach West und von Süd nach Nord fahren und nutzen die alten Wege der Ureinwohner. Hier geht es so steil hinunter, dass sie wohl den längsten Wanderstab der Menschheit erfunden haben. So kann man besser die steilen Klippen von Absatz zu Absatz hinunter springen. Meine Stickis sind zwar nur etwa halb so lang, aber dafür habe ich zwei und sie sind eine gute Hilfe. Außerdem gibt es hier eine Pfeifsprache. So spart man sich den mühseligen Weg hinunter ins Tal und wieder hinauf. Man kann sich von der Terrasse über den Abgrund hinweg zum gegenüberliegenden Anwesen unterhalten. Heute steht diese Art der Kommunikation in allen Schulen der Insel auf dem Lehrplan. Wir entdecken wunderschöne kleine alte Orte, klettern scheinbar senkrechte Felswände hinauf und hinunter, wandern auf kargen Bergrücken entlang und schauen den Falken auf den Rücken, balancieren durch einen Flusslauf bis zu einem erfrischendem Wasserfall, im vergeblichen Bestreben, keine nassen Füße zu bekommen. Im Valle Grand Rey treffen wir fast nur Deutsche, während ich in San Sebastián mein Spanisch weiter trainieren kann. 


Dann werden wir quasi weggeschickt. Die Marina ist so überfüllt, das sogar Stefan an der Herrentoilette anstehen muss. Es gibt wohl eine ellenlange Reservationsliste und zwei Verlängerungen wären genug. Nun soll die Lady Platz für andere Boote machen. Da kein Wind ist, müssen wir erneut motoren, die gesamte Strecke bis El Hierro, neun lange Stunden. So darf das aber nicht weiter gehen! Immerhin haben uns die Delfine nicht vergessen. Sie besuchen uns, um eine Weile abwechselnd in unserer Bugwelle zu surfen.


Reparaturarbeiten: Unser Schiff soll dichter werden!

Nackte Bergrücken und im Hintergrund
die Wächter mit der grünen Fußdecke

Pause mit Vogelperspektive

La Gomera mit Teijde (Teneriffa) im Hintergrund

erodierte Vulkanschlote in der Inselmitte

der Zahn der Zeit

Na, hat er schon nasse Füße?


Liebe Grüße von La Gomera (Kanaren)

El Guru im Valle Grand Rey

So kommt man auch senkrechte Felswände hinauf.

...wie ein Adler von oben schauen...

Vallehermoso: Da gehts lang!




Sonntag, 31. Oktober 2021

Feurige Insel im Atlantik - La Palma

La Palma zeigt sich widerspenstig. Wir benötigen mehrere Anläufe, um diese nordwestlichste Insel der Kanaren zu erkunden. Deshalb gibt es heute eine kurze Zeitleiste zur besseren Orientierung:


15.09. 

Start von Santa Maria Azoren, die Marina Tazacorte konnte uns keinen Liegeplatz anbieten und so weichen wir in die deutlich unbeliebtere in Santa Cruz aus.


19.09.

Wir erreichen nachts um ein Uhr die Marina in Santa Cruz. Nur wenige Stunden später bricht der Vulkan in der Cumbre Vieja aus. Santa Cruz stellt sich nun als die bessere Wahl heraus, weil die Lava und die Aschewolken Richtung Tazacorte ziehen. Die schöne alte Stadt begeistert uns. Die Inselentdeckung muss warten, weil im Moment die Evakuierungen laufen. Da will und darf man nicht stören.


24.09.- 11.10. 

Afrikaurlaub mit der Mutti


12.10. - 16.10. 

Wir leben uns wieder ein und freuen uns auf unseren ersten Besuch seit dem Lockdown in der Karibik. Ich informiere mich über die Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten auf der Insel, Stefan mietet ein Auto.


15.10. + 16.10. 

Der Wind lässt nach. Erst fällt grober Sand vom Himmel, dann wird er feiner bis es nur noch Asche ist. Dieser Vulkanniederschlag hört nicht auf. Wir schlafen mit Maske und bekommen trotzdem Halsschmerzen und den Rotz. Die Kopfhaut juckt.


16.10. 

Ich sitze schon im Bus, um Kathleen und Marco vom Flughafen abzuholen. Ein Anruf von Stefan lässt mich umkehren: „Das Flugzeug landet auf Teneriffa.“ Es folgt eine Krisensitzung, dann laden wir die beiden aus. La Palma ist im Moment kein Urlaubsort. Kathleen und Marco stehen gerade am Kofferband, reagieren unkompliziert und sehr schnell, nehmen ein Taxi und die nächste Fähre nach La Gomera. Unterwegs buchen sie ein Hotel in San Sebastián. Wir fragen nach einem Liegeplatz, aber die Marina kann uns keinen anbieten.


17.10. 

Wir spülen den gesamten Tag das Boot. Vorher muss die zentimeterdicke Ascheschicht mit der Schaufel geschippt werden. Inzwischen lässt sie sich nämlich nicht mehr fegen. Mich erinnert das ans Schneeschippen. Nur ist dieser Matsch tiefschwarz. Wir freuen uns über die sauberen Flächen, aber hinter uns ist wieder alles grau. Ich bekomme Angst vor der nächsten Nacht und einer weiteren dicken Ascheschicht. Auch meine Halsschmerzen werden schlimmer. Inzwischen fühle ich mich krank und glaube an eine echte Erkältung. Stefan macht das Boot klar und wir starten ohne Wind um 16 Uhr Richtung La Gomera. Etwa eine halbe Meile vor der Küste hört der Ascheregen auf. Die Insel hinter uns ist von tiefliegenden Wolken umringt und sieht aus, als läge sie im Morgennebel. Wir spülen das Boot notdürftig mit Bordwasser aus dem Tank weiter.


18.10. 

Gegen Mitternacht passieren wir die Lichter von San Sebastián de La Gomera und ankern in der nächsten Bucht. Die restliche Nacht wird unruhig. Unsere Lady schaukelt in den Dünungswellen. Morgens spüle das Boot weiter mit Seewasser, das ich mir mühsam mit der Pütz über die Reling ziehe. Danach müssen wir erst aus der Bucht raus, bevor wir die Marina erreichen. Wider Erwarten haben sie tatsächlich einen Liegeplatz für uns. Nach dem Anlegen spüle ich das Boot erneut, während Stefan einklariert. Kathleen und Marco können an Bord.


18.10. - 22.10. 

Wir haben eine schöne gemeinsame Zeit mit unseren Freunden, entspannen, erzählen, gehen schön essen, sehen Wale und schnorcheln in einer Bucht. Die gesamte Zeit schwebt die Frage im Hintergrund: „Von wo startet am Samstag der Flieger nach Deutschland? Wird es La Palma sein oder wieder Teneriffa.“ Da La Gomera mittendrin liegt, ist das schon wichtig. Eindeutige Informationen fehlen. So nehmen Kathleen und Marco am Freitag die Fähre nach La Palma und buchen auf der Insel eine Nacht im Hotel. Die fährt über Teneriffa, was erst unnötig umständlich erscheint und sich dann als Glücksfall heraus stellt. Auf der Fähre trudelt die Mail ein, dass der Flieger morgen von Teneriffa startet. Die beiden steigen spontan dort aus, buchen nun dort in ein weiteres Hotel ein und kommen letztendlich gut wieder zu Hause an. Gut, wenn man lösungsorientiert sowie schnell denken und handeln kann. „Schön dass ihr da wart und die ganzen Probleme so gelassen bewältigt habt.“


23.10. 

Für vier Tage ist auf La Palma Wind angesagt. Stefan bucht Fähre, Hotel, Mietwagen und Rückflug. Die Verlängerung des Liegeplatzes auf La Gomera muss er sich danach überraschender Weise erst erkämpfen.


24.10- 28.10. 

Nun entdecken wir endlich La Palma.


Die Insel ist wirklich schön und ich kann sie jeden ans Herz legen. Sehr grün, viele Wanderwege, grandiose Aussichten, nette Menschen, gute Restaurants…

Für den zweiten Abend reservieren wir einen Tisch südlich von El Paso, quasi am Fuß des feuerspeienden Ascheberges. Dieser bietet uns ein spektakuläres Feuerwerk mit glühenden Lavaströmen, lässt aber auch die Angst in den Brustkorb kriechen. Niemals hätte ich gedacht, einem solchen Naturschaupiel so nahe zu sein. Tazacorte bekommen wir wieder nicht zu Gesicht. Am Aussichtspunkt El Time drehen wir um, weil wir von hier oben die Asche förmlich regnen sehen und der Hals trotz Maske erneut kratzt. Auf dem Caldeirarand über 2000 Meter ist die Luft außergewöhnlich klar. Wir schauen von oben auf ein Wolkenmeer, dass in dem ersten großen Vulkankessel der Insel festhängt. Wie ein Atompilz ragt die dunkle Vulkanwolke heraus. Auch der Teijde auf der Nachbarinsel ist so klar zu sehen, als wäre er nur einen Steinwurf entfernt. Und dann sind da noch die urzeitlichen Lorbeerwälder in den tiefen schmalen Tälern im Norden von La Palma. An den knorrigen Ästen wachsen grüne Mooshaare, was sie zusätzlich alt erscheinen lässt. Ich habe eine Kurzgeschichte dazu geschrieben, die ich digital veröffentlichen werde. Als Taschenbuch lohnt es sich wohl nicht. Vielleicht druckt die Yacht einen Teil davon. Das wird sich wahrscheinlich nächste Woche entscheiden. 


Verkehrte Welt: Schwarzer Schnee auf weißem Grund


Endlich mal wieder Besuch! Wer kommt als nächstes?

Grindwale, auch Pilotwale genannt

Der noch namenlose Vulkan in der Cumbre Vieja:
19.09.2021 - ???

mehrere Hundert Meter hohe Feuerfontänen

2351 m hoch auf dem Monte Santa Cruz
Die Aschewolke hebt sich deutlich heraus.




Donnerstag, 14. Oktober 2021

Afrikas Elefanten - Africa´s Elephants


Afrikas Elefanten gehören zu den "Big Five", den "Großen Fünf" und das haben sie definitiv verdient. Auf unseren Safaris in Südafrika können wir die grauen Riesen mehrfach beobachten. Schaute euch die faszinierenen Tiere in Echtzeit und mit Originalton an. Etwas Geduld ist dabei natürlich notwendig, ebenso wie auf der Safari selbst. Africa's elephants are among the "Big Five", the "Big Five" and they definitely deserve it. On our safaris in South Africa we can observe the gray giants several times. Look at the fascinating animals in real time and with the original sound. A little patience is of course necessary, just like on the safari itself.

Dienstag, 12. Oktober 2021

Big Five und viel mehr

Nach Afrika reisen und die wilden Tiere sehen, wie sie frei in ihrer natürlichen Umgebung leben. Wer träumt nicht davon? Als ich meine Muddi frage, „Wenn du noch einmal irgendwo hinreisen könntest, welches Ziel würdest du wählen?“, kommt ohne zu zögern Afrika. Also packen wir sie ein und fahren mit ihr hin ;-) Covid-19 lehrte uns, dass man wichtige Dinge sofort erledigen muss.


Nach einer langen Reise werden wir mit dem Auto abgeholt und zur Makutsi-Farm gefahren. Von der Straße aus beobachten wir bereits Paviane, Giraffen, Gnus und andere Antilopen. Während der ersten zwei Tage kann ich die vielen Tierbeobachtungen kaum fassen und bin schon der Meinung, niemals wieder hier weg zu können. Dann normalisieren sich Puls und Körperchemie glücklicherweise wieder. Unterschiedlichste Antilopen und Meerkatzen gehören zum täglichen Bild. Aber wir sehen auch immer wieder viele bunte Vögel, Nashörner, Nilpferde, Büffel, Elefanten, Giraffen, Zebras und auch den Leoparden oder die Geparden. Mit den Löwen haben wir weniger Glück. Sie sind faul und liegen im hohen trockenen gelben Savannengras. Obwohl ich dachte, bereits viel von den Tieren zu wissen, habe ich auf unseren Safaris unglaublich viel gelernt. 


Auch die Landschaft ist beeindruckend. Stattliche Bäume wachsen aus der Buschsavanne heraus. Überall dazwischen ragen die Termitenbauten hoch hinauf. Diese Insekten sind die eigentlichen Herrscher dieser Welt. Der Olifant fliest träge und breit durch sein Flussbett, bildet viele Inseln und wird so zum Paradies. Der Blyde-River-Canyon ist zwar nicht ganz so groß wie sein Bruder in Amerika aber dafür grün und nicht weniger eindrucksvoll. 


Wir sehen in den zwei Wochen nur einen kleinen Ausschnitt des südlichen Afrikas und trotz dessen hat sich die Reise gelohnt. Hier ein paar Fotos von uns. Natürlich habe ich wie ein Weltmeister die Tiere fotografiert und musste feststellen wie schwierig das ist. Sie sprengen den Rahmen des Blogeintrages. Aber auch diese Bilder will ich euch nicht vorenthalten und so werde ich ein paar Kurzfilme zusammenstellen, die ihr euch dann auf YouTube anschauen könnt. Viel Spaß!


Afrikavideo


Alltag im Makutsi und übrigens,
wirklich warm ist es dort nicht.

Da trainiert man ganz nebenbei auch die Muckis.

Afrika eben !!!

Hier leben Mensch und Tier in Einkang 😍


Meine Lieblingskatze ganz nah.

Wir hatten eine wundervolle gemeinsame Zeit.
Egal was passiert, die bleibt!

Faszinierende Erosionen

Familie bleibt Familie

So groß sind Elefanten !





Aussteigen wird gefährlich!
Die Tiere haben über viele Jahre gelernt, dass von den Autos keine Gefahr ausgeht und so akzeptieren sie uns gelassen.


Platz eins im Schönheitswettbewerb für uns alle drei!

Die Steppenzebras sind fast genau so schön.
Platz zwei auf meiner Rangliste.

Für Stefan liegt der starke Leopard auf Platz zwei.

Platz drei bekommt meine Lieblingswildkatze, der Gepard.
Für Stefan liegen viele Tiere auf dem dritten Platz.


Weitere Fotos und Filme dann auf YouTube. 😘

Montag, 20. September 2021

Wilde Überfahrt und explosive Begrüßung

Adeus Santa Maria und Hola La Palma


Mittwoch früh halb acht lösen wir die Leinen. Nach etwa vier Monaten, abzüglich der fünf Wochen Deutschland, verlassen Stefan und ich auf unserer Lady Charlyette das Azoren-Archipel. Drei Tage und Nächte sind für die Überfahrt nach La Palma im südlicheren Kanaren-Archipel geplant. Es werden schließlich fast vier, obwohl wir die meiste Zeit ziemlich schnell unterwegs sind.


Anfangs können wir uns ein wenig auf den offenen Atlantik einstimmen. Der Wind weht mäßig und die See hält sich einigermaßen im Zaum. In der ersten Nacht frischt es bereits auf und morgens sind die Wellen so wild, dass man sich nur noch von seinem sicheren Sitzplatz erhebt, wenn es unbedingt sein muss. Trotzdem koche ich noch. Mit der entsprechenden Organisation, denn auch ich habe nur zwei Hände, fliegt auch nichts im Boot herum. Nun kann ich meine Töpfe und Pfannen wieder ordentlich anschnallen, was eine deutliche Arbeitserleichterung darstellt. Ab und zu flüchte ich schnell ins Cockpit, um den Übelkeitsanfall an frischer Luft zu überwinden, bevor er erst wird. Auch dass will in der Kochlogistik eingeplant sein.


Aber wir müssen zusätzlich tätig werden. Der Gennaker, das große Leichtwindsegel, wird gesetzt, da der Wind im Gegensatz zu den Wellen immer wieder schwächelt. Wir haben ja jetzt einen nigelnagelneuen und sind schon gespannt. Kaum ausgerollt, muss er sofort wieder runter. Am Top, also ganz oben, klafft ein etwa zehn Zentimeter langer Riss. Das Segel wurde an dieser Stelle einfach schlecht verarbeitet. Wie ärgerlich! Also alles wieder wie vorher einrichten, Gennaker einrollen, herunter nehmen, einpacken und die zwei Vorsegel wieder raus. Eine Stunde Arbeit an Deck, angeleint, um nicht von der Lady zu fallen, und alles umsonst. Die nächste Aktion ist dann das Setzen des Ballooners, unseres zweiten Leichtwindsegels, das am hinteren Mast angeschlagen wird. Das steht dann immerhin ein paar Stunden, bevor es wieder eingepackt werden muss. 


Nachts schlafe ich im Seebett und Stefan macht sich im Cockpit lang. Ihr wisst immer noch nicht was ein Seebett ist? Es ist weder nass, noch ist die Matratze mit Wasser gefüllt. Das Seebett ist eine schmale Koje unter dem Cockpit in der Mitte des Schiffes, weil dort am wenigsten Bewegung im Boot ist. Auf der einen Seite habe ich die Wand, direkt über mir Schränke und auf der anderen Seite eine Segeltuchabspannung, damit man bei Schräglage nicht herausfällt. Jede Bewegung muss also mit Bedacht und im halbwachen Zustand ausgeführt werden. Trotzdem stoße ich mir wieder den Kopf an einer Schrankecke. 


Am dritten Tag ist die See dann so wild, dass ich nicht einmal mehr die Angel auswerfe. Das Cockpit verlassen wir nur im Notfall. Kochen muss nun Stefan, damit ich danach wenigstens etwas esse. Positiv ist, dass sich meine Taillie langsam wieder heraus bildet. Ich kenne das inzwischen, weiß aber auch, dass dies kein Grund zu übermäßiger Freude ist. Schließlich verschwindet sie nach der Überfahrt schnell wieder. Die Fahrt bleibt so wild. Mit durchschnittlichen sieben Knoten Fahrt, sind wir letztendlich gut 90 Stunden unterwegs und haben 631 Seemeilen hinter uns gebracht. Das letzte Stück habe ich im Video „Land in Sicht“ visuell festgehalten. (youtube: https://youtu.be/UeRB2_HmrK4)

Schaut mal rein.


Das erste Mal entern wir nachts eine Marina. Natürlich ist es dunkel und dies erschwert das Manövrieren. Entfernungen lassen sich viel schlechter einschätzen. Für unsere Einfahrt wird extra ein Brandungstor geöffnet. Um zwei Uhr sind wir dann endlich im Bett, dieses Mal wieder zu zweit in unserem Schlafzimmer. Gefühlt haben wir alle in der Marina geweckt. Tatsächlich beschwert sich niemand. Etwa zwei Stunden später bricht der Cumbre Vieja auf La Palma aus. Wir bekommen das erst am nächsten Tag mit.


Wie alle anderen in Deutschland erfahren wir Neuigkeiten auch nur im Internet. In Santa Cruz ist es ruhig und von hier sind nur ab und zu rot schimmernde Aschewolken zu sehen. Das kennen wir aus San Franscico, nur dort war es viel schlimmer. So nahe waren wir jedoch noch nie an einem wirklich aktiven Vulkan. Aus Tazacorte kommt ein deutscher Segler. Sie wechseln die Marina und überlegen, ganz von der Insel zu flüchten. Ein Ascheregen aus daumennagelgroßen Flocken ging auf ihr Boot nieder. Glücklicherweise landete nichts Heißes an Deck, aber die beiden wollen es nicht drauf an kommen lassen. Wir wären auch dort gelandet. Alle Welt empfiehlt Tazacorte und rät von Santa Cruz ab. Nur gab es dort keinen Platz für uns. Jetzt stellt sich heraus, dass es genau richtig so ist. In fünf Tagen wollen wir mit dem Flieger nach Deutschland, um mit der Mutti einen Abstecher nach Südafrika zu unternehmen. Seit zwei Tagen spuckt der Vulkan aus sieben Löchern feurige Fontänen. Bisher läuft der Flugverkehr normal. 

Hoffentlich bleibt das so.


Unser neues sonnenbetriebenes Herz der Küche.

La Palma voraus (siehe Video)

Marina Santa Cruz mit Caldeira im Hintergrund


La Palma, Tazacorte und Santa Cruz
inklusive der aufgezeichneten Vulkane.
Ihr seht, wir liegen sehr geschützt.

Das Land um den Cumbre Vieja brennt. 
Aktuell wurden 6000 Menschen evakuiert,
150 Häuser, Straßen und viel Wald sind bereits verbrannt.

Schönes Santa Cruz: Wieder einmal begeistern uns die Plätze und
das architektonische Durcheinander der letzten Jahrhunderte.


Die Stadt mit der Caldeira im Hintergrund. 
Jene schwefelfarbenen Wolken sind vom Cumbre Vieja.

Mittwoch, 1. September 2021

São Miguel - die Größte

Für uns ist es auch die letzte. Dann haben wir fünf von neun Azoreninseln gesehen. Flores und Corvo fallen aus, da die einzige Marina nach dem letzten Berghusten noch repariert wird. Pico und Graciosa haben nur unzureichende Ankermöglichkeiten. Deshalb werden es dieses Mal nur fünf. In Ponta Delgada müssen wir an den Steg, denn ankern können wir hier auch nicht. Immerhin sind die schwimmenden Holzwege lang genug für die Lady. Viele sagen: „São Miguel hat alles, was man auf den anderen Inseln verteilt findet.“ Wir besuchen die Schwefelquellen von Furnas und verbinden ein Bad in 38 Grad warmem Wasser mit einer Wanderung um einen Kratersee. Dort kochen an einer Stelle die Pfützen und Teiche. Aus der Erde dampft es. Das hatten wir auf Terceira auch. Hier ist es jedoch eindrucksvoller, aber auch voller. Touristenbusse karren ganze Ladungen ab und irgendwie stören die vielen Menschen. Jeder will sehen, wie die Suppentöpfe aus den Erdlöchern geholt werden.


Dann laufen wir wieder auf einem Kraterrand. Er ist so groß, dass zwei große und mehrere kleine Seen in ihm Platz finden. Außerdem nimmt die Caldeira ein Dorf, viele Felder und Kuhweiden und weitere Berge in sich auf. Ich stelle mir vor, wie der große Vulkan müde wird und die letzten Seufzer dann die Spitzen im Inneren bilden. Es ist die vielleicht beeindruckendste Caldeira, die wir sehen dürfen. Ein rings von hohen Mauern abgegrenztes Naturidyll. Warum man das Dorf Sete Cidades (Sieben Städte) nennt, bleibt uns jedoch verborgen. 


Auf São Miguel regnet es jeden Tag, wirklich jeden. Egal wie genau Stefan den Wetterbericht studiert und wir unsere Ausflüge entsprechend planen, wir werden immer nass und frieren teilweise auch. Wir sind einfach nicht mehr gewöhnt, uns warm anzuziehen. Das ist im Falle von Sonnenschein auch nicht ratsam. Gleich wird es brütend heiß, sodass wir das ganze Zeug schleppen müssten. Also frieren wir eben und behelfen uns mit den Handtüchern. Denn baden kann man hier auch wieder scheinbar überall. Das ist bei dem Vulkanstaub, oder je nach Wetter der Matsche, auch dringend notwendig. 


Die Portugiesen sind überhaupt ganz schöne Wasserratten. Immer sind die Schwimmbäder gut gefüllt. Dies liegt vielleicht daran, dass man keinen Eintritt zahlt. Nur für die Schwefelquellen zahlen wir pro Person stolze acht Euro. Sogar die Kaikanten und Hafenbecken nutzen Insulaner gern. Der Strand wird von uns ostseeverwöhnten Mecklenburgern wohl auch überbewertet. Portugiesen legen ihr Handtuch meist auf den nackten Beton oder die Asphaltstraße. 


Für mich ist zweifellos Terceira die schönste von den fünf besuchten Inseln. Ein Tagesstörn bringt uns zurück nach Santa Maria, Stefans Favoritin. Hier regnet es auch, aber viel seltener. Ich kann endlich mal wieder waschen und die Wäsche auf der Leine im Wind trocknen. Wie überall treffen wir auch hier viele Azorensegler wieder. Die Abende werden deshalb oft sehr gesellig. Stefan hat wieder viel am Boot vor. Der Dampfgarer ist da und soll eingebaut werden. Das große Leichtwindsegel ist gekommen. Die Scheibenabdichtung im Cockpit soll einmal komplett neu. vielleicht ist sie dann man dicht. Das Bugstrahlruder steigt aus und muss nun dringend repariert werden. Der Gennaker zerriss laut knirschend auf unserem letzten Törn. Nach 12 Jahren war er nun selbst für 15 Knoten zu altersschwach. Er wird nicht mehr repariert und muss dem jüngeren Tuch weichen. Seit Martinique lagert ja ein ganzer Satz nigelnagelneuer Segel im Bootsrumpf. Ich bin schreibmüde und hoffe der Elan kommt wieder, denn das Azorenbuch ist bisher noch sehr lückenhaft und São Miguel fehlt ganz. Wir haben Südafrika gebucht. Gemeinsam mit der Mutti geht es am 24. September zu den großen Tieren. Bis dahin will ich die Azoren im Groben fertig haben. Bis dahin muss aber auch die Lady in Tazacorte auf La Palma liegen. Etwa fünf Tage und Nächte wird sie brauchen, um bis dort hin über den Teich zu kommen. Drei Wochen haben wir noch.


Regen ist ja auch Lebenselixir

Auf dem Rand eines Vulkans.

Immer wieder faszinieren uns die Bäume dieser Erde.

Typisch portugiesisches Kunsthandwerk.
Dazu gibt es auf Youtube einen kurzen Film.

Mit Aufkleber ist unsere Lady nun gut zu erkennen.

Kochen in Erdlöchern, auch dazu gibt es einen Film.

38 Grad verwöhnen unsere Muskeln.

Hortensienblüten so groß wie Menschenschädel.

Eine weitere portugiesischen Handwerkskunst.