Sonntag, 18. Juni 2023

Heimatbesuch

Warum segelt man Wochen, Monate und Jahre auf die andere Seite der Welt, um dann zurück zu fliegen? Weil wir unsere Familie nicht mitgenommen haben und Stefans Vater seinen 80. Geburtstag feiert. Nach vielem Hin-und Her entschließen wir uns, diesen Flug auf uns zu nehmen. So alt muss man erst einmal werden und man weiß nie was kommt. Also planen wir einen Heimatbesuch vom anderen Ende der Welt. Ein Fahrstuhl durch den Erdkern wäre toll oder die Möglichkeit des Beamens. All das gibt es jedoch bisher nur in Phantasiegeschichten. In der Realität heißt es fliegen, von Papeete auf Tahiti über Los Angeles zum Auftanken und für den Crewwechsel, bis Paris, dann umsteigen, um nach München zu kommen. Dort holen uns Belinda und Alex ab. Nach einer knappen Stunde im Auto sind wir da und hatten eine Gesamtreisezeit von 28 Stunden. Tatsächlich sind jedoch zwei Tage vergangen, da wir der Sonne entgegen flogen. Ich sehe aus aus wie ein Pandabär, bin hundemüde und doch so glücklich.

Niederhornbach liegt nördlich von München und etwas südlich zwischen Landshut und Regensburg. Dort genießen wir eine ganze Woche mit unserem Tochterherz und ihrem Freund. Belinda sorgte für ein königliches Frühstück und uns wird der Luxus in Deutschland obgleich unserer müden Augen mal wieder deutlich bewusst. Im Supermarkt und in den Restaurants kommt uns, trotz Inflation und Preiserhöhungen, alles so unsagbar preiswert vor. Wie Einstein es schon sagte, alles ist relativ. Belinda hat sich frei genommen und zeigt uns neue Facetten von Niederbayern. Ein schönes Land mit kleinen Feldern, deren Ränder ungemäht vielen Tieren Lebensraum bieten, Wäldern, Seen, Flüssen, tief eingeschnittenen Felstälern… Überall zwitschert es. Wie hat mir das gefehlt! Das ist der Frühling mit warmer Sonne, die hier willkommen ins Gesicht scheinen darf und einer kühlen Brise, die uns verwöhnte Barfußroutensegler frösteln lässt. Morgens sauge ich inbrünstig die kalte saubere Luft der Nacht ein. Man kann den Winter noch riechen. Ich hatte vergessen, wie schön das ist. 


Mit der Bahn gehts nachts nach Rostock. Die Fahrt beginnt sofort mit Verwirrung, Schienenersatzverkehr, Verspätung und Ärger. Der legt sich, als wir herausbekommen, dass unser Anschlusszug von Regensburg nach Rostock später fährt und wir insgesamt pünktlich ankommen. Ich hatte schon Panik, dass wir eine Nacht auf dem Bahnhof verbringen müssen. Emails zur Information kann die Deutsche Bahn noch nicht schreiben. Na was soll’s, das lernen sie vielleicht noch. Wir haben 1. Klasse gebucht und wundern uns über die S-Bahn-Wagen als der Zug einfährt. Man kann nicht einmal die Lehnen der Sitze zurückstellen. Jeder Platz ist besetzt. Alle versuchen mehr oder weniger zu schlafen. Eine Bushaltestelle wäre nicht unbequemer. Erst als ich beim Gang zur Toilette die 2. Klasse durchquere, wird mir unser Komfortplatz bewusst. Ich muss sogar über Körper steigen, die auf der Treppe schlafen und fühle mich in DDR-Zeiten zurück versetzt. Immerhin gibt es Kaffeemaschinen an Bord und sie funktionieren. So können wir unsere Lebensgeister kurz vor Ankunft etwas beleben. 


Wir dürfen alle Nächte bei meiner Schwester schlafen und bekommen dadurch viel Zeit mit ihr und ihrer Familie. Mutti wohnt nun auch in Rostock, ich muss nur einmal über die Kröpi entlang laufen. Sie scheint mindestens 15 Jahre jünger und lebt sich erstaunlich schnell ins Großstadtleben ein. Was für eine Freude, in ihre leuchtenden Augen zu sehen! Wir besuchen Stefans Eltern, essen mit Maxe und Hannah, treffen uns mit Freunden und verbringen einen ganzen Tag in Kühlungsborn. Ein paar Arztbesuche stehen auch auf der Liste und im Gesundheitsamt erneuern wir unsere Impfungen. Jeder Tag ist gut gefüllt, die Zeit vergeht wie im Fluge. Der 80. Geburtstag wird groß gefeiert. Am 74. Geburtstag meiner Muddi fahren wir zu den Wölfen nach Güstrow und essen abends griechisch beim Inder (Insider). Während ich für ein langes Wochenende nach Hamburg fahre, meine liebste Freundin Anne besuche, mal wieder ein Frauenwochenende miterleben darf und den Textchef der Yacht persönlich kennen lernen darf, seilt sich Stefan ab, um mit seinen Memoiren zu beginnen. Zum Abschluss haben wir noch einen Radioauftritt bei LOHRO. Gerhard lud uns ein. Wir lernten ihn und seine Frau auf den Galapagosinseln kennen.


Dann müssen wir packen. Drei schwere Koffer mit Ersatzteilen für die Lady, glutenfreiem Mehl, Joghurtstarter, neuen Lesebrillen und einigen anderen Luxusartikeln, die es in der Südsee nicht gibt. 0.00 Uhr holt uns das Taxi ab und bringt uns zum Flixbus. 48 Stunden dauert die Reise zurück, dieses Mal mit der Sonne. Der Tag beginnt in Berlin und endet erst 23 Stunden später in Los Angeles. Morgens um 5:30 Uhr empfängt uns eine tahitianische Band mit fröhlichen Liedern am Flughafen. Habt ihr das schon einmal in Deutschland erlebt? Mit unserer Lady ist grundsätzlich alles in Ordnung, aber sie ist schwarz vom Verkehrsdreck der einzigen Stadt Französisch Polynesiens. Bevor wir die Taschen an Bord holen, müssen wir Cockpit und Deck duschen, um den Dreck nicht überall im Boot zu verteilen. Den ersten Kaffee gibt es zwei Stunden danach. Wir sind zu Hause, aus der Heimat zurück, aber zu Hause. Unsere Familie und Freunde habe ich dieses Mal einfach eingepackt und im Salon an die Wand geklebt.


Mit Belinda in Landshut Eis essen 🥰

Stallbesuch, Arabella und Belinda

Pfingstausflug nach Regensburg

Essen im Schweinswirt

Das ist Pepe...

Pfingstausflug zum Falkenhof

Familienzuwachs Alex

nachts mit der Deutschen Bahn unterwegs

Essen und Erzählen, da wird es schon mal spät.

ein neues Kleid aus farbenfrohem Tahitistoff

In Kühlungsborn haben wir schließlich 18 km in den Beinen.

einfach Freunde

Jam-Session im Stadthafen

80. Geburtstag mit Torte, Sekt ...

Bowling und Abendessen

Familienzuwachs Hannah und Angkana

Einfach Freundinnen und im Herzen Schwestern

mein Lieblingsbild mit Muddi und Schwesterherz

einfach Familie

Frauenwochenende in Hamburg

74. Geburtstag mit Bären,

Wildkatze und

Wölfen.

Familienzuwachs Lilly und Clara

Hier muss der Gepäckwagen helfen.


wieder zu Hause

Familie und Freunde habe ich eingepackt.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Tuamotus - Türkisfarbene Perlen im Ozean

Auf einer Weltkarte sind sie nicht zu entdecken. Ich muss lange zoomen, um etwas zu erkennen und dann tauchen sie langsam auf. Viele Riffringe, die eine Lagune in ihrer Mitte bilden. Nur wenig guckt aus dem Wasser. Man nennt sie Atolle und es gibt sie nur in der Südsee. Als wir uns am 08. April 2023 mit dem Boot Raroia nähern, entdecken wir die Inselchen auch erst spät. Wie die Köpfe von badenden Riesen gucken die aus dem Wasser. Die sperrigen, steifen, nach oben stehenden Haare sind die Palmen auf den Sandhäufchen. Ansonsten ist da nur Wasser. Die Einfahrten ins Atoll findet der Segler nur mit Hilfe einer genauen Karte. Meist sind sie sehr schmal und immer strömt das Wasser hinein oder hinaus. Am besten ist es, man fährt mit einlaufendem Wasser hinein und mit auslaufendem Wasser hinaus, vorausgesetzt der Wind steht nicht dagegen. Aber dazu muss man die Tidenzeiten kennen und die sind schwer zu kriegen. Wenn es welche gibt, sind sie sehr ungenau und auf jedem Atoll sind es andere. Nicht so einfach und doch lohnt sich der Besuch.

Unsere erste Passage ins Raroia-Atoll machen wir mit vier Knoten Gegenstrom. Die Flaute und der leistungsstarke Motor erleichtern uns die Einfahrt. Rechts und links brodelt das Wasser wie in einem Wildwasserfluss. Da stellen sich uns selbst nach fünf Segeljahren die Nackenhaare auf. Dann müssen wir einmal durch die Lagune. Im Luftbild leuchten die dichtgesäten Korallenköpfe wie ein Sternenhimmel. Dunkelblau ist sehr tiefes Wasser. Flach zeigt sich hellblau bis weiß. Vorsichtig tasten wir uns die sieben Kilometer im Slalom durch die Lagune zum Außenriff. Dort lockt das klare Wasser. 

Haie kommen gucken und wir gewöhnen uns langsam daran, trotzdem ins Wasser zu gehen. Sie sind ständig in Bewegung und so neugierig. Still kreisen die Jäger um uns herum. Solange sie nicht länger sind als wir, ist es auszuhalten. Oft sehen wir sie erst, wenn sie uns von hinten überholen. Man hört sie nicht kommen. Diese Tiere sind plötzlich da. Die Koralleninseln im weißen Sand, sind kunstvolle Landschaften aus den unterschiedlichsten Arten. In ihnen stecken fest verankert dicke wellenförmige Muscheln, deren Fleisch intensiv braun, blau oder grün leuchtet. Ein zartes weißes Muster schillert im Sonnenlicht. Drum herum schwimmen viele bunte Fische, ganze Schwärme. Wenn wir kommen verschwinden, sie synchron in den Korallenspalten. Dicke Barsche und gesprenkelte Muränen verstecken sich in den Höhlen der Fundamente. Wir sind so beeindruckt, das fast Schwimmhäute zwischen unseren aufgeweichten Fingern wachsen. 

Nach Raioira entdecken wir Makemo und im Tahanea-Atoll schnorcheln wir zum ersten Mal in der Passströmung, natürlich bei einlaufendem Wasser. Das Dingi ist an mir festgebunden und so treiben wir über einen dichten bunten Korallenteppich in und über dem die Fischchen genauso wohnen wie die großen Räuber. Es ist das beste Aquarium, das ich bisher sehen darf und wir sind mittendrin. Als Treibgut finden uns die Wasserbewohner auch weniger beängstigend und kommen auch mal gucken. Inzwischen haben wir uns an die Haie gewöhnt und freuen uns, wenn es mal ein paar mehr sind. 

Wir lassen die Drohne fliegen und bekommen einen ganz neuen Blickwinkel auf die Atolle. Wir kiten und wingfoilen. Auf Fakarava unterschätzen wir die Strömung und legen ein Überlebenstraining mit dem Dingi ein. Bis dahin dachte ich, wenn man quer zur Strömung schwimmt, kommt man heraus. Das stimmt jedoch nur bis zu einer gewissen Stärke. Mein Respekt und die damit verbundene Vorsicht sind an diesem Tag enorm gewachsen. Letztendlich haben wir dazu gelernt und sind nun noch vorsichtiger. Leider müssen wir unseren Aufenthalt in den Tuamotus abkürzen. Ein Sturm kündigt sich an, danach folgt immer eine hohe Welle und wahrscheinlich auch Flaute. Wir müssen los, um in Tahiti einen Marinaplatz zu bekommen. In zwei Wochen geht unser Flieger nach Deutschland. Das nächste Wetterfenster wäre dann aller Wahrscheinlichkeit nach zu spät.

Raroia, neuer Blickwinkel aus der Vogelperspektive

 

Raroia, unser erstes Atoll, Lagunenankern am Außenriff

 

mein Aquarium im Vorgarten

Tabackfalterfische und ein Kaiserfisch

Stefan schwimmt auch mit Begeisterung in meinem Aquarium.

Mantabesuch

Ein Ententeich ist gar nichts dagegen.

Korallenkopf mit Muscheln

Wie die geschminkten Lippen von Madame...

Besuch beim Perlenzüchter

Makemo, ankern am Innenriff



Makemo, erste Drohnenaufnahmen vom Kiten

Makemo, ankern zwischen Korallenköpfen

Tahanea Richtung Süden

Tahanea, durch diesen Pass sind wir ins Atoll gesegelt.


 
Stefan mit Schwarzspitzenriffhai

Grauer Riffhai

Wimpelfisch 

Muräne 

Rifflandschaft mit großen und kleinen Fischen am Südpass

ganz schön groß und neugierig


Da kommt eine ganze Gang.

Weißspitzenriffhai 

Mittwoch, 5. April 2023

Kahoa (Guten Tag) Marquesas - Mave Mai (Willkommen)

Wir sind in der Südsee! Das östlichste Archipel ist noch relativ jung und guckt mit über 1000 Meter hohen Vulkanbergen aus dem Meer. Uns erinnert es an die Azoren, nur sind sie noch rauer und doch viel grüner. Obwohl die Einwohner klagen, es wäre schon viel zu lange viel zu trocken, quellen die Täler über von Palmen und Obstbäumen. Der französische Einfluss ist deutlich zu spüren, spätestens im Supermarkt kann man ihn nicht mehr übersehen. Baguettes, Brioches, Brie und Apfelmus mit Aprikose sind überall zu bekommen. Obst, Gemüse, sogar Fleisch und Butter gibt es in Dosen. Die Grundstücke sind sauber und gepflegt, ja liebevoll geharkt und zeigen eine Liebe zu farbenprächtigen Blüten. Erstaunlich wenig Müll liegt in der Gegend herum. Wir fühlen uns sofort wohl. Die französische Sprache bereitet uns Schwierigkeiten. Kaum einer spricht englisch, deutsch schon gar nicht. Also lerne ich fleißig und übe mich tapfer in der Konversation mit den Insulanern. Die verstehen mich viel besser als waschechte Franzosen, zeigen mehr Kreativität im Verstehen, auch wenn die Aussprache nicht stimmt und mit deutschem oder spanischen Akzent einher kommt. Wir werden überall überaus freundlich begrüßt und erste marquesianische Wörter bringt man uns gern bei.

Sechs Inseln sind bewohnt. An allen ankern wir. Besonders gefallen uns Tahuata und Fatu Hiva. Wir schwimmen mit riesigen Mantas, die vor unserer Nase ihre eleganten Saltos vorführen. Delfine und Pilotwale besuchen uns nicht nur beim Segeln, sondern auch in der Ankerbucht. Neben bunten Fischen entdecke ich beim Schnorcheln gleich mehrere Oktopusse. Zwei Füßeln sogar. Die lokalen Boote haben hier Ausleger dran, egal ob es die traditionellen Ruderboote sind oder etwas größere mit Außenbordmotor. Das gibt mehr Stabilität in den Wellen. In den Tälern wächst das Obst im Überfluss. Mangos und Kokosnüsse so viel, dass sie auf dem Boden verrotten und der gärende Geruch zum Alltag gehört. Großzügig werden wir beschenkt oder tauschen es mit T-Shirts, Angelzeug oder Kosmetika. Die legendären Ziegengerichte der Marquesas sind wahrscheinlich wirklich die besten der Welt. So zart und geschmackvoll hatten wir die Tiere noch nie auf dem Teller. Hier laufen nicht nur Ziegen, Hühner und Schweine frei herum, sondern auch Pferde. Ganze Herden sind selbständig auf den Inseln unterwegs. Zeugnisse der indigenen Kultur sind rar gesägt, aber wir finden sie. Besonders eindrucksvoll ist die Schnitzkunst. Außerdem sind fast alle Insulaner mehr oder weniger mit marquesischen Mustern tätowiert. Sie sind dem kollektiven Gedächtnis nur erhalten geblieben, weil ein Deutscher sie rechtzeitig erforschte und festhielt. Die Tätowierungen haben alle ihre Bedeutung für Kraft, Gesundheit, Erfolg, aber insbesondere stehen sie für Familienmitglieder: Ehepartner, Kinder, Ahnen. Die fremde Kultur ist spannend. Leider sind alle Museen geschlossen. Sie werden nur für das Lieferschiff, welches auch als Kreuzfahrtschiff fungiert geöffnet. Ganz zum Schluss haben wir das Glück, mit ihm zusammen zu treffen. So können wir die traditionellen Tänze einmal live erleben. Sie sollen in allen polynesischen Inselgruppen sehr unterschiedlich sein.

Die Marquesas sind eindrucksvoll. Viele Vulkankerne gucken erodiert und nackt aus der Landschaft heraus. Wie Schlösser oder Festungen thronen sie auf den Gebirgszügen. Auf Ua Pou sehen sie wie riesige Reißzähne aus. Oft enden die Täler an senkrechten Felswänden, mehrere hundert Meter hoch. Das Regenwasser sammelt sich hier normalerweise zu eindrucksvollen Wasserfällen. Aufgrund der langen Trockenheit tropft es teilweise nur noch. Wir decken uns hier mit Früchten ein, aktivieren sogar unseren dritten Kühlschrank und stellen ihn erstmalig auf Frieren ein, denn auf den Tuamotus soll es nur noch Kokosnüsse und Hühner geben. Das bringt unsere Batterien jedoch an ihre Belastungsgrenze. Hoffentlich halten sie bis Asien durch, dort können wir wahrscheinlich neue kaufen.

PS: Mein neuer Mac Air hat nach nur drei Monaten den Geist aufgegeben. 🤪😩
Nun muss ich mich irgendwie behelfen. Alles klappt nicht. Hoffentlich können sie ihn in D schnell genug reparieren. 


Nuku Hiva, uraltes Schloss aus Lava gegossen

gleich noch eins 









Dienstag, 28. Februar 2023

Unendliche Weiten - Das erste Pazifikcrossing

Nun sind wir im Pazifik. Nach den Las Perlas im Golf von Panama geht es weiter nach Westen, genauer gesagt nach Südwesten. In 1000 Seemeilen würden wir die Galapagos-Inseln erreichen. Diese haben sich jedoch ein so aufwendiges und kostspieliges Prozedere für Einreise und Aufenthalt überlegt, dass die meisten Segler daran vorbei fahren. Wir haben uns die spektakuläre Tierwelt dieses Archipels bereits vorher angeschaut, ein Flugzeug von Ecuador genommen und uns auf einem lokalen Schiff herumfahren lassen. Deshalb liegen nun knapp 4000 Seemeilen zwischen Start und Ziel, die Marquesas. Es ist das wahrscheinlich längste Crossing, das uns auf dieser Weltumsegelung erwartet. Stefan will es in drei Wochen schaffen und hat sogar ein gutes Windfenster für das erste Stück gefunden. 4 bis 5 Tage Wind für schnelles Vorankommen, dann Flaute nahe Galapagos. Danach soll der Passat zuverlässig und kräftig genug wehen.

Film: https://youtu.be/6h4vaeBqM2s


Im Golf von Panama kommen wir noch gut voran, aber bereits am zweiten Tag stimmt die Vorhersage nicht mehr. Normalerweise sollte sie für bis zu 5 Tage richtige Angaben prophezeien. Nun gut. Der Motor muss ran. Der Wind wird schon bald wieder einsetzen, hoffen wir. Aber er wird schwächer und schwächer. Kann man zwei Knoten eigentlich noch als Wind bezeichnen? Ich glaube nicht. Dafür erleben wir den Pazifik ohne Welle. Das erste Mal sehen wir einen nur ganz leicht wabernden Ozean mit glatter Wasseroberfläche. Der Motor brummt und das Leben an Bord geht ganz normal weiter, fast wie im Ankerfeld. Ich kann lesen, schreiben, kochen… und jederzeit auf die Toilette gehen. Ist das schön! Für das Vorankommen hilft es jedoch nicht. Wann immer möglich kommen die Segel zum Einsatz. Bei 3,5 Knoten Wind sind wir ohne Motor fast genauso so schnell oder besser langsam unterwegs. Die Strecke ist einfach zu weit, um ihn die ganze Zeit laufen zu lassen. Bis zu den Galapagos geht es so, wir brauchen eine Woche, statt 4-5 Tage und danach wird es nicht besser. Die Calmzone am Äquator wird ihrem Namen gerecht. Flaute! Am Abend des 9. Tages taufen wir unsere Lady zur „Flotten Makrele“, die sie ja normalerweise auch ist. Neptun bekommt auch einen Kurzen. Vielleicht stimmt ihn das gnädig und er schickt uns etwas Wind, gern ohne Welle. Der kommt jedoch erst am Tag 12. Nun geht es bewegt und zügig weiter. Endlich machen wir Strecke. Am Tag 14 feiern wir Bergfest. Das geht so bis zum 17. Tag. Dann werden wir ordentlich durchgeschaukelt, weil der Winddruck in den Segeln fehlt, die Welle jedoch noch eine ganze Weile nachläuft. An Schlaf ist nicht zu denken. 4 Tage und Nächte folgen mit wenig Wind und viel Welle. Dann wird es ruhiger und der Ochse darf zum Einsatz kommen. 7 Tage und Nächste zieht er uns verlässlich Richtung Ziel. In der vorletzten Nacht erwischen uns jedoch so kräftige Böen, dass wir uns um den leichten Schirm sorgen. Vor der letzten Nacht wird er ausgetauscht. Er hat gute Arbeit geleistet, ist heil geblieben und darf nun zurück in sein Bett. Am Morgen des 26. Tages sehen wir mit dem ersten Morgenlicht die Silhouette von Hiva Oa vor uns aufragen. Wir sind da. Es war wirklich lange, aber mit der Bucht vor der Nase, lösen sich sofort all die vielen Stunden, Tage und Wochen im Kielwasser auf.


26 Tage und 4 Stunden benötigten wir letztendlich für 3895 Seemeilen, vom Südzipfel der Las Perlas bis nach Hiva Oa in den Marquesas, der östlichsten Inselgruppe Französisch Polynesiens. Das sind immerhin 7 213, 54 km! Die Fahrt war gar nicht so schlimm, es war nur eben nur so schrecklich lange. Dieser Post muss mit der Stenovariante auskommen. Ausführlicher könnt ihr das Crossing in meiner nächsten Reisegeschichte nachlesen. Was machen wir so auf dem Boot, wenn man nicht vor die Tür gehen kann? Wie überstehen wir die langweiligen Stunden auf See? Kann man überhaupt etwas erleben? Wer besucht uns und was ist mit den unerwarteten Gästen verbunden? All das dann im nächsten Buch. Einen Film wird es natürlich auch geben.


In Hiva Oa angekommen, müssen wir erst einmal einklarieren, Internet besorgen und einkaufen. Die Kühlschränke sind schon seit einiger Zeit leer und müssen dringend aufgefüllt werden. Dann, wenn die Lady wieder sauber ist, legen wir die Füße hoch. Denn obwohl man an Bord während einer Überfahrt nicht wirklich viel zu tun hat, steckt die Zeit doch in unseren Knochen.


Immer der untergehenden Sonne hinterher.

Der Ochse zieht bei Rückenwind.
Er mag die Wellen genauso wenig wie ich.

Besuch!

Noch mehr Besuch!

Diese armen Tintenfische
werden mit der Welle an Deck gespült.

Festessen zum Bergfest:
Curryhuhn mit frischem Gemüse und Maracujacreme

Der Balloner muss ran! 
Unser kleines Leichtwindsegel am Besanmast.

Die Kühlschränke sind fast leer. Nun ist Dosenkost angesagt.
Sie wird natürlich mit Sahne und Gewürzen verfeinert.

Wenig Mond bedeutet viele Sterne.

Land in Sicht! Hiva Oa, Marquesas, Französisch Polynesien
Wir sind in der sogenannten Südsee angekommen.