Freitag, 5. August 2022

São Paulo - größte Metropole Lateinamerikas

Wir befinden uns am südlichen Wendekreis (23 Grad Süd) und merken es auch. Obwohl die Antarktis noch weit weg ist, so dicht waren wir ihr nur in Südafrika. Im August ist hier Winter. An guten Tagen zeigt das Thermometer zwar bis zu 29 Grad Celsius an, abends und nachts wird es jedoch empfindlich kühl. Die Sonne baucht am Vormittag ein Weilchen, damit ich in meinen Sommersachen und im Schatten nicht frösteln muss. 


Die Stadt gefällt mir. Im Zentrum ist es relativ sauber, die Leute begegnen uns freundlich und fröhlich. An die vielen Obdachlosen müssen wir uns erst gewöhnen, obwohl ich es in Los Angeles / USA schlimmer fand. In São Paulo wohnen 12,4 Millionen Menschen. Die Zahl kann ich kaum fassen. Sie leben in extrem unterschiedlichen Situationen. Von unglaublich reich bis bettelarm ist alles dabei und es gibt sehr viele Favelas (Slams). Die drei Bürgermeister, welche von 1986 bis 2000 im Amt waren, stehen alle vor Gericht. Einer hat 344 Millionen US-Dollar ins Ausland und für sich in Sicherheit gebracht. Was will er mit so viel Geld? Das kann man doch gar nicht ausgeben. Alle besseren Wohnhäuser sind mit dicken Mauern, Stacheldraht und doppelten Toren geschützt. Wir sehen sogar burgartige Türme mit Schießscharten in den Mauern. Vor zehn Jahren artete der Kampf gegen die Mafia in eine Art Bürgerkrieg aus.


Wir haben zwei Tage und bleiben auf touristischen Pfaden. Die sind für uns Kulturschock genug. Immerhin zeigen sich die Obdachlosen sehr zurückhaltend und so schwindet bald die Angst vor ihnen. Mein Rucksack ist zwar doppelt angeschnallt, die Wertsachen tief unten vergraben, ein altes leergeräumtes Handy und mein Portemonnaie mit 20 Dollar liegen oben drauf, aber wir erleben keine Unannehmlichkeiten. So genießen wir das Zentrum aus einem Mix von klein und hoch, alt und neu, verfallen und nagelneu. Wir sehen wunderschöne Kirchen, genießen den belebten, grünen Park und gehen mal wieder ins Museum. Ich fotografiere nicht nur Architektur, sondern auch wieder Vögel. Insgesamt stecken uns dann gute 30 Kilometer in den Beinen. Zum Glück gibt es Uber und so kommen wir nach Sonnenuntergang immer gut ins Hostel zurück.


Nach Rio de Janeiro geht es mit dem Flixbus. Wir wollen etwas vom Land sehen und fliegen ist immer ein bisschen wie beamen. Sechs Stunden sind ok, unsere Muskeln können sich erholen und die Fahrt ist außerordentlich preiswert. 


Die neugotische Kathedrale gilt als die viertgrößte der Welt.


passende Fußgängerampel am Platz

Hausstand eines Obdachlosen

Das ist mal eine Tür.
Hier in der Nähe gab es das Gold, mit dem Portugal
für eine Weile das reichste Land der Welt wurde.

Straßenszene, arme Menschen sorgen für eine saubere Stadt.

Kunst aus Urwaldbäumen

Batman Alley ist Stadtviertel und Sehenswürdigkeit

Das Abendmahl an einer Fassade

eindrucksvolles Mauergemälde eines Kirchgeländes

Ihr seht, uns geht es gut.

im Park


gestaltete Laternenpfähle






Mittwoch, 3. August 2022

Brasília - sechzigjährige Architektur und immer noch modern

Brasilien ist nicht nur der Amazonas. Vor über 100 Jahren hat man in diesem Land die Verfassung geändert und hineingeschrieben, dass es eine neue Hauptstadt geben soll. Im Zentrum des Landes entsteht sie ein halbes Jahrhundert später in nur wenigen Jahren, eine Retortenstadt, Brasília. Der Stadtplaner Lúcio Costa macht ein Kreuz und Architekt Oscar Niemeyer plant die öffentlichen Gebäude. 


Alles wurde großzügig geplant, was entsprechend weite Wege verursacht. Wandern in der Stadt! Das ist neu.  Die Citybikes sind nur mit lateinamerikanischer Steuernummer auszuleihen. Zum Glück funktioniert hier der Uber-Dienst ganz gut und Busfahren können wir auch. Fußgänger wurden nicht eingeplant, das passt nach der Charta von Athen nicht zu einer modernen Stadt. Wir überqueren die zum Teil sechsspurigen Straßen unter Einsatz unseres Lebens. 


Das müssen wir sehen, Stefan natürlich besonders. Kurz nach der Wende, während seines Architekturstudiums waren in Weimar nur schwarzweiße Dias vorhanden, um dies einzigartige Projekt den Studenten vorzustellen. Jetzt sehen wir es live, in Farbe und sechzigjährig. Trotz des Alters wird es ein Erlebnis. Auch die Vogelliebhaberin kommt auf ihre Kosten und vor der JK- Brücke tummelt sich eine Herde Capybaras, das sind die größten Meerschweinchen der Welt. Schaut selbst! Die Bilder sprechen für sich.


Überraschung an der JK-Brücke

Capybara, das größte Meerschwein der Welt (70-90 kg)

Lúcio Costa und mein Lieblingsarchitekt

Lúcio machte ein Kreuz. Ich finde, das muss er noch üben.

Die Mittelachse von Brasilia

Kirche von Oscar mit Ricarda

Genial, oder?

Don Bosco Kirche

Ein Tempel des Lichts

Diese Kirche überrascht im Keller.

Das ist mal ein Briefkasten nach meinem Geschmack.

Im Anschluss noch ein paar freiwillige Bewohner.








Sonntag, 31. Juli 2022

Abenteuer Amazonien

Die Lunge der Welt, der Amazonas mit seinem riesigen Regenwald steht auf dem Programm. Von Aruba fliegen wir über Panama nach Manaus. Einen Tag treiben wir durch die Stadt, sehen das alte Teatro Amazonas und erleben sogar eine Schwanensee-Aufführung. Dann soll es zum „Encontro das Águas“ gehen. Über viele Kilometer fließen der Rio Negro und der Amazonas nebeneinander in einem Flussbett. Dazu brauchen wir ein Boot.  So landen Stefan und ich absolut touristisch auf dem Amazonas. Die rosafarbenen Flussdelfine werden angefüttert, tropische Tiere von den Indios zum Kuscheln und Geld verdienen gehalten. Deshalb bekommen wir sie gleich am zweiten Tag zu sehen. Mit gemischten Gefühlen halte ich zwei davon sogar in meinen Händen oder Armen.

Dann ziehen wir für zwölf Tage auf ein traditionelles Amazonas-Flusschiff und schippern den Rio Negro hinauf. Im Schwarzwasser finden Moskitos keine Brutgebiete. Auf dem Fluss sind wir vor Insekten einigermaßen sicher. Von hier aus sind auch die Vögel zu sehen. Aras, Amazonen, Geier, Falken Bussarde… Den Hoatzin kannte ich noch gar nicht. Er ist ein echter Paradiesvogel. Die Delfine besuchen uns täglich, im großen Abstand zwar, aber doch sind sie immer da. Wurdest du schon vom Schnaufen der Delfine geweckt? Das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. 

Überall ist Wasser. Der Fluss hatte vor zwei Wochen seinen Höchststand. Im Überschwemmungsgebiet gucken nur noch die Scheitel der Baumkronen aus dem Wasser. Wir lernen, sie vom Festland zu unterscheiden. Der Dschungel ist so dicht, dass wir kaum Tiere sehen. Ameisen gibt es jedoch überall. Sie sind die wahren Herrscher des Urwaldes. In Vollmontur tapern wir vertrauensselig hinter Wolfgang Brög, einem berühmten deutschen Kameramann und Filmproduzenten hinterher. Er schlägt mit der Machete eine kaum wahrnehmbare Schneise in den Wald. Wir erleben den Regenwald pur. Alle größeren Tiere haben sich bereits lange in Sicherheit gebracht. Die warnenden Rufe des Waldkapitäns schallen durchs Dickicht. Spinnen und Ameisen gibt es zuhauf. Einmal entdecken wir einen Nachtfalter, eine fette Kröte und eine hübsche Landschildkröte. Die Losung eines Tapirs verrät zumindest seine Anwesenheit. Der Regenwald ist so dicht, dass wir aufpassen müssen, nicht unsere Gruppe zu verlieren. Dass wir in diesen Gewässern baden, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Aber selbst Piranhas, Anakondas und Krokodile bringen sich vor dem Menschen lieber in Sicherheit. So planschen wir täglich im undurchsichtigen schwarzen Wasser zwischen Baumkronen. 

Wahre Wildnis eben. Tiere sieht man in ihr selten und doch ist dieser Ausflug ein echtes Erlebnis.


Touristenattraktion Amazonasdelfin

https://youtu.be/JpLr5qwaqAs

so long, and thanks for all the fish…🎶

So klein, so verängstigt und Einnahmequelle für Kinder…

Der Klammerreflex funktioniert auch bei mir.

ein etwas älteres Jungtier

Indio mit Haustier

wunderschöne Indiofrau 

Indiofamilie mit Bemalung für Touristen 

Familienoberhaupt, der gesamte Stamm
hat sich auf die neue Zeit eingestellt.

Encontro da Águas

Die Aynara ist ein echtes Amazonas-Flussschiff aus Holz.

entspanntes Bordleben

Stachelpalme: Hier nicht festhalten oder abstützen!

Eine Nuss, die sich innen mit Stacheln wehrt: Piquiá

Der Schrei am „Pedra Pintada“ gleich dreifach:
Hat Munch hier seine Inspiration bekommen?

Hoatzin, ein Paradiesvogel (Foto von Wolfgang Brög)

Der Schul“bus“: Die Siedlungen sind über die Wasserstraße zu erreichen.

Alltagsszene am Dorf

Wasserfall am Río Perdido, am Verschwundenen Fluss

Freitag, 24. Juni 2022

Von Bonaire über Curaçao nach Aruba

Auf Bonaire ist kein Platz für uns. Ungeachtet der Wetterlage müssen wir Richtung Westen starten. Vor Klein Bonaire liegen Muringbojen für Tagesausflügler. Ich möchte hier unbedingt noch einmal schnorcheln. Bei so viel Welle waren wir noch nie im Wasser. Der Wind bläst heftig und wühlt im Meer. Bis Klein Curaçao ist es nicht weit. Die Lady wird ordentlich voran geschoben. Wenn die Dünung nicht so hoch und kurz wäre, könnten wir den dreistündigen Segeltörn genießen. Aber wir werden ordentlich durchgeschaukelt.

Klein Curaçao stellt sich als kleines Paradies heraus. Am Tag liegen hier zwar viele Ausflugsboote mit unzähligen Tagesgästen, aber abends und morgens sind wir fast allein. Da zelten drei Surfer am Strand, ein junger Mann mit Hund bewacht das Ausflugslokal und etliche Seeschwalben bevölkern die Insel. Früher war das kleine Eiland von all dem Seevogeldung ein paar Meter höher. Der Abbau im letzten Jahrhundert vertrieb die einstigen gefiederten Bewohner, die sich nun wieder ansiedeln und auf dieser flachen Scholle nisten. Auf unserer Wanderung kommen wir ihren Nestern ungewollt zu nahe. Wie Torpedos fliegen sie auf uns zu, um kurz vor dem Aufprall steil nach oben abzudrehen. 


Wir genießen das Paradies für zwei Tage, legen dann noch zwei weitere unerlaubte Stopps auf Curaçao ein, um den Tagestörn zur westlichsten ABC-Insel anzugehen. Wieder wird die Lady samt Crew ordentlich durchgeschaukelt. Nach 8 Stunden erreichen wir die südlichste Bucht von Aruba. Selbst in der Lagune schlagen Wellen an den Rumpf und bringen Gläser ins Rutschen. Einklarieren kann man nur im Hafen von Barcadera. Das nehmen wir uns für den nächsten Tag vor und ankern dann in der Lagune direkt vor Oranjestadt. 


Hier kennen wir uns aus. Vor zwei Jahren hat die Lady hier übersommert. Die ABC-Inseln liegen offiziell außerhalb des Hurrikangürtels. Den Versicherungen ist das zwar nicht südlich genug, aber diese Breitengrade gelten im Karibischen Meer als sicher. Kaum angekommen, kündigt sich jedoch ein Ausnahmehurrikan an. Er will hier durch. Na mal sehen, ob ihm das gelingt und wir ihn zu spüren bekommen. 


Video Roodberglift Aruba: https://youtu.be/7AHzsPhekBI


Kleine Scholle im Meer.
Das Wrack liegt seit den 80igern an der Küste.

trauriges Ende einer stolzen Ketsch

Angriff der Seeschwalben

Angekettet wird der grausige Pirat keinem mehr gefährlich.

Während der Inselwanderung spiele ich mit meiner Knipse.

Romantik pur !