Mittwoch, 1. September 2021

São Miguel - die Größte

Für uns ist es auch die letzte. Dann haben wir fünf von neun Azoreninseln gesehen. Flores und Corvo fallen aus, da die einzige Marina nach dem letzten Berghusten noch repariert wird. Pico und Graciosa haben nur unzureichende Ankermöglichkeiten. Deshalb werden es dieses Mal nur fünf. In Ponta Delgada müssen wir an den Steg, denn ankern können wir hier auch nicht. Immerhin sind die schwimmenden Holzwege lang genug für die Lady. Viele sagen: „São Miguel hat alles, was man auf den anderen Inseln verteilt findet.“ Wir besuchen die Schwefelquellen von Furnas und verbinden ein Bad in 38 Grad warmem Wasser mit einer Wanderung um einen Kratersee. Dort kochen an einer Stelle die Pfützen und Teiche. Aus der Erde dampft es. Das hatten wir auf Terceira auch. Hier ist es jedoch eindrucksvoller, aber auch voller. Touristenbusse karren ganze Ladungen ab und irgendwie stören die vielen Menschen. Jeder will sehen, wie die Suppentöpfe aus den Erdlöchern geholt werden.


Dann laufen wir wieder auf einem Kraterrand. Er ist so groß, dass zwei große und mehrere kleine Seen in ihm Platz finden. Außerdem nimmt die Caldeira ein Dorf, viele Felder und Kuhweiden und weitere Berge in sich auf. Ich stelle mir vor, wie der große Vulkan müde wird und die letzten Seufzer dann die Spitzen im Inneren bilden. Es ist die vielleicht beeindruckendste Caldeira, die wir sehen dürfen. Ein rings von hohen Mauern abgegrenztes Naturidyll. Warum man das Dorf Sete Cidades (Sieben Städte) nennt, bleibt uns jedoch verborgen. 


Auf São Miguel regnet es jeden Tag, wirklich jeden. Egal wie genau Stefan den Wetterbericht studiert und wir unsere Ausflüge entsprechend planen, wir werden immer nass und frieren teilweise auch. Wir sind einfach nicht mehr gewöhnt, uns warm anzuziehen. Das ist im Falle von Sonnenschein auch nicht ratsam. Gleich wird es brütend heiß, sodass wir das ganze Zeug schleppen müssten. Also frieren wir eben und behelfen uns mit den Handtüchern. Denn baden kann man hier auch wieder scheinbar überall. Das ist bei dem Vulkanstaub, oder je nach Wetter der Matsche, auch dringend notwendig. 


Die Portugiesen sind überhaupt ganz schöne Wasserratten. Immer sind die Schwimmbäder gut gefüllt. Dies liegt vielleicht daran, dass man keinen Eintritt zahlt. Nur für die Schwefelquellen zahlen wir pro Person stolze acht Euro. Sogar die Kaikanten und Hafenbecken nutzen Insulaner gern. Der Strand wird von uns ostseeverwöhnten Mecklenburgern wohl auch überbewertet. Portugiesen legen ihr Handtuch meist auf den nackten Beton oder die Asphaltstraße. 


Für mich ist zweifellos Terceira die schönste von den fünf besuchten Inseln. Ein Tagesstörn bringt uns zurück nach Santa Maria, Stefans Favoritin. Hier regnet es auch, aber viel seltener. Ich kann endlich mal wieder waschen und die Wäsche auf der Leine im Wind trocknen. Wie überall treffen wir auch hier viele Azorensegler wieder. Die Abende werden deshalb oft sehr gesellig. Stefan hat wieder viel am Boot vor. Der Dampfgarer ist da und soll eingebaut werden. Das große Leichtwindsegel ist gekommen. Die Scheibenabdichtung im Cockpit soll einmal komplett neu. vielleicht ist sie dann man dicht. Das Bugstrahlruder steigt aus und muss nun dringend repariert werden. Der Gennaker zerriss laut knirschend auf unserem letzten Törn. Nach 12 Jahren war er nun selbst für 15 Knoten zu altersschwach. Er wird nicht mehr repariert und muss dem jüngeren Tuch weichen. Seit Martinique lagert ja ein ganzer Satz nigelnagelneuer Segel im Bootsrumpf. Ich bin schreibmüde und hoffe der Elan kommt wieder, denn das Azorenbuch ist bisher noch sehr lückenhaft und São Miguel fehlt ganz. Wir haben Südafrika gebucht. Gemeinsam mit der Mutti geht es am 24. September zu den großen Tieren. Bis dahin will ich die Azoren im Groben fertig haben. Bis dahin muss aber auch die Lady in Tazacorte auf La Palma liegen. Etwa fünf Tage und Nächte wird sie brauchen, um bis dort hin über den Teich zu kommen. Drei Wochen haben wir noch.


Regen ist ja auch Lebenselixir

Auf dem Rand eines Vulkans.

Immer wieder faszinieren uns die Bäume dieser Erde.

Typisch portugiesisches Kunsthandwerk.
Dazu gibt es auf Youtube einen kurzen Film.

Mit Aufkleber ist unsere Lady nun gut zu erkennen.

Kochen in Erdlöchern, auch dazu gibt es einen Film.

38 Grad verwöhnen unsere Muskeln.

Hortensienblüten so groß wie Menschenschädel.

Eine weitere portugiesischen Handwerkskunst.


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