Mittwoch, 14. Dezember 2022

Crossing Aruba - Panama

Die wievielte Überfahrt ist das nun? Ich müsste nachzählen. Inzwischen sind es etliche und jedes Mal rede ich mir ein: „Nun wird es besser. Dieses Mal werde ich sie genießen.“ Und wirklich es geht gut los. Der Wind schiebt von schräg hinten. Die Strömung hilft nicht unwesentlich. Die Lady schiebt uns stabil mit 9 Knoten durchs Wasser. Die Welle ist kaum zu merken. Wir können uns normal auf unserem Boot bewegen und genießen die rauschende Fahrt. Gleich in den ersten zwei Stunden ziehe ich drei Fische ans Deck, sodass die Angel nun erst einmal Pause macht. Die Thunfisch- und Barakudafilets finden im Kühlschrank und im Gefrierfach ihren neuen Platz. Den Sonnenuntergang genießen wir an Deck. Nachts geht es nicht mehr ganz so zügig voran, da das Leichtwindsegel sicherheitshalber eingeholt wird. Die kurzen starken Böen einer nächtlichen Regenwolke, unter Seglern Squall genannt, könnten es zerreißen. So schläft es sich ruhiger.

Am zweiten Tag wachsen die Wellen an. Die Segel beginnen zu schlagen. Jeder Wellenberg bremst die Fahrt. Nun bleibe ich lieber sitzen und schaue aufs Meer. Lesen ist nicht mehr möglich, sobald ich die Brille aufsetze, wird mir mulmig. Die Spanischlektionen vertreiben ein wenig die Langeweile. Delfine oder Wale wären schön, aber der ein oder andere Seevogel und die fliegenden Fische müssen fürs erste genügen. Immerhin kann ich mich um die Mahlzeiten kümmern und die notwendigsten Handlungen durchführen. Natürlich mit Festhalten. Die gegenseitigen ausgiebigen Kopfmassagen sind inzwischen festes Ritual auf diesen langweiligen Überfahrten.


Der dritte Sonnenaufgang begrüßt uns mit Kreuzwelle. Ein junger Maskentölpel hat die Nacht auf unseren Solarflächen verbracht, seine Umgebung ausgiebig vollgesch… und putzt sich nun ausgiebig. Immerhin etwas Abwechslung. Die Lady hüpft jedenfalls fröhlich hin und her, was selbst das Sitzen zur sportlichen Übung macht. Wenn ich mich dabei nicht so verkrampfen würde, könnte man es sogar als gesunde Bewegung verbuchen, die ein paar Speckschichten abbaut. In der Nacht wird es so schlimm, dass wir gar nicht schlafen. Selbst wenn ich meinen Körper so verkeile, das er nicht hin und her rutscht, Schwabern zumindest die Organe herum und das tut nach einigen Stunden auch weh. So etwas ist für die Bänder, an denen sie aufgehängt sind, zu ungewohnt.


Irgendwie überstehen wir die Nacht und den Vormittag des vierten Tages, dann kommt die Welle wieder nur aus einer Richtung und es wird ruhiger. Ich schaue auf die Wüste der Meeresoberfläche. Sie bewegt sich immer während und einschläfernd. Nebenbei ein paar Spanischlektionen, die aber nur an mir vorbei rauschen. Meine Gedanken drehen sich im Kreis vom Ärger über die Wellen, ihre Erfindung ist völlig unnötig und einen Nutzen kann ich auch nicht entdecken, bis zum Pazifik der ja auch irgendwann ansteht und noch etliche längere Überfahrten bereit hält. Warum fliege ich nicht einfach und erspare mir diese ganze Quälerei? Weil ich Stefan damit nicht allein lassen möchten. Manchmal ist es ganz gut zwei weitere Hände an Bord zu haben.


Nach der vierten Nacht erlebe ich den Sonnenaufgang hinter dichten Wolken. Es ist eher ein blasses Licht, das den Tag ankündigt. Dann tauchen Panamas Berge neben uns auf, ganz matt und weit weg. Egal, wir haben Land in Sicht. Mittags erreichen wir den Kanaleingang. Er ist umgeben von etlichen Containerschiffen, die wie die Enten nach und nach die Einfahrt nehmen. Wir müssen zwischen zwei hindurchflutschen. Starke Regenschauer mit den einhergehenden Böen erschweren das Manöver. Hinter der Mole ist mit einem Schlag alles ruhig. Nicht nur die Wellen sind ausgesperrt. Die grauen Wolken sind bereits weitergezogen, die Sonne lässt das klitschnasse Deck glitzern. Während wir Richtung Marina Motoren werden der Spinnakerbaum, alle Tampen und Schoten weggeräumt, die Fender und Festmacherleinen angebracht. Bei herrlichstem Sommerwetter und lautem Vogelkonzert fahren wir zwischen Mangroven in die Shelter Bay Marina ein. Die letzten 97 Stunden sind sofort vergessen und auch lang nicht mehr so schlimm. Nun sind wir da, an einem neuen, interessanten Ort, der uns freundlich empfängt.


Und ich genieße die wenigen Tage hier sehr. Ein Schwimmingpool lädt mich zwei Mal am Tag ein. Zwei Mal täglich begebe ich mich auf Safari in den angrenzenden Wald, sehe Brüllaffen und die kleineren Kapuzineräffchen, Tukane, Sittiche und viele bunte Singvögel, beobachte die Brillenbären und freue mich über die langen Schwänze, die sie wie Katzen steil in die Höhe strecken. Nebenbei bringen wir natürlich das Boot in Ordnung, erledigen die organisatorischen Dinge für Einreise und Panamakanal, kaufen ordentlich ein, planen die Fahrt ins San Blas Archipel und treffen bekannte und unbekannte Segler, tauschen Informationen und Pläne aus. Nach drei Tagen bin ich völlig erschöpft und doch wollen wir los, endlich die San Blas kennen lernen. 


Das Tankmanöver wird schwierig und schmutzig und danach gehts wieder hart gegen die Welle und den Wind. Die Lady stampft sich durch die Wellen und produziert hohe Regenbogenfontänen. Wir müssen kreuzen, um von Colón zur Linton Bay zu kommen. Ein langer Schlag führt uns so weit aufs Meer hinaus, dass selbst die vielen Containerschiffe vor dem Kanaleingang hinterm Horizont verschwinden. Zurück zeigt sich die See dann etwas weicher, da die Dünung von der Seite unter dem Rumpf hindurch rollt. Weiter gehts hart am Wind, nun von links. Für beide Schläge benötigen wir sieben Stunden. Der zweite Tag wird angenehmer, ebenso hart am Wind aber mit weniger Welle. Eine Swisscat 48  fordert uns zum Rennen heraus und so wird es weniger langweilig. Was meint ihr, welches Boot war wohl letztendlich schneller?



Schau das Video: https://youtu.be/C1RUEdx8p8g














Samstag, 3. Dezember 2022

Einmal spontan nach Aruba, bitte - Gastbeitrag von Belinda

Eine Sprachnachricht Anfang Oktober, ein paar Gespräche, zwei Urlaubsanträge und eine Flugbuchung – viel mehr brauchte es letztendlich nicht um für zwei Wochen nach Aruba zu reisen. Zwei Wochen Karibik. Zwei Wochen Zeit mit Mama und Stefan. Nachdem wir uns über ein Jahr nicht mehr gesehen hatten sollte es mich und Alex auf die karibische Insel vor der venezuelischen Küste verschlagen. Zwei Wochen Paradies im Winter.



Einreise nach Aruba

Das schöne ist, dass man Aruba von Europa aus sehr leicht erreichen kann. Es gibt jeden Tag einen Direktflug von KLM von Amsterdam nach Oranjestad, Aruba. Ein richtiges Visum gibt es auch nicht. Man muss lediglich ein paar Tage vor der Einreise ein Online-Formular ausfüllen. Ein paar Impfungen wurden noch aufgefrischt und schon waren wir bereit für die Reise. Alles in Allem vergingen zwischen Mamas erster Sprachnachricht und unserem Hinflug gerade einmal gute sechs Wochen.

Willkommen im Paradies

Nach zehn Stunden im Flugzeug schwört man sich eigentlich, so etwas nie wieder zu machen. Aber es lohnt sich schließlich doch. 30 Grad jeden Tag, den ganzen Tag, Palmen und Sandstrände holen einen ende November wirklich aus dem Alltag raus und lassen einen abschalten. Für uns ging es aber dann doch erstmal an Bord der Lady. Ankommen. Einen Aperol trinken und schließlich, nach fast 24 Stunden Reise erstmal schlafen.


One (little) happy Island

Aruba ist eine kleine Insel. Die knapp 180 km2 Fläche sind theoretisch schnell erkundet. Doch die Insel lädt dadurch auch zu einem langsamen Urlaub ein. In zwei Wochen kann man leicht alles erkunden. Selbst wenn wir mal einen Tag nur an Bord verbracht haben, konnte man noch in Ruhe alles erkunden. Mit dem Auto braucht man etwa eine Stunde um vom Norden der Insel in den Süden zu gelangen. Die Strecken sind also kurz und man fährt von Sehenswürdigkeit zur nächsten meist nur zehn bis fünfzehn Minuten.


Oranjestad

Oranjestad ist die Hauptstadt Arubas. Hier landen nicht nur alle Flugzeuge, auch zwei bis drei Kruezfahrtschiffe legen hier täglich an und entlassen Massen an Touristen. Die meisten sind US-Amerikaner aber auch die AIDA kam mal vorbei. Die Haupstadt ist daher sehr „schick gemacht“. Hübsche kleine Hauptstraßen, viele Shopping-Möglichkeiten, Restaurants und Bars.

Künstlerstadt San Nicolas

Die zweite größere Stadt ist San Nicolas. Sie liegt ganz im Süden und ist für mich definitiv die schönere Stadt. Klar, sie profitiert vom fehlenden Flughafen. Doch vor allem punktet San Nicolas mit den bunten Häuserbemalungen, den Mosaik-Bänken und den fehlenden Massen an Touristen. Nicht desto trotz sind gerade Hotspots wie der Baby Beach natürlich auch hier sehr voll und beliebt.


Arikok Nationalpark

Der Arikok Nationalpark hat mir auch sehr gefallen. Für 11 US-Dollar bekommt man als Erwachsener einen Tages-Pass und kann dann mit dem Auto durch den Park. Die Straßen sind ok, doch es bietet sich an, die tiefer gelegte Karre an dem Tag in der Garage zu lassen. 


Die Landschaft im Land ist vor allem durch riesige Kakteen-Wälder geprägt. Einen tropischen Dschungel, wie z.B. auf Dominica, gibt es hier nicht. Dafür sehr viele Eidechsen und viele Wanderwege. Die haben wir aber nicht erkundet – zu heiß. Stattdessen haben wir uns zwei Höhlen angesehen. Die Fontain Cave ist eher klein gewesen, hatte aber (angebliche) alte Bemalungen an den Wänden. Die Quadirikiri Cave war da schon sehr viel beeindruckender. Sehr tief und immer mal wieder kam die Sonne durch Löcher in der Decke, wodurch die ganze Höhle eine sehr schöne Atmosphäre hatte und einfach sehr schön war. Außerdem interessant war, dass das Gestein in der Höhle Korallengestein war, sich also der ganze Bereich früher einmal unter Wasser befunden haben muss. Inzwischen braucht man da aber keine Bedenken mehr haben. Beide Höhlen sind recht weit von der Küste entfernt.


Arubas Küste

Aruba wirbt mit romantischen Sandstränden, Palmen und Pina Coladas und sie hält ihr Versprechen. Die gesamte Westküste hat immer wieder kleinere und größere Sandstrände. Mal mit Bars und Liegen, mal zum Spazieren, mal mit Mangroven für Einheimische oder Touristen mit kleinerem Geldbeutel. Auf jeden Fall bekommt man das Karibik Feeling.

Sie Ostküste ist da eher rauer. Viel Steilküste und starke Brandung zeigen hier, wie kraftvoll Wasser sein kann. Baden ist hier meistens nicht möglich oder auch verboten. Dafür hat man eindrucksvolle Natur, ab und zu eine vom Wasser geformte Steinbrücke oder auch die ein oder andere Ziege, die einem über den Weg läuft.


Schnorcheln – die Unterwasserwelt von Aruba

Doch wer Aruba nur an Land erkundet, der verpasst einiges. Die Unterwasserwelt ist definitiv mehr als nur einen Abstecher wert. Ob einfach vor den Stränden aus oder direkt an einem der vielen Wracks vor der Küste. Es gibt einiges zu sehen. Dass wir auf einem Boot gelebt haben war hier definitiv von Vorteil! Wir hatten das Glück neben vielen kleinen, bunten Fischen zahllose Papageienfische, mehrere Kofferfische, Doktorfische, aber auch Schildkröten einen Oktopus und eine Muräne haben wir gesichtet. Ziemlich viele besondere Erfahrungen, welche die Insel für mich auf jeden Fall zu einem besonderen Ort macht. Vor allem ist es in meinen Augen nahezu ein Wunder, dass wir diese ganzen Tiere so unkompliziert sichten konnten, wo doch viele Korallen auch schon tot sind, täglich mehrere Kreuzfahrtschiffe, Touristenschiffe und Boote das Wasser zu einem unruhigen Ort machen.

One Happy Urlaub

Der Slogan „One happy Island“ trifft auf jeden Fall auf Aruba zu. Die Menschen sind freundlich und die Natur ist schön. Trotz sehr viel Regen, haben wir nicht das Gefühl gehabt das „schlechtes Wetter“ war. Wir haben sehr gut gegessen und getrunken und vor allem viel Zeit mit unseren beiden Gastgebern gehabt – one (very) happy Urlaub also für uns! 

Danke für die schöne Zeit und wir freuen uns schon, euch schon im nächsten Jahr wieder zu sehen.


Montag, 7. November 2022

Verloren im Dschungel - La Ciudad Perdida

Zum Abschluss unserer viermonatigen Reise über Land ist der Norden Kolumbiens dran. Stefan möchte gern Cartagena sehen, ich die Ciudad Perdida in der Nähe von Santa Marta. Da sie mitten im Regenwald liegt, ist eine viertägige Wanderung notwendig, um das vorspanische Zeugnis der hiesigen indigenen Kultur zu sehen, inklusive Schlafsäle, Gemeinschaftsbäder und vielen anderen Wanderern in einer Gruppe. Das scheidet für Stefan definitiv aus. Das ist uns beiden klar wie Kloßbrühe. Mein lieber Mann hat die rettende Idee. Während ich die Wanderung machen, fliegt er schon zurück, widmet sich dem Boot und will sogar versuchen, die Lady vor meiner Rückkehr ins Wasser zu bringen. Das klingt für mich außerordentlich charmant.

Cartagena ist eine hübsche koloniale Stadt. Die Händler sind aufdringlich, es gibt einfach zu viele und jeder will seine Miete bezahlen. Ich finde die Männer mit den Huttürmen auf dem Kopf lustig. Sie haben die unterschiedlichsten Bastsombreros für Frauen und Männer auf dem Kopf, dreißig bis fünfzig Stück, mindestens einen Meter hoch und die wollen sie natürlich loswerden. Aber sie haben Humor. Wenn ich frage, ob es ein Geschenk wäre, dann nicken sie: „Un regalo, solo 50 000 Pesos.“ Wir lachen zusammen und jeder geht seiner Wege. Insgesamt hat die Stadt nichts Spektakuläres zu bieten, die Menschen sind freundlich, sehr hilfsbereit und fröhlich. Die Musik ist laut, manchmal dröhnen die Booster so, dass es weh tut. Wir besuchen den Vogelpark und das lohnt sich wirklich. Die Harpie und der Condor sind die Highlights. Der Ausflug dorthin war nur mit Lunch und Strand zu bekommen. Die Playa ist aber eher eine Montaña de la Basura. über all liegen Berge aus Plastikmüll. Der Krach aus den Boxen ist kaum auszuhalten. Wir sind diesbezüglich eben einfach verwöhnt.


Ich fahre mit dem Bus nach Santa Marta, während Stefan schon im Flieger sitzt und gespannt ist, was ihn auf der Lady erwartet. Eine Protestblockade sperrt die Straße komplett. wir stehen fünf Stunden, bevor es nach dem Dunkelwerden weitergeht. Immerhin muss ich nicht im Bus übernachten. Dann entdecke ich die kleine koloniale Stadt. Sie ist die älteste der Konquistadoren in Kolumbien. Mir gefällt sie besser als Cartagena. Ich buche meine Wanderung: vier Tage durch den Dschungel, am drittel sehen wir die Verlorene Stadt. Ich bin in einer Gruppe mit einer niederländischen sechsköpfigen Familie und einem kolumbianischen Pärchen, als einzige Soloreisende. Die andere Gruppe der Agentur hat mehrere Soloreisende, aber die sind mit sich selbst beschäftigt. So finde ich wenig Kontakt und fühle ich von Anfang an ein wenig verloren. 


Aber der Weg ist toll. Meinen kleinen Rucksack merke ich kaum und die Natur rundherum ist grandios. Wir treffen immer wieder Indigene, die hier ohne Straßen und mit wenig moderner Technik in traditionellen Häusern ihr Leben leben. Wasserfälle, Schmetterlinge, Vogelkonzerte, übergroße Blätter, Lianen und Baumriesen. Der Regenwald hat viel zu bieten. Ich genieße die Wanderung in vollen Zügen. Dabei tut das Alleinsein auch nicht so weh. Aber ich bin ständig auf Habachtstellung. Wo ist meine Gruppe, wo sind die Guides? Stehenbleiben, gucken, fotografieren und genießen ist nicht vorgesehen. Also muss ich mich beeilen, mich kurz fassen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Zu schnell verschwinden die bunten T-Shirts in dem dichten Grün. Und dann passiert es doch. Zum Glück ist ein Teil der Gruppe hinter mir. Ich warte an der nächsten Weggabelung. Sekunden werden zu Minuten und dann sehe ich endlich die ersten bunten Punkte zwischen den vielen Blättern. Abends vor dem Besuch der Ciudad Perdida erzählt unsere Reiseführerin die Geschichte dazu. Das erfahre ich erst zufällig am nächsten Tag. Man hat einfach vergessen mir Bescheid zu sagen oder mich zu holen.


Die verlorene Stadt ist interessant, aber das besondere ist, dass auch hier noch immer Nachfahren der einstigen Stadtbewohner leben. Das habe ich so noch nicht erlebt. Stell dir vor, aus den ägyptischen Pyramiden kommen plötzlich Leute in traditioneller Kleidung und gehen ihren Tagewerk nach. Das hier ist einmalig. Vor ein paar Jahren wurden 70 000 Indigene auf der Sierra Nevada gezählt. Vor der Conquista sollen es etwa 10 000 gewesen sein. 


Da ich die einzige in der Gruppe bin, die vier Tage gebucht hat, muss ich meine Gruppe am letzten Tag verlassen. Ich laufe allein mit Maria, der Übersetzerin zurück. Die andere Gruppe der Agentur scheint ebenso den Rückweg anzutreten. Warum gehe ich nicht mit ihnen mit? Der Rückweg wird hart, wenige kurze Pausen, in der zweiten Hälfte gar keine mehr. Immer wieder werden wir überholt und immer wieder denke ich, nun sind wir aber die letzten. Maria macht Druck. Wir dürfen nicht zu spät kommen, da der Regen die Flüsse anschwellen lässt und wir dann nicht mehr zurück nach Santa Marta kommen. Ich gehe schnell, was sich bald rächt. Etwas langsamer komme ich wenigstens an. 


Statt Applaus von all den anderen erwartet mich gähnende Leere im Restaurant, wo es Mittag geben soll. Ein Jeep steht noch da. Der wartet wohl nur auf mich. Ich bin zu spät, ich war zu langsam. Alle anderen sind wohl schon über alle Berge, durch die anschwellenden Flüsse, Richtung Santa Marta unterwegs. Ich soll hier essen und dann würden wir erst fahren. Mein Vorschlag , dass wir auch gleich fahren könnten, wird nicht angenommen. Nein nein, ich soll erst essen. Ich gehe auf die Toilette, wasche meine Hände und als ich zurück komme, fährt der letzte Jeep gerade los. Maria ist weg, das Auto ist samt dem Fahrer weg und ich habe mir nicht einmal seinen Namen sagen lassen. Ich frage in der Küche nach meinem Guide. Sie wäre nun schon bei der anderen Gruppe. Ich bin allein, mein Hals wird immer enger, ich bekomme immer weniger Luft, kann kaum noch denken, nicht mehr sprechen, an essen ist gar nicht zu denken. Nun werde ich bis morgen Mittag auf die nächsten Autos warten müssen. Und dafür all die Anstrengung, knapp 20 km hoch und runter, durch den Matsch mit fast keinen Pausen in sechseinhalb Stunden. Das hätte ich mir sparen können. Die Tränen rollen, ich schluchse und schäme mich auch noch, dass sich eine erwachsene Frau so gehen lässt.


Eine halbe Stunde später kommt der Fahrer mit seinem Jeep wieder, ich springe auf und will sofort einsteigen, aber er schüttelt den Kopf. Noch eine halbe Stunde später darf ich mich reinsetzen und es geht los. 100 Meter weiter sehe ich dann all die anderen Wanderer aus anderen Restaurants kommen und in andere Jeeps einsteigen. Sie sind alle noch da. Ich war gar nicht zu spät. Meine Angst, dieses überwältigende Gefühl, allein gelassen zu werden, mein emotionaler Zusammenbruch waren völlig unnötig. 

Warum wurde ich dort in dem Restaurant ganz allein gelassen? Warum sollte ich allein essen, wenn doch alle anderen zusammen etwas weiter beim Mittagessen sitzen? Wer isst und ist denn gern allein, wenn er oder sie nicht muss? Ich weiß es nicht und bekomme auch keine Antworten, auch am nächsten Tag in der Agentur nicht.


Obwohl meine Waden und Hüften heftig schmerzen, wiegen die seelischen Wunden dieser Wanderung deutlich schwerer. Ich brauche ein paar Tage bis sie heilen und ich mich wieder an die schönen Dinge erinnern kann. Zwei Tage später holt mich Stefan auf Aruba am Flughafen ab. Ich bin wieder Zuhause und nicht mehr allein.


Uhrenturm und Stadtmauer in Cartagena


hübsche koloniale Hafenstadt…


…mit Cafés, Restaurants und Hotels


nordisch meets columbiano


Foto für ein Trinkgeld


Sogar die Iguanas sind bunt.

Alle drei Arten auf einem Bild.

Tukan gelb


Tukan weiß

kolumbianisch bunter Geiervogel, König der Hühner

Der Azulejo heißt wie die Fliese in Lissabon.

wunderschöne Harpie

Aruco, großer Hühnervogel mit Antenne

Der Hornrabe hat echte Wimpern.

einfach schön, der Kronenkranich

Santa Marta, das Haus der 14 Fenster

Strandleben am Sonntag

Sonnenuntergang mit Abschiedsdrink

Zum Ausgangspunkt der Wanderung geht es eine Stunde
mit dem Jeep durch den Regenwald.

Die Strecke stark vereinfacht an die Wand gemalt.

Ich genieße die Wanderung und die Natur um mich herum.

alleinstehendes Gehöft am Wanderweg


Dorf mit 40 Häusern

Versammlung im Dorf

Wohnhäuser auf den Terrassen der Ciudad Perdida


Kind auf den Terrassen in der Ciudad Perdida


JWD, janz weit draußen = far far away

Am Ziel, im Hintergrund wahrscheinlich die Tempelterrassen.


68,3 km, 2000 Höhenmeter und genau so viele wieder runter,
durch Schlamm und Flüsse, über Stock und Stein,
ohne Geländer und doch geschafft







Dienstag, 25. Oktober 2022

Peru - Auf den Spuren der Inka Teil 3

Nun rücken wir aber den Inka auf den Pelz. Von Puno gehts nach Norden in die Inkahauptstadt Cusco. Auf dem Weg liegen die Regenbogenberge (Las Montañas Colores), mehr bekannt als Rainbow Mountains. Aus den Wasserratten werden nun endgültig Bergziegen, denn wir wandern auf einem Bergrücken fast 5000 m über Null und steigen dazu über 300 Höhenmeter, ohne Sauerstoffmaske. Ich habe keine Probleme. Stefan muss bewusst und gleichmäßig einatmen, dann geht es auch ihm gut. Nie hätten wir gedacht, dass wir diese Höhe ohne Einschränkungen so gut aushalten. Wir sind stolz auf uns und genießen die einzigartigen Farben dieser Berge. Die Straßen dorthin ist wieder einmal eine Zumutung, aber was Kleinbusse schaffen, schafft auch unser alter Toyota. Bei Gegenverkehr wird es sehr eng, aber unterwegs schauen uns die Alpakas und Lamas ins Fenster und ich kann jeder Zeit anhalten um ihnen beim Kauen der Grashalme zuzuschauen und zum tausendsten Mal: „Ach wie süß!“ zu rufen. Stefan hat sich schon lange anstecken lassen und so schwelgen wir beide im Alpakahimmel, wortwörtlich in Wolken aus Wolle.

Cusco ist noch einmal ein Level touristischer als Arequipa. Die Straßen der alten Stadt sind so eng, dass oft nur ein Auto hindurch passt. Überall hupt es, Fußgänger quetschen sich durch die Blechlawinen. Straßenverkäufer nutzen jeden freien Platz. Es ist der städtische Wahnsinn einer historischen Stadt in der Gegenwart. In einer der Gassen laufen uns die Segler Annette und Michel über den Weg, einfach so, ganz unerwartet. Auf dem Berg neben dem Hauptplatz, oberhalb der spanischen Kathedralen finden wir dann eine echte Inkafestung und bewundern die schweren hohen, fast nahtlos zusammengesetzten Mauern. Die inzwischen gut trainieren Bergziegen schaffen den Berg zu Fuß.


Peruanische Frauen in traditioneller Kleidung mit Alpakajungen und Lämmern lassen sich für ein Trinkgeld fotografieren. Ich halte die lebendigen Wollknäule mit ihren zarten Nasen in meinen Armen und würde sie am liebsten mitnehmen. „50 Dollar und im Flugzeug so unter die Jacke stecken.“, zeigt mit die humorvolle Indigene. Einen Tag taumeln wir im Touristentrubel, dann gehts ins Heilige Tal. Dort finden sich weitere Zeugnisse der Inka. Pisaq, Ollantaytambo und Machu Picchu sind die Highlights. Aber auch die Salzterrassen und das Agrarforschungslabor Moray sind sehr sehenswert. Pisaq beeindruckt uns besonders. In Ollantaytambo finden wir eine fast ursprüngliche Inkastadt. Der Ort ist sehr interessant, erstickt jedoch im täglichen Touristenchaos der Kleinbusse und Souvenirverkäufer. Die Abgase verpesten die Luft dermaßen, dass ich freiwillig meine Maske trage und der Lärm erstickt jedes Wort. Machu Picchu klemmt nicht nur zwischen Bergen wie Eckzähne. Der Ort wird von Touristen und Regularien gleichermaßen erdrückt. Die schlappen 2400 m über Null machen uns keine Probleme mehr. Die insgesamt 600 Höhenmeter von Agua Caliente im Tal zur Inkastadt auf dem Berg nehmen wir in 70 Minuten. Der Ausgangspunkt aller Machu Picchu Besucher am Urubamba ist nur mit dem Zug zu erreichen. Autos gibt es hier nicht. Der gesamte Ort ist ein einziger Markt aus Souvenirständen, Läden, Hotels, Restaurants und Cafés.


Die Rückfahrt über die Anden nach Lima wird noch einmal eine Zusammenfassung unserer gesamten Reise: Berge, Gletschergipfel, Vicuñas, Lamas und riesige Alpakaherden, stille Seen auf der Hochebene, einsame Orte und brodelnde Städte im lärmenden Verkehrschaos, unzählige Laster auf Serpentinenstraßen, die sich steile Hänge hinauf und hinunter schlängeln, Baustellen, an denen wir stundenlang warten, Erdrutsche, die Straßen unter sich begraben, Felsbrocken, die wie Styropor durch die Luft fliegen… 

Es ist zu viel für unseren Block. Ich werde mich wieder hinsetzen und ein Buch schreiben müssen. Vorerst müssen der Post, unsere Bilder und die Filme reichen.


Video: https://youtu.be/u9VU_2jjJK8


Abseits von Touristenpfaden…


…eine vom Steinschlag zerstörte Nekropole

für bezahlte Fotos herausgeputzt

Bosque de Piedras, Wald der Steine auf 5000 m

Montañas Colores, Rainbow Mountains, Regenbogenberge

viele Schichten unterschiedlicher Mineralien

Mutter Natur schwang den Pinsel

Gletscherkamm mit Gipfel Auzangate 6384 m am Horizont

Cusco Hauptstadt der Inka

wenige Eingangstore …

…in beeindruckenden Mauern…

…aus riesigen Felsquadern

Fotos für Bezahlung

Blick auf die Terrassen von Pisaq im Heiligen Tal der Inka

Tempelquartier Pisaq auf einem Bergrücken 

Salinen von Maras im Heiligen Tal der Inka

Ollantaytambo, besterhaltene Inkastadt

Festung von Ollantaytambo

Straßenszene in Ollantaytambo

während des Webens noch den Korb auf dem Kopf

Moray: Agrarforschungsstation der Inka

Lamas mit Besitzerin

Ich kann nicht widerstehen.

Lämmerliebe, guckt euch die Ohrringe aus Wolle an.

600 hm in 70 Minuten, die Berziegen grüßen 

Machu Picchu: ein Zufluchtsort der Inka zwischen spitzen Bergen